Porsche 928

 

 

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Brian Long, Porsche 928. Alle Modelle von 1977 bis 1995, Delius Klasing 2016, ISBN 978-3-667-10465-6

 

Das Auto, das Brian Long in diesem repräsentativen Band aus dem Delius Klasing Verlag mit seiner ganze Entwicklungs-, Entstehungs-, Produktions- und Verkaufsgeschichte darstellt, sollte ursprünglich ein anderes sehr erfolgreiches ablösen. Der Porsche 928, um den es hier geht, und der von 1977 bis 1995 produziert wurde, sollte den legendären  Porsche 911 langfristig ersetzen.

 

Doch obwohl der 928 viel komfortabler war und tauglicher im Alltag, konnte er sich fast 20 Jahre lang nicht gegen den 911 durchsetzen, der seinerseits, als klar war, dass der 928 nicht so einschlagen würde wie gedacht, weiterentwickelt wurde und schlussendlich den 928 überlebte.

 

Erst viel später wurde vielen Autofreunden und -fachleuten klar, dass sie sich in der Bewertung des 928 getäuscht hatten. Seine Vorzüge traten erst hervor, als es ihn nicht mehr neu zu kaufen gab.

 

Brian Longs zuerst 2009 in England erschienenes Buch rehabilitiert dieses verkannte Auto und beschreibt es unter folgenden Schwerpunkten:

 

  • Einführung und kurze Porsche-Firmenhistorie
  • Entwicklung des Porsche 928
  • Verkaufsstart, Weiterentwicklung und Unterschiede im Export

 

  • Technische Daten, Ausstattungen und Fahrgestellnummern in Tabellen

 

Für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, eines der wertvollen auf dem Markt erhältlichen Exemplare dieses Autos zu kaufen, ist das Buch ein unverzichtbarer Ratgeber. Und für alle anderen Autofans sind insbesondere die Bilder eine wahre Freude.

 

 

Kathedralen der Arbeit

 

 

 

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Matthias Barth, Kathedralen der Arbeit. Industriekultur in Berlin, Nicolai 2016, ISBN 978-3-89479-715-7

 

Berlin durchlief als Hauptstadt eines wirtschaftlich und militärisch prosperierenden und auch ausweitenden Kaiserreichs eine enorme auch industrielle Entwicklung und galt bis zum Zweiten Weltkrieg als das größte industrielle Zentrum Europas. Diese Zeit ist unter anderem verbunden mit Namen wie AEG, Borsig, Agfa und vielen anderen.

Zusammen mit dieser industriellen Entwicklung boomte der Wohnungsbausektor, sodass Berlin mit vier Millionen Einwohnern nach London zur zweitgrößten europäischen Stadt sich entwickelte.

Der vorliegende Band gibt einen sehr aufschlussreichen Überblick über die Industriekultur Berlins, indem er nicht nur Fabrikgebäude innen und außen abbildet und beschreibt, sondern auch die Mietskasernen und Wohnsiedlungen der Arbeiter, ebenso wie die prächtigen Villen der Eigentümer und Manager der Firmen.

Manche dieser Gebäude sind noch genutzt, andere wurden in ihrer Nutzung umgewidmet. Viele vorher so noch nie veröffentlichte Fotografien geben einen hervorragenden Eindruck von der Vielfalt Berliner Industriekultur und ihrer Geschichte.

Sehr informative und verständliche Texte des Autors machen das Buch nicht nur für Liebhaber der Architektur, sondern auch für sozialgeschichtlich interessierte Leser zu einer lohnenden Lektüre.

 

 

 

 

Die wahren Märchen meines Lebens

 

 

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Barbara Fiorio, Die wahren Märchen meines Lebens, Thiele 2016, ISBN 978-3-85179-318-5

 

Guilia, die Hauptperson dieses ungewöhnlich schönen und unterhaltsamen Romans ist Werbetexterin. In der Welt der Worte bewegt sie sich geschickt und mit viel Leidenschaft – sie ist erfolgreich. Ob vegane Gummibärchen oder Gleitmittel – Guilia findet für jedes Produkt Worte und Ideen, die die Menschen zum Kaufen bringen.

