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Das grosse Burgfest. Ein Wimmelbuch mit den 10 kleinen Burgespenstern

 

 

Susanne Göhlich, Das grosse Burgfest. Ein Wimmelbuch mit den 10 kleinen Burgespenstern,  Orell Füssli 2018, ISBN 978-3-280-03561-0

 

Nach ihrem erfolgreichen Reimebuch über die zehn kleinen Burggespenster, das vor drei Jahren erschienen ist und weiteren  Büchern über die zehn lustigen Wesen, hat Susanne Göhlich nun, ganz ohne Worte unter dem Titel „Das grosse Burgfest“ ein Wimmelbuch mit den zehn kleinen Burggespenstern gezeichnet, das die Kinder einlädt, auf jeder Seite etwas zu suchen und zu finden.

 

Ein grosses Burgfest soll stattfinden und die zehn kleinen Burggespenster fangen gleich nach dem Aufstehen damit an ein großes Festessen vorzubereiten. In Küche und Backstube ist echt was los. Und der Burghof muss auch noch geschmückt werden.

 

Auf der vorderen Umschlagseite werden alle zehn Gesellen vorgestellt und auf der Hinterseite des Umschlags werden die Aufgaben beschrieben:

  • Auf jeder Seite sollen die 10 Burggespenster gefunden werden
  • Was macht das kleine Hündchen, das auf jeder Seite versteckt ist?
  • Und wo hat es seinen Lieblingsknochen schon wieder versteckt?

 

Ein toller Wimmelspaß.

 

 

 

 

Glaubst du an Einhörner ?

 

 

 

Bethanie Deeney Murguia, Glaubst du an Einhörner, Orell Füssli 2018, ISBN 978-3-280-03562-7

 

Dieses zuerst in England erschienene und von Seraina Maria Sievi ins Deutsche übersetzte Bilderbuch spielt mit der Wahrnehmung der Kinder und will sie schärfen. Viele Kinder kennen Einhörner als sagenhafte Wesen, haben eins vielleicht als Spielzeug zu Hause. Gesehen haben sie noch nie ein echtes, wissen vielleicht auch, dass es sie in der Realität nicht gibt.

 

Und doch: könnte das Pferd, das gleich auf der ersten Seite mit einem roten hohen Hut zu sehen ist, nicht ein Einhorn sein, das sein Horn versteckt? Und dann werden auf den weiteren Seiten alle möglichen Argumente aufgeführt, warum das Pferd ein Pferd ist und kein Einhorn.

 

Doch als das Pferd nach einer Zugreise vor einem Fluss, auf dessen anderer Seite ein sagenhaftes Schloss zu sehen ist, sich ohne Hut dorthin begibt, beginnen bei den nächsten Bildern die Zweifel. Ist da auf dem Kopf des Tieres nicht doch ein Einhorn zu sehen?

 

Ist es nun ein Einhorn? Schau genau hin. Es kommt ganz darauf an, was du siehst. Und: „vielleicht kannst du Einhörner nur sehen, wenn du an sie glaubst.“

 

Ein schön illustriertes Bilderbuchüber das genaue Hinschauen.

Nur Mut, kleiner Frosch

 

 

 

 

Richard Smythe, Nur Mut, kleiner Frosch, Orell Füssli 2018, ISBN 978-3-280-03584-9

 

Die Tiere, die in der Umgebung des Mondscheinweihers im Wald leben, haben eine lange Tradition. In der ersten Vollmondnacht im Winter, dann wenn der Mond besonders hell und groß und die Nacht besonders kalt und der Weiher zugefroren ist, treffen sie sich alle.

