Der rote Mantel

 

42693355z

 

Heinz Janisch, Brigitta Heiskel, Der rote Mantel. Die Geschichte vom heiligen Martin, Tyrolia 2015, ISBN 978-3-7022-3489-8

 

Seit 1700 Jahren erzählt man sich die Geschichten vom heiligen Martin, der seinen Mantel teilte, vom Soldat zum Einsiedler und Mönche wurde und schließlich zum Bischof von Myra ernannt wurde. Selten war diese Geschichte in den letzten Jahrzehnten auch und gerade für Kinder so aktuell wie heute. Millionen Menschen sind auf der Flucht und Unzählige von ihnen glauben, dass sie in unserem Land Schutz finden.

Eine riesige Zahl von ehrenamtlichen Helfern engagiert sich in der Unterstützung dieser Flüchtlinge, die zunächst nur in Hallen und anderen Notunterkünften notdürftig auch mit Kleidung und Decken versorgt werden. Von einem dieser Menschen, einer freundliche Frau wird, in diesem Buch von Heinz Janisch, das Brigitta Heiskel sensibel und zart illustriert hat, erzählt.

In einer Notunterkunft, in die der kleine Amir mit seinem Vater nach einer langen Flucht untergekommen ist, bietet ihm eine warme Suppe an. „Das ist eine Suppe, damit wird dir schon warm“, sagt sie, denn sie kann seine Sprache. Und Amir berichtet ihr von einem Mann, der ihm die Hälfte seiner roten Decke geschenkt habe.

Und, der Zusammenhang könnte gar nicht deutlicher sein, erzählt sie ihm und allen Kindern, denen dieses schöne Buch vorgelesen wird, die alte Geschichte von heiligen Martin und warum die Kinder bis auf den heutigen Tag in Erinnerung an ihn und seine tiefe Menschlichkeit am Martinstag Lichter anzünden.

Doch nichts wärmt so sehr wie die Umarmung, in der sich Amir und die freundliche Frau am Ende des Buches befinden, dankbar, dass sie sich begegnet sind.

Schon lange war die Botschaft des heiligen Martin nicht mehr so aktuell wie heute. Dieses Buch eignet sich hervorragend, das aktuelle Schicksal der vielen Flüchtlingen in unserem Land mit seiner alten Botschaft zu verbinden.

Advent, Advent

 

42733331z

Marion Elitez, Advent, Advent, Orell Füssli 2015, ISBN 978-3-280-03495-8

 

Wie viele Kerzen müssen brennen, bis endlich der Heilige Abend gekommen ist?

Jenes klassische Adventsgedicht „Advent, Advent; ein Lichtlein brennt…“, das jedes Kind spätestens in der Kindertagesstäte lernt, ist in diesem wunderbaren kleinen Bilderbuch für Kinder ab etwa 18 Monaten von der Künstlerin Marion Elitez auf eine sehr liebevolle Art und Weise illustriert worden.

Sie erzählt dabei mit den einzelnen Worten des Adventsgedichtes mit ihren zarten Bildern die Geschichte eines Geschwisterpaares und seinen Eltern. Das Schmücken des Kinderzimmers vor dem ersten Advent, das Plätzchenbacken am ersten Advent, eine heiße Schlittenfahrt am zweiten Adventswochenende, ein großes Kostümfest im Kindergarten vor dem dritten Advent, der Besuch eines schönen Weihnachtsmarktes am vierten Adventswochenende und dann – endlich – der Heilige Abend- den die Eltern mit einer Glocke einläuten. Welche eine Überraschung, als die beiden Geschwister das Wohnzimmer betreten dürfen!

Eine klassische Familie, die zusammen mit ihren Kindern (und dem Hund!) die Adventszeit „begeht“, an alten Traditionen festhält und somit diese Zeit der frohen Erwartung für ihre Kinder so unvergessen macht, dass diese vielleicht dereinst mit ihren Kindern an diesen Traditionen festhalten. Das hat mir gefallen und mich beeindruckt.

Was macht die Maus?

