Sehen, hören , fühlen

 

 

 

Guiliano Ferri, Sehen, hören , fühlen, minedition 2018, ISBN 978-3-86566-292-7

 

Guiliano Ferri ist ein begnadeter italienischer Bilderbuchautor, dem es mit seinen oft Tiere darstellenden Illustrationen und seinen in der Regel knappen Texten gelingt, schon kleine Kinder in ihren Gefühlen und Sinnen anzusprechen.

In seinem neuen hier vorliegenden Buch geht es um die Wahrnehmung, das Funktionieren und die Bedeutung der fünf Sinne.

Die Blumen, die man riechen kann, die Augen, mit denen man Mond und Sterne am Himmel sehen, die Ohren, mit den man hören kann, wie die Vögel singen, die Zunge und der Mund, mit denen man köstliche Früchte schmecken kann und die Hände, die die warmen Hände der Mutter fühlen können. Und das Fuchskind, das auch auf dem Umschlag mit seiner Mama abgebildet sagt am Ende zu ihr, wie sich all seine Sinne auf sie richten und was das für es bedeutet:

„Mit meine fünf Sinnen kann ich deine Augen sehen, deine Gutenachtgeschichten hören, deinen Duft riechen, dein gutes Essen schmecken, deine Umarmungen fühlen – und ich weiß, dass du mich lieb hast.

 

Ein zauberhaft schönes kleines Bilderbuch, mit mehreren Klappen zum Entdecken und mit einem kleinen Fuchsfell zum Streicheln und Fühlen.

Für kleine Kinder, für die dieses Buch gedacht ist, sind die Sinne zunächst ausschließlich auf seine Mutter gerichtet. Später entdeckt es mit ihnen die Welt, aber die ersten Wahrnehmungen bleiben. Bindung und Liebe. Darum geht es.

 

Die Bücher Ferris kann man ausnahmslos empfehlen.

Namibia

 

 

 

 

Michael Poliza, Namibia, teNeues 2018, ISBN 978-3-96171-128-4

180 Länder hat er nach eigenen Angaben mittlerweile bereist, der international bekannte und erfolgreiche Fotograf Michael Poliza. Auf allen Kontinenten ist er gewesen und dabei ist Afrika nach wie vor sein Favorit. Und auf dem afrikanischen Kontinent selbst bleibt Namibia einer seiner Favoriten.

 

Schon in dem schwergewichtigen Fotoband „Eyes over Africa“ hatte er seine persönliche Liebeserklärung an einen Kontinent, seine Natur und seine Menschen dokumentiert. Eine große Mehrzahl der Bilder war aus der Luft aufgenommen, was ihren besonderen Reiz ausmachte und eine ganz ungewöhnliche Perspektive warf auf eine Natur voller Gegensätze und Extreme.

 

Auch der hier vorliegende Band „Namibia“ ist ein absolutes Schmuckstück und ein Beispiel dafür, wie ein Fotograf mit seinen Bildern dem Betrachter viel mehr vermitteln kann  als ein bloßes Abbild dessen, was er durch sein Objektiv gesehen hat.

Atemberaubende Landschaften und natürliche Denkmäler wie die höchsten Sterndünen der Welt um das Sossusvlei, das NamibRand-Naturreservat, die Kalahari-Wüste und die Spitzkoppe, um nur einige zu nennen, reihen sich hier aneinander . Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft und vom Boden präsentieren die namibische Natur- und Tierwelt, ergänzt durch Porträts der Ureinwohner, die dort ein traditionelles Leben als Viehzüchter und Kleinbauern führen. Dass auch die Wüste lebt, wird hier eindrucksvoll vor Augen geführt: Insbesondere nach den selten auftretenden Regenfällen. Oryxantilopen, Schakale und Erdmännchen, Strauße und Springböcke sind da, wo die Pflanzen dann sprießen und locken wiederum ihre Feinde an. Die im Jägerjargon betitelten Big Five Löwen, Leoparden, Elefanten, Büffel und Nashörner sind in diesem Gebiet ebenfalls heimisch und teilen sich das Wenige, was vorhanden ist, stets im ökologischen Gleichgewicht.

 

Dieses wertvolle Buch, das seinen teuren Preis aber wert ist, eignet sich als repräsentatives Geschenk für Freude der Fotografie einerseits und für Liebhaber des afrikanischen Kontinents andererseits.

