Das Schönste, was ich sah

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Asta Scheib, Das Schönste, was ich sah, Hoffmann und Campe 2009, 413 Seiten, ISBN 978-3-455-40196-7

Das vorliegende  Buch der Schriftstellerin Asta Scheib zeigt die Autorin mit der Vorliebe für historische Sujets wieder einmal von ihrer allerbesten Seite. So wie schon bei ihren früheren historischen Romanen hat sie sehr sorgfältig recherchiert.

„Es geht um einen Maler“, sagt sie selbst über ihr Buch, „einen Maler, der im vorigen Jahrhundert gelebt hat und der ein sehr interessantes, starkes Leben hatte. Das ist Giovanni Segantini. Er wurde in Arco geboren, damals Österreich, und kam dann nach Mailand, auf die Hochschule. Dort hat er wirklich Malerei studiert. Als er 40 war, wurde er weltberühmt, und dann starb er. Also, eine ganz tragische Geschichte.“

Mit vielen Nachkommen dieses außergewöhnlichen Landschaftsmalers, der schon zu Lebzeiten die europäische Kunstszene begeisterte, hat Asta Scheib lange und persönliche Gespräche geführt und ist so zu ganz intimem Material gelangt, dessen Reichtum der endgültigen Romanfassung eine Sprache, einen Stil und Inhalt gibt, dass man als Leser denkt, die Autorin sei sozusagen als unsichtbare Chronistin immer schon in Giovanni Segantinis Leben gewesen.

Dieses Leben beginnt eher trostlos. Der spätere Maler wird in arme und kärgliche Verhältnisse hinein geboren. Die Kindheit, die ihm bei seiner Geburt bevorsteht, ist ein einziger Weg des Leidens und erlittener, zum Teil unsäglicher Qualen. Seine Mutter ist seit seiner Geburt schwer krank und sie stirbt, als Giovanni noch ganz klein ist. Sein Vater ist dem Alkohol verfallen, kann sich um seinen Sohn nicht kümmern und gibt ihn zu Verwandten, die aber auch keine positiven Gefühle für ihn übrig haben. Im Gegenteil, Giovanni kommt nach seiner Flucht von seiner Halbschwester Irene in eine Besserungsanstalt für Jugendliche, und dort erlebt er eine Hölle von körperlicher und seelischer Gewalt. Sein außergewöhnliches Talent im Malen und Zeichnen wird dort allerdings auch bemerkt und in Maßen unterstützt.

Irgendwann kann er diese Zuchtanstalt jedoch verlassen und wird an der Kunstakademie in Mailand zum Studium angenommen. Seine Arbeitsproben sprechen für sich.

In diese Zeit fällt das Kennenlernen von Luigia Bugatti, eine junge sechzehnjährige Frau aus wohlhabendem Haus an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Giovanni malt sie, wieder und immer wieder. Er verliebt sich in sie, wirbt um sie und lässt sich eines Tages von der jungen Frau, die ihrerseits sich den Maler verliebt hat, verführen.

Gegen alle Erwartungen und damaligen gesellschaftlichen Gepflogenheiten stimmen Luigias Eltern zu, dass ihre Tochter der Lebensgefährte des armen und mittelosen Künstlers wird. Doch Bice, wie er sie sein Leben lang zärtlich und liebevoll nennen wird, wird ihn nie heiraten können. Giovanni hat den Wehrdienst verweigert, ist vor der Kaserne geflohen und hat seine Staatszugehörigkeit darüber eingebüßt. Staatenlos und ohne Pass wird er lange Jahre überall, wo er sich mit seiner Familie niederlassen wird, nur geduldet sein, immer mit der Angst vor Ausweisung und Verhaftung lebend.

Doch Luigia Bugatti liebt ihn über alles, bekommt vier Kinder von ihm und ist ihm eine liebevolle und treu sorgende Ehefrau bis zu seinem Tod.

Das Leben der beiden ist nicht leicht; es ist geprägt von ständigen Geldsorgen und häufigen Wohnungs- und Ortswechseln.

Resultieren die Geldnöte im Anfang noch aus der Tatsache, dass kaum jemand Segantinis Bilder haben will und sein Freund und Agent in Mailand ihn immer wieder übervorteilt, so haben sie auf dem Höhepunkt seines Ruhmes, als seine Bilder ihm zu wahnsinnigen Preisen regelrecht aus der Hand gerissen werden, ihre Ursache in seiner Unfähigkeit mit Geld umzugehen. Hat er welches, macht er insbesondere Bice wertvolle Geschenke, die sich auch darüber freut, dennoch der nächsten Durststrecke bang entgegensieht.

