Die Nimmtes-Nimmtes Frau

 

 

 

Kveta Pacovska, Die Nimmtes-Nimmtes Frau, minedition 2018, ISBN 978-3-86566-331-3

 

Ein sehr kunstvoll und anspruchsvoll-aufwendig gestaltetes Bilderbuch legt der Michael Neugenbauer Verlag hier vor. Der hohe Preis von 45,00 Euro erklärt sich durch die aufwendige Drucktechnik und den durch kleine Papierbrücken verbunden einzelnen Seiten. Es ist eine bibliophile Rarität und deswegen wahrscheinlich fast ausschließlich für Sammler von besonderen Bilderbüchern von Interesse.

 

Das Buch erzählt mit außergewöhnlichen Bildern die Geschichte der Nimmtes-Nimmtes- Frau. Sehr neugierig ist diese Person und oft nimmt sie sich das, was ihr gefällt. Was mag wohl in dem Haus sein? Welches der drei Tellerlein, welches der drei Löffelchen mögen wohl zu ihr passen? In welchem Bettchen liegt man wohl am besten?
Kveta Pacovska erzählt voller Erinnerungen an ihre eigene Kindheit in ihren eigenen Worten diese Geschichte einer Frau, die sich neugierig im Haus der drei Bären umsieht, während diese im Wald sich aufhalten um dort Honig zu sammeln.

 

 

Heja. Borussia Dortmund in Bildern

 

 

 

Gregor Schnittker, Heja. Borussia Dortmund in Bildern, Verlag Die Werkstatt 2018, ISBN 978-3-7307-0343-4

 

 

Borussia Dortmund hat eine lange Geschichte. Als ich selbst mit 10 Jahren 1964 begann Fußball zu spielen und schnell die Rolle des Torwarts wählte, schon da waren Hans Tilkowski, Siggi Held und Lothar Emmerich meine Idole. Obwohl meine Fußballbegeisterung in späteren Jahren etwas nachgelassen hat, ist und bleibt Borussia Dortmund so etwas wie mein Verein, obwohl ich in der Nähe Frankfurts und Darmstadts lebe.

 

Deshalb habe ich auch mit großem Interesse den vorliegenden großzügig gestalteten Bildband von Gregor Schnitker angeschaut. In sechszehn Kapiteln mit jeweils kurzen Texten erzählen die ausgewählten Bilder von der bewegten Geschichte eines begeisternden Vereins. Die meisten Bilder stammen aus der jüngsten Vergangenheit und wollen wohl die aktuellen Fans ansprechen.

 

Wer eine richtige Vereinschronik des Vereins sucht, sollte zu diesem Buch nicht greifen. Wer aber sich von wunderbaren Bildern anstecken lassen will von einer Begeisterung, die der Verein gerade wieder national und international hervorruft, der legt mit diesem Bildband absolut richtig.

Der Froschkönig oder Der eiserne Heinrich

 

 

 

 

Sybille Schenker, Der Froschkönig oder Der eiserne Heinrich, minedition 2018, ISBN 978-3-86566-318-4

 

Diese von Sybille Schenker mit eindrucksvollen Scherenschnitten und Schattenbildern illustrierte Ausgabe des bekannten Märchens vom Forschkönig ist nicht nur ein anspruchsvolles Bilderbuch für schon etwas größere Vorschulkinder, sondern auch ein wahres Sammelstück für alle bibliophilen Menschen.

Die aufwendige Herstellung rechtfertigt auch den für ein Bilderbuch hohen Preis. Einer alten Geschichte wird durch ungewöhnliche Darstellung neues Leben eingehaucht.

Wie schon in ihrem viel gelobten Bilderbuch „Hänsel und Gretel“ und dem Buch „Rotkäppchen“ schafft es Sybille Schenker durch die raffiniert gestalteten Seiten, neue Perspektiven entstehen zu lassen. Scherenschnittartige Zwischenblätter und die besondere Bildführung geben jedem Abschnitt der Geschichte seinen eigenen Charakter. Hohe Bilderbuchkunst vom Feinsten, auch für die Großen.