 

Vielleicht ist es aber auch für den Betrachter Anlass einmal über einen Urlaubsaufenthalt in diesem touristisch gut erschlossenen Land nachzudenken.

 

Gamers Edition 2019

 

 

Guinness World Records, Gamers Edition 2019, Ravensburger Verlag 2018, ISBN 978-3-473-55461-4

 

Mit diesem Buch einer neuen Reihe des Ravensburger Verlags können Gamer aller Sparten sich stundenlang verweilen. Denn mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren ist die Gamer’s Edition das ultimative Jahrbuch für jeden Gamer! Randvoll mit herausragenden Rekorden, fantastischen Statistiken und verblüffenden Fun Facts zu den beliebtesten Spielen, bietet die neue Ausgabe mehr Spannung und Action als jede andere vor ihr. Diesmal ist natürlich alles über den Smash-Hit POKÉMON GO dabei, außerdem die erfolgreichsten Pro-Gamer und die größten YouTube-Stars, dazu fantastische Bilder und exklusive Interviews. Egal ob Super Mario, Skylanders oder Spider-Man, die GWR Gamer’s Edition hat sie alle!

 

Auch die Edition 2019, nun von Hoffmann und Campe zu Ravensburger gewandert, präsentiert faszinierende Leistungen, tolle Rekorde, Wissenswertes und Witziges rund um die beliebtesten, coolsten und viralsten Computerspiele des Jahres und stellt die Menschen vor, die sie spielen.

 

 

 

 

Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Väter und Mütter

 

 

 

Konrad H. Jarausch, Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Väter und Mütter, Wbg Theiss 2018, ISBN 9878-3-8062-3787-0

 

Mit diesem Buch legt der Historiker Konrad Jarausch nach „Aus der Asche. Eine neue Geschichte Europas im 20.Jahrhundert“  eine deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts vor unter dem Titel „Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Mütter und Väter“.

 

Er hat dazu die Lebensgeschichten und Autobiographien von über 80 Zeitzeugen ausgewertet und in ihrem Spiegel versucht, die Generation der Mütter und Väter der heutigen Leser zu verstehen. Alle diese Menschen, darunter sehr bekannte wie Joachim Fest, Fritz Stern, Dorothee Sölle und Ruth Klüger sind während der Weimarer Republik geboren. Diese Generation hat die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg erlebt, aber auch die Nachkriegszeit in der BRD oder der DDR bis hin zur Wiedervereinigung.

 

Ganz verschiedene Lebensläufe hat Jarausch zusammengetragen, ihre Spannweite geht von glühenden Nazis bis zu jüdischen Holocaust-Opfern, von politischen Wendehälsen bis zu unpolitischen Zeitgenossen. Es sind meist gebrochene Biographien aus denen der Autor in vielen Mosaiksteinen eine Art kollektive Biographie des 20. Jahrhunderts entstehen lässt. Wie haben diese »ganz normalen Deutschen« das 20. Jahrhundert erlebt, erlitten und verarbeitet?

Die Mosaiksteine sind gebildet aus praktisch allen Bevölkerungsgruppen. Männer, Frauen, Arbeiter, Bürger, Arme und Reiche. Es finden sich Katholiken, Protestanten und Juden. Täter, Opfer und Mitläufer während der NS-Zeit, Bürger der BRD und Bürger der DDR.

 

Es ist diese Mischung, die das Buch von Konrad Jarausch zu einem faszinierenden und sehr gut lesbaren Geschichtsbuch macht. Ein Buch, das den einen oder anderen seine Vorfahren, Eltern und Großeltern näher bringen kann, weil es verstehen will und nicht verurteilen.

 

Das ganze Leben in einem Tag

 

 

 

 

Andreas Salcher, Das ganze Leben in einem Tag, Ecowin 2018, ISBN 978-3-7110-0164-1

Andreas Salcher ist mit seinen Büchern zu einem leidenschaftlichen Anwalt für mehr Achtsamkeit im Umgang der Menschen miteinander und mit sich selbst geworden. Seine im Salzburger Ecowin-Verlag erschienenen Werke sind auch einem deutschen Publikum seit einigen Jahren ein Begriff geworden.

