Grönland Coast to Coast

 

 

Stefan Glowacz, Grönland Coast to Coast, Delius Klasing 2018, ISBN 978-3-667-11422-8

 

Stefan Glowcz ist einer von Deutschlands bekanntesteten Bergsteigern und war 2018 wieder unterwegs: Nach seiner erfolgreichen  Erstbegehung des Moby Dick 1994 macht sich Stefan Glowacz ein zweites Mal nach Grönland auf, um die größte Insel der Welt von Küste zu Küste zu erkunden. Sein Ziel und seine Challenge dieses Mal: er will reisen mit einem möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck. Statt großem technischen Equipment verlässt er sich nur auf seine eigene Körperkraft.

 

Das vorliegende Buch mit faszinierenden und einzigartigen Fotografien von Thomas Ulrich, beschreibt eine Reise, die er 2018 zusammen mit seiner Frau Tanja unternommen hat. Zunächst sind sie mit einem Elektroauto von München bis Schottland gefahren und von dort aus mit einem Segelschiff über die Faroerinseln und Island bis an die Küste Grönland bis zum Attasund an Grönlands Westküste gesegelt.

 

Von dort aus nehmen die beiden ihre Leser dann mit auf eine abenteuerliche Reise zu Fuß quer durch Grönland bis zum Scorebysund an der Westküste, von wo sie wieder mit Segelschiff  nach Schottland zurückkehren.

Eigens für seine Tour durch Grönland hat er gemeinsam mit seinem Sponsor BMW eine Karbonschale entwickelt, die Kanu, Pulka und Portaledge ersetzt und auf ein Autodach passt. In diesem faszinierenden Buch kann man verfolgen wie sich diese innovative Entwicklung im Härtetest behauptet.

 

Für Menschen, die Lust haben an ungewöhnlichen Abenteuern.
 

 

 

Dietrich Bonhoeffer. Auf dem Weg zur Freiheit. Ein Porträt

 

 

Wolfgang Huber, Dietrich Bonhoeffer. Auf dem Weg zur Freiheit. Ein Porträt, C.H. Beck 2019, ISBN 978-3-406-73137-2

 

Wie kaum ein anderer Theologe des vergangenen Jahrhunderts ist es Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 auf das persönliche Geheiß Adolf Hitlers kurz vor dem Ende des Krieges noch hingerichtet wurde, der weltweit bis in die Gegenwart nicht nur verehrt und bewundert wird, sondern dessen Lebensbeispiel und dessen Theologie auf der ganzen Welt Menschen nach wie vor dazu ermutigt, konsequent zu glauben und zu handeln.

 

Es sind viele gute und auch heute noch lesenswerte Biographien über diesen mutigen Menschen erschienen und man mag sich fragen, warum es noch ein neues dickes Buch über Dietrich Bonhoeffer braucht.

 

Wolfgang Huber, selbst ein herausragender protestantischer Theologe, der sein Leben lang sich nicht gescheut hat, in seinen theologischen Werken und in seiner bischöflichen Praxis Bonhoeffers „Weg zur Freiheit“ und die Grundlagen seiner theologischen Arbeit fortzusetzen und umzusetzen, hat mit seinem neuen Buch einen anderen Weg gewählt. Er nennt seine Annäherung an Dietrich Bonhoeffer auf dem Hintergrund der Probleme und Herausforderungen seiner eigenen, also auch unserer Zeit, ein Porträt.

 

In insgesamt zwölf Kapiteln führt er seine Leser, und unter ihnen gerade die theologischen Laien an das Denken Dietrich Bonhoeffers heran. Nachdem er in den ersten beiden Kapiteln fragt, wer Bonhoeffer war und seine Entwicklung bis zum Abschluss seiner Ausbildung schildert, geht es in den folgenden Kapiteln um zentrale Themen von Bonhoeffers Leben und Theologie:

  • Die Kirche als Vorzeichen vor der Klammer
  • Billige oder teure Gnade
  • Die Bibel im Leben und in der Theologie
  • Christlicher Pazifismus
  • Widerstand mit theologischem Profil
  • Mut zur Schuld
  • Verantwortungsethik
  • Kein Ende der Religion
  • Polyphonie des Lebens
  • Was bleibt

Das Buch, das ganz ohne Anmerkungen auskommt, aber mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis aufwartet, könnte aktueller nicht sein. Denn gerade die protestantische Theologie braucht bei allem politischen und sozialen Engagement ihrer professionellen Vertreter, das Huber über Jahrzehnte in Deutschland anführte, eine tiefgreifende Erneuerung ihrer theologischen Grundlagen.

