Die schöne Stille

 

 

 

 

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Elke Heidenreich, Die schöne Stille. Venedig, Stadt der Musik, Corso 2016, ISBN 978-3-7374-0706-9

 

Venedig ist seit Menschengedenken eine Stadt, die viele Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen angezogen, begeistert und verzaubert hat. Sei es die Malerei, die Architektur oder die Literatur – ihre Schönheit hat die Sehnsucht vieler Schriftsteller geweckt und genährt, die sie mit ihren Worten beschrieben haben.

Elke Heidenreich beschreibt in ihrem hier vorliegenden mit melancholischen Fotos von Tom Krausz versehenen Buch Venedig als eine Stadt der Musik. Eine wahre Liebeserklärung ist ihr Stadtrundgang, auf den sie den Leser mitnimmt mit vielen Reminiszenzen an Komponisten, deren Werke und Leben sie beschreibt. Aber auch viele Zitate von anderen Schriftstellern und Intellektuellen, die von Venedig bezaubert waren, von Goethe über Mark Twain bis Sartre, hat sie in ihr Buch eingebaut.

 

Es kann den eigenen Besuch dieser Lagunenstadt nie ersetzen, doch ist dieses wunderschöne, auch als Geschenke perfekt eignende Buch, eine schöne Einstimmung in einen Besuch bzw. Nachklang.

 

 

 

SOS Europa

 

 

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Gottfried Heller u.a., SOS Europa. Wege aus der Krise- ein Kompass für Europa, Finanzbuch Verlag 2016, ISBN 978-3-89879-984-3

 

Schon 2014 hatte  der ehemalige Straßenkämpfer, Taxifahrer und Bundesaußenminister Joschka Fischer sich mit einem leidenschaftlichen und engagierten Plädoyer für die Zukunft Europas in seinem Buch “Scheitert Europa?“ eingesetzt. Trotz aller Probleme und Krisen seit dem großen Knall der Finanzkrise 2009 war für ihn, sich auf Winston Churchill berufend, klar:

 

Der Weg zu dem Ziel der Vereinigten Staaten von Europa muss konsequent weitergegangen werden, wobei ein ganz besonderer Wert gelegt werden muss auf die Herausbildung einer europäischen Demokratie. Deutschland und Frankreich macht er dabei als entscheidende Faktoren dafür aus, ob dieser Prozess gelingt.

Ich war in einer Rezension damals skeptisch:
„Ich muss gestehen, dass ich bei aller Würdigung des Buches, sehr skeptisch bin, ob dieser Prozess gelingen kann. Zu schnell, zu unüberlegt ist die EUR in den letzten zehn Jahren durch Ländern erweitert worden, die weder ökonomisch noch rechtsstaatlich in diesen Kreis passten. Zu eigennützig und nationalistisch agieren viele Länder, als dass man sich ernsthaft vorstellen könnte, sie wären bereit, noch mehr nationalstaatliche Kompetenzen an eine zentrale europäische Regierung abzugeben. Die vielen eurokritischen und -feindlichen Parteien in den meisten Mitgliedsstaaten kommen ja nicht von ungefähr. Sie drücken eine Stimmung in der Bevölkerung aus, die für die Zukunft Europas in Fischers Sinne wenig Gutes erhoffen lässt.“

 

Über zwei Jahre später hat sich die Situation in Europa noch weiter zugespitzt. Die unbewältigte Flüchtlingsfrage, Terroranschläge in großen Hauptstädten und der Provinz, der Brexit, mit dem niemand ernsthaft rechnete und eine völlig unverständliche und ruinöse Politik der Europäischen Zentralbankhaben die Idee eines geeinten Europa in noch weitere Ferne rücken lassen.

 

Die Beiträge in dem hier vorliegenden Buch SOS Europa greifen in mehreren Ansätzen und Zugängen diese Thematik auf und zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven „Wege aus der Krise“ auf.