 

In seinem Buch „Der talentierte Schüler und seine Feinde“ schrieb er etwa an gegen eine massenhafte Talentvernichtung an unseren Schulen. Auch „Der verletzte Mensch“ und „Meine letzte Stunde“ waren Bücher von hoher Intensität, in denen sich Salcher ausführlich und bis in Tiefen seiner eigenen Seele und Persönlichkeit mit seinen Themen befasste. „Meine letzte Stunde“ etwa war ein flammendes und lebendiges Plädoyer dafür, die Unachtsamkeit gegenüber unserem eigenen Leben aufzugeben, es endlich wertzuschätzen und sich dann eben auch mit seinem Ende auseinanderzusetzen. „Machen Sie sich die letzte Stunde zum Freund, anstatt ihr unvorbereitet als Fremder zu begegnen.“

 

Sein letztes 2012 erschienenes Buch richtete sich an seinen Enkel, dem er am Ende folgende Worte mitgab:

„Am Ende des Tages bleibt von uns nur der Tropfen im Ozean. Dieser Tropfen muss keine Träne sein. Du hast Deine Geschichte, für die Du verantwortlich bist. Dein Leben kann gelingen. Wer will nicht Teil von etwas Bedeutendem sein. Wer will nicht auf der richtigen Seite gestanden sein. Wie gut wäre das Gefühl, wenn Du eines Tages auf die Frage nach Deiner Verantwortung antworten kannst: Ich habe es gesehen, ich habe getan, was ich konnte, und das Schöne war, ich bin nicht allein geblieben.“

 

Nun widmet er „allen neugierigen und lernenden Menschen“ ein neues Buch, dem er den Titel gab“ Das ganze Leben in einem Tag“. Getreu der Devise von Marcel Proust „Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit neuen Augen zu sehen“, ermöglicht er es seinen Lesern aller Altersstufen mit in 24 Stunden beschriebenen Lebensthemen wie ein Forscher auf ihr eigenes Leben zu schauen. Er empfiehlt seinen Lesern zunächst sich mit der Stunden zu beschäftigen und dem Lebensalter, in dem sie sich im Augenblick befinden, bevor sie zu den anderen Tagen gehen.

Immer geht es darum, die ungeahnte Möglichkeiten dieser Methode zu nutzen: denn man kann jeden Tag neu entscheiden, wohin man sich selbst weiter entwickeln will.

 

Salcher beschreibt immer wieder den erkennenden Menschen, der seinen Verstand zu nutzen weiß. Über den suchenden Menschen, der über seine eigene Existenz hinausdenkt, den verzeihenden Menschen, der mit sich und anderen im reinen ist, den neugierigen Menschen, der nie aufhört zu lernen und den verletzbaren Menschen, der zu Liebe und Mitgefühl fähig ist.

 

Wer die bisherigen Bücher von Andreas Salcher kennt, die er im 1-2 Jahresrhythmus geschrieben hat, wird vieles in diesem neuen Buch wiedererkennen.  Es liest sich wie eine Art Zusammenfassung seiner Philosophie, wie ein persönliches Vermächtnis.

 

 

 

 

Wilde Tiere

 

 

 

 

 

 

 

Guinness World Records, Wilde Tiere, Ravensburger Verlag 2018, ISBN 978-3-473-55462-1

 

Mit diesem Buch einer neuen Reihe des Ravensburger Verlags können junge Tierfreunde bekannte und weniger bekannte Wildtiere ganz neu erleben.

Gleich ob es die größten oder die kleinsten, die schnellsten oder langsamsten, die tödlichsten oder die merkwürdigsten Tiere sind – dieses Buch von Guinness World Records präsentiert die coolsten Kreaturen der Welt.

Interessant und abwechslungsreich aufgebaut können junge Leser diese Kreaturen mit ihren Höchstleistungen, Eigenheiten und besonderen Kräften bestaunen.

Von sanften Ozeanriesen zu Killerkäfern, von mächtigen Räubern zu listigen Beutetieren, von Wildtieren im eigenen Garten bis zu Exoten aus fernen Ländern – GUINNESS WORLDS RECORDS Wilde Tiere  ist ein faszinierendes Handbuch all dieser Stars der Tierwelt.

