Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

 

 

 

 

 

Benjamin Alire Saenz, Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums, DTV 2017, ISBN 978-3-423-71741-0

 

In einer wunderbaren, stellenweise poetischen Prosa erzählt der 1954 geborene Schriftsteller und Lyriker Benjamin Alire Saenz die Geschichte zweier Jungen und ihrer Freundschaft.

„Warum lächeln wir? Warum lachen wir? Warum fühlen wir uns allein? Warum sind wir traurig und verwirrt? Warum lesen wir Gedichte? Warum weinen wir, wenn wir ein Gemälde sehen? Warum ist unser Herz so in Aufruhr, wenn wir lieben? Was ist das Ding in unsere Magengrube, das wir Sehnsucht nennen?“

 

Mit diesen Fragen leitet Saenz seinen Roman ein und diese Fragen deuten schon darauf hin: es geht um männliche Pubertät, es geht um die Entwicklung der eigenen Identität und um das Erwachsenwerden.

 

Da ist der fünfzehnjährige Aristoteles Mendoza. Er wohnt in El Paso in Texas und ist mexikanischer Abstammung. Seine Mutter ist Lehrerin und sein Vater arbeitet als Briefträger. Seine Zeit als Soldat in Vietnam hat ihn verschlossen und schweigsam gemacht. Aristoteles kann ihm einfach nicht nahe kommen. Zumal es nicht nur die Geheimnisse des Vaters gibt, die er mit sich herumträgt, sondern da ist noch der verschwiegene ältere Bruder, der, als Ari vier Jahre alt war, einen Menschen getötet hat und seitdem im Gefängnis sitzt. Aris zwei erwachsene Schwestern sind schon lange aus dem Haus, und spielen für die Handlung nur eine untergeordnete Rolle.

 

Eine große und im Verlauf des Romans immer bedeutendere Rolle spielt allerdings Dante, der Ari eines Tages im Schwimmbad den am Rande des Beckens sitzenden Nichtschwimmer Ari anspricht und ihm anbietet, ihn  das Schwimmen zu lehren.

 

Er heißt Dante Quintana, ist ebenfalls mexikanischer Abstammung, wohnt mit seinen Eltern in El Paso und hat keine Geschwister. Sein Vater ist Professor für Literatur und seine Mutter arbeitet als Psychotherapeutin. Er hat eine Vorliebe für die Kunst, für Gedichte und kann extrem gut zeichnen.

 

Wie sie sich später einander gestehen, wussten Aristoteles und Dante schon in diesem ersten Augenblick im Schwimmbad, das sie Freunde werden würden und auch mehr als das.

 

Meine Rezension soll von der Handlung nichts verraten, damit der vorhandene Überraschungseffekt beim Lesen erhalten bleibt. Erwähnen und hervorheben will ich allerdings, dass ich selten einen Jugendroman gelesen habe, der so sensibel und poetisch die Identitätskrisen männlicher Jugendlicher in der Pubertät beschreibt. Selten auch bin ich Eltern begegnet, die auf eine klare und doch liebevolle und selbstkritische Weise ihre Kinder in dieser schweren Krise begleiten und dabei selbst wachsen zu wirklichen Erwachsenen.

 

An einer Stelle am Ende des Buches, als schon zwei Jahre vergangen sind seit der Szene im Schwimmbad, sagt Ari: „Manchmal liebe Eltern ihre Söhne so sehr, dass sie vergessen, wie schwer es ist, fast siebzehn zu sein. Sie glauben, mithilfe unserer Jugend können wir alles überwinden. Vielleicht vergessen sie dabei eine winzig kleine Tatsache: fast siebzehn zu sein kann brutal, schmerzvoll und verwirrend sein. Fast siebzehn zu sein kann richtig nerven.“

 

Als Vater eines Sohnes, der diese erste große Lebens- und Identitätskrise noch vor sich hat, habe ich dieses Buch mit offenem Herzen gelesen und ich kann es nicht nur empfehlen für Jugendliche ab etwa 14 Jahren, sondern besonders für Eltern von Söhnen in diesem Alter.