Außerhalb ihrer Arbeit, für die sie viel Zeit investiert, lebt sie ein eher ruhigeres Leben. Sie geht schon mal auf eine Party, hat auch die eine oder andere kurze Beziehung, aber das alles bringt sie nicht aus ihren gewohnten Lebensrhythmus.

Doch das ändert sich, als sie eine neue Nachbarin bekommt. In eine frei gewordene  Wohnung auf ihrem Stock zieht eine Frau mit einer neunjährigen Tochter ein. Da die Mutter immer nachts arbeitet, begegnen sich Guilia und die kleine Rebecca irgendwann auf dem Gang. Rebecca hat sich ausgesperrt und außerdem kann sein nicht schlafen. Sie hat den Kontakt mit Guilia bewusst gesucht. Die nimmt sie mit in ihre Wohnung und beginnt ihr Märchen der Brüder Grimm vorzulesen. Die wahren. Denn in den Märchen kennt sich Guilia aus, hat sie doch für eine Parfum-Kampagne unlängst viele Märchen „geplündert“.

Diese Märchenstunde wird bald zum täglichen Einschlafritual für die kleine Rebecca und ist für den Leser Stoff für köstliche Märcheninterpretationen (das Original unbedingt zur Hand haben!)

Doch irgendwann erfährt Rebeccas Mutter davon und ist erbost über die „Gute-Nacht-Frau“. Es kommt zum Streit. Doch Guilia gibt nicht auf und findet heraus, dass das Problem ganz woanders liegt.

Der Roman ist eine köstliche Lektüre. Warmherzig und sensibel sind die unterschiedlichen Personen beschrieben und charakterisiert. Für Liebhaber romantischer Romane und für Märchenfreunde sehr zu empfehlen.

 

 

 

Suchen und Finden mit Kasimir

 

 

 

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Lars Klinting, Suchen und Finden mit Kasimir, Oetinger 2016, ISBN 978-3-78912452-5

 

Lars Klinting hat mit dem kleinen Biber Kasimir eine Bilderbuchfigur erschaffen, die nun schon in insgesamt sieben Bilderbüchern immer wieder seine erstaunlich vielfältigen Talente zeugt. Er kann tischlern, malen, versucht sich als Gärtner, backt Kuchen, näht und  repariert Fahrräder. Immer hat er seinen Freund Frippe dabei, der ihm hilft bei all diesen Tätigkeiten.

 

Nun hat der Verlag  ein Wimmelbuch für kleine Bastler herausgegeben, in dem aus den bisher erschienenen Bänden jeweils eine Seite wieder abgebildet ist, und die Kinder jeweils acht in einem kleinen Kreis am unteren Bildrand abgebildete Gegenstände oder Sache auf dem großen Bild wiederfinden und benennen sollen.

 

Für die Freunde von Kasimir ein schönes Wiedersehen und gleichzeitig ein guter Einstieg in Kasimir – Reihe für die Kinder und Eltern, die ihn erst mit diesem neuen Buch kennenlernen.

Männer mit Erfahrung

 

 

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Castle Freeman, Männer mit Erfahrung, Parlando 2016, ISBN 978-3-941004-78-8

 

Castle Freeman ist ein in Vermont lebender amerikanischer Schriftsteller, der bis dato in Deutschland wenig bekannt ist. Das liegt daran, dass seine bisherigen vier Romane keine deutschen Verleger gefunden haben.

Nagel & Kimche in der Schweiz, eine Hanser-Tochter mit anspruchsvollen literarischen Programm hat es mit Castle Freemans fünftem Roman nun auf den deutschsprachigen Markt gewagt und mit Dirk van Gunsteren einen ausgesprochen gefragten Übersetzer gewonnen, der schon viele Bücher berühmter amerikanischer Autoren für das deutschsprachigen Publikum aufbereitet hat.