Überhaupt ist es faszinierend zu lesen, wie diese Frau ihrem geliebten Mann durch dick und dünn beisteht, seine Schwächen akzeptiert und ihm damit den Boden bereitet für seine erfolgreiche Kunst. Ohne sie wäre der Maler Segantini undenkbar, das hat Asta Scheib in ihrem wunderbaren Roman, der die Familie auf ihrem unruhigen und sorgenvollen, immer wieder aber auch überglücklichen Weg durch das Leben begleitet, in sehr sympathischer Weise gezeigt.

Doch es ist nicht nur ein Familienroman, eine Liebesgeschichte und die Schilderung eines Künstlerschicksals, sondern der Roman ist auch kunstgeschichtlich beeindruckend. Asta Scheib hat sich in Segantinis Bilder vertieft, ist in ihnen aufgegangen. Zusammen mit dem offiziellen und inoffiziellen Quellen, die sie bei ihren Recherchen angezapft hat, ist es ihr so gelungen, nicht nur eine Künstlerexistenz darzustellen, sondern sie hat einen bewegenden Roman einer Beziehung geschrieben zwischen einem Mann und einer Frau, wie sie so vielleicht heute nicht mehr möglich wäre.

Dabei achtet Asta Scheib auf jedes erdenkliche Detail, nicht nur in den leuchtenden Landschaftsbeschreibungen der Schweiz, sondern auch in der Schilderung der Umstände dieses Lebens und Paares und der damaligen Zeit ist sie regelrecht versessen auf das Detail. Was sie fasziniert hat:

„Meine Romanfiguren haben alle gemeinsam, dass sie in ein Schicksal hineingeboren worden sind, was ihnen nicht gemäß ist. Und ich beschreibe dann, wie sie mit aller Kraft versuchen, sich ihre Stelle, die richtige Stelle zu erarbeiten. Und das tut auch dieser Maler.“

„Das Schönste, was ich sah“ ist ein faszinierender Roman in einer dichten, dem Sujet angemessen Sprache, der den Leser in seinen Bann zieht, dass er regelrecht mitfiebert mit dem Schicksal dieser besonderen und außergewöhnlichen Liebe zwischen Giovanni Segantini und Luigia Bugatti.

 

 

Atlas der Abenteuer

 

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Sarah Sheppard, Atlas der Abenteuer, Klett Kinderbuch 2015, ISBN 978-3-95470-117-9

 

Dieser Atlas für Kinder ab etwa 8 Jahren liefert eine unterhaltsame und anregende Weise eine Vermittlung von erstem Wissen aus Geografie, Geologie, Biologie, Geschichte und vielem mehr. Er setzt in Inhalt und Gestaltung genau an den Interessen der Kinder an und leitet sie auf eine aufregende und abenteuerliche Weise durch die Welt.

Wo etwa liegen noch heute kostbare Edelsteine und Piratenschätze versteckt? Wer war der erste Mensch am Südpol, wer der erste auf dem höchsten Berg der Erde?

Als kleiner Schuljunge habe ich solche Bücher geliebt. Bücher, die mir etwas erzählten von der Welt und ihren Geheimnissen. Bücher, die mich entführten in Teile der Welt, von denen ich nur träumen konnte (auch heute noch übrigens). Bücher, in denen ich mich regelrecht verlieren konnte.

Für solche aufgeweckten Tagträumer ist dieses Buch sehr gut geeignet.

 

 

Als das Faultier mit seinem Baum verschwand

 

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Oliver Scherz, Als das Faultier mit seinem Baum verschwand , Beltz & Gelberg 2015, ISBN 978-3-407-82067-9

 

In einem Urwald in einem fernen Land hängt das Faultier an seinem Baum, denn ein Faultier verlässt seinen Baum niemals. Nicht mal, wenn der Baum gefällt wird. Zusammen mit dem Faultier reist er über den Ozean, kommt in ein Sägewerk und wird zu einem Stuhl – an dem kopfüber das Faultier hängt. Niemals würde es seinen Baum verlassen, nichts zu machen. Nur Paul ahnt, dass es so nicht weitergehen kann und steckt es, mit dem Stuhl, in einen Karton. Adresse: Urwald!