 

 

Alles ist möglich

 

 

Elizabeth Strout, Alles ist möglich, Luchterhand 2018, ISBN 978-3-630-87528-6

 

Das neue Buch der amerikanischen Schriftstellerin Elizabeth Strout, die spät zum Schreiben kam, aber mit ihren bisherigen Romanen auch in Deutschland sehr erfolgreich war, besteht aus einer langen  Reihe locker miteinander verbundener einzelner Geschichten. Sie porträtieren Menschen und ihr Leben in ihren Familien in der ganzen Bandbreite menschlicher Gefühle. Da geht es um Hass und Neid, um tiefe Einsamkeit und brennende Wut und immer wieder um etwas, was den Menschen erst zum Menschen macht, die Liebe zu anderen und zu sich selbst. Diese Menschen sehnen sich nach Liebe und nach Glück, trotz ihres Kummers und ihres Schmerzes, den sie regelmäßig erleben.

 

All diese Menschen, die in den jeweiligen Kapiteln im Mittelpunkt stehen, kennen sich mehr oder weniger  oder sind sogar miteinander verwandt. Sie alle leben in oder um die (fiktive) amerikanische Kleinstadt Amgash in Illinois (USA), „einem Kaff zwischen Mais- und Sojabohnenfeldern“.

Da ist zunächst Tommy, ein ehemaliger Farmer, dem vor langer Zeit sein ganzer Hof abgebrannt ist. Der vermutete Brandstifter wurde nie gefunden. Er findet einen Job als Hausmeister in der örtlichen Schule und lernt über die Zeit viele Kinder und Familien und ihre sozialen Hintergründe kennen, die in der Folge in dem Roman eine Rolle spielen. In der Sorge um andere findet er im Alter einen Sinn für sich und sein Leben.

 

Da sind die beiden Schwestern  Patty und Angelina, die ihr Leben auf verschiedene Weise meistern wollen. Oder Dottie, die eine Frühstückspension betreibt und dabei eine große Menschenkenntnis erwirbt. Leser, die Elizabeth Strouts Roman „Die Unvollkommenheit der Liebe“ gelesen haben, treffen hier wieder auf die mittlerweile in New York lebende erfolgreiche Schriftstellerin Lucy Barton, erfahren etwas über ihre schwere und armselige Kindheit und über ihre relativ erfolglose Heimkehr nach Amgash.

 

Elizabeth Strout beschreibt ihre Figuren und ihre Schicksale mit Einfühlungsvermögen und Sympathie. Wir erfahren von Liebessglück und der schrecklichen Einsamkeit im Alter, von nachbarschaftlicher Solidarität und ebenso von nachbarschaftlichem Tratsch.  Immer wieder lässt sie in ihren Figuren eine Haltung durchblicken, die wir aus früheren Romanen von ihr kennen, dass nämlich eine gewisse Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit und die Anerkennung dessen, was ist, dem Leben der Menschen einen Sinn geben können. Sie schreibt berührend über die Natur des Menschen in all seiner Verletzlichkeit und Stärke und über die unendliche Vielfältigkeit des Lebens.

 

Wie schon ihr 2010 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneter Debütroman „Mit Blick aufs Meer“ ist auch “Alles ist möglich“ ein leiser, ein sensibler Roman, dem es gelingt, hinter die Oberfläche menschlicher Schwächen und Sehnsüchte zu blicken und in ihnen durch seine Personen das zu sehen, was sie sind: Menschen, die kämpfen um ihr Leben und ihr Glück, so wie jeder andere in jeder anderen Stadt der Welt.

 

 

Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren

 

 

 

Ali Benjamin, Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren, Hanser 2018, ISBN 978-3-446-26049-8

 

In diesem außergewöhnlichen schon 2015 im englischen Original erschienenen Jugendbuch von Ali Benjamin geht es immer wieder darum was es heißt, am Leben zu sein. Die Hauptperson des Buches, die ich-erzählende Suzy Swanson, kann es nicht akzeptieren, dass Dinge einfach so geschehen.  Sie macht sich über vieles Gedanken: den Schlafrhythmus von Schnecken, die jährliche Zahl der Quallenstiche oder wie alt man ist, wenn das Herz 412 Millionen Mal geschlagen hat – gerade mal 12 Jahre.

