Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Vollmond. Mission Mond-Wissen

 

 

Thomas Hrabal, Nini Spagl, Vollmond. Mission Mond-Wissen, Tyrolia Verlag 2019, ISBN 978-3-7022-3740-0

 

Anlässlich der 50. Wiederkehr der ersten Mondlandung eines Menschen hat Thomas Hrabal alle wichtige Fakten über den treuen Begleiter des Menschen seit Urzeiten in einem wirklich empfehlenswerten Sachbilderbuch zusammengetragen.

Die klaren Illustrationen von Nini Spagl verdeutlichen auf anschauliche Weise viele komplexe Zusammenhänge. Jede Doppelseite des Buches widmet sich dabei je einem bestimmten Aspekt des Mondes, etwa Entstehung, kulturelle Bedeutung, Phasen, Oberfläche, Beziehung und Relation zu anderen Himmelskörpern.

 

Auch der Wettlauf ins All und die schließlich erste Landung eines Menschen auf dem Mond 1969 werden gewürdigt.

Das empfehlenswerte Sachbilderbuch vermittelt alle wichtigen Fakten über den Mond, präsentiert sie spannend und griffig. Jedem kleinen Leser wird danach deutlich sein, welche große Bedeutung der Mond für das Leben der Menschen auf der Erde hat.

 

 

80.000 Meilen und Kap Hoorn. Ein Segelabenteuer

 

 

 

Bobby Schenk, 80.000 Meilen und Kap Hoorn. Ein Segelabenteuer, Delius Klasing 2019, ISBN 978-3-667-11555-3

 

Zu seinem 80. Geburtstag erscheint das 2002 schon veröffentlichte Buch „80.000 Meilen und Kap Hoorn“ des wohl, erfahrensten Blauwasserseglers Bobby Schenk in einer preiswerten Neuauflage. Allein mit seiner Frau unternahm er die atemberaubendsten Segelreisen auf allen Weltmeeren und fand eine zweite Heimat in der Südsee. Zusammen waren sie die ersten Segler, die auf der Passatroute einmal um die Welt segelten und das berüchtigte Kap Hoorn von West nach Ost umschifften.

 

Packend und mit einem lockeren Stil erzählt Bobby Schenk in diesem Buch, wie es ihn vom Chiemsee, den er als Binnensegler befuhr, hinaus in die Welt zog, wie er seine Fahrten finanzierte, wie es ihn nach seiner Auswanderung wieder nach Deutschland zog und wie er es schaffte, wieder ins bürgerliche Leben und seinen Büroalltag zurückzukehren.

 

Ohne zu beschönigen gibt Bobby Schenk seine Erfahrungen weiter und schenkt anderen Seglern den Mut und das Selbstvertrauen für den eigenen großen Segeltörn.

Nicht umsonst wird 80.000 Meilen und Kap Hoorn als die Bibel des Blauwassersegelns gefeiert.

 

Für alle Segelfreunde, die Bobby Schenk noch nicht kennen, ein schönes Buch. Aber auch Nichtsegler können wegen der wunderbaren Reise- und Länderbeschreibungen ihre Freude an diesem Buch haben.
 

 

Pfff…

 

Claude K. Dubois, Pfff…, Moritz Verlag 2019, ISBN 978-3-89565-371-1

 

Merle und Robbi sind Geschwister. Kleine Entengeschwister. Als ihnen der Vater das Tablet, mit dem sie ganze Zeit gespannt und gebannt gespielt haben, wegnimmt und sie nach draußen an die frische Luft zum Spielen schickt, da fühlen sich beide plötzlich regelrecht schlapp. Ihnen ist todlangweilig. „Pfff!“ kann Merle nur ihren Frust auspusten.

 

Auch als der Vater ihnen viele Spiele, die er offenbar aus seiner Kindheit kennt („Blinde Kuh“) vorschlägt, finden Merle und Robbie alles langweilig und doof.