Der Roman mit einer gekonnt und spannend erzählten Geschichte spielt in einem kleinen Dorf  in Vermont, ein ehedem durch seine Holzindustrie wohlhabendes und prosperierender Ort,  wo es aber nun nach dem Zusammenbrechen dieser Industrie bergab geht und die Menschen kaum noch Arbeit finden.

Das Buch erzählt die Geschichte der jungen Lilian. Sie wohnt seit einiger Zeit in dem Dorf, wo Fremde auch noch nach Generationen als fremd gelten. Doch das macht ihr wenig aus. Schwer allerdings macht ihr zu schaffen, dass sie seit einiger Zeit von einem schwer durchschaubaren Typen namens Blackway, einem ehemaligen Hilfssheriff regelrecht gestalkt wird. Alle im Dorf kuschen vor Blackway, doch Lilian stellt sich ihm. Als Lilian Blackways Angriffe auf ihre Katze, ihr Auto und sich selbst beim Sheriff zur Anzeige bringt, rät der ihr, die Männer um Hilfe zu bitten, die jeden Tag in einer ehemaligen Fabrikhalle zusammen mit ihrem damaligen Chef sich die Zeit totschlagen.

Lester und Nat sind bereit, Lilian zu helfen und diese „Männer mit Erfahrung“ ziehen nun zusammen mit ihr los. Obwohl Lilian sehr skeptisch ist, lassen die beiden ungleichen Männer sich nicht abwimmeln. Gemeinsam machen sie sich, permanent im Gespräch über Vergangenheit und Gegenwart, auf die Suche nach Blackway.

Witzige Dialoge machen das Buch zu einer absolut unterhaltsamen Lektüre, bei der bis kurz vor dem Ende unklar bleibt, wer nun  die Oberhand behält – das Gute oder das Böse.

Ein schräger Humor und skurrile Protagonisten – meisterhaft in Szene gesetzt.

Man möchte gern auch die bisherigen Bücher dieses 1944 geborenen Schriftstellers auf Deutsch lesen.

Der hier vorliegenden ungekürzten Lesung von Christian Brückner gelingt es ganz hervorragend, diese schwarze Komödie mit seiner einzigartigen Spannung lebendig werden zu lassen. Sie wird hoffentlich mit dazu beitragen, dass entweder einige der bisherigen Romanen von Castle Freeman oder sein hoffentlich nächster wieder einen deutschsprachigen Verleger finden. Verdient hätte es dieser Autor. Man sollte dann auch bei einer evtll. Hörbuchproduktion Christian Brückner nicht vergessen, dessen stimmliches und interpretatorisches Gespür für schräge Helden unverkennbar ist.

 

 

 

 

Der Wurm in unserem Herzen

 

 

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Sheldon Solomon, Der Wurm in unserem Herzen, DVA 2016, ISBN 978-3-421-04725-0

„Wie das Wissen um die Sterblichkeit unser Leben beeinflusst“ – darüber haben die drei amerikanischen Psychologen Sheldon Solomon, Jeff Greenberg und Tom Pyszczynski in mehr als dreißigjähriger intensiver Zusammenarbeit geforscht und mit ihren schon mehrfach  ausgezeichneten Arbeiten die moderne Psychologie nicht unerheblich beeinflusst.

 

Nun legen sie in der deutschen Übersetzung von Susanne Kuhlmann-Krieg ihre gesammelten Forschungserkenntnisse in einem Buch vor, dem sie den Titel „Der Wurm in unserem Herzen“ gegeben haben. Mit dieser Formulierung bezeichnete der amerikanische Psychologe und Philosoph William James in seinem Hauptwerk „Die Vielfalt der religiösen Erfahrung“ das Wissen um unsere Vergänglichkeit.

