Masuren. Im Land der 1000 Seen

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Dirk Bleyer, Mia Reben,  Masuren. Im Land der  tausend Seen, National Geographic Malik  2015, ISBN  978-3-86690-448-4

Die Leser meiner Generation haben diese wunderbare Landschaft Masurens,  die Dirk Bleyer und Mia  Reben  in dem vorliegenden Bildband von National Geographic fotografiert und beschrieben haben,  vielleicht schon vor  langer Zeit in den Büchern von Siegfried Lenz kennengelernt.  Nur waren damals leider keine Bilder dabei.

Sie wären vielleicht auch etwas anders ausgefallen, denn insbesondere in den Städten Danzig, Königsberg  und Marienburg, die in diesem Band mit behandelt werden, haben sich in den Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und seit Polen Mitglied der EU geworden ist, viele Dinge verändert. Historische Gebäude wurden wiederhergestellt und zahlreiche Sehenswürdigkeiten nach aufwendigen Renovierungen der Öffentlichkeit  wieder  zugänglich  gemacht.

Dieser schöne und farbenfrohe Bildband  ist auf das Beste  dazu geeignet,  Menschen  auf eine Reise in dieses schöne Land Masuren vorzubereiten und sie dazu  zu motivieren. Wer nicht reisen kann und will, kann sich dennoch einen vollständigen Eindruck über Geschichte und Gegenwart Masurens machen.

Auch als Geschenk für Menschen geeignet, die einen biographischen  oder familiären Bezug zu Masuren haben.

Kampf um die Armut

 

 

 

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Ulrich Schneider  (Hg.), Kampf um die Armut,  Westend 2015, ISBN 978-3-86489-114-4

 

 

Sie gehören seit vielen Jahren aus ihren unterschiedlichen Professionen  und Funktionen  heraus zu den profiliertesten und engagiertesten Kritikern einer Sozial-und Gesellschaftspolitik,  die in den Jahren nach der Finanzkrise nicht nur nach ihrer Wahrnehmung  die Schere zwischen den Reichen und den Armen in  der Gesellschaft  der Bundesrepublik Deutschland besonders  weit hat aufgehen lassen.

Ulrich Schneider, Christoph Butterwege,  Friedhelm Hengsbach, Rudolf Martens und Stefan Sell schreiben in dem hier vorliegenden Buch unter der Herausgeberschaft  von Ulrich Schneider  nicht nur „von echten Nöten und neoliberalen Mythen“, sondern sie versuchen auch mit entsprechenden Zahlen nachzuweisen,  was sie auch in vielen Auftritten in den Medien immer wieder  betonen: die Zahl der Armen in unserem Land steigt, insbesondere  immer mehr Kinder wachsen unter Armutsbedingungen auf mit allen verheerenden  Folgen  für ihre körperliche und geistige Entwicklung.

Natürlich spielt die Definition von Armut  immer bei allen Debatten eine wesentliche Rolle. Besonders umstritten  ist die sogenannte  60% Regel, nach der als arm zu gelten hat, wer weniger als 60% des Durchschnittseinkommens  für seinen  Lebensunterhalt zur Verfügung  hat. Mich persönlich hat diese Regel noch nie überzeugt,  weil danach  selbst bei einer angenommenen Steigerung des Einkommens aller um das Doppelte genauso viele Menschen als arm zu gelten hätten, selbst wenn die Lebenshaltungskosten gleich geblieben wären.

Auch nach  der ausführlichen  Erläuterung und Begründung  einiger Autoren in diesem Buch bin ich nicht  überzeugt davon. Gleichwohl sind die Hinweise  überdeutlich: in der sich für immer mehr Menschen verschlechternden  sozialen und ökonomischen  Lage verbirgt sich ein Konfliktpotential für die Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft,  die vielleicht mehr sozialen Sprengstoff in sich birgt als so mancher  andere  Konflikt,  der derzeit die öffentlichen  Gemüter  erhitzt.

