Und ewig lockt die Loreley. Sehnsuchtsziel Rheintal

 

 

 

Ulrich Metzner, Ingo Schmidt, Und ewig lockt die Loreley. Sehnsuchtsziel Rheintal, Anton Pustet 2018, ISBN 978-3-7025-0885-2

 

Unzählige Touristen, in der Neuzeit hauptsächlich aus den USA und aus Asien besuchen jedes Jahr dieses berühmte Tal und lassen sich von seiner Schönheit, dem Imposanz seiner Burgen und dem Charme seiner Sagen und Geschichten bezaubern.

Ich selbst bin vor über 60 Jahren dort geboren, wo dieses Tal seinen  Anfang nimmt, an der Mainspitze, dort wo der Main in den Rhein fließt. Als Jugendlicher habe ich es im Frühjahr und im Sommer regelmäßig mit dem Fahrrad bereist. Es lag in einer Entfernung, wo man gut am selben Tag wieder zu Hause sein konnte. Später habe ich immer am Rhein oder in seiner direkten Nähe gewohnt. Es ist mein Fluss.

 

Das vorliegende Buch von Ulrich Metzner und Ingo Schmid lässt dieses mythenreiche Tal dem Leser und Betrachter ganz nahe kommen, so nahe, dass er nicht ruhen wird, bis er mit dem Schiff, mit dem Rad oder auch zu Fuß (Rheinsteigwanderweg) sich einen eigenen, unvergesslichen Eindruck geschaffen hat.

Es ist ein Juwel der Natur, eine atemberaubende Fluss- und Berglandschaft, die sich über eine Länge von 67 Kilometern erstreckt. Die 30 Burgen und Schlösser, die pittoresken Städtchen und Dörfer an den Ufern des mächtigen Stroms lassen das Mittelalter wiederauferstehen.
 

 

 

 

Soul Fuel

 

Dirk Mangartz, , teNeues 2018, ISBN 978-3-96171-051-5

 

In diesem für Motorradfreunde und speziell für BMW –Fans absolut faszinierenden Buch von Dirk Mangartz werden 17 internationale Customizer porträtiert und ihre Interpretationen der BMW R nineT. Es bietet damit einen individuellen Zugang zum Thema Customizing.

 

Ein Custom Bike ist vor allem eins: einzigartig. Nicht nur für die Hardware der Motorräder, sondern auch die Software des damit verbundenen Lifestyles sind die Subkultur der Custom Bike-Community und ihre Trends von großer Bedeutung. Einer digitalisierten und perfektionierten Welt setzen Customizer bewusst etwas Handgemachtes und Rohes entgegen. Es ist ein Kickstart für die Fantasie aller Freigeister.

 

Zur Markteinführung der BMW R nineT im Jahr 2013 startete das einmalige Projekt Soul Fuel. Erste ausgewählte Customizer erhielten im Zuge der entstehenden Kooperation von BMW Motorrad eine R nineT, die sie nach ihren Vorstellungen umbauen und individualisieren konnten. Bis heute schufen 17 Customizer unter dem Label Soul Fuel faszinierende Umbauten mit der R nineT. Im Jahr 2018 sollen fünf weitere Projekte folgen.

Das Buch Soul Fuel stellt die bislang realisierten Umbauten vor und liefert eine Hommage an das Lebensgefühl Customizing. Dirk Mangartz lässt den Leser und Betrachter einen Blick in die Werkstätten dieser Individualisten werfen. Jedes Bike ist ein Unikum.

 

Das Buch bietet beeindruckendes Bildmaterial, informative Porträts der Customizer sowie innovatives Design.

 

Für alle Motorradfreunde interessant.

Weißt du, wie viel Sternlein stehen. Mein Gute-Nacht –Buch

 

 

 

Sigrid Leberer, Weißt du, wie viel Sternlein stehen. Mein Gute-Nacht –Buch, Butzon & Bercker 2018, ISBN 978-3-7666-2520-5

 

Abendgebete, Segensgebete (mit Gestenanleitung), kurze biblische Geschichten, Märchen (etwa den „Sterntaler“) sind in diesem wunderbaren Buch versammelt und wollen von Eltern und Kindern entdeckt werden. Sein Reichtum besteht aus der Unterschiedlichkeit seiner Texte, mal für ganz kleine Kinder, mal für Kinder, die schon im Kindergarten sind.