 

Der Vater gibt nicht auf. Er findet Bewegung wichtig, vor allem für regelmäßige Daddler. Er baut das Planschbecken auf, doch der einzige, der es sofort und mit Begeisterung in Besitz nimmt, ist der Spatz, während die beiden kleinen Enten auf einer Bank eingeschlafen sind vor lauter Langeweile.  Doch ein Pups, der aus Robbies Hintern kriecht verändert alles. Und im Nu ist aus einem kleinen Streit ein lebendiges Wasserspiel im Planschbecken geworden, zum Erstaunen der Entenmama und zur Freude der Kinder.

 

Manche Tage ziehen sich hin wie Kaugummi. Bis plötzlich jemand eine tolle Idee hat!

Ein Bilderbuch, das zeigt, wie gemeinsam zu spielen immer noch den größten Spaß bereitet.

 

 

Niemals ohne sie (Hörbuch)

 

 

 

Jocelyne Saucier, Niemals ohne sie (Hörbuch), Random House Audio 2019, ISBN 978-3-8371-4689-9

 

Die kanadische Schriftstellerin Jocelyne Saucier hatte schon 2015 mit ihrem ebenfalls bei Insel erschienenen Roman „Ein Leben mehr“ ein außergewöhnliches Buch vorgelegt. Der hier vorliegende Roman „Niemals ohne sie“, der in Kanada schon im Jahr 2000 erschien und ihr insgesamt zweiter Roman ist, zeigt, dass Jocelyne Saucier schon sehr früh über jene poetische Sprachmacht verfügte, die „Ein Leben mehr“ zum internationalen Bestseller machte. Mit Sicherheit werden bald auch ihr erster 1996 erschienener Roman und weitere Werke aus den Jahren zwischen 2000 und 2011 ins Deutsche übersetzt werden.

Der Roman erzählt mit verschiedenen, wechselnden und aufeinander aufbauenden Stimmen der Kinder von den Cardinals, einer wahrhaft ungewöhnlichen Familie, die am Ende aus insgesamt 23 Mitgliedern bestehen wird.

 

Die 21 Kinder der Familie bezeichnen sich als  „Die Könige von Norco“. Sie stammen alle von den gleichen beiden Eltern, die beide wenig Zeit für ihre Kinder haben. Während die Mutter von morgens bis abends mit der Versorgung der Familie und dem Haushalt beschäftigt ist, ist der Vater permanent unterwegs, um als Erzsucher die Familie irgendwie finanziell über Wasser halten. Die Kinder sind sich selbst überlassen, wachsen mit großen Freiheiten, aber ohne viel Zuwendung auf, kümmern sich um sich selbst, die Großen um die Kleinen. Rau und oft auch brutal geht es unter ihnen zu, Machtkämpfe sind ihr täglicher Alltag.

 

Sie ziehen durch die Gegend und tyrannisieren jeden, der ihnen begegnet. Sie haben vor nichts und niemand Angst und die Wildheit von antiken Helden. Als das Bergbauunternehmen Northern Consolidated eine sehr ergiebige Erzmine in Norco, die den Cardinals das Einkommen sicherte, wegen eines Preissturzes auf dem Weltmarkt aufgibt, fühlt sich die ganze Familie betrogen und sie fassen den Entschluss sich zu wehren. Eine Entscheidung mit fürchterlichen Folgen, wie sich erst am Ende zeigen wird.

 

Man hat als Leser nach den ersten vier bis fünf Kapiteln alle entscheidenden Figuren kennengelernt, Menschen die man nicht immer sympathisch finden muss. Doch die Beschreibung ihrer gegenseitigen Beziehungen und die Schilderung der innerfamiliären Dynamik haben mich von Beginn an gefesselt. Wie die einzelnen Kinder, auch lange nachdem sie sich schon von der Familie gelöst und selbstständig gemacht haben, in ihren Lebensgeschichten miteinander verstrickt sind, wird erst Zug und Zug im Laufe des Romans deutlich, in einem Fall erst ganz am tragischen Ende.