Leider gibt es zur Zeit wegen der boomenden Wirtschaft und niedrigen Arbeitslosenzahlen  wenig Aufmerksamkeit  für dieses Thema. Ich bin aber sicher, dass sich das schon bald wieder ändern wird. Dann wird man gerne auf die Ausführungen  und Erläuterungen  dieses  Buches  wieder zurückgreifen.

 

Jugend im Zwiespalt

 

 

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Henning Köhler, Jugend im Zwiespalt, Verlag Freies Geistesleben  2015, ISBN  978-3-7725-2728-9

Das Credo dieser schon 1990 zum ersten Mal erschienenen  und nun hier in einer achten erweiterten  Auflage vorliegenden „Psychologie der Pubertät für Eltern und Erzieher“ ist einfach und anspruchsvoll zugleich, und der Kinder- und Jugendtherapeut Henning Köhler, der sich der anthroposophischen Philosophie Rudolf  Steiners  verpflichtet sieht, hat es seit der ersten Auflage des Buches vor einem Vierteljahrhundert trotz erheblich veränderter Lebens- und Entwicklungsbedingungen heutiger Jugendlicher  nicht verändert.

„Die Erziehung  sollte  von vornherein  gar nicht  auf die Vermeidung  einer Pubertätskrise abzielen, sondern  darauf, das Kind mit Kräften auszustatten, die es ihm  ermöglichen, die Krise  heil zu überstehen.“

Wohlgemerkt: es geht zu allen, auch früheren  Phasen der  Entwicklung von Kindern immer um Erziehung.  Eine Erziehung aber, die bereit ist, nachdem sie die  entsprechenden  Wurzeln und  Grundlagen schon in früher Kindheit gelegt hat, durch eine  immer gesprächsbereite  und auch selbstkritische Haltung die jungen Menschen durch diesen schwierigen aber notwendigen Lebensabschnitt zu begleiten.

Eltern und Erzieher,  die mit der Anthroposophie nicht vertraut sind oder ihr aus anderen Gründen skeptisch oder unwissend gegenüber stehen,  sollten sich auf keinen Fall von der Lektüre dieses nachdenklichen Buches abhalten lassen.  Auch ohne die entsprechenden  Glaubenssätze und Annahmen übernehmen zu müssen,  kann dieses kluge Buch eines erfahrenen Therapeuten und Pädagogen helfen, eigenen und anvertrauten Kinder in dieser Phase gerecht zu werden und dabei für die eigene  weitere persönliche Entwicklung  sogar zu profitieren.

Hinter der Milchstraße

 

 

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Bart Moeyaert, Hinter der Milchstraße,  DTV 2016, ISBN  978-3-423-62618-7

Die Geschichte  in diesem Buch von Bart Moeyaert ist einfach nur eine Geschichte. Die Geschichte eines etwa acht Jahre alten Jungen namens Oskar, der mit seinem etwas älteren Bruder Bossie und ihrer Freundin Geesje die Ferien verbringt.

Diese drei sitzen fast ihre ganzen  Sommerferien über auf einer Mauer  der Alteisen AG, die von einem ausländischen Paar  betrieben wird. Diese Mauer und die dahinter  liegende  Straße,  die sie „Milchstraße “ nennen,  bezeichnen sie als ihr Clubhaus. Stundenlang sitzen sie da, beobachten  die Straße  und denken  sich ihre phantastischen Geschichten aus. Etwa die über jene alte und schon sehr gebrechliche Frau , die jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit mit ihrem nicht weniger alten Dackel an ihnen vorbeigeht. Wegen ihrer Stiefel nennen sie die Frau Nancy, denn Nancy Sinatras Lied von den Stiefeln ist das Lieblingslied von Oskars Mama, das sie ohne Ende spielen ließ,  bevor sie ging.