 

Dazu kann das Buch helfen und Orientierung bieten. Aber gerade für Zeitgenossen, die nicht theologisch gebildet oder „verbildet“ sind, ist das Buch eine wunderbare Einführung in das Denken und Handeln eines Menschen, der mit seinem Beispiel auch vielen heutigen Menschen, die sich mit dem Zustand der Welt nicht abfinden wollen und nicht an ihrem Glauben verzweifeln wollen ermutigt, eine wichtige und hilfreiche Lektüre.

 

 

 

Marktwirtschaft reparieren

 

 

 

Oliver Richters, Andreas Siemoneit, Marktwirtschaft reparieren, Oekom 2019, ISBN 978-3-962380-99-1

 

Dieses Buch denkt die Marktwirtschaft neu und versucht sie damit zu retten. Denn das, zu dem sich die soziale Marktwirtschaft in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, wird ihren eigentlich Sinn nicht mehr gerecht. Ursprünglich als attraktive soziale Utopie gedacht, die Idee und Praxis einer gerechten Wirtschaftsordnung, in der Kooperation ohne zentrale Steuerung möglich ist, hat sie sich in der Wirklichkeit des Kapitalismus verändert. Leistungsgerechtigkeit, die Basis der Marktwirtschaft hat sich zugunsten weniger Privilegierter verzerrt, und der Wachstumszwang im Kapitalismus ist ökologisch verheerend. Immer mehr Menschen begreifen das in den letzten Jahren und erleben es in ihrem eigenen Leben.

Wer etwa sein Einkommen Bodenspekulation oder Rohstoffverbrauch verdankt, bezieht leistungslose Einkommensanteile, und wer so mächtig ist, dass er die Politik zu seinen Gunsten beeinflussen kann, entzieht sich den regulierenden Kräften des Marktes.

 

Da sind nur einige der zahllosen Fehlentwicklungen die die Marktwirtschaft genommen hat und die das Buch  überzeugend benennt und beschreibt. Die Autoren sind überzeugte Marktwirtschaftler. Deshalb propagieren sie angesichts der derzeitigen Schwächen keine andere Wirtschaftsform, sondern sie entwickeln nachvollziehbar und auch für den Laien verständlich Alternativen und formulieren Lösungen für eine gerechte und nachhaltige Marktwirtschaft.

 

Der überzeugende Entwurf einer freiheitlichen, gerechten und nachhaltigen Utopie.

 

 

Der Sandmaler

 

 

 

 

Henning Mankell, Der Sandmaler,tb, DTV 2019, ISBN 978-3-423-21752-1

 

Zwei Jahre nach dem Tod des großen schwedischen Schriftstellers Henning Mankell veröffentlicht sein Hausverlag Zsolnay in Wien sein allererstes in Schweden 1974 schon erschienenes Buch „Der Sandmaler“. In diesem Buch verarbeitet der junge Henning Mankell die Eindrücke, die er auf seiner ersten Afrikareise machte, die ihn 1971 nach Guinea-Bissau führte, das zu diesem Zeitpunkt noch eine portugiesische Kolonie war. Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen entstand zwei Jahre später der Roman „Der Sandmaler“, in dem die Themen aller später folgenden Afrikaromane Mankells und sein späteres Engagement mit seinem Theaterprojekt in Maputo schon angelegt sind. Leider haben diese Bücher bei weitem nicht den großen Erfolg gehabt, wie seine Wallander-Romane, aber vielleicht werden sie länger gelesen werden als diese.