Sie treffen sich zum großen Mondscheintalentwettbewerb, für den sie alle schon lange trainiert und geübt haben, das ganze Jahr hindurch. Nur der Frosch, eines der kleinsten unter den versammelten Tieren, möchte dabei nicht mitmachen. Er glaubt kein Talent für so was zu haben. Und so versteckt er sich, dass ihn  niemand sieht: „Sie finden mich bestimmt blöd.“

 

So war das all die Jahre immer. Die Tiere führen ihre Kunststücke auf und der Frosch denkt in seinem Versteck traurig darüber nach, warum er das alles nicht kann. Als in diesem Jahr spät in der Nacht alle dran gewesen sind, und der Wettbewerb zu Ende ist, da ruft die kleine Schnecke: „Es sind noch nicht alle aufgetreten! Frosch hat noch kein Kunststück gezeigt!“

Als ihn jemand von der Jury fragt, was er denn könne, zappelt der Frosch aufgeregt auf dem Eis herum und verliert dabei das Gleichgewicht. Und was er dann an Bewegungen macht, rutschend, strampelnd, rudernd, hampelnd, stolpernd, wirbelnd, holpernd und zwirbelnd, beeindruckt die anderen Tiere sehr. Und als er, wieder auf dem Eis landend, noch ein Rad schlägt und der Jury vor die Füße fällt, da steht schnell fest, wer in diesem Jahr den Wettbewerb gewonnen hat.

 

Und dann bringt er den anderen Tieren das Eislaufen bei und hat auch eine Botschaft für sie und die das Buch betrachtenden Kinder:
„Du weißt nicht, ob du etwas kannst oder nicht, wenn du es nicht probierst!“

 

Ein schönes Mut machendes Bilderbuch für alle schüchternen, zögerlichen Kinder. Für alle, die glauben, nichts richtig zu können. Ein Buch für die stillen in der Gruppe, für die, die sich nie melden.

 

Loyalitäten

 

 

 

 

Delphine de Vigan, Loyalitäten, Dumont 2018, ISBN 978-3-8321-8359-2

 

Das neue Buch von Delphine de Vigan hat mich tief beeindruckt und bewegt. Sie erzählt daran von Menschen, die allesamt eine Bürde mit sich herumtragen, die aber nicht offensichtlich werden darf. Ihr Leiden am Leben und ihrem Schicksal, ihre Scham, ihre Lügen anderen gegenüber und die Geschichten, die sie erzählen, um andere nicht zu verletzen, sie zu schützen und um selbst irgendwie zu überleben –all das sind „Loyaliäten“, denen sie sich unausgesprochen verpflichtet wissen und die sie an den Rand ihrer Kräfte bringen.

 

Die Hauptpersonen des kleinen Romans, dem es gelingt auf knappem Raum mehr zu erzählen als so mancher dicker Wälzer, sind der 12-jährige Theo, seine Lehrerin Helene, seine Mutter Cecile und sein Freund Mathis. Abwechselnd lässt de Vigan diese Personen in einer fortlaufenden, sich durchaus spannend zuspitzenden Handlung erzählen, wobei die beiden Erwachsenen in der Ich-Form berichten.

 

Helene, der Lehrerin, fällt der neue Schüler Theo Lubin bald auf. Sie spürt, dass mit dem Jungen irgendetwas nicht in Ordnung ist, und bemüht sich, in Gesprächen mit dem Schulleiter zu erklären, was sie spürt.  Auch einem befreundeten Kollegen namens Frederic öffnet sie sich, doch der, durchaus auch beunruhigt, hält ihren seelischen Zustand für „kurz vor dem Zerspringen“ und rät ihr, alles nicht so ernst zu nehmen.

Helene ist nicht überzeugt, zumal sie bei Theo die ganze Zeit der Handlung über immer mehr besorgniserregende Veränderungen feststellt. Doch sie scheint in den Loyalitäten ihrer Schulbürokratie gefangen und als sie endlich durchbricht, scheint es zu spät.

 

Auch mit den Eltern hat Helene gesprochen, aber die sind geschieden und scheinen nur mit sich selbst beschäftigt. Theo indes, ein ruhiger und guter Schüler, kümmert sich (Loyalitäten!) um die unglückliche Mutter und den vereinsamenden und verwahrlosenden Vater.