Das Leben ist schön und einfach, wenn man weiß, wo man hingehört. Aber was passiert, wenn die eigene Heimat plötzlich durcheinandergebracht wird? Wenn zum Beispiel der eigene Lieblingsbaum, an den geschmiegt es sich so wunderbar schlafen lässt, gefällt wird und beim Aufwachen alles anders ist als zuvor?

So passiert es dem armen Faultier, der Hauptfigur dieses Bilderbuchs. Mit wunderbar großen Augen schaut es einen an und versteht die Welt nicht mehr. Bis es seinen Baum wiederfindet, der nun ein Stuhl geworden ist. Aber das Faultier ist nicht wählerisch: Schmiegt es sich eben an den Stuhl!

Dem kleinen Paul ist es zu verdanken, dass diese Geschichte ein gutes Ende nehmen kann. Denn Paul überredet nicht nur seinen Papa zum Stuhl-Kauf, er weiß auch wie sich Heimweh anfühlt. Und statt große Worte zu machen, hilft er dem Faultier.

Es ist eine schräge Geschichte, die Oliver Scherz erzählt, aber sie berührt und ist auf verschiedenen Ebenen zu lesen. Sie erklärt Heimweh und dass manche Gefühle universal sind. Aber sie ließe auch Diskussionen darüber zu, woher eigentlich das Holz für unsere Möbel kommt und warum wir dafür einen Dschungel abholzen müssen. Es macht diese Geschichte besonders sympathisch, dass sich dieser Tiefsinn nicht aufdrängt. Der Leser kann sich auch einfach von den herrlichen Illustrationen Katja Gehrmanns mitreißen lassen, mit den Affen durch den Dschungel purzeln und einfach sagen: Ein fabelhaftes Bilderbuch!

 

Sitz!

 

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Alex Latimer, Sitz!, Lappan 2015, ISBN 978-3-8303-1228-4

 

„Eine freche Hundegeschichte“ erzählt und illustriert der Brite Alex Latimer in dem vorliegenden Bilderbuch, ein Buch, das Kindern, die einen Hund haben, auf eine humorvolle Weise die Einsicht vermittelt, wie wichtig Regeln sind und eine gute Erziehung.

Emils Eltern haben nach langem Zögern dem Wunsch ihres Sohnes Emil zugestimmt und ihm einen Hund gekauft. Charly, so heißt er ist für Emil der beste Hund der Welt, aber für alle anderen ist er schwierig und anstrengend. Als sie mit Emil in Urlaub fahren wollen, beschließen sie, dass Charly bei Opa zu Hause bleiben soll.

Damit es Charly bei Opa gut geht und der mit ihm gut zurechtkommt, schiebt Emil dem Großvater eine lange Merkliste. Doch Opa gibt bald verzweifelt auf, weil Charly einfach überhaupt keine Regeln kennt und auch noch keine ordentliche Hundeerziehung genossen hat.

Er beginnt sich täglich mehrmals darum zu kümmern, und als Emil nach Hause kommt, erstattet Opa Bericht. Charly ist in seinem verhalten wie ausgewechselt, und im nächsten Urlaub darf er sogar mitkommen.

Ein schönes und sehr lustig gemachtes Bilderbuch

Und wer umarmt mich?

 

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Henning Löhlein, Charlotte Habersack, Und wer umarmt mich ?, Ravensburger Verlag 2015, ISBN 978-3-473-44651-3

 

„Die Tiere machen tolle Sachen,

planschen, spielen, toben, lachen.

Am See im Wald, da steppt der Bär,

bloß Dieter, der beschwert sich sehr.“

In solchen schönen und lustigen Reimen geht es in dem vorliegenden Bilderbuch weiter. Dieter ist ein kleiner Dino, der darunter leide, dass er keine Freunde hat und keiner ihn umarmt. Was er auch tut, wie er sich auch anstrengt, keiner beachtet ihn.

Als er eines Tages einem kleinen Küken geholfen hat und sich danach sehr wohl fühlt, kommt ihm eine Erkenntnis:

„Zuhören, jemand trösten, leben,

Umarmung schenken ist gleich kriegen.“

Sofort malt er ein Schuld auf der er Umarmungen kostenlos anbietet, zum großen Erstaunen und auch zur Belustigung der anderen Tiere. Doch eine Warzenkröte, die nie jemand auch nur anfassen will, nimmt Dieters Angebot an und bricht den Bann.