 

 

 

 

 

Elmar und der Ohrwurm

 

 

 

 

 

David McKee, Elmar und der Ohrwurm, Thienemann 2017, ISBN 978-3-522-45860-3

 

 

Mit dem buntkarierten Elefanten Elmar und seinem schwarz-weiß karierten Cousin Willi hat der Engländer David McKee Bilderbuchfiguren geschaffen, die nicht nur in seinem Heimatland England viele Kinder begeistern.

 

Der Thienemann Verlag hat sich in Deutschland dem kleinen Elmar angenommen und mittlerweile 28 Bilderbücher über Elmar veröffentlicht (sie sind alle noch lieferbar).

 

Die Geschichten von Elmar sind nicht nur spannend, sie sind durchweg lustig und stecken voller wichtiger Wissensinformationen für Vorschulkinder.  Im neuen Buch „Elmar und der Ohrwurm“ folgen Elmar und seine Freundin Rosa bei einem Gang durch den Urwald einem Phänomen des Ohrwurms, also einer Melodie, die einem nicht m ehr aus dem Kopf. Nachdem Rosa eine solche Melodie gesummt hat,  geht sie Elmar nicht mehr aus dem Kopf und er steckt auch andere Tiere damit an. Denen geht es genauso. Erst als Elmar vorschlägt, gemeinsam ein Geburtstagslied zu singen für irgendjemand, der heute Geburtstag feiert.

 

Und die Idee Elmars funktioniert. Er ist eben ein Schlitzohr!

 

 

Der kleine Elefant Elmar ist Bilderbuchkult.

 

 

 

Wer pupst denn da?

 

 

 

 

 

Anna Taube, Günther Jakobs, Wer pupst denn da, Coppenrath 2017, ISBN 978-3-649-62426-4

 

Als nach einem Festschmaus bei Don Arne (es gibt Chili con carne) diesem ein lauter Pups entfährt, ist das Ruth Rotkehlchen, weil so klein und reinlich eher peinlich, während Mann Maus klug erklärt, warum man von Bohnen pupsen muss und seinen Mäusefurz anpreist Das bringt wiederum die Katze zu Lachen. Sie könne es viel besser.

 

Am Ende dieses schönes witzigen und schön gereimten Bilderbuches, sucht der Bär Arne zu vermitteln. „Ein jeder pupst auf seine Weise.“

 

Wie sie das machen, können die das Buch betrachtenden Kinder selbst erfahren, indem sie auf einen Knopf drücken am Bauch des jeweiligen Tieres.

 

Dort ertönt dann der Ton bzw. das Geräusch, den oder das die genannten Tiere wirklich machen.

Die Texte von Anna Taube sind gereimt, was zusammen mit dem Hören der Tierstimmen, das Vorlesen zu einem echten Spaß macht.

 

Die Deutschen und ihre Kolonien

 

 

 

 

 

Horst Gründer (Hg.), Die Deutschen und ihre Kolonien, Bebra Verlag 2017, ISBN 978-3-89809-137-4

 

Vor über 100 Jahren besaß Deutschland ein Kolonialreich, das von Togo in Westafrika bis zu den Inseln Samoas im Pazifik reichte. Dieses Buch erzählt die Geschichte der deutschen Expansion von den Anfängen im 17. Jahrhundert bis zu ihrem Ende im Ersten Weltkrieg. Dabei geraten die politischen Hintergründe genauso in den Blick wie die praktischen Auswirkungen der deutschen Herrschaft auf die Bevölkerung vor Ort im Positiven wie im Negativen.

 

Die beiden Herausgeber Horst Gründer und Hermann Hiery verfolgen dabei einen Ansatz, der nach einem Überblick über die einzelnen Kolonien in einer geographischen Ordnung den Alltag dort in verschiedenen Kapiteln beschreibt. Ein Thema wird von einem Autor jeweils kolonieübergreifend bearbeitet. Das hilft, die Fakten im Kontext zu betrachten, und permanentes Rückblättern entfällt.

 

War der deutsche Kolonialismus ein von systemischem Rassismus geprägter Überfall auf Länder in Übersee? Spielte das Profitstreben einzelner Unternehmer die ausschlaggebende Rolle, ging es um politisches Machtkalkül, oder glaubte man wirklich an eine „zivilisatorische Mission“? Die verschiedenen Aufsätze (leider ist kein afrikanischer Historiker dabei) zeigen, dass das koloniale Abenteuer, von dem sich der populäre Theologe Friedrich Fabri 1879 „Massenauswanderung als Folge der wachsenden Bevölkerung“, Zugang zu Rohstoffen und eine offensive „deutsche Kulturmission“ versprach, auf große politische Widerstände traf.