 

Theo ist mit allem überlastet und trinkt heimlich Alkohol. Der wärmt ihn und schützt ihn vor der ihm als unwirtlich erscheinenden Welt. Nur sein Freund Mathis weiß von Theos immer stärker werdendem Alkoholkonsum, schweigt aber. Theo weiß genau, was der Alkohol schlussendlich mit ihm machen wird, doch er ist hilflos. Er spürt, dass seine Lehrerin Helene ihm helfen möchte, aber er kann doch nicht seine Eltern verraten!

Auch Mathis würde gerne seiner Mutter von seiner Angst um Theo erzählen, doch er ist doch sein einziger Freund. Außerdem würde er dann seinen älteren Bruder bloßstellen, der den Alkohol für Theo und andere Minderjährige besorgt.

 

Immer mehr spitzt sich die Lage zu, keiner wagt wirklich einzugreifen, zu viele Loyalitäten stehen dagegen. Und als Mathis` Bruder ein Spiel im schneebedeckten Park vorschlägt, ist Theo bereit, seinen eigenen Tod in Kauf zu nehmen und zu suchen.

 

Das Spiel läuft aus dem Ruder und als die endlich von Mathis informierte Helene im Park ankommt, und zwei Mal zu dem leblosen Theo sagt: „Ich bin da“, weiß man nicht, ob es nicht schon längst zu spät ist.

 

Delphine de Vigans Roman dieselt wie auch ihrer früheren Bücher sehr lange im Leser nach. Er geht ihm unter die Haut. Man kann das Buch und vor allen Dingen die Personen lange nicht vergessen. Wie viele Theos und Mathisse sitzen da in unseren Klassenzimmern und wie viele Lehrer nehmen überhaupt noch wahr, was mit ihnen los ist?

Mira

 

 

Sabine Lemire, Rasmus Bregnhoi, Mira, Klett Kinderbuch 2018, ISBN 978-3-95470-189-6

 

Franziska Gehm, selbst bekannt durch zahlreiche witzige Bilderbücher hat diesen Comic für alle neugierigen Mädchen zwischen 9 und 12 Jahren aus dem Dänischen übersetzt. Dort erschien das Buch 2017, in dem Sabine Lemire und Rasmus Bregnhoi von Mira erzählen, einem Mädchen etwa im zehnten Lebensjahr. Sie lebt mit ihrer Mutter zusammen, die als Werbetexterin arbeitet. Ihren Vater kennt sie nicht, weil er schon vor ihrer Geburt ihre Mama verlassen hat. Sie würde ihn aber gerne einmal kennenlernen.

Mehr als das aber quält sie derzeit etwas anderes. Miras beste Freundin Jette hat mit Beate, einem Mädchen, das gerade neu in die Klasse gekommen ist, einen Club der Verliebten gegründet und Mira dabei ausgeschlossen. Sie darf deshalb nicht mitmachen, weil sie angeblich noch nie verliebt war. Mira würde gerne verliebt sein, und hofft, dass es mit ihrem Schulfreund Louis geschieht, wenn sie sich beide entsprechend anstrengen.

 

Und sie fragt sich, warum sich ihre Mutter im Verlauf eines Jahres (der Comic umfasst diesen Zeitraum) mehrmals verliebt, und es bei ihr selbst so gar nicht klappen will.

 

Auf eine witzige und für Mädchen in diesem Alter wohl sehr nachvollziehbare Weise erzählt Mira vom Aufwachsen in Zeiten von Instagram und Twitter. Ein Buch, das handelt von Freundschaft und Eifersucht, den ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, dem eigenen Körper und einem Gefühl, das schon früh zu Beziehungen dazuzugehören scheint: der Eifersucht.

 

Und davon, wie es ist, wenn man eine coole Mutter hat, die einem aber manches Mal peinlich ist.

Die Comicform wird helfen, das Buch für viele Mädchen, die sonst nicht so gerne das Handy weglegen und ein Buch lesen, nutzbar zu machen.