 

Schon Sigmund Freud hatte in seinem Werk neben der Sexualität die Angst vor dem Tod als den wesentlichen Antrieb menschlichen Lebens bezeichnet und identifiziert. In ihrer „„Terror Management Theorie“ genannten und in diesem Buch auch sehr ausführlich und vor allen verständlich beschriebenen Theorie legen die Autoren dar, dass die wesentlichen Antriebe des Menschen, jede Entscheidung, jede Haltung, jede Reaktionsweise, vom individuellen bis zum kulturellen und politischen Bereich verständlich gemacht werden können durch das Wissen um die eigene Sterblichkeit und die Angst davor.

 

Der Wunsch, dass aus unserem Leben irgendetwas übrigbleibe, nachdem schon der Körper vergeht, bringt Menschen zu den erstaunlichsten Leistungen und Verhaltensweisen zu ihren Lebzeiten.

 

Die Lektüre des Buch ist, obwohl es verständlich geschrieben ist, für jeden Leser starker Tobak, denn es konfrontiert ihn sozusagen auf jeder Seite mit dem Hinweis, dass auch er sterblich ist und sein Leben jeden Augenblick zu Ende gehen kann. Der Autoren Schlussfolgerung ist so einfach wie schwer für die meisten: mit dem Tod leben.

 

„Finden Sie sich mit dem Tod ab. Verinnerlichen Sie, dass Sterblich-Sein zwar beängstigend ist, unser Leben aber auch grandios bereichern kann, weil es uns mit Mut und Mitgefühl erfüllt und an künftige Generationen denken lässt. Suchen Sie nachhaltigen Lebenssinn durch Ihre ganz eigene, höchstpersönliche Kombination aus Werten, sozialen Bindungen, Spiritualität, ihren persönlichen Fähigkeiten, im Einssein mit der Natur und Augenblicken transzendentaler Erfahrungen.“

 

Ich bin mir aus eigener Erfahrung sicher, dass sich das eigene Leben tatsächlich verändert, wenn man diesen Weg beschreitet.

Inventarisierung der Macht

 

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Annett Gröschner, Arwed Messmer, Inventarisierung der Macht, Hatje Cantz 2016, ISBN 978-3-77574095-1

 

„Die Berliner Mauer aus anderer Sicht“ darstellen und mit unzähligen Fotografien und wenig Worten beschreiben – das war die Absicht von Annett Gröschner und Arwed Messmer, die das hier vorliegenden voluminöse zweibändige Werk herausgegeben haben.

Die Berliner Mauer „Aus anderer Sicht“ hatten Gröschner und Messmer bereits 2011 in einer Ausstellung und einem preisgekrönten Vorgängerband präsentiert. 2012 schließlich entdeckten sie eine weitere umfangreiche und bisher unveröffentlichte Bildsammlung.

Nun zeigen sie in einer neuen Ausstellung, die das vorliegende Werk begleitet in 1.059 Panoramen und Einzelbildern den gesamten Verlauf der Mauer um West-Berlin. Im Gegensatz zum ersten Band und zur ersten Ausstellung hat das neue Ausstellungskonzept Hinweise auf die Herkunft des Materials aufgenommen. Die Ausstellung selbst hat Werkstattcharakter, die Bilder sind teilweise auf dünnem Papier gedruckt und mit Nadeln an die Wand gepinnt. Eine Lesesaalsituation, wie sie im Archiv gegeben ist, steht als Mittelpunkt der Arbeit im Raum. Die strenge Geheimhaltung, der diese Dokumente auszeichneten, ist aufgehoben. Das Archiv wird so zu einer regelrechten Schatzkiste, aus dem sich die Künstler Material aneignen, um es zeitgenössisch und als Gegenentwurf zu einer offiziellen Geschichtsschreibung zu erzählen.

Das Betrachten des Buches kann den direkten starken Eindruck, den die Ausstellung selbst auf den Betrachter ausübt, nicht ersetzen. Für die Nachwelt ( jede Ausstellung geht einmal zu Ende) sind die beiden Bände jedoch von unschätzbarem Wert.