Das Buch mit den Reimen von Charlotte Habersack und den lustigen Illustrationen von Henning Löhlein ist von der weltweiten „Free Hugs“ Aktion inspiriert und erzählt von offenen Herzen und von dem Glück, den ersten Schritt zu tun.

Das Verbrechen. Kommissarin Lunds 3. Fall

 

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David Hewson, Das Verbrechen. Kommissarin Lunds 3. Fall, Zsolnay 2105, ISBN 978-3-552-05713-5

 

Normalerweise werden erfolgreiche Krimiserien immer weiter fortgesetzt, solange, bis die Auflage oder die Einschaltquote nicht mehr stimmt. Der neue Roman von Donna Leon „Tod zwischen den Zeilen“, der dreiundzwanzigste(!) Fall für den immer jungen Commissario Brunetti aus Venedig ist dafür nur eines von vielen abschreckenden Beispielen. Der Drehbuchautor Sören Sveistrup, nach dessen Drehbuch David Hewson auch den dritten, die Reihe um Kommissarin Lund abschließenden Teil verfasst hat, hat sich dafür entschieden, ein dem Seelenzustand seiner Protagonistin entsprechendes Ende zu wählen.

Wer die dritte Staffel der Fernsehserie gesehen hat, kennt den Ausgang, doch wer, wie der Rezensent, der schon von den ersten beiden Büchern begeistert war, kaum Fernsehen schaut, wird am Ende des Bandes eine nicht für möglich gehaltene Überraschung erleben.

Zum ersten Buch schrieb ich eine Bemerkung, die auch für den zweiten und den hier vorliegenden letzten Band Geltung hat:

„Dieser außergewöhnliche Roman beschreibt eine epische menschliche Tragödie und ermöglicht einen erschütternden Einblick in das Wesen der Trauer. Und im Subtext geht es immer wieder um die Frage, die auch schon andere Krimiautoren, vorzugsweise aus Skandinavien umgetrieben hat: Was geschieht, wenn eine Gesellschaft den menschlichen Zusammenhalt vergisst?“

Zu Beginn des dritten Bandes steht Sarah Lund vor ihrem 25- jährigen Berufsjubiläum als Polizistin. Es ist geplant, dass sie in die Analyseabteilung wechselt, ein reiner Bürojob. Doch kurz davor wird sie zum Einsatz ins Kopenhagener Hafengebiet gerufen. Dort wird eine übel zugerichtete Leiche gefunden auf dem Gelände der Firma Zeeland. Dieser große Mischkonzern gehört der Familie Zeuthen. Kurz darauf wird die neunjährige Tochter des jungen, in der alten Firmenleitung sehr umstrittenen Firmenerbens entführt.

Bald schon meldet sich der Entführer, doch Sarah Lund spürt, dass es dem Täter um etwas anders geht als Geld. Und es stellt sich heraus, dass sie richtig liegt. Der Entführer spielt auf Zeit, will Druck aufbauen nicht nur auf die Opferfamilie, sondern auch auf die Ermittler und deren Vorgesetzte. Sein Ziel: in einem viele Jahre zurückliegenden Fall sollen neue Ermittlungen aufgenommen werden.

Zur gleichen Zeit tobt die Endphase des dänischen Wahlkampfes. Dem aus Band 1 bekannten Ministerpräsident Troels Hartmann (damals war er Kopenhagener Bürgermeister) passt eine Entführung in einer der wichtigsten dänischen Familie nicht in sein Erfolgskonzept, und er übt Einfluss auf die Behörden aus. So zweifach unter Druck stehend, geht Sarah Lund, die in der Vergangenheit alles für ihre Arbeit geopfert hat (vgl. Band 1 und 2) kompromisslos voran bis zu einer ultimativen Entscheidung…

David Hewson ist in seinem Versuch aus einem Drehbuch für das Fernsehen drei Bücher zu machen, ein einzigartiger Erfolg gelungen. Diese dreiteilige Serie darf man getrost zu den Krimihöhepunkten der letzten 30 Jahre zählen.