 

 

Die Wölfe von Currumpaw

 

 

 

 

 

William Grill, Die Wölfe von Currumpaw, Nord Süd 2017, ISBN 978-3-314-10409-1

 

Schon mit seinem 2015 erschienenen Buch über den Polarforscher Shackleton war der 1990 in Falmouth geborenen Engländer William Grill für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

 

Neben anderen internationalen Preisen für sein neues Kindersachbuch, das unter dem Titel „Die Wölfe von Currumpaw“ ebenfalls bei Nord Süd in Zürich erschienen ist, wurde er für die besten 7 im September ausgezeichnet.

 

In diesem Buch entführt er seinen jungen Leser in die USA, in den Süden, nach New Mexico in das Jahr 1893.  Im Currumpaw-Tal haben die weißen Siedler immer mehr den Raum von frühen großen Wolfsrudeln eingegrenzt und sie dezimiert und zum Rückzug gezwungen. Doch nun macht ein besonderes Rudel das Tal unsicher. Ernest Thompson Seton, ein erfahrener Jäger und Naturforscher, wird beauftragt, das Rudel zu jagen und die Wölfe zu töten.

 

Die Begegnung mit dem schlauben Lobo, wie er ich ihn nennt, dem Anführer des Wolfsrudels wird das Leben Setons nachhaltig verändern. Aus dem einstigen Jäger wird später ein engagierter Naturschützer und ein Mitbegründer der amerikanischen Pfadfinderbewegung.

 

Ebenso lebendige wie klare Illustrationen, Zeichnungen von eindringlicher Schönheit und ungewöhnliche Perspektiven, beeindrucken den jungen wie den schon älteren Leser, der gebannt  des britischen Kinderbuchautors William Grill. Bewegt folgt er der auf Originaltexten Setons beruhenden Geschichte  eines um seine Liebe trauernden Wolfes und staunt darüber, wie reduziert Grill die Weiten New Mexicos, das Cowboyleben und das Verhalten der Wölfe einzufangen vermag.

 

Auf Jesu Spuren. Eine Wanderung durch Israel und Palästina

 

 

 

 

 

 

Nils Straatmann, Auf Jesu Spuren. Eine Wanderung durch Israel und Palästina, Malik 2017, ISBN 978-3-89029-479-7

 

Wandern, wo Jesus von Nazareth wandelte: Der Slampoet und Theologiestudent Nils Straatmann hat genug von der trockenen Theorie an der Uni. Gemeinsam mit seinem alten Schulfreund Sören Zehle will er den Nahen Osten kennenlernen, die Heimat von Jesus Christus.

 

Sie folgen dem Lebensweg des historischen Jesus  – vom vermeintlichen Geburtsort Bethlehem, den heute eine riesige Mauer dominiert, durch den Golan bis zum Hermon, auf dem im Winter der Skitourismus boomt.  Nicht nur durch traumhafte Landschaften führt ihr Weg, sondern auch vorbei an Minenfeldern und Panzern, Mauern, Grenzzäunen und bewaffneten Soldaten.

 

Mit unstillbarer Neugier erkundet der junge Theologe, was von den Ideen des einstigen Erlösers im Heiligen Land geblieben ist. Trifft in einem Beduinen-Camp auf Harry Potter, fährt mit einem der letzten Fischer auf den See Genezareth und wird bei einem palästinensischen Barbier als Spion verdächtigt. Dabei nähert er sich fundiert und ebenso skeptisch wie selbstironisch den drei Weltreligionen an. Räumt mit Vorurteilen und weitverbreitetem Halbwissen auf. Und erfährt bei seinen Begegnungen, dass die Fähigkeit zur Nächstenliebe eine der größten menschlichen Stärken ist.

 

Den Jesus, wie man ich sich vorstellt, hat er jedenfalls im heutigen Israel und Palästina nicht gefunden.