Aus Langeweile kommen die drei Kinder  auf die Idee, zu wetten, wer von den beiden alten Passanten eher stirbt,  Nancy oder ihr Dackel. Und dann tauchen sie  nicht mehr auf…

Wie so oft bei Moeyaert geht es auch in diesem Buch um Liebe und Verlust, doch mir ist jedenfalls beim Lesen nicht gelungen,  mehr zu entdecken, als eine Geschichte eines Jungen, der das Leben, das zum Teil harte Leben  hinter seiner bisher so viel Sicherheit versprechenden Milchstraße entdeckt.

Ich bin mir nicht sicher, ob Kinder in dem Alter, für die das von Mirjam Pressler übersetzte Buch empfohlen ist,  es verstehen und für sich entdecken können. Vielleicht ist zu viel von dem drin, was der mittlerweile  erwachsene Bart Moeyaert  als Junge selbst erlebt hat.

Die Geschichte des Regens

 

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Niall  Williams,  Die  Geschichte des Regens,  DVA 2015, ISBN  978-3-421-04687-1

 

Dieser den Leser in seiner dichten Poesie und Schönheit  geradezu  betörende neue Roman des irischen  Schriftstellers  Niall  Williams stand im Jahr seines Erscheinens in London 2014 auf der Longlist  des Man Booker  Prize.  Unter dem auch im Original  so lautenden  Titel „Die  Geschichte des Regens“ lässt er die schwer kranke 19- jährige Ruth Swain  nicht nur die Geschichte  ihrer Familie über  mehrere  Generationen  hinweg erzählen, sondern er entfaltet vor dem Leser eine faszinierende Kulturgeschichte Irlands,  in dem der Regen eine zentrale  Bedeutung hat und der Lachs eine geradezu  mythische  Rolle spielt. Ruth schreibt mit ihrem  eigenen Stil  und einer Rechtschreibung,  in der sie alle ihr  wichtig scheinenden Worte groß  schreibt :

„Wir sind ein Volk  des Anderswo. Deswegen  bringen wir die besten  Heiligen,  die besten  Dichter, die besten  Musiker  und die schlechtesten  Banker  der Welt hervor. Und  deswegen findet man auch  überall ein paar von uns  – und dabei  kann es sich auch um einen sanften, warmen, wunderschönen Ort  handeln,  an dem wirklich  niemand  auch nur  irgendetwas  aussetzen kann, es ist doch immer etwas da,  was Jimmy  der Ami So Eine  Sehnsucht nennt. Man sieht es in den Augen.  Die Vorstellung der besseren  Heimat.  Bei manchen ist es schlimmer als bei anderen. Mein Vater war ganz davon durchströmt. “

Dieser Vater hat Ruth nicht nur eine fast 4000 Bände umfassende  und durchnummerierte Bibliothek hinterlassen, durch die sie sich all die  Jahre  ihrer Bettlägerigkeit hindurchliest,  sondern auch eine unbändige und leidenschaftliche Liebe  zur Literatur  und ihren immer wiederkehrenden Themen. Die literarischen  Figuren, die sie in diesen Büchern findet, inspirieren Ruth zur eigenständigen und kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte  ihrer Familie,  vor allen Dingen mit dem Zweig des Vaters, der eines Tages am Shannon aufgetaucht war, dessen gemächlicher Lauf direkt am Elternhaus von Ruth vorbeiführt, und dessen stetiges Fließen wie ein Sinnbild ist für den gesamten Stil und die wunderbare Sprache  des Buches.

Da geht es um den Urgroßvater  und den Großvater,  recht skurrile Männer, wie man sie in dieser Form nur in Irland hat finden können.  Und natürlich um Virgil,  ihren geliebten Vater, der als Bauer scheitert, aber ein passionierter  Poet ist,  der sogar seinen  Kühen Werke von William Blake vorliest. Natürlich kann man damit keine Reichtümer  erwirtschaften,  aber Virgil wird deshalb von seiner Frau und seinen beiden Kindern Ruth und Aeney  nicht weniger geliebt. Sie beschreibt das so:

„Ich bin ja keine Expertin,  doch wenn ein Mann  in einer Frau Den  Sinn findet, scheint mir zweierlei doch ganz sicher zu sein.  Zum einen, dass die Sache Tief Geht,  und zum anderen, dass es sich dabei um die riskanteste  Form von Liebe handelt,  die  es überhaupt geben kann.“

Nachdem ihr Vater früh gestorben ist und auch ihr Zwillingsbruder  Aeney  nicht mehr lebt, hält sie sich an den Büchern ihres Vaters fest und erzählt Geschichten. Immer  wieder, trotz aller Erschütterungen und Krisen: „Wir erzählen  um den Schmerz des Lebens zu lindern,  um am Leben zu bleiben.“

Und das tut sie, berichtet vom Alltag und dem vom permanenten  Regen  durchtränkten Leben an der Mündung des Shannon,  immer wieder gespickt mit klugen und hintersinnigen Bemerkungen zur anglo -irischen  Literaturgeschichte. Ihr Erzählen steckt voller  Witz und Ironie,  man spürt die unbändige Lust an Wortspielen, die Freude an Bildern und Metaphern.

Und mit dieser an den großen literarischen Vorbildern Dickens,  Dickinson und Yeats geschulten Sprache erzählt Niall Williams durch seine Hauptfigur eine stellenweise tragische, oft aber auch amüsante  Geschichte einer Familie aus Irland, voller Anekdoten, interessanten literarischen Beobachtungen und voller teilweise sehr berührender Gedanken  über Leben und Tod, und wie Literatur es dem Menschen ermöglicht, in diesem Labyrinth einen Sinn zu finden.

Ein Roman wie der Fluss, in dessen Nähe er entstanden ist.

 

 

 

Finanzcoach für den Ruhestand

 

 

 

 

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Tom Fries,  Michael Huber,  Finanzcoach  für den  Ruhestand, Finanzbuchverlag  2015, ISBN  978-3-89879-893-8

 

Dieser hier nun schon in einer fünften aktualisierten  und überarbeiteten Auflage im Finanzbuchverlag  erscheinende „Finanzcoach für den Ruhestand“ aus der Beratungspraxis des bekannten und  erfolgreichen Schweizer VZ Vermögenszentrums ist einer der erfolgreichsten Ratgeber  für Menschen,  die ihre finanzielle  Absicherung planen wollen, ohne sich bei riskanten Finanzgeschäften Banken und anderen  Finanzinstituten ausliefern zu müssen.

In insgesamt zehn Kapiteln werden  (angehende) Ruheständler  unterstützt,  die finanzielle Seite des dritten  Lebensabschnittes umfassend zu planen,  vorzubereiten und fundiert umzusetzen. Alle wichtigen Fragestellungen  von der eigenen Finanzplanung über die  passende Vermögensorganisation bis hin zu Steuern,  Gesundheits- und Pflegekosten  und der Regelung  des Nachlasses werden angesprochen.

Natürlich ersetzt die sorgfältige Lektüre des Buches nicht eine professionelle Beratung,  kann aber sehr gut auf sie vorbereiten.

 

Die Schmetterlingsfängerin

 

 

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Margarita Kinstner,  Die Schmetterlingsfängerin,  Deuticke  2015, ISBN  978-3-552-06294-8

 

 

Katja heißt  die ich – erzählende Protagonistin des neuen Romans der österreichischen Schriftstellerin  Margarita  Kinstner,  die mit „Mittelstadtrauschen“ 2013 ein von der Kritik viel beachtetes Debüt  feierte und nun auf ähnlichem Niveau nachlegt.

Katja ist zu Beginn des Buches  hochschwanger und ist dabei sich auf den in wenigen Wochen stattfindenden  Umzug nach Sarajevo vorzubereiten.  Dort hat Danijel,  der  Vater ihres noch ungeborenen Kindes eine Stelle  in einem Krankenhaus  angeboten bekommen.  Katja konnte  sich kaum frei entscheiden.  Ihr Entschluss, zusammen mit ihrem Lebensgefährten nach Sarajevo zu gehen, fiel zwangsläufig. Sie hat ihre Umzugskisten gepackt, der Termin des Ortswechsels steht fest. Die Zweifel sind zurückgestellt.