Es ist witzig getextet und gezeichnet.

 

 

 

 

Sehen, hören , fühlen

 

 

 

Guiliano Ferri, Sehen, hören , fühlen, minedition 2018, ISBN 978-3-86566-292-7

 

Guiliano Ferri ist ein begnadeter italienischer Bilderbuchautor, dem es mit seinen oft Tiere darstellenden Illustrationen und seinen in der Regel knappen Texten gelingt, schon kleine Kinder in ihren Gefühlen und Sinnen anzusprechen.

In seinem neuen hier vorliegenden Buch geht es um die Wahrnehmung, das Funktionieren und die Bedeutung der fünf Sinne.

Die Blumen, die man riechen kann, die Augen, mit denen man Mond und Sterne am Himmel sehen, die Ohren, mit den man hören kann, wie die Vögel singen, die Zunge und der Mund, mit denen man köstliche Früchte schmecken kann und die Hände, die die warmen Hände der Mutter fühlen können. Und das Fuchskind, das auch auf dem Umschlag mit seiner Mama abgebildet sagt am Ende zu ihr, wie sich all seine Sinne auf sie richten und was das für es bedeutet:

„Mit meine fünf Sinnen kann ich deine Augen sehen, deine Gutenachtgeschichten hören, deinen Duft riechen, dein gutes Essen schmecken, deine Umarmungen fühlen – und ich weiß, dass du mich lieb hast.

 

Ein zauberhaft schönes kleines Bilderbuch, mit mehreren Klappen zum Entdecken und mit einem kleinen Fuchsfell zum Streicheln und Fühlen.

Für kleine Kinder, für die dieses Buch gedacht ist, sind die Sinne zunächst ausschließlich auf seine Mutter gerichtet. Später entdeckt es mit ihnen die Welt, aber die ersten Wahrnehmungen bleiben. Bindung und Liebe. Darum geht es.

 

Die Bücher Ferris kann man ausnahmslos empfehlen.

Namibia

 

 

 

 

Michael Poliza, Namibia, teNeues 2018, ISBN 978-3-96171-128-4

180 Länder hat er nach eigenen Angaben mittlerweile bereist, der international bekannte und erfolgreiche Fotograf Michael Poliza. Auf allen Kontinenten ist er gewesen und dabei ist Afrika nach wie vor sein Favorit. Und auf dem afrikanischen Kontinent selbst bleibt Namibia einer seiner Favoriten.

 

Schon in dem schwergewichtigen Fotoband „Eyes over Africa“ hatte er seine persönliche Liebeserklärung an einen Kontinent, seine Natur und seine Menschen dokumentiert. Eine große Mehrzahl der Bilder war aus der Luft aufgenommen, was ihren besonderen Reiz ausmachte und eine ganz ungewöhnliche Perspektive warf auf eine Natur voller Gegensätze und Extreme.

 

Auch der hier vorliegende Band „Namibia“ ist ein absolutes Schmuckstück und ein Beispiel dafür, wie ein Fotograf mit seinen Bildern dem Betrachter viel mehr vermitteln kann  als ein bloßes Abbild dessen, was er durch sein Objektiv gesehen hat.

Atemberaubende Landschaften und natürliche Denkmäler wie die höchsten Sterndünen der Welt um das Sossusvlei, das NamibRand-Naturreservat, die Kalahari-Wüste und die Spitzkoppe, um nur einige zu nennen, reihen sich hier aneinander . Spektakuläre Aufnahmen aus der Luft und vom Boden präsentieren die namibische Natur- und Tierwelt, ergänzt durch Porträts der Ureinwohner, die dort ein traditionelles Leben als Viehzüchter und Kleinbauern führen. Dass auch die Wüste lebt, wird hier eindrucksvoll vor Augen geführt: Insbesondere nach den selten auftretenden Regenfällen. Oryxantilopen, Schakale und Erdmännchen, Strauße und Springböcke sind da, wo die Pflanzen dann sprießen und locken wiederum ihre Feinde an. Die im Jägerjargon betitelten Big Five Löwen, Leoparden, Elefanten, Büffel und Nashörner sind in diesem Gebiet ebenfalls heimisch und teilen sich das Wenige, was vorhanden ist, stets im ökologischen Gleichgewicht.