 

 

Degas und sein Jahrhundert

 

 

 

 

 

Werner Hofmann, Degas und sein Jahrhundert, C.H. Beck 2017, ISBN 978-3-406-56497-0

 

Werner Hofmann ist bekannter und sehr produktiver Kunsthistoriker. Sein neuestes, verlegerisch überaus gelungenes Werk beschäftigt sich mit dem Maler Edgar Degas, seinem Leben und Werk und den Künstler, von den er beeinflusst wurde, bzw. mit denen er in einem stetigen Austausch stand.

 

Nicht nur die berühmten Werke werden abgebildet und in sprachlich anspruchsvollen Essays besprochen, sondern auch andere Bilder werden behandelt.  Hofmann hält Degas nicht für einen Impressionisten, als der er immer gehandelt wurde, sondern für einen Realisten, einen „Maler der gesellschaftlichen Entfremdung“ und einen „Analytiker eines gesellschaftlichen Helldunkels“.

 

Die 230 Abbildungen sind ein ästhetischer Genuss und die manchmal schwer zugänglichen, sehr beladenen Texte erweitern den bisherigen Blick auf Degas mit vielen interessanten Aspekten.

 

 

Swiss Rebels

 

 

 

 

 

 

Karlheinz Weinberger, Swiss Rebels, Steidl 2017, ISBN 978-3-95829-380-9

 

Karlheinz Weinberger ist einer der bekanntesten Fotografen der Schweiz. In diesem Band versammelt er unter dem Titel „Swiss Rebels“ unter anderem sein bisher unbekanntes Frühwerk und seine späteren Langzeitstudien. In diesen Fotoreihen versuchte er Männer, mit denen er in platonischen und fortgrafischen Beziehungen stand, in sakralen Ritualen in Szene zu setzen.

 

Zunächst, in den frühen Jahren, sind es starke Porträts von rebellischen Jugendlichen, die später von Bildern von Rockern und Bikern abgelöst werden. Sie alle haben aber einen politischen Charakter, da sie sich den sozialen Fragen der Gesellschaft im wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit stellen.

 

Das Buch begleitet eine Ausstellung gleichen Titels, die anlässlich der „Rencontres d`Arles 2017 zum ersten Mal gezeigt wird.

Im Gehen. Gedichte

 

 

 

 

 

 

Ilse Helbich, Im Gehen. Gedichte, Droschl  2017, ISBN 978-3-99050-002-7

 

Erst 1989 hat die 1923 geborene österreichische Autorin Ilse Helbich begonnen, erste Prosastücke zu schreiben. Später ist sie mit Romanen und Erzählungen einem kleinen Publikum vor allem in der Alpenrepublik bekannt geworden. Im Jahr 2009, schon hochbetagt, hat  sie unter dem Titel „Das Haus“ ein stark autobiographisch geprägtes kleines Buch vorgelegt, in dem sie von einer Frau erzählt und ihren Erfahrungen im letzten Teil ihres Lebens und mit dem sie auch über die österreichische Grenze hinaus einem größeren Publikum bekannt wurde.

 

Die 2012  veröffentlichen „Erkundungen“ unter dem Titel „Grenzland. Zwischenland“, ebenfalls bei Droschl, der sich um die betagte Autorin sehr verdient gemacht hat, beschrieben in kurzen Notaten, aber auch einmal längeren Essays den Alltag und das Leben der über neunzigjährigen Schriftstellerin in ihrem geliebten Haus und in dem Dorf, zu dem sie seit langem selbstverständlich dazugehört. Es sind Beobachtungen von tiefer Spiritualität, wenn sie etwa vom Schreiben erzählt oder von der Langeweile.  Texte sind das, denen man die Anstrengung nicht abspürt, die das Verfassen für die Autorin bedeutet, Texte, die aufmerksam und aufrichtig ihr Leben, ihre Umwelt und die Menschen zurückhaltend beobachtend beschreiben.

 

Da ist auch von viel Schwerem die Rede, doch mit einer solchen literarischen Leichtigkeit, dass man wie schon bei „Das Haus“ bedauert, dass Ilse Helbich erst im hohen Alter mit dem Schreiben begonnen hat.