Ihre Schwangerschaft verläuft gut, sie fühlt sich wohl. Und so nimmt sich Katja noch einmal Zeit und besucht noch einmal die Orte ihrer Kindheit. Als Katja  vier Jahre alt war, holte sie die Mutter nach Wien in den Haushalt ihrer eigenen Mutter. Die dortige Strenge und Leistungsorientierung, an die sich Katja schnell anpassen muss,  wird bei ihren Ferienaufenthalten bei der anderen Großmutter  im beschaulichen  Haizendorf im Lusniztal wohltuend außer Kraft gesetzt.

Der Roman wechselt immer wieder  die  Zeitebenen,  changiert zwischen der Gegenwart Katjas und ihren Begegnungen  mit einer  großen Anzahl von Verwandten  und  Bekannten und ihren Erinnerungen an die Erlebnisse ihrer Kindheit, in der die Eltern  Katjas nicht  in der Lage  waren, ihr ein warmes und geborgenes Zuhause zu geben.

Wird sie zusammen mit Danijel und ihrem Kind ihrer alten neuen Heimat  gelingen,  sich dort auch heimisch zu fühlen?

Ein Roman, der unterhaltsam und dennoch unter die Haut gehend, eine wesentliche Botschaft vermittelt: wirkliche Heimat ist ein Ort in unseren Herzen.

 

Das Meer in deinem Namen

 

 

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Patricia  Koelle,  Das Meer in deinem Namen,  Fischer Taschenbuch Verlag 2015, ISBN  978-3-596-03188-7

 

Dieses Buch ist der erste Teil der „Ostseetrilogie“ von Patricia Koelle.  Darin wird erzählt,  wie die in Berlin  lebende Carly innerhalb von vier Wochen ein geerbtes altes Reetdachhaus in dem Künstlerdorf Ahrenshoop an der Ostsee für einen Verkauf vorbereiten soll. Vielleicht, so hofft sie, kann sie in dieser Zeit nach einer unglücklichen Beziehung, nicht nur den Nachlass ihrer Tante Henny  ordnen,  sondern auch ihr  eigenes  etwas durcheinander geratenes Leben.

In zwei Erzählebenen gelingt es Patricia Koelle auf  der einen  Seite,  das Leben und die  Konflikte der jungen Carly zu beschreiben,  einer sympathischen  Frau, die ihren Platz  in ihrem  Leben  noch nicht gefunden hat und auf der anderen Seite das interessante und abwechslungsreiche Künstlerleben, das ihr aus Hennys Nachlass entgegenblickt. Eine warmherzige Künstlerin begegnet ihr da und ein zauberhafter  Ort, von dem Carly  mit jedem Tag ihres Aufenthaltes  in Ahrenshoop mehr angezogen  ist.

Und es stellt sich nach vielen unterhaltsamen Seiten  heraus, dass die beiden Frauen  mehr gemeinsam haben,  als zunächst  angenommen…..

Man darf auf die beiden anderen Teile der Romantrilogie  gespannt sein.

 

Das Aha-Erlebnis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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John Kounos,  Mark Beeman,  Das Aha-Erlebnis, DVA  2015, ISBN  978-3-421-04701-4

Die beiden Autoren des hier  anzuzeigenden von Nele  Junghanns  ins Deutsche übersetzten Sachbuches, John  Kounos und  Mark  Beeman gehören in den  USA zu den führenden Neurowissenschaftlern. In ihrem Buch „Das Aha-Erlebnis“ gehen sie der Frage nach,  „wie plötzliche Einsichten entstehen  und wie wir sie erfolgreich nutzen“.