 

 

 

 

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Lesereise Rom

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Christina Höfferer, Lesereise Rom, Picus 2015, ISBN 978-3-7117-1056-7

 

In ihrem letzten Buch „Bella Arcadia“ hatte die österreichische Kulturhistorikerin und Journalistin Christina Höfferer „das Italien der Literaten und Künstler“ regelrecht besungen mit ansprechenden Texten und faszinierenden Fotos, die den Leser sofort in den Bann zogen. Liebevolle und zärtliche Annäherungen waren das an ein Land, das sie auch durchaus kritisch sah.

In ihrem neuen hier vorliegenden Buch in der Reihe „Lesereise“ des Picus Verlags konzentriert sie sich auf die italienische Hauptstadt Rom und schreibt vom „süßen Leben und der großen Schönheit“.

 

Sie ist auf der Spur des versteckten Romans, führt ihre Leser zu seltenen Plätzen und unbekannten Geheimnissen. Wieder sind es die Begegnungen und Beschreibungen ganz konkreter Menschen, die den Leser ansprechen. Römische Bürger, passioniert, leidenschaftlich in ihrem Handeln und in ihrer großen Liebe zu ihrer Stadt.

 

Sie nimmt ihre Leser mit auf verschlungene Wege, entdeckt Plätze

und Orten, Cafes und Läden, die in keinem der üblichen Reiseführer verzeichnet sind.

 

Zu „Bella Arcadia“ schrieb ich am Schluss

„Wer Italien liebt und gleichzeitig sich für Kultur und Kulturgeschichte interessiert, wer bei seinem nächsten Aufenthalt in diesem wunderschönen Land einmal ganz andere Winkel entdecken und andere Landschaften bereisen möchte, wer teilhaben möchte an einer faszinierenden und außergewöhnlichen Forschungsreise durch ein Land der Literaten und Künstler, das durch viele Gespräche mit ganz normalen Menschen erschlossen wird, der wird mit diesem Buch glücklich.“

 

Für das hier vorgestellte Buch über Rom gilt das in noch stärkerem Masse. Beim Lesen wird die Sehnsucht danach, diese Stadt zu bereisen und zu entdecken, bzw. neu zu entdecken, fast unerträglich.

Provokateure

 

 

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Martin Walker, Provokateure, Diogenes Verlag 2015, ISBN 978-3-257-80363-1

 

In seinen bisherigen Büchern mit dem sympathischen Bruno Courreges, dem Chef de Police in dem kleinen Städtchen St. Denis im Perigord ist es dem Engländer Martin Walker jedes Mal sehr gut gelungen, ein aktuelles Thema in einem konkreten Kriminalfall zu verbinden mit sehr aufschlussreichen Rückblicken in die dunklen Kapitel der französischen Geschichte.

 

In seinem neuen Buch, dem siebten Fall Brunos, hat er sich dabei allerdings leicht verhoben und sein Buch mit zu viel thematischer Fracht beladen.

 

Da ist im ersten Strang die Geschichte eines in St. Denis aufgewachsenen durch ein Massaker in seiner früheren Heimat Algerien zum Autisten mutierten muslimischen Jungen, der durch radikale Elemente in der Moschee von Toulouse in den Dschihad nach Afghanistan geschickt wurde und nun mit Hilfe des französischen Militär wieder nach Hause geholt wird. Da er durch seinen Autismus jede Nummer und Einzelheit im Kopf hat, wird er sofort zum Objekt nicht nur der französischen, sondern auch der amerikanischen Geheimdienste.

 

Die mit Brunos ehemaliger Geliebten Isabelle (dass sie das gemeinsame Kind hat abtreiben lassen, quält Bruno immer noch und wird auch in diesem Buch wieder erwähnt) bekannte amerikanische Geheimdienstmitarbeiterin löst in Bruno schon bei der ersten Begegnung eine ungeheure sexuelle Anziehungskraft aus, die über das ganze Buch anhält, und wieder einmal nicht ihre wirkliche Erfüllung findet. Dass Bruno immer noch von einer Familie mit eigenen Kindern träumt, und sich dennoch immer wieder in die Nähe von Frauen begibt, die das nicht wollen oder können, beginnt langsam langweilig zu werden.

 

In einem dritten Strang verwebt Martin Walker die Geschichte der in Südfrankreich während der Nazi-Besatzung versteckten jüdischen Kinder ein, indem er eine alte in Israel lebenden Überlebende dem Städtchen St. Denis eine große Donation zukommen lassen will.