 

Mit der Familie Cardinal und ihren 21 Kindern (kann eine Frau wirklich so viele Kinder bekommen?) hat Jocelyne Saucier eine ganz erstaunliche Familie aus den unterschiedlichsten Menschen und mit ihnen eine Welt geschaffen, die aller Rauheit und allem Kampf zum Trotz den Glauben an ein selbstbestimmtes, freies und gemeinschaftliches Leben aufrechterhält.

„Niemals ohne sie“ ist ein überwältigender Roman, der den Leser in seinen Bann zieht und ihn tief berührt mit Figuren, die ihn lange nicht loslassen.

 

In der Rahmenhandlung, die in der Gegenwart, also Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts spielt, kommt die ganze Familie (alle leben noch, auch die Mutter) nach Jahrzehnten wieder zusammen, weil der Vater eine Ehrung erhalten soll. Und an diesem Tag muss sich die Familie einem Vorkommnis stellen, wegen dem sie sich seit Jahrzehnten aus dem Weg gegangen sind. Aus verschiedenen Erinnerungen wechselnder Familienmitglieder im Rahmen dieses Treffens ist das Buch aufgebaut. Jeder erzählt aus seiner Sicht nicht nur die Geschichte der Familie und einzelner ihrer Mitglieder, sondern vor allem auch das lange mysteriös bleibende Schlüsselereignis, das alles verändert hat. Dass erst ganz am Ende offenbar wird, was damals geschehen ist, bevor sich die Familie in alle Winde zerstreute, ist spannend konstruiert.

 

Ein Buch, das mit seiner rauen Poesie und seiner sprachlichen Macht und Vielfalt fesselt von der ersten bis zur letzten Seite.

 

Mit den Stimmen von David Striesow, Claudia Michelsen, Anna Thalbach, Sabin Tambrea, Robert Stadlober und Benno Führmann (was für ein Top-Besetzung von bekannten und versierten Sprechern!) erzählen die Cardinal-Kinder in der hier vorliegenden gekürzten Lesung des Roman teils sanftmütig, teils wütend ihre jeweilige Gesichte und die ihrer Familie und hüten dabei lange und unerbittlich ihr Geheimnis. Durch die Leuchtkraft ihrer Stimmen entsteht mit diesem Hörbuch ein vielschichtiges und spannendes Puzzle aus Perspektiven und Erinnerungen.

 

 

 

 

Klarissa von und zu Karies. Vom Leben und Wirken einer Bakterie

 

 

 

Martina Fuchs, Agnes Ofner, Klarissa von und zu Karies. Vom Leben und Wirken einer Bakterie, Tyrolia 2019, ISBN 978-3-7022-3739-4

 

Die meisten Kinder lernen wenn nicht schon Zuhause, dann doch bald im Kindergarten, wie man sich die Zähne putzt und auch, dass das sinnvoll ist, sollen die Zähne kräftig und gesund bleiben. Und auch den Begriff Karies kennen sie spätestens nach ihrem ersten Besuch beim Zahnarzt.

 

Aber wie und warum Karies entsteht, welche Rolle bestimmte Bakterien dabei spielen und was das alles mit dem Reinehalten der Zähne zu tun hat, bleibt in diesem Alter meist im Dunkel.

 

Martina Fuchs hat für dieses sehr schöne und lehrreiche Sachbilderbuch, das Agnes Ofner lustig und witzig illustriert hat, die Figur der Klarissa Kamilla Klementine von und zu Karies erfunden und erzählt in 12 klar strukturierten Kapiteln davon, wie Karies entsteht und welche Bakterien daran beteiligt sind.

 

Die Kinder werden in die faszinierende Welt der Bakterien eingeführt und in ihr herumgeführt und erfahren spannende Erkenntnisse, was sich auf und zwischen ihren Zähnen so alles abspielt und warum sie den Bakterien mittels ordentlichem und regelmäßigem Zähneputzen zu Leibe rücken müssen.

 

Ein gelungenes Sachbilderbuch.

 

 

 

 

Der Rattenfänger von Hameln

 

 

Lisbeth Zwerger, Brüder Grimm, Der Rattenfänger von Hameln, minedition 2019, ISBN 978-3-86566-360-3

 

Wenn Lisbeth Zwerger mit ihrer unnachahmlichen Kunst ein Bilderbuch illustriert, dann wird die Geschichte, die darin erzählt wird, auf eine ganz genuine Weise interpretiert.