 

 

 

Was ein Mann ist

 

 

 

 

David Szalay, Was ein Mann ist, Hanser 2018, ISBN 978-3-446-25824-2

 

In seinem in England nach seinem Erscheinen 2016  hochgelobten Buch „Was ein Mann ist“ begibt sich der Schriftsteller David Szalay auf die Suche nach dem, was männlich ist.

Dabei porträtiert er mit entsprechenden unterschiedlich langen Geschichten insgesamt neun Männer im Alter von siebzehn  bis siebzig Jahren. Von April bis Dezember stellt er jeden Monat einen von ihnen vor. Sie leben irgendwo in Europa, und jeder ist jeweils einige Jahre älter als der vorherige. Sie und ihre Lebensgeschichten haben nichts miteinander zu tun und doch ähneln sie sich.

 

Alle verbindet, und wer kennte das nicht als Mann, dass sie permanent denken, sich beweisen zu müssen, entweder mit oder vor Frauen oder mit anderen Dingen, an denen sie hängen oder denen sie verfallen sind. Alle eint, und auch das kennt jeder Mann, dass sie gerne stark sein würden, vor und für sich selbst, hauptsächlich aber um andere zu beeindrucken. Stärke als Identitätselixier, als Selbstbestätigungsdroge, von der sie nicht lassen können. Aber die meisten der Männer sind feige. Sie stolpern unbeholfen durch ihr Leben, sind eitel, manche sogar regelrecht widerwärtig und abstoßend.

 

Und doch habe ich bei fast allen neun porträtierten Männern aller Altersstufen so etwas gespürt wie Mitleid, ich fühlte mich ihnen in manchen Dingen nah in ihrer reumütigen Zerbrechlichkeit.

 

Bei etlichen Männern, die Szalay beschreibt, hat man den Eindruck, er kennt sie aus irgendeiner Phase seines eigenen Lebens sehr genau.  Es sind übrigens genau die, bei denen bei mir immer wieder eine Lampe der Erinnerung aufblitzte, ich eine Art verfremdetes Deja-Vu erlebte. Anderen Charakteren indes, die von seiner eigenen Lebenswirklichkeit und  Biographie weit weg sind, nähert Szalay sich mit einer bewundernswerten Virtuosität und Einfühlsamkeit.

 

Es sind zärtliche und warmherzige Porträts durchweg einsamer Männer. Sie kämpfen um Liebe, hadern mit ihrer Vergänglichkeit, verachten  ihre Schwächen und lassen sich immer wieder verführen von ihrer eigenen Eitelkeit.

 

Man könnte sagen, für Szalays Protagonisten findet sich ihr Mannsein in ihren Krisen und ihrem Umgang damit. Männer geraten in Krisen, wenn sie es nicht schaffen, mit den Veränderungen, mit denen sie das Leben konfrontiert, Schritt zu halten.  Manchmal kommen sie, sich selbst neu erfindend, wieder heraus, andere zumindest dämmert die Erkenntnis, dass sie genau das „eigentlich“ tun müssten.

Szalays Porträts sind Geschichten, die quasi im Schnelldurchgang sich an einer Psychoanalyse des modernen Mannes versuchen. In diesem Buch können Männer, so wie der Rezensent es für sich beschrieben hat,  sich wiedererkennen. Und Frauen, falls sie das Buch lesen, können Männer besser kennenlernen.

 

 

Die Schwalbe, die den Winter sehen wollte

 

 

 

Philip Giordano, Die Schwalbe, die den Winter sehen wollte, Knesebeck 2018, ISBN 978-3-95728-180-7

 

Aus dem Französischen von Ingrid Ickler feinfühlig übersetzt handelt das vorliegende Bilderbuch von Philip Giordano von einer kleinen Schwalbe namens Iris, die nach einem herrlichen Frühling und einem strahlenden Sommer eines Abends kurz vor dem gewohnten Abflug in den Süden zu ihren anderen Vogelfreunden sagt: „Was geschieht eigentlich im Wald, wenn wir nicht da sind?“

 

Niemand weiß die Antwort, außer dass nach dem Herbst der Winter kommt. Iris ist neugierig und beschließt in diesem Jahr zu bleiben. Sie lässt sich auch von Bedenken der älteren und erfahrenen Schwalben nicht abbringen. Eine alte Schwalbe schenkt ihr eine Eichel als Anhänger.