 

Dieses wertvolle Buch, das seinen teuren Preis aber wert ist, eignet sich als repräsentatives Geschenk für Freude der Fotografie einerseits und für Liebhaber des afrikanischen Kontinents andererseits.

 

Vielleicht ist es aber auch für den Betrachter Anlass einmal über einen Urlaubsaufenthalt in diesem touristisch gut erschlossenen Land nachzudenken.

 

Gamers Edition 2019

 

 

Guinness World Records, Gamers Edition 2019, Ravensburger Verlag 2018, ISBN 978-3-473-55461-4

 

Mit diesem Buch einer neuen Reihe des Ravensburger Verlags können Gamer aller Sparten sich stundenlang verweilen. Denn mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren ist die Gamer’s Edition das ultimative Jahrbuch für jeden Gamer! Randvoll mit herausragenden Rekorden, fantastischen Statistiken und verblüffenden Fun Facts zu den beliebtesten Spielen, bietet die neue Ausgabe mehr Spannung und Action als jede andere vor ihr. Diesmal ist natürlich alles über den Smash-Hit POKÉMON GO dabei, außerdem die erfolgreichsten Pro-Gamer und die größten YouTube-Stars, dazu fantastische Bilder und exklusive Interviews. Egal ob Super Mario, Skylanders oder Spider-Man, die GWR Gamer’s Edition hat sie alle!

 

Auch die Edition 2019, nun von Hoffmann und Campe zu Ravensburger gewandert, präsentiert faszinierende Leistungen, tolle Rekorde, Wissenswertes und Witziges rund um die beliebtesten, coolsten und viralsten Computerspiele des Jahres und stellt die Menschen vor, die sie spielen.

 

 

 

 

Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Väter und Mütter

 

 

 

Konrad H. Jarausch, Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Väter und Mütter, Wbg Theiss 2018, ISBN 9878-3-8062-3787-0

 

Mit diesem Buch legt der Historiker Konrad Jarausch nach „Aus der Asche. Eine neue Geschichte Europas im 20.Jahrhundert“  eine deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts vor unter dem Titel „Zerrissene Leben. Das Jahrhundert unserer Mütter und Väter“.

 

Er hat dazu die Lebensgeschichten und Autobiographien von über 80 Zeitzeugen ausgewertet und in ihrem Spiegel versucht, die Generation der Mütter und Väter der heutigen Leser zu verstehen. Alle diese Menschen, darunter sehr bekannte wie Joachim Fest, Fritz Stern, Dorothee Sölle und Ruth Klüger sind während der Weimarer Republik geboren. Diese Generation hat die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg erlebt, aber auch die Nachkriegszeit in der BRD oder der DDR bis hin zur Wiedervereinigung.

 

Ganz verschiedene Lebensläufe hat Jarausch zusammengetragen, ihre Spannweite geht von glühenden Nazis bis zu jüdischen Holocaust-Opfern, von politischen Wendehälsen bis zu unpolitischen Zeitgenossen. Es sind meist gebrochene Biographien aus denen der Autor in vielen Mosaiksteinen eine Art kollektive Biographie des 20. Jahrhunderts entstehen lässt. Wie haben diese »ganz normalen Deutschen« das 20. Jahrhundert erlebt, erlitten und verarbeitet?

Die Mosaiksteine sind gebildet aus praktisch allen Bevölkerungsgruppen. Männer, Frauen, Arbeiter, Bürger, Arme und Reiche. Es finden sich Katholiken, Protestanten und Juden. Täter, Opfer und Mitläufer während der NS-Zeit, Bürger der BRD und Bürger der DDR.