 

Konnte man in den beiden letzten Büchern von Henning Mankell „Treibsand“ und „Die schwedischen Gummistiefel“ den sich selbst todkrank wissenden Schriftsteller bei einer einzigartigen literarischen Bilanz seines Lebens und seiner Erfahrungen begleiten, kann der Leser von „Der Sandmaler“ Mankells erste zugegebenermaßen noch etwas unsicheren Schritte als Schriftsteller mitgehen. 23 Jahre war er damals alt und doch schon in der Lage, mittels seiner Hauptfiguren Wesentliches einzufangen von Afrika und dem Kolonialismus, das er dann später auf viel tieferem Niveau und mit immer erfahrener literarischer Kunst beschrieben hat.

 

Elisabeth und Stefan, die sich schon seit einiger Zeit kennen, treffen sich zufällig auf dem Flughafen, weil sie die gleiche Reise nach Westafrika gebucht haben. In einem Land, das ohne Namen bleibt, wollen sie zwei Wochen Urlaub machen und viel im Meer baden. Auch an Bord ist Sven, den Mankell als männlichen Gegenpart zu dem nur auf Genuss und Lustgewinn bedachten voller rassistischer Vorurteile steckenden Stefan zeichnet. Er hat eine ziemlich klare Analyse, kritisiert den Kolonialismus und den Kapitalismus, die die Menschen dort so arm halten.

 

 

Elisabeth, mit der sich Mankell stark identifiziert, bemüht sich, die Menschen, die sie dort trifft, die Bräuche und ihre Lebenseinstellungen wirklich kennenzulernen und zu achten. Sie trifft auf Ndou, einen kleinen Jungen, der ihr seine Dienste anbietet, und mit dem sie so etwas wie eine Freundschaft entwickelt. Auch seiner großen Schwester Yene kommt sie näher, und verachtet sie auch nicht, als sie mitbekommt, dass Sven mit diesem Mädchen, das sich ihm aus Not angeboten hat, sexuellen Verkehr hat.

Aus vielen kleinen Episoden zusammengesetzt, die die einzelnen Personen einzeln oder in wechselnden Konstellationen zusammen erleben, ergibt sich ein  beeindruckend vielfältiges Panorama aus Eindrücken und Erfahrungen. Mankell will schon hier eine Botschaft senden, der er später sein halbes Leben widmen sollte, nämlich Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln mit Achtung und Respekt aufgeschlossen zu begegnen.

 

Der  „Sandmaler“, der dem Buch seinen Titel gab, ist ein etwa Zwanzigjähriger junger Mann, auf dessen in den Sand gemaltes Porträt Elisabeth eines Tages trifft. Der junge Mann beobachtet sie, malt dann in Minutenschnelle ein Porträt Elisabeths und schreibt zwei Sätze in den Sand. „Die Zukunft ist ein sozialistisches Afrika“ und  „Der Sozialismus rettet auch euch“.

 

Damals, so denke ich, war auch Henning Mankell noch dieser Meinung. Heute wissen wir, dass dieses Modell Afrika nicht das gebracht hat, was es braucht, und es scheint, als stünde der Kontinent noch immer am Anfang. Wenn Angela Merkel sagt, Afrika wird uns noch jahrzehntelang beschäftigen, dann ist das richtig und das nicht nur wegen der Millionen von Menschen, die aus mangelnder Perspektive diesen Kontinent in Richtung Europa verlassen wollen.

 

„Der Sandmaler“ ist noch längst nicht das literarische Meisterstück, das Mankells spätere Werke auszeichnet. Es zeigt aber die Anfänge eines Schriftstellers, der wie kaum ein anderer sein literarisches unermüdliches Schaffen mit einem nicht weniger engagierten politischen Engagement vor Ort verband.

 

 

 

Endland

 

 

Martin Schäuble, Endland,tb, DTV 2019, ISBN 978-3-423-62698-9

 

Das neue Buch des Schriftstellers Martin Schäuble ist eine hauptsächlich für Jugendliche geschriebene, aber auch für Erwachsene höchst interessante Dystopie, die einem beim Lesen jedoch wegen ihrer Realitätsnähe doch sehr unter die Haut geht.

 

Die Handlung spielt etwa zwei bis drei Jahre in der Zukunft. Eine der AfD sehr ähnliche Partei namens „Die nationale Alternative“ hat mit absoluter Mehrheit die Wahl gewonnen und die Regierung gebildet.