 

42693923z

 

 

Helga Bansch, Was macht die Maus ? , Tyrolia 2015, ISBN 978-3-7022-3485-0

 

Mit ihren ganz typischen Illustrationen, die wir schon von vielen anderen Bilderbüchern von ihr kennen, die sie zum Teil mit anderen Autoren wie etwa Heinz Janisch veröffentlicht hat, hat die österreichische Künstlerin und Bilderbuchautorin Helga Bansch ein kleines Büchlein ausgestattet, das sich an die ganz kleinen Bücherfreunde und deshalb auch in der Tyrolia – Reihe „Buchstart: mit Büchern wachsen“ erschienen ist.

Auf insgesamt 10 Doppelseiten aus stabilem Karton wird den Kindern jeweils eine Frage gestellt. Da ist etwa auf der ersten Doppelseite links ein roter Ball zu sehen, den sie dann auf der rechten Seite suchen müssen. Dabei sollen sie nicht nur das Wort „Ball“ aussprechen, sondern auch die Namen der Figuren und Bilder, wo sich der Ball versteckt hat. Ähnliche Such- und Benennungsaufgaben gibt es dann mit Farben, mit Geräuschen von Tieren, mit den unterschiedlichen Tätigkeiten einer Katze, mit Instrumenten, Nahrungsmitteln und Gerüchen.

Witzige und originelle Illustrationen machen dieses kleine Buch zu einem großen Spaß für kleine Kinder und helfen ihnen bei ihrer Sprachentwicklung. Man kann es sehr gut einsetzen in den vielen Gruppen von unter Dreijährigen, die in den letzten Jahren in unseren Kindertagesstätten entstanden sind.

Aber auch zu Hause werden sich kleine Kinder, ab etwa einem Jahr, freuen, zusammen mit ihrem Vater oder ihrer Mutter viele, viele neue Wörter zu lernen

Die Welt im Spiel

 

 

42761841z

 

Ernst Strouhal, Die Welt im Spiel. Atlas der spielbaren Landkarten, Brandstätter 2015, ISBN 978-3-85033-929-2

 

Etwa gleichzeitig mit den kolonialen Eroberungen der europäischen Länder auf anderen Kontinenten und der Entdeckung völlig neuer Landschaften und Kulturen, entstanden neben den ambitionierten Reiseerzählungen auch prächtig aufgemachte Reisespiele, die der Bevölkerung etwas von dem großen Reichtum, der besonderen Natur und der fremden Kultur diese Länder vermitteln sollten. Zunächst in Europa immer beliebter, erschienen diese Spiele später auch in den USA und in Asien.

Ernst Strouhal hat die ihm zugängliche Spiele gesammelt und nun in einer aufwändigen Edition nachspielbar herausgegeben. Insgesamt 63 Spielpläne laden ein zu einer abenteuerlichen Reise, die durch den Würfel vom Zufall bestimmt wird. Expeditionen durch Städte und ganze Kontinente, Reise durch exotische Länder und fremde Welten vermitteln den Spielern nicht nur viel Spaß und Freude, sondern auch erhebliches neues Wissen.

Eine außerordentlich gelungene Kulturgeschichte des Reisespiels.

Meine Schwester mag ….

 

 

39143238z

 

Jane Glynn, Meine Schwester mag…, Carl Auer 2013, ISBN 978-3-8497-0016-4

In diesem kleinen Bilderbuch geht es um Geschwisterliebe und Geschwisterbeziehungen. Ein kleines Mädchen erzählt in knappen Worten davon, was ihre große Schwester mag. Um auf der folgenden Seite zu konstatieren: „Und ich auch.“

Und am Ende stellt sie voller Zufriedenheit fest: „Aber am allerliebsten von allem mag meine Schwester ….. mich.“ Schwarz-weiße Kohlenstiftzeichnungen halten die Lieblingstätigkeiten der großen Schwester, die die kleine nachahmt, eindrucksvoll fest.

Ungewöhnlich sind die nicht geschnittenen Doppelseiten. Vielleicht ein Hinweis darauf, wieviel Platz und Luft in einer Geschwisterbeziehungen sind.

Ein schönes Kleinod aus der Reihe Carl Auer Kids.

 

 

Sagt uns die Wahrheit!