Am ehesten fassen die Stichworte Ulrich Horstmanns am Ende des Buches die neue Weichenstellung zusammen:

  • Mehr Föderalismus (statt planwirtschaftlichem Zentralismus)
  • Handeln im Einklang mit christlich-freiheitlichen Werten
  • Wettbewerb um neue Ideen
  • Stärkung der Eigenverantwortung der Bürger
  • Sicherung des demokratischen Ringens um die besten Lösungen

 

Ich muss zugeben, dass sich meine Skepsis aus 2014 auch nach der Lektüre dieses Buches nicht verändert hat. Klar ist aber auch: es gibt keine realistische Alternative eines reformiertem, konföderalen Europas, das gemeinsam seine inneren Krisen löst und auch gemeinsam in der Welt seine Stimme erhebt und handelt. Zu wichtig sind die von außen (aber auch von innen durch die vielen Populisten) kommenden Bedrohungen, als dass man nicht alles tun müsste, um an Europa nicht nur festzuhalten, sondern es auch weiter zu entwickeln.

 

 

Mein erstes Buch: Farben

 

 

 

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Alain Gree, Mein erstes Buch. Farben, Ravensburger 2016, ISBN 978-3-473-43574-6

 

Der Ravensburger Verlag hat eine neue Reihe von kleinen  Bilderbüchern für Kinder ab zwei Jahren herausgebracht, alle aus der Feder des legendären 1936 geborenen französischen Kinderbuchillustrators Alain Gree. Dessen meist in den 60 er und 70 er Jahren des 20. Jahrhunderts entstandenen über 300 Publikationen haben eine ganz eigenen Stil und wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Seine einfachen Bilder zeugen von seiner großen Kunst, die schon in früheren Zeiten Erwachsene und Kinder in vielen Ländern für sich eingenommen hat.

 

In der Reihe „Mein erstes Buch“, die 2012 im Original erschienen ist, sind die Farben gelb, rot, blau, grün, orange, rosa, schwarz, weiß, braun und grau entsprechend farbigen Tieren, im typischen Gree-Stil gezeichnet und benannt, gegenübergestellt. Die Kinder sollen jeweils die Farben der gezeigten Tiere benennen.

Ideal für die Bildung des kindlichen Wortschatzes.

 

 

Lexikon der Verschwörungstheorien

 

 

 

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Robert Anton Wilson, Lexikon der Verschwörungstheorien, Westend 2016, ISBN 978-3-86489-150-2

 

Wer schon immer nach der angeblichen „Wahrheit“ zu Themen wie JFK, Ufos, Freimaurern und ähnlichen mysteriösen Ereignissen und Begebenheiten wie etwa den Kornkreisen suchte, der findet in der vom Verschwörungsspezialisten Mathias Bröckers herausgegebenen Neuauflage von Robert Anton Wilsons „Lexikon der Verschwörungstheorien“ massenhafte Beispiele und Erklärungen.

Sehr bekannte und immer wieder goutierte Verschwörungstheorien sind darunter (eines der jüngsten Beispiele ist 9/11), aber auch viele skurrile und ungewöhnliche Beispiele. Er diskutiert die Theorien auch, deckt ihre Widersprüche auf und nennt immer wieder weiterführende Literatur für die eigene Weiterbeschäftigung mit dem Thema.

Warum kommt es immer wieder (in der jüngsten Zeit ganz besonders) zu einer Belebung dieser teilweise sehr alten Theorien und warum sind bestimmte Menschen dafür besonders empfänglich? Auch diesem Fragenkomplex wird in dem Buch immer wieder nachgegangen.

Ich muss zugeben: Verschwörungstheorien waren noch nie mein Ding. Sie sind meiner Meinung nach der Versuch, die immer höher werdende Komplexität zu reduzieren und ähneln damit religiösen Systemen. Aber als Nachschlagewerk zur Information und  entsprechenden Kritik der gängigen Theorien ist das Buch sehr nützlich.

 

 

 

Paradiesische Gärten

 

 

 

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Clive Nichols, Paradiesische Gärten. Gedichte & Geschichten für draussen, Te Neues 2016, ISBN 978-3-8327-3367-4

 

Einen italienischen, zwei französische und fünfzehn englische Gärten hat der bekannte Garten- und Pflanzenfotograf Clive Nichols für diesen wunderbaren Bildband bei Te Neues fotografiert und seine beeindruckenden Bilder mit einer Auswahl von Gedichten und Geschichten zum Thema Garten aus verschiedenen Werken der Literatur versehen.

 

Schon beim Anschauen dieser Fotografien stellt sich beim Betrachter ein Gefühl der Ruhe und Gelassenheit ein, das beim tatsächlichen Betreten dieser Gärten völlig unbeschreiblich sein muss.