Die Wehrpflicht ist wieder eingeführt, Flüchtlinge heißen offiziell Invasoren, Deutschland ist aus der EU ausgetreten, hat sich politisch und wirtschaftlich isoliert. Die D-Mark  ist wieder Zahlungsmittel, das Kopftuchverbot wird streng gehandhabt und es gibt neue, national gereinigte Lehrpläne an den Schulen. Genauso wie man es im Programm der AfD lesen kann. Obwohl es bei Houllebecqs „Die Unterwerfung“ die Islamisten sind, die in Frankreich an die Macht kommen, zeichnet Schäuble bis auf ein hoffnungsvolles Ende zunächst ein ähnlich düsteres Bild, in dem mit dem Fall Franco A. die Realität sogar, selbst zu des Autors eigener Überraschung, die Fiktion überholte.

 

Zu den handelnden Personen: Da ist Anton, der gerade seinen Wehrdienst absolviert, politisch stramm rechts eingestellt ist, auf der Linie der „Nationalen Alternative“. Durch seine Homosexualität und die Tatsache, dass sein Partner Noah ein Regierungskritiker ist, ist er erpressbar und kann einen Geheimauftrag, den er bekommt, nicht ablehnen. Eine radikale Splittergruppe der Regierungspartei schickt ihn als angeblichen Flüchtling in ein Flüchtlingslager, damit er dort einen Anschlag verüben soll. Die Begegnung mit den Flüchtlingen dort verändert ihn ganz allmählich, besonders die Begegnung mit der jungen äthiopischen Flüchtlingsfrau Fana, die vor dem Hunger und dem Elend in ihrer Heimat nach Deutschland geflohen ist und deren Weg von ihrem Leben in Äthiopien bis in das Lager Martin Schäuble sensibel und genau erzählt. Er lässt sie immer abwechselnd mit Anton und Noah zu Wort kommen und erzeugt damit eine ganz besondere Authentizität der drei Personen, ihrem Umgang mit den Verhältnissen und ihrer jeweiligen Veränderung.

 

Das Buch ist gründlich recherchiert. Man spürt, dass Schäuble sich nicht nur in Äthiopien gut auskennt, sondern auch die Politik der Rechten genau studiert hat. Er hat sein Buch jenen 71 Menschen gewidmet, die in Österreich in einem Lastwagen auf der Flucht erstickten. Sie tauchen in seinem Buch auf, überleben dort aber.

 

Ein politischer Thriller für Jugendliche und Erwachsene , wie er aktueller nicht sein könnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gärten der Inseln. Die grünen Paradiese Englands

 

 

Jackie Bennett, Richard Hanson, Gärten der Inseln. Die grünen Paradiese Englands, Gerstenberg 2018, ISBN 978-3-8369-2140-4

 

Es gibt sehr viele Bildbände über die Gartennation England, wo sich, vom Klima begünstigt, seit Jahrhunderten eine ganz besondere Tradition der Gartenkunst entwickelt hat.

 

Das vorliegende Buch der bekannten Gartenbuchautorin Jackie Bennett, die bei Gerstenberg bereits die Bände „Shakespeares Gärten“ und „Gärten der Dichter“ veröffentlicht hat, widmet sich den „Gärten der Inseln“. Gemeint sind damit die mehr als 6000 kleinen Inseln, die die Küsten Großbritanniens und Irlands umgeben. Auf den meisten leben seit langer Zeit Menschen und dort wo Menschen leben, gibt es Gärten.

 

In diesem wunderbaren Buch stellt Jackie Bennett zusammen mit ihrem Fotografen Richard Hanson die schönsten Gärten einige dieser Inseln vor. Da gibt es Leuchtturm-Gärten, mediterrane Oasen, windumtoste Gärten mit knorrigen, alten Bäumen und Parkanlagen rund um historisch bedeutsame Schlösser und Klöster.

 

Unzählige Gartenliebhaber reisen jedes Jahr auf eine dieser Inseln, um deren Gartenkunstschätze zu bewundern. Für die ist das Buch ein idealer Reiseführer zumal am Ende des Bandes ausführliche Besucherinformationen aufgeführt sind, die die Planung von zu Hause aus erleichtern.