 

 

42999141z

 

Bernd Ulrich, Sagt uns die Wahrheit, Kiepenheuer & Witsch 2015, ISBN 978-3-462-04857-5

 

Der Autor dieser kleinen Streitschrift, der stellvertretende Chefredakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT Bernd Ulrich, gehört seit den siebziger Jahren zu den profiliertesten journalistischen Begleitern der Bundesrepublik Deutschland. Seit vielen Jahren werden seine Leitartikel und Kommentare, vor allen Dingen zur Innenpolitik, weit über die Grenzen des Landes hinaus beachtet und diskutiert. Über die Parteigrenzen hinweg gehört er in Deutschland bei den Politikern zu den gefragten und geschätzten kritischen Gesprächspartnern.

Weil auch Bernd Ulrich deren Arbeit ernst nimmt, sieht er sich mit diesem Büchlein gezwungen, ihnen kräftig ins Gewissen zu reden. „Sagt uns die Wahrheit!“ ruft er ihnen zu, und versucht dem interessierten Bürger zu erklären „was die Politiker verschweigen und warum.“

Als Ulrich diese Streitschrift schrieb, war noch nicht annähernd erkennbar, wie dramatisch und verzweifelt sich die Situation der Flüchtlinge verändern würde, die, von anderen europäischen Staaten einfach weiter gewunken, zu Hunderttausenden in unser Land kommen und sich dort eine Zukunft erhoffen, die ihnen unser Land nicht geben können wird, jedenfalls nicht in dem Tempo und der Weise, wie sie sich das offenbar erhoffen.

Das permanente Wiederholen des Satzes „Wir schaffen das!“, ohne auf die immensen Probleme der Kommunen und Landkreise einzugehen und vor allen Dingen auf die Ängste der Menschen, ist ein ganz aktuelles Beispiel dafür, wie die Politiker den Menschen im Land einfach nicht die Wahrheit sagen. Ulrich macht das in seinem Buch an dem Handling der Griechenlandkrise deutlich und nimmt auch die Rolle der Medien, auch die seiner eigenen Zeitung und seiner eigenen Rolle dabei, kritisch in den Blick.

Seine Hauptthese ist: Deutschlands Politiker haben Angst, dass das Volk, erführe es die Wahrheit, in alte, überwunden geglaubte Muster zurück fallen könnte. (vgl.Pegida u.ä.) . Ulrich sagt hingegen: das Volk ist reif, die Wahrheit zu erfahren und mit ihr auch umzugehen. Die Politik muss ihre Scheu vor einer nicht gewünschten Reaktion der Bürger aufgeben und sie mit ins Boot nehmen. Offenheit und Ehrlichkeit statt alter Beschwichtigungspolitik. Die nämlich zerstört die Aussicht auf bessere Lösungen.

Ein engagiertes und auch selbstkritisches Plädoyer für eine neue politische Kultur der Aufrichtigkeit. Ein Aufruf zu einem neuen Dialog zwischen Bürgern und Politik.

Freddy und die fantastischen Fünf

 

42767910z

Quentin Blake, Freddy und die fantastischen Fünf, Kunstmann 2015, ISBN 978-3-95614-067-9

 

Quentin Blake hat als Illustrator schon mit vielen Kinderbuchautoren zusammengearbeitet. Mit dem vorliegenden Buch tritt er auch als Autor von Geschichten in Erscheinung.

Er erzählt in knappen Worten und mit seinen typischen leicht hingehuscht wirkenden Zeichnungen die Geschichte von fünf Kindern, Anni, Olli, Simone, Mario und Paul. Jeder von ihnen hat eine ganz besondere fantastische Fähigkeit, deshalb heißen sie auch die Fantastischen Fünf.

Eines Tages machen sie einen Ausflug. Alle möglichen Sorten von Sandwichs sind geschmiert. Der Busfahrer ihres gelben Busses, mit dem sie in die Berge fahren, der große Freddy, ist ein Pfundskerl und versteht sich mit den Kindern prächtig. Doch nach dem Picknick wird ihm ganz übel und er fällt in Ohnmacht. Nun muss Hilfe her. Gemeinsam machen sie sich, Freddy im Schlepptau, auf die Suche, und durch den versammelten Einsatz ihrer individuellen Fähigkeiten schaffen sie es, Hilfe zu holen.