 

So ist es auch bei dem vorliegenden Buch, in dem die alte Sage vom Rattenfänger von Hameln erzählt wird, aus der zweibändigen Sammlung der Brüder Grimm aus den Jahren 1816/18.

 

Die Geschichte, die sich zum Vorlesen, aber auch für Grundschüler hervorragend eignet, ist in der Originalfassung abgedruckt.

 

Lisbeth Zwerger hat die bis heute in ihrem Ursprung und ihrem möglicherweise tatsächlichen Hintergrund rätselhaft gebliebene Sage über den Rattenfänger von Hameln und den Auszug der Kinder aus der Stadt zauberhaft ins Bild gesetzt und mit ihren Bildern die Phantasie des Lesers beflügelt.

Dabei gilt ihre Aufmerksamkeit ebenso dem Handlungsverlauf der Geschichte wie den Gefühlen der Menschen, die in dieses nach wie rätselhafte Ereignis verstrickt sind.

 

Ein ausgesprochen schönes Bilderbuch.

 

Altern. Sterben. Tod. Die Vergänglichkeit des Menschen aus der Sicht der Naturwissenschaften

 

 

Oliver Müller, Altern. Sterben. Tod. Die Vergänglichkeit des Menschen aus der Sicht der Naturwissenschaften, Gütersloher Verlagshaus 2019, ISBN 978-3-579-01471-5

 

Mit dem eigenen Altern, erst recht mit dem eigenen Sterben und dem eigenen Tod beschäftigt sich niemand gerne. Es sind schon lange Fragen, die in den Gesprächen, die wir mit anderen, auch unseren nächsten Angehörigen, führen, mit hohen und starken Tabus belegt sind.

Erst dann, wenn wir persönlich damit konfrontiert werden, etwa durch das Sterben und den Tod von Freunden oder nahen Verwandten, rücken uns diese Themen auf den Leib und sickern in unsere Seele. Wir können ihnen dann nicht mehr ausweichen und verdrängen doch. Es ist ganz erstaunlich, wie sehr selbst im Falle persönlicher Betroffenheit Sterbende und Angehörige nicht über das sprechen, was gerade geschieht, wahrscheinlich aus Angst den anderen zu verletzen. Ich war als Pfarrer lange der Meinung, es sei auf jeden Fall besser, immer über alles zu sprechen. Doch mittlerweile bin ich mir nach Sterbefällen in der eigenen Familie nicht mehr so sicher.

 

Das hat vielleicht auch mit dem eigenen fortgeschrittenen Alter zu tun und der langsam sich bemerkbar machenden eigenen Angst davor, irgendwann nicht mehr da zu sein, die ich vorher niemals verspürt habe.

 

Wie auch immer: es ist diese mehr oder minder stark ausgeprägte Angst vor er eigenen Vergänglichkeit und die Angst um diejenigen, die ohne mich zurückbleiben werden, die die meisten Menschen vor den Themen Alter, Sterben und Tod zurückschrecken lässt.

 

Das vorliegende Buch des Theologen, Mediziners und Naturwissenschaftlers Oliver Müller möchte hier aufklärend und unterstützend helfen. Mit einer auch für wissenschaftliche Laien meist verständlichen Sprache beschreibt er naturwissenschaftlich, was eigentlich passiert mit uns, wenn wir Menschen alt werden, wenn wir sterben und dann, wenn wir tot sind.

 

Ohne große Sentimentalität wirft Oliver Müller einen nüchternen Blick auf die Biologie alles Lebendigen, erhellend und klug. Doch er tut es nicht ohne Empathie. Er will durch Wissensvermittlung das Tabu brechen und die Angst vor dem Thema lindern. Das wirkt auch deshalb tröstlich, weil er auch die spirituelle und theologische Dimension der beschriebenen biologischen Vorgänge im Auge behält.