 

 

Ewige Jugend

 

 

 

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Donna Leon, Ewige Jugend, Diogenes 2016, ISBN 978-2-257-80369-3

 

Noch vor einigen Jahren haderte ich mit Donna Leon und ihrem Commissario Guido Brunetti.  Ich schrieb damals:

„Zwanzig Bände waren vor zwei Jahren für mich ein Anlass, einmal zurückzublicken. Ich habe alle Bände gelesen. Doch während die ersten zehn Bücher etwa spannende und anspruchsvolle Krimilektüre boten, wurde das Lesen dann mit jedem neuen Buch mühsamer, langweiliger und nichtssagender. Ein Grund dafür ist für mich, dass Donna Leon ihren Protagonisten und seine Familie nicht altern bzw. reifen lässt. Auch der bildungsbürgerliche Hintergrund ohne eine einzige Schwäche wirkt immer unglaubwürdiger. Ein weiterer Grund ist, dass der Schreibstil immer gleich bleibt, es gibt keine wirklichen Überraschungen mehr, eben weil sich nicht wirklich etwas verändert.“

 

Der letzte Band „Endlich mein“ und auch das vorliegende 25. Buch der Reihe mit dem Titel „Ewige Jugend“ haben mir wieder viel besser gefallen, vor allem, nachdem ich mir vorgenommen habe, Donna Leons Romane nicht mehr als Krimis zu lesen, sondern als Unterhaltungsromane mit venezianischem Hintergrund.  In einem Interview zum Jubiläum der Reihe sagte Donna Leon unlängst im Zusammenhang mit der Frage nach dem politischen Background ihrer Romane und Figuren, sie wolle mit ihren Büchern unterhalten und nicht predigen.

 

Das, finde ich, ist ihr gutes Recht, und auch andere große Autoren vor ihr haben sich das Recht genommen, ihre Hauptfiguren auch über Jahrzehnte nicht altern zu lassen.

 

Im Jubiläumsband also begegnet Guido Brunetti bei einem Wohltätigkeitsessen im Palast seiner adligen Schwiegermutter der greisen Contessa Lando-Continui. Man achte schon hier sehr genau darauf, welche weiteren Gäste dieses opulenten Mahls beschrieben werden, es wird für die weitere Handlung des Buches eine Bedeutung haben.

 

Die Contessa bittet Brunetti um ein Gespräch, das auch am nächsten Tag stattfindet. Dort erzählt sie ihm von einem Unglück, das ihrer Enkeltochter vor langer Zeit zugestoßen ist. Es wurde als Unfall zu den Akten gelegt, doch die Enkeltochter ist seitdem geistig behindert. Sie hat seit langem den Verdacht, dass es damals nicht mit rechten Dingen zugegangen ist und bittet Brunetti den Fall noch einmal aufzurollen, damit sie in Ruhe sterben kann.

 

Normalerweise dürfte Brunetti in so einem Fall nicht aktiv werden, doch mit allerlei Tricks und der bekannten PC-Unterstützung seiner versierten Sekretärin, vor allem aber mit der professionellen Unterstützung seiner neuen Kollegin Griffoni gelingt es ihm, immer mehr Licht in das Dunkel jener Vorgänge zu bringen, die der Contessa den Schlaf rauben.

 

Was mir zunehmend an Leons Romanen gefällt: sie schildert ihren Commissario Brunetti als einen gebildeten, bescheidenen Menschen, der weiß, dass Gerechtigkeit manchmal mehr bedeutet als Verhaftungen und Verurteilungen vor Gericht.

 

Ein lesenswertes und unterhaltsames Buch, wie immer mit viel „Venedig“ und dieses Mal mit dem Subthema „Pferde“.

 

Dier hier vorliegende ungekürzte Lesung von Joachim Schönfeld besticht durch ihren ruhigen Duktus und eine Stimme, die sich hervorragend in die handelnden Personen hineinversetzt und das Hörbuch so zu einem wirklichen Erlebnis macht.