Ein schönes, witziges Bilderbuch, das zweierlei Kindern vermitteln will: jeder hat eine außergewöhnliche, fantastische Fähigkeit, auch wenn er wie Mario im Rollstuhl sitzt. Und mit dem gemeinsamen Einsatz dieser Fähigkeiten kann man viel erreichen.

 

 

 

Jerusalem. Menschen und Geschichten einer wundersamen Stadt

 

42760208z

 

Iris Berben, Tom Krausz, Jerusalem,. Menschen und Geschichten einer wundersamen Stadt, Corso 2015, ISBN 978-3-7374-0715-1

 

Jerusalem – für die drei abrahamitischen Religionen heilige und umkämpfte Stadt. Im Augenblick regiert dort wieder einmal die nackte Angst. Es herrscht wieder einmal Krieg zwischen den Israelis und den Palästinensern, und nur noch wenige Menschen dort glauben daran, dass dieser Konflikt jemals mit einem dauerhaften Friedenschluss gelöst werden könnte. Zuviel Blut ist geflossen, zu viele Männer und Frauen haben ihr Leben gelassen in den Kriegen und bei den Anschlägen, die die Bevölkerung immer wieder in Angst und Schrecken versetzen.

Zeruya Shalev, selbst vor Jahren Opfer eines solchen palästinensischen Anschlags geworden, hat in ihrem neuen Roman „Schmerz“ auf eine beeindruckende literarische Weise gezeigt, wie Menschen in Israel mit diesem Schmerz, dieser Wunde, dieser Angst umgehen.

Iris Berben, die für dieses Buch die Texte geschrieben hat, ist seit 1968, als sie ihre Liebe für dieses Land und seine Menschen entdeckte, immer wieder auch in Jerusalem gewesen, hat auch einmal längere Zeit dort gelebt. Mittlerweile ist sie eine der bekanntesten Förderinnen des deutsch-jüdischen Verhältnisses und wurde für ihr Engagement 2002 mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet.

Sie lässt in ihren Texten Jerusalem als den spirituellen Ort lebendig werden für den Leser, als der er von den meisten Menschen geliebt wird. Man glaubt regelrecht mit ihr durch die engen Gassen zu gehen und die Gerüche und Geräusche wahrzunehmen, von denen sie berichtet.

Der Krieg und der Terror sind wenig präsent in ihren Texten, genauso wie in den beeindruckenden Fotografien von Tom Krausz, spontane Notizen in Bildern, die neben den Texten von Iris Berben ihre eigene Faszination ausstrahlen.

Zwei subjektive Blicke auf „eine wundersame Stadt“, wie es im Untertitel des Buches heißt. In Jerusalem, schreibt Iris Berben, „denken wir nach über den Ursprung der Menschheit, der Religion, über unsere Wurzeln.“

Ein schönes, ernsthaftes Buch über eine Stadt, die auch die jüngsten Auseinandersetzungen überleben wird, weil sie etwas in sich trägt, was ewig ist.

 

Zwanzig Zeilen Liebe

 

 

42762147z

Rowan Coleman, Zwanzig Zeilen Liebe, Piper 2015 ISBN 978-3-492-06017-2

 

Dieses Buch von Rowan Coleman ist eines der wenigen Romane, die mich in diesem Jahr beim Lesen in meinem Innersten angesprochen und bewegt haben. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die Haupthandlung auf einer Hospizstation spielt und von den Menschen dort erzählt, die auf ihren Tod warten und ihr Leben bilanzieren. Und zum anderen, weil es eine Botschaft ausstrahlt, die ich in der Hektik des Alltags leider oft vergesse: egal, was passiert, wovor du auch immer Angst hast, es kommt immer darauf, die kleinen Momente des Glücks und der Liebe nicht zu übersehen. Sie machen dein Leben reich, auch wenn dir vielleicht nicht mehr viel Zeit bleibt.

Erzählt wird von der Krankenschwester Stella, die in einem Hospiz arbeitet. Auf eigenen Wunsch arbeitet sie nur in der Nacht, dann, wenn es still wird auf der Station, und die Menschen sich ihr in vielen Gesprächen öffnen. Irgendwann hat sie jemand gebeten, an einen nahe stehenden Menschen einen kurzen Brief zu schreiben, den Stella erst nach dem Tod der Patientin dem Empfänger aushändigen sollte. Und schon bald wird daraus ein Ritual. Viele dieser Briefe sind in dem über 400-seitigen Roman abgedruckt, in einigen Fällen erfahren wir mehr von der Person, die ihn geschrieben hat und ihrem Leben. In diesen, meist nicht mehr als zwanzig Zeilen langen Briefen erfahren wir, was Menschen in ihren letzten Tagen und Stunden bewegt und was sie noch mitteilen wollen.