 

Für andere Besucher dieser britischen Inseln wie etwa den Scilly-Inseln, den schottischen Hebriden, den Kanalinseln, den Orkney-Inseln und zur Isle of Wight ist das Buch eine Einladung , die Gärten dieser Inseln bei ihrer nächsten Reise nicht zu übersehen.

 

Mein Geheimtipp: Holy Island an der Ostküste, das nur bei Ebbe erreicht werden. Ich habe dort vor etwa 40 Jahre einmal übernachtet und der Abend im Pub war unvergesslich.

 

 

 

Garden Design Review

 

 

Ralf Knoflach (Hg.), Garden Design Review, teNeues 2018, ISBN 978-3-96171-103-1

 

Dieses von hochkarätigen Experten kuratierte exklusive Buch zeigt anspruchsvolle Gartenkonzepte und aktuelle Gartentrends aus aller Welt.

Die kreative Arbeit der besten Gartendesigner und Landschaftsplaner zeigt auf faszinierende Weise, dass ein Garten nicht nur den Wohnraum nach draußen erweitert, sondern auch die Lebensqualität seiner Bewohner erhöht.

 

Ein schön gestalteter Garten wertet das zentrale Gebäude, das er umgibt und sein Umfeld erheblich auf, nicht nur in ästhetischer sondern auch in ökologischer Weise.

Dieser Bildband zeigt weit über 50 aktuelle Gartenprojekte der international renommiertesten Landschaftsplaner und Gartenarchitekten – von repräsentativen, parkähnlichen Anlagen bis hin zu kleinen, innovativ gestalteten Terrassen, Stadt- und Dachflächen aus der ganzen Welt.

Darüber hinaus werden Supplier der internationalen Gartenszene vorgestellt, die mit ihren Produkten aus Grundstücken wertige Gartenräume schaffen.

Wunderbare und faszinierend-brillante Fotos gewähren einen genauen Einblick in exklusive private und öffentliche Gärten. Zahlreiche Interviews mit den Gestaltern dieser Gärten geben dem Leser des großzügig ausgestatteten Buches einen interessanten Einblick in ihre Ideen und Arbeitsweisen

„Garden Design Review“ ist ein wichtiges Buch für professionelle Gartenplaner und ambitionierte Gartenbesitzer auf der Suche nach dem ganz Besonderen.

 

 

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Gärten des Jahres 2019

 

 

Claudia Gölz, Konstanze Neubauer, Gärten des Jahres 2019, Callwey 2019, ISBN 978-3-7667-2394-9

 

Eine sechsköpfige Jury, zu der unter anderem die Autorin des hier anzuzeigenden Buches gehörte, hat unter einer großen Zahl von Einsendungen von Landschaftsarchitekten und Planungsbüros in einem Auswahlverfahren die 50 schönsten Privatgärten des Jahres ausgewählt und prämiert.

 

Die Tatsache, dass es ausschließlich kommerzielle Landschafts-und Gartenplaner waren, die in diesen Gärten am Werk waren, macht deutlich, dass die privaten Auftraggeber für solche Gärten nicht nur die entsprechend großen Grundstücke um ihre nicht gerade kleinen Häuser hatten, sondern auch das nötige Geld, um nicht nur die Planer, sondern danach auch die ausführenden Gartenbaufirmen zu bezahlen.

 

Herausgekommen sind die unterschiedlichsten Gärten, von denen die besten 50 hier in diesem Buch ausführlich in Wort und Bild dokumentiert sind. Jedem Objekt  sind vier bis fünf Seiten gewidmet. Neben zahlreichen ausdrucksstarken Fotografien, die einen plastischen und farbigen Eindruck vermitteln von der Schönheit und Grazie der jeweiligen Gärten und der zu ihnen gehörenden Wohngebäude, wird der Grundriss des Gartens gezeigt, und ein kleiner Essay gibt Auskunft über die ausführenden Gartenkünstler, ihre Arbeit und die verwendeten Materialien und Pflanzen.