 

Und dann sind sie alle weg und Iris erlebt die sich verändernde Natur, was Philip Giordano in prächtigen Farben gezeichnet hat. Und als dann die Blätter fallen und kaum noch Insekten in der Luft sind, die sie satt machen könnten, hat die kleine Schwalbe zum ersten Mal in ihrem Leben „das Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein.“

 

Als viel Schnee gefallen ist und Iris begeistert im Schnee gespielt hat, den sie zum ersten Mal sieht, landet sie kurze Zeit später erschöpft unter einem Baum und schläft im Schnee ein. Sie wird beobachtet von Sam, dem Eichhörnchen, das auf Nahrungssuche sofort die Eichel in Iris` Federkleid bemerkt hat. Er rettet sie aus dem Schnee und bringt sie in seine Höhle. Dort erzählt Sam ihr von der Härte des Winters. Und sie freunden sich an. Gemeinsam machen sie sich jeden Tag auf die Suche nach den Eicheln, die Sam im Herbst versteckt hat.

 

Sie verbringen den ganzen Winter zusammen und auch als im Frühling die anderen Schwalben wieder aus dem Süden zurückkommen, sehen sie sich oft. Iris indes wird mit den anderen dieses Mal wieder in den Süden fliegen. Aber im nächsten Frühjahr wartet Sam schon auf sie.

 

Ein zauberhaft und farbenprächtig  illustriertes Bilderbuch über die Jahreszeiten und die Gesetze der Natur. Und ein schönes Beispiel einer ungewöhnlichen Freundschaft.

 

 

 

Die Kackwurstfabrik

 

 

 

Marja Basler, Annemarie van den Brink, Die Kackwurstfabrik, Klett Kinderbuch 2018, ISBN 978-3-95470-188-9

 

Aus dem Niederländischen von Meike Blatnik übersetzt, hat der Klett Kinderbuch Verlag mit „Die Kackwurstfabrik“ ein Sachbilderbuch in sein Programm genommen, das wunderbar in das bisherige, seit etlichen Jahren immer bekannter werdende Profil des Verlages passt.

 

Es ist ein Buch über den Weg der Nahrung durch unseren Körper bis zur Ausscheidung als Kackwurst. Ein Thema, das schon kleine Kinder fasziniert.

 

Zusammen mit den beiden Kindern Pim und Polly können sich die das Buch betrachtenden und lesenden Kinder ab etwa sieben Jahren auf den Weg durch jene faszinierende Kackwurstfabrik namens Körper machen.

 

Vom Kontrollraum ganz oben über das Säurebad des Magens bis hin zu der Achterbahnfahrt durch den Darm und den Enddarm geht die Reise.

 

Doch die beiden Autorinnen haben auch Spannung eingebaut. Denn die Kackwurstfabrik droht wegen Überlastung und Verstopfung zu kollabieren. Doch die beiden Kinder sind davon überzeugt, dass sie sie retten können und machen sich an die Arbeit.

 

Sehr witzig mit einer guten Rahmengeschichte, mit der sich Kinder identifizieren können, wird der menschliche Verdauungsapparat mit dem Bild einer Fabrik mit unterschiedlichen Abteilungen und Maschinen dargestellt. Viele lustige Wimmelbilder laden zum Entdecken ein und  Schaubilder und Infokästen bieten wichtige Sachinformationen.

 

Ein schönes Buch für Klugscheißer ab sieben Jahren. Auch Erwachsene können an diesem Buch ihren Spaß haben und noch einiges lernen, davon bin ich überzeugt.

Der Abgrund in dir (Hörbuch)

 

 

 

Dennis Lehane, Der Abgrund in dir (Hörbuch), Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-80395-2

 

Dennis Lehane, irischer Abstammung und 1965 in Dorchester, Massachusetts geborener Autor, zählt zu den ganz großen Krimiautoren der Gegenwart. Viele seiner Bücher sind mittlerweile verfilmt, und auch das neue hier vorliegende Buch „Der Abgrund in dir“, mit dem er erneut seine Kunst unter Beweis stellt, eignet sich hervorragend für eine Verfilmung.