 

Genau in diesem Alter ist Suzys beste Freundin Franny im Urlaub ertrunken. Suzy kann das einfach nicht verstehen denn Franny war eine gute Schwimmerin. Die Erklärung ihrer Mutter, dass es eben Dinge gibt im Leben die einfach so passieren überzeugt sie nicht. Sie will tiefer gehen, wirklich verstehen, was passiert ist und warum. Sie will die Ursache jenes furchtbaren Unglücks herausfinden. Als sie eines Tages mit ihrer Klasse ein Aquarium besucht, lässt sie danach der Gedanken  nicht mehr los, das Franny vielleicht von einer Qualle gestochen wurde und deshalb ertrunken ist. Sie beginnt geradezu rastlos, sich mit Quallen zu befassen und alles über sie herauszufinden.

 

Der plötzliche Tod Frannys entzieht Suzy auch die Möglichkeit ihrer Freundin wieder näher zu kommen, denn diese hatte die vorher unverbrüchliche Freundschaft kurz vor ihrem Tod auf rüde Weise beendet, weil sie von allen anerkannt werden wollte und die Stärke von Suzy nicht mehr ertragen konnte.

Weil Suzy beschlossen hat, nicht ehr zu sprechen, wird sie zu einer Therapeutin geschickt. Die zeigt Verständnis und hilft ihr langsam zu begreifen,  dass der einzige Trost manchmal ist, Dinge anzunehmen, die man nicht ändern kann.

 

Suzy, die Ali Benjamin auf einfühlsame und warmherzige, aber auch oft sehr witzige Weise ihre Geschichte erzählen lässt, ist ein starkes Mädchen, das sich nicht von ihrem Ziel und Weg abbringen lässt. Solche Menschen werden oft sowohl bewundert wie gehasst. Das ist der tiefe Sinn und Hintergrund dieses wunderbaren Buches.

 

Es ist eine ergreifende Geschichte der Selbstfindung und ein großer Blick auf unsere Existenz.

 

 

 

Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Was Heimat wirklich ausmacht

 

 

 

 

Notker Wolf, Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Was Heimat wirklich ausmacht, Bene Verlag 2018, ISBN 978-3-96340-007-0

 

Ein sehr persönliches Buch, geschrieben fast wie ein Lebensvermächtnis, legt der vielgereiste ehemalige Abtprimas Notker Wolf hier im neuen Bene-Verlag der Droemer Gruppe vor.

 

Durch seine vielen Reisen rund um die Welt weiß Notker Wolf sehr genau, wie es sich anfühlt, fremd und auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Geboren in einem kleinen Ort im Allgäu hat er in seinem langen Leben nicht nur viel Fremdes erfahren, sondern auch immer wieder die Hoffnung wachsen spüren, die er so beschreibt:

„Ich habe Hoffnung für diese Welt, weil ich weiß, wo ich hingehöre und dass es den einen gibt, der alles in seinen Händen trägt, auch wenn wir ihn nicht sehen können.“

 

Wissen wo man hingehört. Was ist das, Heimat? Was macht sie aus?  Fühlen wir uns dort heimisch, wo wir eine gemeinsame Sprache sprechen? Notker Wolf definiert für sich selbst: „Heimat – das sind für mich vor allem die Menschen, mit denen ich sie teile“.

 

In seinem persönlich gehaltenen und  lesenswerten Buch diskutiert er den Heimatbegriff aus verschiedenen Perspektiven und stellt auch die Frage nach einer immer wieder behaupteten typisch deutschen Kultur. Denn diese ist für ihn der Schlüssel im Umgang mit dem Fremden, von dem wir uns nicht abschotten können.
Nicht zuletzt wegen seiner großen Erfahrungen, die er selbst in der Fremde gemacht hat, hat er einen besonderen Blick auf die Menschen, die als Geflüchtete und Migranten zu uns nach Deutschland kommen. Für ihn steht als Christ zweifelsfrei fest, dass wir uns in Deutschland nicht abschotten können. Längst seien wir ein Land der vielen Kulturen geworden, sagt er, ein Land, in dem wir alle miteinander nach Wegen suchen müssen, um ein friedliches Zusammenleben zu gestalten. Sozusagen gemeinsam Heimat zu begründen und spürbar werden zu lassen. Doch für ihn ist ebenso zweifelsfrei klar, dass es für dieses Miteinander Grenzen gibt. Wer sie überschreitet, wer sich weigert, sie anzuerkennen und zu achten, der „muss dahin zurück, woher er kommt“.