 

Es hilft, etwas am Leben zu erhalten, was in vielen Familien leider unterzugehen droht: abendliche Einschlafrituale mit christlicher Prägung und christlichem Inhalt.

 

Alle Texte und Lieder vermitteln den Kindern Geborgenheit und lassen sie behütet einschlafen.

Into the Light

 

 

 

Tom Jacobi, Into the Light, Hirmer 2018, ISBN 978-3-7774-3184-0

 

Die Farbe Weiß hat in der Geschichte der Menschheit schon immer eine besondere Bedeutung. Die Reinheit gleißender Helligkeit und die Symbolik der Farbe Weiß hat für die Menschen  seit jeher eine magische Anziehungskraft. Aus den meisten Religionen und Weltanschauungen ist sie nicht wegzudenken. In der Schöpfungsgeschichte der Genesis spricht Gott, „Es werde Licht!“, und bei den alten Ägyptern war Weiß die Farbe der Freude. Als »ein Kind der weißen Henne« bezeichneten die Römer jemanden, der immer Glück hatte. Die weiße Lotusblüte ist im Buddhismus das Symbol der Erleuchtung. Doch auch in der Natur wirkt Weiß auf den Menschen: der antarktische Sommer zeigt eine der ergreifendsten Landschaften in Weiß.

 

Sieben Kontinente hat der Fotograf TomJacobi bereist und vom Licht erfüllte Landschaften festgehalten, in denen die Zeit stilzustehen scheint.

Seine Landschaftsaufnahmen zelebrieren die Farbe Weiß auf beeindruckende Weise: monumental, magisch, als das Gegenteil von Schwarz, als Licht gegenüber dem Nichts und dem Chaos. Sie bieten dem Betrachter eine Menge Raum für das Staunen und die Kontemplation.

 

Sie geben einen Eindruck davon, „was das Licht des Göttlichen uns auf unserem Planeten offenbart“. (Satjiv Singh Chalil)

 

Holz. Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt

 

 

 

Joachim Radkau, Holz. Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt, Oekom 2018, ISBN 978-3-962380-68-7

 

 

„Die Dinge und Materialien, mit denen wir täglich hantieren, haben oft weite Wege hinter sich, ehe sie zu uns gelangen. Ihre wechselvolle Vorgeschichte wird aber im fertigen Produkt ausgeblendet. Was wir an der Kasse kaufen, präsentiert sich uns als neu und geschichtslos. Wenn man seiner Vorgeschichte nachgeht, stößt man auf Überraschendes und Erstaunliches. Auch Verdrängtes und Unbewusstes taucht auf. Gerade am Leitfaden der Stoffe zeigen sich die Konflikte unserer globalisierten Welt.“

Der Oekom-Verlag hat in seiner außergewöhnlichen und in der Welt der Sachbücher einzigartigen Reihe „Stoffgeschichten“ Stoffe beschrieben, die gesellschaftlich oder politisch relevant sind.
Für den Stoff Holz hat er als Autor den Bielefelder Professor Joachim Radkau gewonnen, einen der produktivsten und ausgewiesensten Kenner der Umweltgeschichte und Autor zahlreicher Standardwerke zur Technik- und Umweltgeschichte. Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut daran, wie sein Buch über die Atomindustrie in den achtziger Jahren uns in der Bewegung gegen die zivile Nutzung der Atomenergie viele hilfreiche, oft aber auch ernüchternde Hinweise gab.