Doch Stella hat auch ihre eigenen Lebensprobleme. Ihr Mann Vincent hat sich von ihr abgewendet, und obwohl sie ihn über alles liebt, geht sie ihm aus dem Weg. Die schwere Leidensgeschichte dieser Beziehung ist bis zum Ende des Buches ein wesentlicher Strang der Erzählung. Genauso wie die Geschichte der jugendlichen Hope, die seit ihrer Geburt an Mukoviszidose leidet und nur zur Pflege in dem Hospiz sich aufhält, bis sie wieder soweit ist, dass sie nach Hause gehen kann, dorthin also, wo sie sich über viele Jahre von der Welt abgeschottet hat und das Leben an sich hat vorüberziehen lassen. Doch da ist auch ihr Freund Ben, der ihr zeigt, warum es sich lohnt zu leben, zu kämpfen und zu hoffen.

Genau diese Erfahrung macht auch Hugh, alleinstehend und nur mit einem Kater namens Jake befreundet, der als zweite Heimat das Hospiz hat und dort viele Patienten tröstet.

Ihrer aller Geschichte wird erzählt, und nach und nach von Rowan Coleman miteinander verknüpft. Es ist, wie sie selbst auf einer Innenseite des Buches schreibt, „eine Geschichte über Hoffnung, darüber, niemals aufzugeben, nach den Sternen zu greifen und Menschen zu begegnen, die dein Leben verändern.“

„Zwanzig Zeilen Liebe“ ist ein sehr bewegender, stellenweise aufwühlender Roman, eine poetische Hymne auf das Leben und ein spirituelles Lied über die Hoffnung, die uns am Leben hält bis zur letzten Minute, wenn wir es aushauchen. Aber davor gibt es noch „eine ganze Menge Leben“ (Konstantin Wecker).

 

 

 

 

 

 

 

Unser Urwald

 

42761761z

 

Matthias Schickhofer, Unser Urwald, Brandstätter Verlag 2015, ISBN 978-3-85033-924-7

 

Matthias Schickhofer, ein engagierter Naturschutz-Aktivist und Fotograf hat schon im Jahre 2013 ein Buch mit dem Titel „Urwald. Österreichs letzte Naturparadiese“ veröffentlicht, von dem einzelne Teile und Fotografien auch in dem neuen vorliegenden Buch wieder abgedruckt sind.

Er hat aber in den letzten Jahren seinen Radius erweitert, und sich in ganz Europa auf die Suche nach echten Urwäldern gemacht. Urwälder sind Waldgebiete, in denen, aus welchem Grund auch immer, noch nie ein Baum gefällt oder eine Schneise geschlagen wurde. Menschen haben in keiner Form in das Leben dieser Wälder eingegriffen.

Oft sind diese Wälder, die er besucht und mit bezaubernden und faszinierenden Bilder festgehalten hat, gar nicht so weit von den großen Städten in Europa entfernt. Dennoch sind es eher der Balkan und Rumänien, wo man in unberührten Flächen die größten Urwälder außerhalb Russlands findet.

Für Schickhofer sind diese Wälder nicht nur als Fotograf interessant. Er nennt sie in seinem Buch einen „ökologischen und genetischen Schatz“.

In einem Interview in der österreichischen Zeitung „Die Presse“ vom 28.9.2015 sagt er, die letzten Urwälder seien „die Botschafter einer alten Welt, in der die Evolution noch ungestört walten kann. Sie haben über Jahrtausende stabile Systeme geschaffen. Wir sollten auf diese ‚Tore von Mittelerde‘ gut aufpassen.“

Das Buch ist voller wunderbarer Fotografien und lehrreichen Beschreibungen der geheimnisvollen Biologie des Waldes. Ich kann es Naturfreunden und Waldliebhabern nur empfehlen.