Das Buch erzählt von Rachel Childs, zunächst in einer längeren Vorgeschichte. Sie berichtet davon, wie Rachel bei ihrer Mutter aufwächst. Diese hat mit Eheratgebern ein Vermögen gemacht, obwohl sie selbst kaum Erfahrung mit Beziehungen hat. Das Verhältnis zur Mutter ist schwierig, dennoch fehlt Rachel ein Vater kaum. Aber sie will wissen, wer ihr Erzeuger ist. Ihre Mutter, obwohl sie ihr versprochen hat, die Wahrheit zu sagen, schiebt das solange hinaus, bis sie bei einem Unfall ums Leben kommt.

Rachel macht sich auf die Suche nach ihrem Vater und engagiert den Privatdetektiv Brian Delacroix. Der rät ihr ab. Warum, wird sich viel später herausstellen, als Rachel nach vielen Jahren Brian wiederbegegnet und sich in ihn verliebt.

 

Doch zunächst begleitet Dennis Lehane Rachel Childs bei der Suche nach ihrem Vater und der steilen Karriere, die Rachel als Journalistin macht. Ihre Heirat mit dem ebenfalls erfolgreichen Journalisten Sebastian scheint Rachel endlich privat zur Ruhe finden zu lassen. Doch es kommt anders. Nach einem verheerenden Erdbeben wird sie nach Haiti geschickt und erlebt während einer TV-Liveschaltung aus dem Katastrophengebiet einen totalen Nervenzusammenbruch, der ihre Karriere sofort beendet. Ihre Ehe mit Sebastian wird geschieden und es geht ihr sehr schlecht. Fürchterliche Panikattacken fesseln sie tatenlos ans Haus.

 

Die verzweifelte Suche nach ihrem Vater hat sie nicht aufgegeben, als sie nach vielen Jahren wieder auf Brian trifft, sich in ihn verliebt und ihn bald heiratet. Brian gelingt es auf liebevolle Weise, über eine lange Zeit Rachel in ihrer Panik beizustehen und sie langsam an ein normales Leben heranzuführen. Da er auch beruflich erfolgreich ist, scheint er der Mann ihres Lebens zu sein. Doch bald schon beschleichen sie seltsame Gefühle des Misstrauens und bald stellt sich Stück für Stück heraus, dass Brian offenbar nicht der Mann ist, den sie glaubt geheiratet zu haben.

 

Es ist genau diese Stelle, etwa in der Mitte des Buches, als die Handlung eine Wendung nimmt. Gerade noch hatte man gedacht, Rachels Panikattacken kommen wieder ins Lot, der Kampf mit ihrer sie lähmenden Vergangenheit sei entschieden, verwandelt Lehane sein zunächst eher gemächlich daherkommendes Buch in einen echten Psychothriller, der in immer neuen Wendungen und einem hohen Tempo bis zum überraschenden Ende den Leser in Atem hält.

 

Sehr gut und durchdacht konstruiert, lässt Lehane, seine therapeutischen Erfahrungen einfließen lassend, die einzelnen Teile des Buches ineinandergreifen, was dem Leser zunächst verborgen bleibt und manchmal für eine leise Verwirrung und Verunsicherung sorgt. Es ist immer wieder Rachel und ihre Psyche das Thema, wie sie sich sozusagen selbst aus dem Elend ihrer Vergangenheit zieht.

 

„Der Abgrund in dir“ (im Original“ Since we fell“) ist ein psychologischer Thriller, der nach langsamem Beginn immer mehr Fahrt aufnimmt. Der Roman ist das Porträt einer mutigen Frau, die sich trotz aller Niederlagen in ihrem Leben nicht den Mut nehmen lässt.

 

Auf die sicher kommende Verfilmung darf man gespannt sein. Vieler seiner Szene zeigen, dass Lehane den zum Buch passenden Film beim Schreiben schon vor Augen hatte.

 

Die hier vorliegende Hörbuchfassung hat die Schauspielerin Bibiana Beglau auf eine sehr überzeugende Weise eingelesen. Sie fühlt sich insbesondere in die Hautfigur Rachel so ein, dass deutlich wird, dass ihre psychische Entwicklung, ihre Reifung und Gesundung ein zentraler Strang in Lehanes Buch ist.

 

Wer wird wohl in dem zukünftigen Film Rachels Rolle interpretieren?