Seine Stoffgeschichte über das Holz ist gut, verständlich und locker geschrieben, mit zahlreichen den Text erläuternden Abbildungen versehen und verfolgt nach seinen eigenen Angaben vor allem zwei Ziele:
„Zum einen geht es um technische Entwicklungen in der Be- und Verarbeitung des Holzes, zum anderen aber auch darum, am Beispiel des Holzes die Materialgebundenheit der technischen Entwicklung, die Umwelt – und Ressourcengebundenheit der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte deutlich zu machen.“

Als Enkelsohn eines Zimmermanns und Schreiners, der große Teile seiner Kindheit in den Werkstätten und auf dem Holzplatz des Großvaters verbracht hat, war dieses Buch für mich eine ganz besondere Lektüre. Obwohl es mein Großvater sein ganzes Leben lang eher nicht mit den Büchern hatte, dieses Buch hätte ihm gefallen.

Dem Oekom-Verlag ist zu dieser Buchreihe nur zu gratulieren und dem Autor ebenfalls für ein weiteres kluges und anschauliches Buch, das Lust macht an Geschichte und Technikgeschichte und helfen kann, die Zusammenhänge in der globalisierten Welt etwas besser zu verstehen.

Mit der hier vorliegenden Neuausgabe hat Radkau sein  2007 zum ersten  Mal erschienenes Buch überarbeitet und ergänzt.

 

Ein kluges und anschauliches Buch, das Lust macht an Geschichte und Zusammenhänge in der globalisierten Welt verständlich erklärt.

 

 

 

 

 

Das Feld

 

 

 

 

 

Robert Seethaler, Das Feld, Hanser Berlin 2018, ISBN 978-3-446-26038-2

 

Bei zahllosen Besuchen der Gräber meiner Verwandten auf unserem Friedhof in den letzten Jahren und bei unzähligen Beerdigungen, die ich als Pfarrer leitete, in den letzten beiden Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts habe mich oft gefragt, was wohl all die Toten um mich herum erzählen würden, wenn sie auf ihr Leben nach einiger Distanz von wo auch immer zurückblicken könnten.

 

Zu Beginn des neuen kleinen Romans von Robert Seethaler, der gleich nach seinem Erscheinen die Bestsellerlisten anführt, sitzt ein alter Mann auf seiner Bank auf dem Friedhof des erdachten Städtchens Paulstadt. Immer sitzt er da und hat sehr oft den Eindruck, die Toten würden ihm ihre Geschichten einflüstern.

 

Und Robert Seethaler lässt sie erzählen. Oft sind es nur wenige Sätze, manchmal bedrückende Lebensgeschichten. Da ist der depressive Pfarrer, der eines Tages die Kirche anzündet und dabei umkommt. Viele andere Tote nehmen in ihren Berichten auf dieses unglaubliche Geschehen Bezug, von dem ganz Paulstadt noch sehr lange spricht.

Da ist die Frau, die 67 Männer hatte, aber nur einen wirklich liebte. Die Frau, die an ihren dicken Mann denkt, mit dem sie viel Spaß hatte, auch im Bett und die einfach glücklich war mit ihm.

 

Die vielen kleinen Porträts verweben sich mit der Zeit miteinander und deutlich wird so etwas wie eine kleine Sozialgeschichte einer kleinen Stadt mit all ihren Geheimnissen und kleinen und großen Geschichten. Egal, was die Toten über ihr Leben zu sagen haben: Robert Seethaler konfrontiert mit ihren Erzählungen den Leser mit existentiellen Fragen: Was macht eigentlich ein Leben aus? Was macht mein Leben aus? Wann kann man am Ende des Lebens sagen, man habe gut gelebt? Gibt es überhaupt so etwas wie ein gutes Leben, wenn es doch früher oder später mit dem Tod endet, ein Tod, der in vielen Geschichten quälend gekommen ist und für nicht wenige eine Erlösung war.

 

Robert Seethalers Buch, in dem 29 Tote auf ihr Leben zurückblicken, übt je länger je mehr einen regelrechten Sog aus auf den Leser, weil er sie so lebendig schildern lässt, was ihr Leben ausmachte. Sehr tröstlich ist, dass die meisten Erzähler ihren Tod relativ gelassen nehmen.