Wo und warum fühlen wir uns geborgen und in unserem eigenen Leben zu Hause? Wie kann mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen ein gutes Leben gelingen?

 

Indem Notker Wolf diesen Fragen sehr verständlich nachgeht, lädt er seine Leser ein, ihm auf seine Erkundungsreise zum Thema Heimat zu folgen und nachzudenken darüber, wo genau seine Heimat ist und wer unverzichtbar dazugehört. Mit Sicherheit wird man fündig werden.

 

Ein empfehlenswertes, auf dem persönlichen Hintergrund des eigenen  christlichen Glaubens geschriebenes Buch.

 

 

 

 

Werte für die Medizin

 

 

Giovanni Maio, Werte für die Medizin, Kösel 2018, ISBN 978-3-466-34688-2

 

Unzählige Menschen in den Arztpraxen, bei den Physiotherapeuten, in den Alten- und Pflegeheimen und viele mehr haben tagtäglich zu tun  mit Patienten unterschiedlichen Alters und mit den unterschiedlichsten Beschwerden und Bedürfnissen. Die allermeisten Menschen haben diesen Beruf gewählt aus dem Motiv heraus, Menschen zu helfen. Sie sind menschenaffin. Sie treibt alle, meist leider unausgesprochen, eine Ethik, die sie motiviert, sich um ihre Patienten zu sorgen.

 

Das vorliegende Buch des Philosophen und Arztes Giovanni Maio will all diesen Menschen Mut machen. Es will ihnen aufzeigen, wie wertvoll und unverzichtbar ihre Tätigkeit ist. Die Entscheidungen, die sie dabei treffen, wirken sich nicht selten auf die gesamte Biografie ihrer Patienten aus. Kleider herrscht in unseren Gesundheitssystemen eine Ökonomie vor, die oft genau den Werten die die Grundlage des Heilens bilden, widerspricht.

 

Giovanni Maio konstituiert in seinem empfehlenswerten Buch so etwas wie eine neue Ethik der Fürsorge. Er plädiert daher für eine Rückbesinnung auf Werte wie Geduld, Behutsamkeit, Reflexivität und Demut, ohne die Fürsorge für den Menschen nicht möglich ist. All diese Werte, die doch für viele die Motivation waren und sind, sich für einen Heilberuf zu entscheiden drohen verloren zu gehen.

Giovannis Maios Buch ist als ein Appel zu verstehen, alle medizinischen Berufe wieder zu entschleunigen und dem Gedanken der sozialen Verantwortung wieder den deutlichen Vorrang zu geben vor der Gewinnorientierung. Dazu ist eine Rückbesinnung auf Werte wie Geduld, Behutsamkeit, Reflexivität und Demut notwendig.

 

Für alle, die täglich mit Patienten zu tun haben, wo und wie auch immer ist dieses Buch eine wichtige Orientierung und Selbstvergewisserung.

 

 

 

 

 

Spirit oft he North. Cocktails und Drinks aus Skandinavien

 

 

Selma Slabiak, Spirit oft he North. Cocktails und Drinks aus Skandinavien, teNeues 2018, ISBN 978-3-96171-154-3

 

Die aus Dänemark stammende New Yorker Star-Mixologin Selma Slabiak teilt ihren Lesern in diesem interessanten Buch nicht nur ihre besten Cocktailrezepte aus Skandinavien mit, sondern versucht mit ihnen auch die Leser zum Nachahmen einzuladen und die einfachen Freuden des Lebens gemeinsam mit Freunden und der Familie zu genießen, eine Tradition, die insbesondere in den skandinavischen Ländern eine lange Geschichte hat.

 

Ihr persönlicher und beruflicher Anspruch, für Geselligkeit und Miteinander zu sorgen, geht Hand in Hand mit ihrem innovativen Fachwissen: Wo sind die besten Zutaten zu finden und wie kommen sie vom Erzeuger direkt auf den Tisch um daraus fantasievolle Longdrink- und Cocktailrezepte für ein facettenreiches Buch zu machen?