 

Doch dieses Betreten ist offenbar nicht möglich.  Sonst hätte Clive Nichols auch die genauen Adressen der Gärten für einen evtll. Besuch dokumentiert.  Doch so ist das eben mit paradiesischen Orten: sie sind nicht mehr zugänglich.

 

Doch für die Liebhaber schöner Gärten reicht auch das Betrachten der Fotos in diesem wirklich schönen Bildband.

Trau dich, kleine Fledermaus

 

 

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Susanne Lütje, Stefanie Reich, Trau dich, kleine Feldermaus, Oetinger 2016, ISBN 978-3-7891-7944-0

 

Ein wunderschönes gereimtes Bilderbuch über eine kleine ängstliche Fledermaus, die sich nicht traut zu fliegen und seine kluge Mutter haben Susanne Lütje und Stefanie Reich hier im Oetinger Verlag vorgestellt.

In dessen Bilderbuchreihe für die kleinsten Kinder ab 2 Jahren wird erzählt von einer kleinen Fledermaus, die traurig in ihrer Höhle sitzt als ihre Mama nach Hause kommt. Sofort kümmert sich die Fledermausmama um ihr Kind, und es stellt sich heraus, dass die kleine Fledermaus sich nicht traut zu fliegen.

 

Doch da hat die Mama eine wunderbare Idee:

 

„Du lockerst deine kleinen Krallen,

ich zähl bis drei, du lässt dich fallen.

Hab keine Angst, ich fang dich auf.

Ja, ganz bestimmt. Verlass dich drauf.“

 

Und es funktioniert.

 

Eine sehr liebevoll erzählte und illustrierte Geschichte über das Vertrauen.

 

 

 

 

Enjoy your life

 

 

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Jürgen Teller, Enjoy your life. Mit dem Teller nach Bonn, Steidl 2016, ISBN 978-3-95829-221-5

Der 1964 in Süddeutschland geborenen Jürgen Teller zählt spätestens seit seinen 1991 veröffentlichten Bilder der Kultband Nirwana mit ihrem Chef Kurt Cobain zu den bekanntesten Fotografen der Gegenwart. Auch international oft angefragt, bewegen sich seine oft in Serien veröffentlichten Fotografien zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie. Über seine Arbeiten sagt er selbst:

„Alles ist im weitesten Sinne eine Art Selbstportrait. Es ist einfach die Art, wie Du die Dinge siehst, und wie gewisse Dinge Dich neugierig machen und Dich einfach mitreißen.“

 

Die hier versammelten Fotografien, meist sind es Porträts, sind zwischen dem 10 Junin und dem 25. September 2016 in der Bundeskunstgalle in Bonn, vom 15. Dezember 2016 bis zum 19. März 2017 in der Galerie Rudolfinum in Prag und vom 20. April 2017 bis 3. Juli 30217 im Martin Gropius Bau in Berlin zu sehen.

 

Jürgen Tellers Fotografie irritiert die normalen Sehgewohnheiten, fokussiert Brüche und lieben eine nicht perfekte Schönheit, bei der man schon mehrmals hinsehen muss, um sie als solche zu erkennen.

Mein erstes Buch. Zahlen

 

 

 

 

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Alain Gree, Mein erstes Buch. Zahlen, Ravensburger 2016, ISBN 978-3-473-43575-3

 

Der Ravensburger Verlag hat eine neue Reihe von kleinen  Bilderbüchern für Kinder ab zwei Jahren herausgebracht, alle aus der Feder des legendären 1936 geborenen französischen Kinderbuchillustrators Alain Gree. Dessen meist in den 60 er und 70 er Jahren des 20. Jahrhunderts entstandenen über 300 Publikationen haben eine ganz eigenen Stil und wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Seine einfachen Bilder zeugen von seiner großen Kunst, die schon in früheren Zeiten Erwachsene und Kinder in vielen Ländern für sich eingenommen hat.

 

In der Reihe „Mein erstes Buch“, die 2012 im Original erschienen ist, sind die Zahlen von 1-10 Illustrationen von Tieren und Gegenständen in den jeweiligen Anzahl im typischen Gree-Stil gezeichnet.

Ideal für das spielerische Kennenlernen  der ersten Zahlen.

 

Ich sag Hallo! Was sagst Du?