Einer drückt das so aus:

„Im Grunde genommen verstehe ich ja nichts von der Liebe, und vom Leben weiß ich nur, dass man es zu leben hat. Aber immerhin habe ich jetzt vom Sterben eine Ahnung: Es beendet die Sehnsucht, und wenn man stillhält, tut es gar nicht weh.“

 

Ein dichter, poetischer und philosophischer Roman, der die literarische Qualität seines Vorgängers bestätigt.

 

 

 

Kleine Feuer überall

 

 

Celeste Ng, Kleine Feuer überall, DTV 2018, ISBN 978-3-423-28156-0

 

Celeste Ngs neuer Roman „Kleine Feuer überall“ spielt in den Jahren 1997 und 1998 in einem Vorort von Cleveland in Ohio namens Shaker Heights. Vor Jahrzehnten gegründet, hat sich der Anfangsmythos der ersten Bewohner der Siedlung bis in die neunziger Jahre gehalten. Hier leben anständige gutbürgerliche Familien nach klaren Regeln des Zusammenlebens, an die sich nach wie vor alle halten, sei es die Länge des Rasens oder der Anstrich der Häuser.

 

Hier in diesem relativ wohlhabenden Vorort einer eher tristen Industriestadt lebt auch Elena Richardson mit ihrer Familie. Ihr Mann ist erfolgreicher Partner einer Anwaltskanzlei, sie selbst hätte als Journalistin auch eine große Karriere machen können, hat ich aber nach der Geburt der Kinder entschlossen, nur für die Lokalzeitung Kolumnen zu schreiben. Aus ihrer Ausbildungszeit hat sie noch viele Kontakte zu Berufskollegen, die sie später im Laufe einer sehr spannenden Handlung nutzen wird. Mit ihren vier Kindern Lexie, Trip, Moody und Izzy ist die Familie schon lange ein fester Bestandteil einer Gesellschaft, in der das Aufregendste der Klatsch über Nicht-Angepasste ist.

 

Das Buch beginnt mit einem Brand. In jedem der Schlafzimmer des Hauses hat jemand Feuer gelegt. Fassungslos steht Elena Richardson vor ihrem Haus. Ihr ganzes Leben lang hatte sie die Erfahrung gemacht, »dass Leidenschaft so gefährlich ist wie Feuer«. Deshalb passte sie so gut nach Shaker Heights. Celeste Ng lässt von Anfang an keinen Zweifel, dass es die jüngste Tochter der Richardsons war, die nach vielen „kleine Feuern überall“, wie sie später den Leser aufklärt, schlussendlich ein großes Feuer alles niederbrennen lässt. Aber warum hat Isabel, genannt Izzy, das getan, sie, die  zum Ärger ihrer nach außen hin perfekten und wohltätigen Mutter Elena nicht nur eigenständige Gedanken hat, sondern diese auch immer wieder unverblümt ausspricht.

 

Die nach außen hin so perfekte Fassade der Richardsons beginnt langsam und im Verlauf der Handlung dann immer mehr zu bröckeln, als Elena ein Haus, das sie von ihren Eltern geerbt hat, an die alleinerziehende Künstlerin und Lebenskünstlerin Mia und deren Tochter Pearl vermietet.

Mia ist eine selbstbewusste Frau, deren Lebensgeschichte im Verlauf des Buches langsam deutlich wird. Nachdem sie zusammen mit ihrer Tochter Pearl (auch deren Geschichte wird langsam immer offensichtlicher)  jahrelang von einem Ort zum anderen gezogen ist,  hat sie ihrer Tochter nun aber versprochen, in Shaker Heights seßhaft zu werden. Alles scheint so weit in Ordnung. Pearl freundet sich mit einer Tochter von Elena an und verbringt schon bald jeden Nachmittag bei den Richardsons. Mia sieht das eher ungern, duldet es aber. Was diese selbstbewusste Individualistin aber nicht duldet, ist das Verhalten einer guten Freundin von Elena, die das Kind einer Arbeitskollegin von Mia adoptieren und es so seiner Mutter wegnehmen will. Die Heftigkeit des Engagements  Mias weckt schon früh im Leser den Verdacht, dass es hier biographische Hintergründe geben könnte.