 

Er geht davon aus, dass man sich vor dem, was man kennt, nicht mehr so sehr fürchten muss. Ich bin jedoch sicher, es gibt Menschen, bei denen genau das Gegenteil der Fall ist.

 

Seine Zusammenfassung jedoch sollten sich alle zu Herzen nehmen, weil sie meiner Meinung nach nicht nur richtig ist, sondern der einzige Weg, die quälenden Fragen nach dem Tod durch ein eigenes gelebtes Leben zu beantworten:

„Die jedem Menschen geschenkte Zeit … ist begrenzt. Deshalb ist das eigene Leben genau wie auch das Leben jedes anderen Menschen unschätzbar wertvoll. Konsequenz dieser Erkenntnis muss eine zu jedem Zeitpunkt bewusste Lebensführung zum eigenen Wohl und zum Wohl anderer Menschen sein.“

 

 

 

 

Sterben und lieben. Selbstbestimmung bis zuletzt

 

 

Dietmar Mieth, Irene Mieth, Sterben und lieben. Selbstbestimmung bis zuletzt, Herder Verlag 2019, ISBN 978-3-451-38315-1

 

 

Dieses sehr persönliche Buch, das der ehemalige Professor für theologische Ethik und Sozialethik an der Universität Tübingen Dietmar Mieth nach dem Tod seiner Frau Irene 2017 sich nun entschlossen hat zu veröffentlichen, ist ein bewegender Bericht und eine nachdenkliche Reflexion über die gemeinsame Zeit, die er mit seiner geliebten Frau Irene verbracht hat, nachdem diese eines Tages im Jahr 2016 die schockierende Diagnose erhält, dass sie an Krebs im fortgeschrittenen Stadium erkrankt ist.

 

Nach dieser für beide erschütternden Nachricht, scheint eine Operation die letzte Rettung zu sein, doch Irene Mieth entscheidet sich dagegen und stirbt 2017. Dietmar Mieth war anderer Meinung. Er hielt eine Operation für sinnvoll. Die beiden Eheleute führen lange Gespräche, diskutieren, streiten auch über Irenes Entscheidung. In dem nachdenklichen Bericht Dietmar Mieths über diese Gespräche wird deutlich, dass dies den beiden nur möglich war, weil sie schon ihr ganzes Eheleben lang eine innereheliche Gesprächskultur gepflegt und eingeübt hatten.

 

Am Ende, nach langem innerem Kampf kann Dietmar Mieth die Entscheidung seiner Frau akzeptieren und begleitet sie dann bis zu ihrem Ende. Das Buch, das voller theologischer Reflexionen und Einsichten steckt, von der erlittenen und durchlebten Erfahrung erzählt, ist auf eine sehr direkte Art persönlich. Dietmar Mieth denkt über das Leben und das Sterben nach, reflektiert über Schmerz und die Zerbrechlichkeit unserer Existenz und spricht als gläubiger Christ über die Erfahrung von Hoffnung mitten in schrecklicher Ungewissheit.

 

Er hat seine Überlegungen ergänzt durch Auszüge aus dem Tagebuch seiner Frau, das sie während ihrer ganzen Krankheit führte, eine Fortsetzung ihres jahrzehntelangen Dialogs auf andere Weise.  Immer respektvoll und zutiefst getragen von ihrem gemeinsamen Glauben, ihrer Suche und der tiefen Verbundenheit mit der Mystik Meister Eckharts gehen sie miteinander durch die schweren letzten Tage und Wochen.

Und noch nach ihrem Tod ist der tief trauernde und getroffene Dietmar Mieth mit seiner Frau im Gespräch. Und er spürt: „Lieben, auch in der Schwachheit, ist immer wieder ein zu spürender warmer Mantel, den Hoffnung und Glaube uns um die Schultern legen.“

 

Am Ende eines berührenden und selten authentischen Buches formuliert er eine erstaunliche theologische Erkenntnis: „Die Intensität der Liebe nimmt im Glauben das Reich Gottes vorweg. Das Reich Gottes ist die Ausbreitung der Leichtigkeit der Liebe ohne Verlust der Intensität. Dafür gibt es keine Vorstellungen, aber intensive Hoffnungen. Der Glaube, den wir so in eine Gefühlssprache übersetzen, bleibt in der Schwebe. Er ist kein Standbild, er schwingt und fliegt. Ich will nur mitschwingen und mitfliegen.“

 

Ein ganz erstaunliches Buch über Leben und Sterben und die Hoffnung über den Tod hinaus.