 

Nun legt Droschl eine schmalen Band mit frühen und auch späten Gedichten der mittlerweile 94- jährigen Ilse Helbich vor, die zeigen, wie schon lange, bevor sie den Mut zu ihrem ersten Prosastück hatte, Ilse Helbich ihre sensible Sprachkunst entwickelt hatte, geprägt von einer scharfen Beobachtungsgabe und einem sensiblem und immer kritischen Blick auf ihre Mitmenschen, ihren Alltag und die Welt, in der sie versucht, sich in den verschiedenen Lebensaltern zurecht zu finden.

Am 20.November 2016 schreibt sie am Ende der Gedichtsammlung: „Es ist gesagt, was zu sagen war. Das Andere, das jetzt ist, entzieht sich den Worten. Tief innen ist jetzt eine Melodie, die sich dem Nachsingen versagt.“

 

Mit der gleichen Haltung sieht sie dem Tod entgegen, wie sie es mit ihrem Leben tat.

 

 

 

 

 

In tiefen Schluchten (Hörbuch)

 

 

 

 

Anne Chaplet, In tiefen Schluchten (Hörbuch), Audio Media Verlag 2017, ISBN 978-3-95639-299-7

 

Anne Chaplet hat eine neue Krimireihe gestartet, die sie in der wilden Landschaft des Vivarais am Fuße der Cevennen spielen lässt, wo sie selbst seit vielen Jahrzehnten einen Teil ihres Lebens verbringt. Man spürt ihren Beschreibungen von Natur und Menschen ab, wie sehr sie dieses Land liebt und wie sie sich immer wieder mit ihm und seinen Bewohnern auseinandersetzt. Die sind nämlich in einer langen auf die Hugenotten zurückgehenden Tradition in ihrer Mehrheit rebellisch. Viele Aussteiger und Propheten leben dort und halten die alten Traditionen hoch. Nicht immer gleich verständlich und nachvollziehbar für Fremde, die sich dort niedergelassen haben. So wie die 42 – jährige, frisch verwitwete Tori Gordon, eine ehemalige Anwältin aus Deutschland, die sich dort niedergelassen hat und nach einer neuen Lebensaufgabe sucht.

 

Ihre Freundin Eva betreibt eine kleine Pension. Dort ist ein niederländischer Höhlenforscher abgestiegen. Nach wenigen Tagen schon ist er spurlos verschwunden und Eva ist nicht geneigt, viel zu einer Suche nach ihm beizutragen. Tori allerdings ist von der ersten Minute an beunruhigt, erst recht, nachdem der alte Didier Thibon, der ihr schon seit langem immer wieder von sagenhaften Schätzen und Schmugglerverstecken in den zahlreichen Höhlen der Umgebung erzählte, tot aufgefunden wird. Tori wird misstrauisch und macht sich in der Schluchten der wilden Landschaft auf die Suche und bringt sich dabei selber in Lebensgefahr.

 

Wie hängen die Aktivitäten des Holländers mit den Hugenotten zusammen, die in dieser Region einst Zuflucht fanden? Und was hat das alles mit der Geschichte des Dorfes zu tun? Das fragt sie sich, während sie selbst auf Rettung wartet.

 

Anne Chaplet verbindet, ähnlich wie das Martin Walker und Jean-Luc Bannalec mit ihren Krimireihen seit etlichen Jahren tun, spannende Kriminalfälle mit französischer Geschichte, hauptsächlich der dort noch weitgehend unbearbeiteten Zeit des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung. Bei Chaplet kommt in der neuen Reihe noch dazu, dass die spezielle, durch die rebellischen Hugenotten geprägte Eigenart der Menschen und Traditionen in den Cevennen beschrieben wird.

 

Ich war von der ersten Seite an in der Handlung drin, und konnte das Buch kaum aus der Hand legen, bis ich zu einem sehr überraschenden Ende gelangt war.

 

Das Hören der von der Autorin selbst gelesenen Hörbuchfassung hat mich noch viel mehr als das Lesen des Buches in eine Welt entführt, in der sich Vergangenheit und Gegenwart ganz nah sind, in eine faszinierende Natur und zu Menschen, bei deren Schilderung man spürt, dass Anne Chaplet ihnen in der eine oder anderen Weise selbst begegnet ist. Mit viel Eigensinn, Charme und Esprit macht sie ihren eigenen Krimi zu einem echten Hörerlebnis.

 

Ich freue mich auf den hoffentlich zweiten Band der Reihe.