 

Elena beschließt, ihrer Freundin zu helfen, indem sie beginnt in der  Vergangenheit  Mias herumzuschnüffeln, um eine Waffe gegen sie in der Hand zu haben. Und schon bald gibt es viele „kleine Feuer überall“.

Jeder einzelne Romancharakter ist von Celeste Ng genau ausgemalt und beschrieben mit einer unverwechselbaren Persönlichkeit ausgestattet. Insbesondere Elena verändert ihr zunächst durchaus sympathisches Wesen in eine Frau, die andere manipuliert und verleumdet.

 

Im Hintergrund thematisiert Celeste Ng das Thema des Verhältnisses von Müttern zu ihren Kindern und ob sie in jedem Fall, auch wenn sie einmal in einer persönlichen Notlage anders entschieden haben, ein Recht auf ihr Kind haben.

 

Durch den permanenten Wechsel der Erzählperspektive erzeugt sie nicht nur eine für einen normalen Roman sehr große Spannung, die sie bis zum Ende, das ja eigentlich vom Beginn schon bekannt ist, aufrechterhält, sondern sie schenkt allen Figuren eine unverwechselbare Persönlichkeit.

 

„Kleine Feuer überall“ ist ein faszinierender und großer Roman, das faszinierende Psychogramm zweier Vorstadtfamilien. Ein mit Herzblut geschriebenes Buch, das viele große Fragen aufwirft, gewidmet all jenen „die eigene Wege gehen und überall kleine Feuer legen.“

 

 

 

Der Weg des Menschen

 

 

Martin Buber, Der Weg des Menschen, Gütersloher Verlagshaus 2018, ISBN 978-3-579-08549-4

 

In  ‚Der Weg des Menschen‘, der auf einen Vortrag aus dem Jahre 1947 zurückgeht, beschreibt Martin Buber, was in seiner Sicht für das Leben der ostjüdischen Chassidim wesentlich war und was für Bubers Werk entscheidend wurde. Dieses Buch ist ein idealer Einstieg in Bubers Werke und zugleich ein Anstoß zur Selbstbesinnung. Die  bisher unveröffentlichten Aquarelle von Andreas Felger vervollkommnen einen harmonischen Dialog zwischen Kunst und Literatur.

 

Eine Einführung zu Bubers Leben und Werk erleichtert den Zugang für den, der Buber noch nicht kennt und die Absicht hat, den Grundfragen menschlicher Existenz nachzusinnen.

Martin Buber hat hier aus seinem großen Sammelwerk von den Erzählungen der Chassidim einige wenige und besonders kostbare ausgewählt, um sie im Blick auf den menschlichen Lebensweg zu meditieren. Ein kostbares Buch, das zum Verstehen einlädt, und im Verstandenen tief nachwirkt.

Dieses Buch lässt in seiner Kürze und Dichte die meisten Ratgeber und Glücksbücher verblassen.  Hier wird wirkliches Lebenswasser angeboten, aus der biblischen Quelle.

Bretonische Geheimnisse. Kommissar Dupins siebter Fall

 

 

Jean-Luc Bannalec, Bretonische Geheimnisse. Kommissar Dupins siebter Fall, Kiepenheuer & Witsch 2018, ISBN 9878-3-462-05201-5

 

Eine neue literarische Stimme macht sich seit einigen Jahren erfolgreich auf dem hart umkämpften deutschen Krimimarkt bemerkbar. Während viele Jahre lang erfolgreiche Serien wie etwa Donna Leons Romane um den Commissario Brunetti aus Venedig schon seit langem an Langeweile und immer mehr von dem Gleichen nicht zu überbieten sind, hat der in Deutschland und in Frankreich lebende Autor unter dem Pseudonym Jean Luc Bannalec mit seinen bisher schon sechs Romanen um seinen im Finstere lebenden Kommissar Dupin auch bei der etablierten Literaturkritik erhebliche Beachtung gefunden.