 

Die aktuelle Bedrohung Frankreichs durch seine radikalen Muslime (da nimmt Walker kein Blatt vor den Mund ist politisch wohltuend unkorrekt) mit der Geschichte der geretteten jüdischen Kinder 1943 ff. zu verbinden, hat seinen eigenen Charme, doch die ganze Geschichte zieht sich zu sehr in die Länge und auch der sehr überraschende Schluss wirkt wie an den Haaren herbeigezogen.

 

Für mich steckt die Reihe in einer Krise. Mein Vorschlag: aus der Krise herauskommen, in dem man den alerten Bruno, der nie einen Fehler zu machen scheint, mal in eine richtige Lebenskrise kommen lässt.

 

Johannes Steck hat in der Einspielung der Hörbuchfassung des Buches sein Bestes gegeben, den Eindruck der inhaltlichen Überfrachtung aber konnte auch er nicht verwischen.

 

 

 

Der Dachs hat heute einfach Pech

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Moritz Petz, Der Dachs hat heute einfach Pech, NordSüd Verlag 2015, ISBN 978-3-314-10231-8

 

 

Vor zwei Jahren, als Moritz Petz seinen sympathischen Dachs in die Bilderbuchwelt einführte, hatte der schlechte Laune und wusste nicht so recht warum. Etwas was viele Eltern bei ihren Kindern gut kennen.

 

Im neuen Buch vom kleinen Dachs geht es um eine weitere eher negative Gefühlslage. Er sieht sich vom Pech verfolgt. Schon früh am Morgen kurz nach dem Aufstehen macht er die Erfahrung, dass ihm ein Lapsus nach dem anderen passiert. Erst fällt die Lampe um, dann zerbricht seine Lieblingstasse und seine Stifte kann er auch nicht finden.

 

Als er völlig frustriert das Haus verlässt, verfolgt ihn das Unglück und er fällt mit seiner Schubkarre über einen Spaten. Im Gespräch mit den anderen Tiere, die er unterwegs trifft, klagt er sein Leid und erfährt, dass es denen genauso geht und auch sie sich vom Pech verfolgt fühlen.

 

Traurig geht der Dachs nach Hause, doch dort wartet eine wundervolle Überraschung auf ihn….

 

Ein schönes Bilderbuch, das positive Erfahrungen vermitteln möchte. Deine Gefühle können ins Wanken geraten, sagt es den Kindern, aber es kann alles wieder gut werden. Die Psychologen nennen das Resilienz.

 

Warme Bilder von Amelie Jackowski kontrastieren ein ihren bunten Farben und eine reiche Auswahl von Tieren (Dachs, Maus, Hirsch und Waschbär bis hin zum Eichhörnchen, Hasen, Frosch und Fuchs) bietet viele verschiedenen Möglichkeiten zur Identifikation.

 

 

 

Das vergessene Wunder

 

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Jörg Romstötter, Das vergessene Wunder, Goldegg 2015, ISBN 978-3-902991-61-4

 

„Wie wir aus der Natur Kraft, Erfolg und Inspiration schöpfen“, das zeigt Jörg Romstötter in dem hier vorliegenden Buch. Eine eindringliche und überzeugende Erinnerung an viele Dinge, die wir Menschen eigentlich seit Generationen wissen, die wir aber ganz oder teilweise in der Hektik des modernen Alltags vergessen haben. Alles wird immer schneller, immer effizienter – wir Menschen unterwerfen uns mehr als freiwillig diesem Stress und wir verlieren alles dabei. Nicht nur unsere innere Ruhe und Gelassenheit, auch unsere Erdung im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Es gibt, wenn man dem Autor glaubt, keine noch so überzeugende Ausrede, sich nicht regelmäßig in die Natur zu begeben, sie aktiv zu suchen und sich in ihr ihr wieder aufzurichten.

 

Die Natur schenkt uns mit all ihrem Reichtum die Kraft, in unserem beruflichen und privaten Alltag klarzukommen, und sie verschafft neue Ideen und Innovationen.

 

Leicht zu lesen, geht dieses Buch doch sehr in die Tiefe. Überzeugend sind die vielen persönlichen Beispiele und Erlebnisse des Autors. Lädt zum Nachdenken und Nachmachen ein.