 

Es ist diese Mischung, die das Buch von Konrad Jarausch zu einem faszinierenden und sehr gut lesbaren Geschichtsbuch macht. Ein Buch, das den einen oder anderen seine Vorfahren, Eltern und Großeltern näher bringen kann, weil es verstehen will und nicht verurteilen.

 

Das ganze Leben in einem Tag

 

 

 

 

Andreas Salcher, Das ganze Leben in einem Tag, Ecowin 2018, ISBN 978-3-7110-0164-1

Andreas Salcher ist mit seinen Büchern zu einem leidenschaftlichen Anwalt für mehr Achtsamkeit im Umgang der Menschen miteinander und mit sich selbst geworden. Seine im Salzburger Ecowin-Verlag erschienenen Werke sind auch einem deutschen Publikum seit einigen Jahren ein Begriff geworden.

 

In seinem Buch „Der talentierte Schüler und seine Feinde“ schrieb er etwa an gegen eine massenhafte Talentvernichtung an unseren Schulen. Auch „Der verletzte Mensch“ und „Meine letzte Stunde“ waren Bücher von hoher Intensität, in denen sich Salcher ausführlich und bis in Tiefen seiner eigenen Seele und Persönlichkeit mit seinen Themen befasste. „Meine letzte Stunde“ etwa war ein flammendes und lebendiges Plädoyer dafür, die Unachtsamkeit gegenüber unserem eigenen Leben aufzugeben, es endlich wertzuschätzen und sich dann eben auch mit seinem Ende auseinanderzusetzen. „Machen Sie sich die letzte Stunde zum Freund, anstatt ihr unvorbereitet als Fremder zu begegnen.“

 

Sein letztes 2012 erschienenes Buch richtete sich an seinen Enkel, dem er am Ende folgende Worte mitgab:

„Am Ende des Tages bleibt von uns nur der Tropfen im Ozean. Dieser Tropfen muss keine Träne sein. Du hast Deine Geschichte, für die Du verantwortlich bist. Dein Leben kann gelingen. Wer will nicht Teil von etwas Bedeutendem sein. Wer will nicht auf der richtigen Seite gestanden sein. Wie gut wäre das Gefühl, wenn Du eines Tages auf die Frage nach Deiner Verantwortung antworten kannst: Ich habe es gesehen, ich habe getan, was ich konnte, und das Schöne war, ich bin nicht allein geblieben.“

 

Nun widmet er „allen neugierigen und lernenden Menschen“ ein neues Buch, dem er den Titel gab“ Das ganze Leben in einem Tag“. Getreu der Devise von Marcel Proust „Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit neuen Augen zu sehen“, ermöglicht er es seinen Lesern aller Altersstufen mit in 24 Stunden beschriebenen Lebensthemen wie ein Forscher auf ihr eigenes Leben zu schauen. Er empfiehlt seinen Lesern zunächst sich mit der Stunden zu beschäftigen und dem Lebensalter, in dem sie sich im Augenblick befinden, bevor sie zu den anderen Tagen gehen.

Immer geht es darum, die ungeahnte Möglichkeiten dieser Methode zu nutzen: denn man kann jeden Tag neu entscheiden, wohin man sich selbst weiter entwickeln will.

 

Salcher beschreibt immer wieder den erkennenden Menschen, der seinen Verstand zu nutzen weiß. Über den suchenden Menschen, der über seine eigene Existenz hinausdenkt, den verzeihenden Menschen, der mit sich und anderen im reinen ist, den neugierigen Menschen, der nie aufhört zu lernen und den verletzbaren Menschen, der zu Liebe und Mitgefühl fähig ist.

 

Wer die bisherigen Bücher von Andreas Salcher kennt, die er im 1-2 Jahresrhythmus geschrieben hat, wird vieles in diesem neuen Buch wiedererkennen.  Es liest sich wie eine Art Zusammenfassung seiner Philosophie, wie ein persönliches Vermächtnis.