Viele Menschen, nicht nur die mit den herausragenden  Geistesblitzen und Entdeckungen wissenschaftlicher oder künstlerischer Art, haben diese Erfahrung schon gemacht, dass sie, oft nach langem vergeblichen Nachdenken  über eine Sache oder ein zu  lösendes  Problem, eine urplötzliche  Einsicht  hatten,  an die  sie  vorher nie zu denken gewagt hätten. Ich bin sicher, dass es  in jedem Leben eine ganze Menge solcher  kreativer Momente gibt oder gegeben  hat, die von dem jeweiligen  Menschen aber entweder  gering geschätzt wurden oder aus Angst  vor den Folgen nicht umgesetzt worden sind. Wie viel reicher, wie viel erfüllter  könnte das Leben und der Alltag vieler Menschen sein,  hätten sie ihren Aha-Erlebnissen  mehr getraut  und sie ernst genommen.

Die Autoren  zeigen in einer auch für den wissenschaftlichen Laien verständlichen Sprache,  was bei solchen kreativen Prozessen  im Gehirn geschieht und beschreiben, wie jeder von uns diese Fähigkeit auch in kleinen Dingen  entdecken und für sich und andere sinnvoll  und erfüllend nutzen kann.

Viele Beispiele machen das Buch nicht nur zu einer lehrreichen, sondern auch zu einer regelrecht unterhaltsamen  Lektüre.

Das Jahrhundert verstehen

 

 

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Dan Diner,  Das Jahrhundert verstehen. 1917-1989, Pantheon 2015, ISBN  978-3-570-55274-2

 

Die Welt und das was in ihr vorgeht, ist auch für den gut informierten und kritischen Zeitgenossen immer schwieriger zu verstehen. Zu komplex und zu widersprüchlich erscheinen dem Beobachter die gegenwärtigen Entwicklungen und Brüche nicht nur in bisher weit entfernt scheinenden Teilen der Welt, sondern gerade in den ersten 15 Jahren des neuen Jahrhunderts zunehmend sozusagen vor unserer Haustür.

Die Geschichtswissenschaft  hat die Aufgabe, aus der Analyse  der Vergangenheit  Hinweise und Aufschlüsse zu geben über wahrscheinliche Zukunftsperspektiven. So hat auch einer der profiliertesten Historiker deutscher Sprache, der in Jerusalem lehrende und bis 2014 als Direktor  des Instituts  für jüdische Geschichte  an der Universität Leipzig fungierende Dan Diner, dem der Rezensent in den siebziger Jahren durch viele Aufsätze in der Zeitschrift  „links“ viel für sein politisches Leben verdankt, im Jahr 1999 ein umfangreiches Buch veröffentlicht,  mit dem er das 20. Jahrhundert  verständlich machen wollte. Es versuchte sich der 1989/90 abgebrochenen Gegenwart mittels eines  in weiter zurückliegende Vergangenheit  gerichteten  Blickes  zu versichern.

Nun legt er eine Neuauflage vor und schreibt dazu: „Die gegenwärtige  Entwicklung scheint ihm und dem damals  diagnostizierten Paradigmenwechsel  der historischen  Wahrnehmung  Recht zu geben: Der Blick in die Vergangenheit,  vornehmlich ins 19. Jahrhundert,  bietet auch den Zeitgenossen des fortschreitenden 21. Jahrhunderts so manche Orientierungshilfe  in Gegenwart und naher  Zukunft.“

Doch die Aussichten sind nicht rosig. Spricht Diner im aktuellen  Nachwort zur Neuauflage noch von der Wahl zwischen tieferer Integration  und dramatischer Desintegration insbesondere Europas,  lassen die Nachrichten und Entwicklungen der letzten Monate und Wochen keinen anderen Schluss  zu, als dass wir  vor dramatischen Veränderungen stehen, und die Menschen auf ihre Folgen überhaupt nicht vorbereitet scheinen. Es ist auch fraglich, ob die Politik  diesen Veränderungen  gewachsen ist.

Systematische und kritische Analyse ist vielleicht wichtiger als je zuvor. Dafür ist dieses nach wie vor aktuelle Buch ein hervorragendes  Beispiel.