 

 

 

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Bernd Penners, Johanna Fritz, Ich sag hallo, was sagst du, Ravensburger 2016, ISBN 978-3-473-43613-2

 

Sehr viele Kinder gehen schon vor ihrem zweiten Geburtstag in den Kindergarten und begegnen, während sie selbst oft mit großer Begeisterung ihre eigene Sprache entwickeln, Kindern, die andere Sprache sprechen als sie.

 

Obwohl es in diesem Bilderbuch für Kinder ab zwei Jahren von Bernd Penners und Johanna Fritz nur um die Begrüßungsformeln klassischer Urlaubsländer (Frankreich, Spanien, Italien, Türkei) und Englands geht, lädt es Kinder in schönen Reimen ein, sich für Sprachen anderer Kinder aus anderen Ländern zu öffnen.

 

Mit dem kleinen Bär, der hier auf einer Flugreise durch Europa nicht nur die Länder kennenlernt, sondern auch, wie man sich dort begrüßt, werden sich Kinder schnell identifizieren.  Und bald werden sie herausgefunden haben, wie die vielen Kinder aus den anderen Ländern in ihrem Kindergarten in ihrer Sprache „Hallo!“ sagen.

Gebrauchsanweisung für Israel und Palästina

 

 

 

 

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Martin Schäuble, Gebrauchsanweisung für Israel und Palästina, Piper 2016, ISBN 978-3-492-27667-2

 

Im April dieses Jahres, kurz bevor ich das vorliegende neue Buch von Martin Schäuble „Gebrauchsanweisung für Israel und Palästina“ auf den Schreibtisch bekam, las ich das neue Buch des in Israel sehr bekannten Schriftstellers Edgar Keret, „Die sieben guten Jahre“.

In einer Rezension schrieb ich zu diesem sehr persönlichen Buch:

„Zwischen ernsthafter Tiefsinnigkeit, die den Leser im Innersten berührt, wechselt Keret oft auf derselben Seite zur Komik und Groteske, die dem zuvor Tragischen etwas Leichtes und Schwebendes zu geben vermag.

Vielleicht kann man heute in Israel auch nur so leben ohne zynisch und verbittert zu werden – oder auszuwandern.  „Die sieben guten Jahre“ ist ein Buch voller Liebe und Hoffnung.“

 

Martin Schäuble hat lange in dem Land gelebt, über das er jetzt schreibt und unzählige Gespräche mit Menschen geführt, die er dort erwähnt. Ich kenne kaum jemand, der so engagiert und leidenschaftlich sich in den Konflikt, er dort schon seit Jahrzehnten herrscht, persönlich und intellektuell hineinbegeben hat und darüber auch geschrieben hat:

Die Geschichte der Israelis und Palästinenser 2007 (Neuauflage bei DTV 2016)

Zwischen den Grenzen. Zu Fuß durch Israel und Palästina, 2013

 

Das neue Buch will auch dazu helfen, Israel und Palästina zu verstehen, dient aber hauptsächlich für Backpacker und Touristen als eine durchaus unterhaltsame Anleitung für ein Reisen, das der Region und den Menschen dort angemessen ist. Es ist ein Buch, in dem viele Polaritäten zur Sprache kommen. Martin Schäuble hat zu viel gesehen und gelernt in diesem Land, als dass er pauschale Bewertungen vornehmen würde. Er bleibt relativ neutral, vermittelt aber doch fast auf jeder Seite dem Leser die hohe und unlösbare Komplexität dieses Landes und seiner Bewohner.

 

Schäubles Buch kann keine eigene Reise in das Land ersetzen, es kann aber jemanden wie den Rezensenten, der diesen Plan für dieses Leben abgeschlossen hat, auf eine wunderbare Weise entschädigen. Für mich war das Buch eine ideale Ergänzung all der zahlreichen Romane (zuletzt Kerets „Sieben Tage“ und Grossmanns  „Kommt ein Pferd in die Bar“, die ich den letzten Jahren aus Israel gelesen habe. Er erzählt viel über den normalen Alltag und die Kultur und die Lebensgewohnheiten der Menschen.

 

Man merkt, dass Schäuble lange dort gewohnt hat. Seine Schilderung ist unverkrampft. Er schlägt sich auf keine Seite, weil er nicht den Anspruch hat  den Konflikt zu lösen oder zu wissen wie es geht. Er wird nicht lösbar sein.