 

 

 

 

 

 

Wenn der Sturm kommt

 

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Tom Avery, Wenn der Sturm kommt, Beltz & Gelberg 2016, ISBN 978-3-407-82108-9

„Alles wird anders, nichts bleibt wie es ist.“

Diese Einsicht und Lebensphilosophie kann als Grundlage gelten für die Jugendbücher von Tom Avery. Schon in seinem erfolgreichen Buch „Der Schatten meines Bruders“ hat er in seiner Hauptfigur Kaia davon erzählt. Er verband von Anfang bis Ende realistische und fantastische Elemente, sodass man als Leser nie genau wusste, was seine Hauptfigur nun tatsächlich erlebte oder was sie lediglich träumte. Real und damit wirksam für das Leben ist für Avery immer beides. In der Sprache zwischen weichen und harten Tönen wechselnd, gelang es ihm, verschiedene Seelenzustände zu beschreiben und einen seelischen Heilungsprozess eines Jugendlichen eindrucksvoll zu schildern.

Ich erwähne das noch einmal ausdrücklich, weil fast alles auch für den hier vorliegenden leider bisher nicht so stark rezipierten zweiten Roman von Tom Avery gilt. Es geht um die beiden Zwillinge Jamie und Ned. Schon bald erfahren wir von Jamie, dass Ned seit der Geburt an Mukoviszidose leidet, einer unheilbare Krankheit, die seine Lebenserwartung wahrscheinlich stark begrenzt. Seit die beiden Brüder zurückdenken können, erzählt der Großvater ihnen fantastische Geschichten übers Meer, Geschichten voller Meerfrauen und Meermännern, die Wunder vollbringen.

Als sie eines Tages am Strand ein seltsames Meerwesen finden (Realität oder Fantasie?) erhofft sich Jamie die Rettung für seinen Bruder. Sie nennen das Wesen Leonard und insbesondere Ned entwickelt bald eine ganz besondere Beziehung zu ihm. Jamie beschreibt das ganz genau, weil er spürt, dass sein geliebter Bruder sich von ihm entfernt.  Doch am Ende wird ihm deutlich warum, und auch warum das Wesen Ned tatsächlich gerettet hat. Nur nicht so, wie Jamie sich das erhoffte…

Nach „Der Schatten meines Bruder“ wieder ein beeindruckendes, stellenweise fremdes und widerspenstiges Jugendbuch von Tom Avery.

 

 

Was sagst du jetzt, lieber Gott?

 

 

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Lene Mayer-Skumanz, Was sagst du jetzt, lieber Gott, Gabriel 2016, ISBN 978-3-522-30423-8

 

Dieser sehr preisgünstige Sammelband enthält die schon erschienenen Einzelbände von Lene Mayer-Skumanz  „… wenn du meinst, lieber Gott“  und „Gott, ich hab einen Tipp für dich“, die beide gleichzeitig im Januar 2012 bei Gabriel erschienen sind. Beide Bände enthalten Mut-Spaß- und Trostgeschichten.

Im ersten Band geht es um einen kleinen Jungen namens Xaverl. Er ist um keine Frage oder Überlegung verlegen, auch und gerade nicht dem lieben Gott gegenüber, mit dem er so vieles bereden möchte. Denn es geht ihm gehörig auf die Nerven, was  er an Ungerechtigkeiten in der Schule und auf dem Schulhof erlebt. Doch seine Mitteilsamkeit ist ebenso überschäumend, wenn er sich sehr über etwas gefreut hat. All dies und noch viel mehr will er mit Gott teilen, und so kann er für viele Erwachsenen zum Vorbild werden.

Im zweiten Band geht es um ein nicht weniger aufgewecktes Mädchen im etwa gleichen Alter wie Xaverl. Sie heißt Laura und hat eine Menge Ideen, weil sie die Welt und die Menschen um sich herum genau beobachtet und wahrnimmt. Und so kommt es, dass sie viele Tipps hat für den lieben Gott, insbesondere darüber, wie er Freunden von ihr helfen und sie unterstützen könnte.

Bücher für Kinder im Grundschulalter, die sensibilisieren für deren Umwelt und ihre Mitmenschen und (auch Erwachsene!) ermutigen zum einfachen Gespräch mit Gott.