 

Schon in allen bisherigen Romanen hat Bannalec, vor allem vermittelt durch Dupins Kollegen Riwal eine Menge bretonischer Geschichte und Mythen eingewoben. Doch in seinem neuen Werk geht es fast ausschließlich darum. Für Leser, die sich vor allem für die Artuslegende interessieren, ist das toll, für andere möglicherweise stellenweise etwas langweilig und langatmig.

 

Der Wald von Brocéliande mit seinen malerischen Seen und Schlössern ist das letzte verbliebene Feenreich – glaubt man den Bretonen. Unzählige Legenden aus mehreren Jahrtausenden sind hier verortet. Auch die von König Artus und seiner Tafelrunde. Welche Gegend wäre geeigneter für den längst überfälligen Betriebsausflug von Kommissar Dupin und seinem Team in diesen bretonischen Spätsommertagen, zumal sich mit Riwal ein absolut kundiger Kollege anbietet mit detaillierten Informationen und Führungen.

Als Dupin zu Beginn des mehrtätigen Betriebsausflug noch mit einem berühmten Artus-Forscher in einer anderen Angelegenheit en Gespräch führen will, findet er diesen ermordet vor. Schnell ist Dupin von Paris aus zum nationalen Sonderermittler ernannt mit allen Befugnissen und macht sich mit seinem Team auf die Suche nach dem Täter. Wichtig ist dabei eine Gruppe von an diesem Ort versammelten Wissenschaftlern mit zunächst undurchschaubaren Beziehungen untereinander, die, so findet Dupin bald heraus, von Konkurrenz und Stellenneid geprägt sind.

 

Aus dieser Gruppe sind bald weitere Opfer zu beklagen. Und Dupin dämmert de Erkenntnis, dass jeder aus dieser Gruppe sowohl das nächste Opfer als auch der nächste Täter sein kann.

 

Unter dem zeitlichen Druck seiner Partnerin Claire, die nach dem Ausflug die neue gemeinsame Wohnung einrichten will, ermittelt Dupin mit seinen Kollegen fieberhaft. Dabei wächst Nolwenn wieder einmal über sich hinaus, indem sie wie ein menschlicher Computer alle Infos bündelt und die ganze, dieses Mal außerordentlich gefährliche Ermittlung koordiniert.

 

Als zwischenzeitlich Kadeg und Riwal spurlos verschwunden sind, scheint sich ein Fiasko anzubahnen. Mit sehr gelungenem Spannungsbogen und psychologischer Raffinesse bei der Beschreibung der Beziehungen innerhalb der mysteriösen Wissenschaftlergruppe gelingt es Bannalec, den Leser in dem, wie ich finde, bisher besten seiner Bücher, den Leser bis zur letzten Seite zu fesseln  und ihn gleichzeitig mit einer Menge an interessanten historischen Informationen zu füttern.

 

Ein hervorragender Kriminalroman mit tiefen Einblicken in die Abgründe des Wissenschaftsbetriebs und die bretonische Mythologie.

 

 

Glaubenssätze. Ein kritischer Katechismus

 

 

Gerd Theißen, Glaubenssätze. Ein  kritischer Katechismus, Gütersloher Verlagshaus 2018, ISBN 978-3-579-08550-0

 

Als Neutestamentler hat Gerd Theißen als Vertreter eine sozialgeschichtliche Auslegung des Neuen Testamentes unter anderem eine neue Theorie des Urchristentums entwickelt. In den letzten Jahren vor und nach seiner Emeritierung ist er auch mit Veröffentlichungen  seiner Predigten in Erscheinung getreten. Unvergessen und nach wie vor empfehlenswert ist sein Jesusbuch „Im Schatten des Galiläers“, in dem er in erzählender Romanform seine Forschungsergebnisse zum frühen Christentum und zur frühen Jesusbewegung für jeden verständlich und spannend umsetzte.

 

Nun legt er in der Tradition des Heidelberger Katechismus, dessen Verfasser Zacharias Ursinus er das Buch widmet, einen kritischen Katechismus vor, der in einer glaubensarmen Zeit, in der völlig zu Recht so etwas beklagt wird wie einen Traditionsabbruch, einer Zeit, in der auch regelmäßige Kirchgänger nicht mehr selbstbewusst und mit Wissen über ihren Glauben sprechen können auf eine verständliche Weise dazu beitragen könnte,  den christlichen Glauben mit den gegenwärtigen Fragen der Menschen wieder in einen fruchtbaren Kontakt zu bringen.