 

Wie oft bei solchen Büchern, ist der professionelle Nutzen der Lektüre für Landschaftsarchitekten und das Bau-und Gartengewerbe wohl am größten. Dennoch: auch hier kann der normale Haus- und Gartenbesitzer sich mehr als nur die eine oder andere Idee holen für eine Umgestaltung und Verwandlung seines eigenen Gartens.

 

Und für die, die in Miete wohnen: auch das reine Anschauen dieser privaten Gartenparadiese macht Freude.

 

 

 

 

 

 

Der neue Iran

 

 

 

Charlotte Wiedemann, Der neue Iran, tb, DTV 2019, ISBN 978-2-423-34944-4

 

Der Iran ist seit der islamischen Revolution 1979 für den Westen zunehmend unzugänglich gewesen. Nicht nur durch die erfolgreichen Verhandlungen über seine Atompolitik ist es dem Westen gelungen, diesen für die Situation im Nahen Osten und damit für den gesamten Weltfrieden so wichtigen Player wieder neu einzubinden und ihn von einen eher geächteten „Schurkenstaat“ zu einem begehrten Partner zu machen.

Die Journalistin Charlotte Wiedemann, die sich gut in islamische Lebenswelten auskennt, hat in  der letzte Zeit den Iran oft bereist und legt mit ihrem neuen Buch einen lesenswerten und lehrreichen Überblick eines Landes vor, das so oder so im Nahen Osten eine zunehmend tragende Rolle spielt und noch spielen wird.

 

Zunächst zeichnet sie eine Entwicklung nach, in der der Iran vom strategischen Partner vor allem der USA in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts nach 1979 zu einem erbitterten Feind wurde und jeglicher Handel erstarb, wobei sich der Iran vollständig abschottete.

In den letzten 15 Jahren hat vor allem der Atom-Streit die Beziehungen zwischen dem Westen und Iran belastet. Zeitweise wurden die sogar ganz ausgesetzt. Die gegen den Staat verhängten Sanktionen schwächten die Wirtschaft und hatten vor allem Auswirkungen auf die Bevölkerung.

 

Nach der nach jahrelangen Verhandlungen erzielten Einigung im Atomstreit ist nun ein neues Kapitel angebrochen: eines, das die Frage aufwirft, welche Rolle der Staat im Nahen Osten einnehmen wird, heute und vor allem morgen.

 

Charlotte Wiedemann zeigt gut verständlich und nachvollziehbar mögliche Wege auf, auch wenn sie sich zu keiner genauen Vorhersage in der Lage sieht, wie sich vor allem innenpolitisch der Iran in den nächsten Jahren entwickeln wird.

 

Angst vor gar nix?

 

 

Werner Holzwarth, Daniel Kratzke, Angst vor gar nix, Klett Kinderbuch 2019, ISBN 978-3-95470-203-9

 

Alle Eltern wissen das, die meisten Menschen wissen es aus ihrer eigenen Kindheit. Die Ängste von Kindern können ziemlich groß sein und sich je nachdem noch steigern. Was man auch weiß ist, dass solche Ängste gezähmt werden können, wenn man über sie spricht.

 

In der neuen Bilderbuchgeschichte von Werner Holzwarth, die er in wunderbaren Reimen getextet hat und die Daniel Kratzke witzig illustriert hat, geht es um Kinderängste. Verschiedene Kinder überbieten sich auf jeder Seite mehr mit der Schilderung ihrer Ängste. Doch am rechten unteren Bildrand steht ein kleiner Angeber namens Franz und antwortet jedem Kind:

„Das ist doch Firlefanz,

ich hab vor gar nix Angst“, sagt Franz.

 

Immer weiter schaukeln sich die Kinder mit ihren Ängsten gegenseitig  hoch. Solange bis auch der so coole Franz „seine“ Angst kennenlernt, nämlich die „gar nix“ bzw. allein zu sein, ohne Freunde und einsam.

 

Doch die anderen Kinder schaffen Abhilfe:

„Angst ist niemals Firlefanz,

doch es gibt immer Hilfe, Franz.

Meistens ist das gar nicht schwer:

Wir sind ja hier. Komm einfach her.“

 

Eine aufregende Reimgeschichte für mutige Angsthasen, voller Angst-Lust.