In einem so inspirierenden wie originellen Rezeptband für unwiderstehliche nordische Cocktails kombiniert sie vertraute Aromen und ausgefallene Zutaten mit skandinavischen Traditionen und nostalgischen Geschichten aus ihrer Kindheit in Dänemark damit wir alle das Außergewöhnliche im Alltäglichen entdecken und genießen können.

 

Für Freunde der skandinavischen Kultur und ihres ganz besonderen Flairs und für Liebhaber außergewöhnlicher Cocktails und Drinks sehr zu empfehlen.

 

 

 

„Schatz, ich habe das Klo repariert“. Meisterstücke der Heimwerkerkunst

 

 

Marc Steiner, „Schatz, ich habe das Klo repariert“. Meisterstücke der Heimwerkerkunst, Riva Verlag 2018, ISBN 978.3.7423-0658-6

 

Seit 2012 betreibt Marc Steiner die Facebookseite „Pfusch am Bau“, und bringt damit seit vielen Jahren einer immer größer werdende Fangemeinde zum Lachen und Staunen. Mehr als eine Million Menschen klicken täglich seine Seite an.

 

Nachdem er unter dem Titel: „Das kannste schon machen, aber dann isses halt kacke“ eine ganze Menge Schandtaten vermeintlicher Handwerkerprofis veröffentlicht hatte (2014 ebenfalls bei Riva) legt er nun unter dem Titel „Schatz, ich habe das Klo repariert“ mit weiteren ‚Meisterstücken der Heimwerkerkunst‘ nach.

 

Von improvisierten Gerüsten über versteckte Steckdosen bis hin zu phantasievollen Befestigungstechniken bringen über einhundert Bilder den Betrachter zum Lachen.

 

Für versierte Heimwerker ein schönes kleines Mitbringsel, wenn sie dir mal wieder etwas repariert haben, was du nicht konntest.

Tatort Eden 1919

 

 

Maja Nielsen, Tatort Eden 1919, Gerstenberg 2018, ISBN 978-3-8369-5681-9

 

Erneut hat die mehrfach preisgekrönte Jugendbuchautorin Maja Nielsen ein Buch vorgelegt, das historische und aktuelle Themen in einer spannenden und unterhaltsamen Geschichte mit zwei Handlungssträngen verbindet.

 

Im ersten in der jüngsten  Gegenwart spielenden Handlungsstrang erzählt der 17-jährige Biko. Biko ist der Sohn einer ghanaischen Familie und ist im Sauerland aufgewachsen. Als er 2015 von einer renommierten Artistenschule für eine dreijährige Ausbildung überraschend angenommen wird, reist er in die große Metropole Berlin, um seine Ausbildung zu beginnen. Als er in Berlin angekommen, wird er dort für einen Flüchtling gehalten und erlebt am eigenen Leib, wie nah in diesen Zeiten Anfeindung und herzliche Anteilnahme beieinander liegen können.

 

In der Schule selbst lebt er sich schnell ein und gerät dort an einen Brief, der in einem geheimen Fach eines Requisitenkoffers steckte. Sein Dozent Monsieur Vite, dem der Koffer gehört, erklärt  Biko alle Details zum Hintergrund des Schriftstücks.

 

Aus diesen Erläuterungen ergibt sich in einer langen Erzählung von Monsieur Vite der zweite 1918 beginnende Handlungsstrang dieses Jugendbuches. Er ist vom ersten durch ein fetteres Schriftbild sofort unterscheidbar. In diesen Erzählungen  geht es um den Protagonisten Pico, der als Kriegsheimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg an seine ehemalige Dienststelle im Hotel Eden im Jahr 1918 in Berlin zurückkehrt.

Dort trifft er auf seine alte Freundin Donna, die im Untergrund der Novemberaufstände, rund um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, nach dem Ersten Weltkrieg aktiv ist. Im Laufe der Zeit wird Pico wird ebenfalls Teil des Widerstandes und versorgt, als Maulwurf unter Waldemar Pabst, seine Mitwisser mit Informationen.
Immer wieder wechselt Maja Nielsen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, wobei die letztere den größeren Teil des Buches ausmacht. Immer wieder ergeben sich daraus Parallelen, die sich am Ende auflösen.

 

Ein gelungener Versuch, Jugendliche mit der revolutionären Situation in Berlin 1918/1919 bekannt zu machen.