 

Es sind meditative Texte, die sich in Sinnzeilen gegliedert lesen sich wie Gedichte. Sie sind teilweise von Bildern bestimmt, von Reflexion, manchmal auch von Information oder auch Kritik. Ihre Poesie mag erinnern an die Poesie der Bibel, deren Sprache Tiefendimensionen religiöser Erfahrung erschließen kann und deren Sprachkraft einfach gewaltig ist.

 

Im Vorwort notiert er seinen Hintergrund:

„In möglichst knappen Aussagen habe ich für mich niedergeschrieben, was mir am christlichen Glauben wichtig ist, Übereinstimmung mit mir hat Vorrang vor der Übereinstimmung mit Dogmen und Kirchen. Doch ein Protestant steht mit solch einer Überzeugung nicht am Rande seiner Kirche, sondern mitten in ihr. Der Protestantismus ist eine Religion der Freiheit und Vernunft. Diese Glaubenslehre ist daher trotz ihres persönlichen  Charakters konsensorientiert: Sie knüpft an die Tradition an und gibt ihr nicht vorschnellen Abschied. Auch Trinität, Zwei-Naturen-Lehre und Sühnetod Jesu werden als sinnvolle Bilder gedeutet. Konsens kann man ferner nur formulieren, wenn man nicht nur die eigene Glaubensgemeinschaft im Blick hat, sondern auch andere Konfessionen und Religionen, vor allem aber die vielen Menschen, die fern von jeder Religion  leben. Dieses Buch wirbt um Verstehen und Respekt für den Glauben auch dort, wo er keine Zustimmung erfährt.“

 

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt

 

  • Meditationen über Gott
  • Meditationen über Jesus
  • Meditationen über den Geist

 

Insgesamt 235 hat er sich gestellt und versucht sie zu beantworten. Um den Lesern dieser Rezension und möglichen Interessenten an diesem wirklich außergewöhnlichen Buch für Christen und Nichtchristen einen Eindruck zu vermitteln, zitiere ich nachstehend die Frage 43 und ihre Antwort:

 

„Wie kommen wir mit Gott in Kontakt?

 

Gott berührt unser Herz,

wenn wir darüber staunen,

dass überhaupt etwas ist und nicht nichts.

Dann sind wir unmittelbar verbunden mit der Macht,

die alles aus Nichts schafft

und in Nichts versinken lässt.

Auch für uns gilt:

Vor unserer Geburt

waren wir nicht,

und nach unserem Tod

werden wir nicht mehr sein.

 

Zwischen Geburt und Grab

ist die Gegenwart

wie die Momentaufnahme in einem Film,

der in beide Richtungen ins Nichts versinkt.

Die Vergangenheit ist nicht mehr,

die Zukunft noch nicht,

die Gegenwart ein Übergang

aus einem Nichts

in ein anderes Nichts.

Die Macht,

die aus  Nichts das Sein schafft,

umgibt uns jeden Augenblick.

 

Wir erleben sie als Wunder,

wenn uns das Leben neu geschenkt wird

nach einer guten Diagnose

gegen schlimme Befürchtungen.

Wir erleben sie,

wenn uns ein Mensch sagt:

Es ist wunderbar,

dass es Dich gibt.

 

In diesem Geheimnis von Sein und Nichts

begegnet uns Gott.

Durch ihn sind wir mit allen Dingen verbunden

Durch ihn haben wir Freiheit,

die uns über alle Dinge hinaushebt.“

 

Dieser kritische Katechismus ist eine sprachlich, theologisch und philosophisch gelungene, stellenweise poetische Weise, heute vom christlichen Glauben zu sprechen. In einer Zeit, in der selbst Kirchgängern das grundlegende Wissen über ihre eigenen Glaubenstraditionen fehlt, ist es eine einladende Form der Selbstvergewisserung nach innen und nach außen.