 

 

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Thorwald Spangenberg, Leonardos Flugmaschinen. Anselmo und das Vermächtnis des Meisters

 

 

 

Stephan Martin Meyer, Thorwald Spangenberg, Leonardos Flugmaschinen. Anselmo und das Vermächtnis des Meisters, Gerstenberg 2019, ISBN 978-3-8369-5656-7

 

Mit ihren beiden Büchern „Mit dem Zeppelin nach New York“ und „Mit dem Orient-Express nach Paris“ haben die beiden Autoren des vorliegenden Buches schon erfolgreich gezeigt, wie man mit einer erfundenen Rahmengeschichte, in der Kinder die Hauptrolle spielen, ein historisches Geschehen spannend und informativ vermitteln kann.

 

In ihrem neuen Buch rechtzeitig zum 500. Todestag von Leonardo d Vinci erschienen widmen sie sich dessen Flugmaschinen.

 

Sie erzählen die Geschichte des vierzehnjährigen Anselmo, der nach dem Pesttod seiner ganzen Familie 1539  von seinem Onkel Giovanni, eine Kapuzinerbruder, in ein Konvent in Assisi gebracht und dort aufgenommen wird. Das karge und arbeitssame Leben der Mönche gefällt Anselmo zunächst überhaupt nicht. Doch eines Tages stößt er bei seinen Erkundungen auf geheimnisvolle Zeichnungen von Leonardo da Vinci, die dieser von ganz besonderen Flugapparaten gemacht hat und die auf ungeklärte Weise in das Kloster gelangt sind.

 

Diese Zeichnungen wecken den Eifer und den Forschergeist von Anselmo und er spürt nur noch den Wunsch endlich selbst zu fliegen. Doch nicht allen Mönchen im Konvent gefällt dieser Wunsch und sie beäugen das Tun ihres Schützlings mit Argwohn.

 

Das Buch ist eine sehr informative und spannende Reise in die Zeit des berühmtesten Erfinders und Künstlers der Welt, der im Mai vor 500 Jahren gestorben ist.

 

Gleichzeitig vermittelt es seinen jungen Lesern viel von dem Leben in einem Kloster und den Vorstellungen und dem Glauben der Mönche.

 

Wieder ein sehr gelungenes Werk von Stephan Martin Meyer und Thorwald Spangenberg.

 

 

Zorilla

 

 

Jutta Bücker, Zorilla, Kunstanstifter Verlag 2019, ISBN 978-3-942795-71-5

 

In diesem nachdenklichen Bilderbuch, dessen erste Entwürfe die Illustratorin Jutta Bücker schon vor zehn Jahren gezeichnet hat, geht es um den vernünftigen und menschlichen Umgang mit dem, was uns fremd ist.

 

Die Geschichte erzählt von einem Zorillamarder, der seit kurzem in der Stadt lebt und die ganze Nachbarschaft am Hafen in große Aufregung und Besorgnis gestürzt hat. Woher kommt er eigentlich?  Und was will er hier? Die Leute haben Angst vor ihm und entwickeln hinter seinem Rücken wilde Fantasien über ihn die jeglichen Realitätsbezug vermissen lassen. Wie das halt oft so ist, wenn die Leute mit etwas Fremden oder Fremden konfrontiert sind.

 

Irgendwann hat sich negative Energie so weit aufgeschaukelt, dass eine aufgebrachte Meute zum Haus des Zorillas zieht und eine große Überraschung erlebt.

 

„Zorilla“ ist eine zeitlos wichtige Bildergeschichte, die Mut machen soll, sich unbefangen und neugierig aufeinander einzulassen.