Wir Schleswig-Holsteiner

 

 

 

 

 

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Gerhard Müller, Frank Peter, Wir Schleswig-Holsteiner. 70 Jahre- 70 Menschen, Wachholtz Verlag 2016, ISBN 978-3-529-05135-7

 

In diesem Jahr wird das Land Schleswig-Holstein 70 Jahre alt. Aus diesem Anlass haben die beiden Autoren dieses Buches, beide Journalisten der Kieler Nachrichten, insgesamt 70 mehr oder weniger bekannte Schleswig-Holsteiner Bürger zu Hause besucht oder an den Orten, für die sie in ihrer Umgebung bekannt sind und mit ihnen Gespräche geführt.

 

Sie haben dabei Menschen getroffen, die offen über ihr Leben und ihr Lebenswerk sprachen und auch nicht schweigen von ihrer Liebe zu dem Land, in den Sie zum Teil seit ihrer Geburt leben.

 

Nach über 40 Jahren bin ich in diesem Herbst selbst einmal wieder in Schleswig-Holstein gewesen und zwar auf der Insel Föhr. Ich habe dort Menschen kennengelernt, die ihrer Gegend und ihrer Kultur ähnlich verbunden waren wie die in dem Buch porträtierten. Zum Beispiel den Kapitän der MS Hauke Haien, Bernd Diedrichsen, der, auf Hallig Hooge geboren und sie mit seinem Schiff fast jeden Tag anfahrend, diesem Buch auch gut gestanden hätte.

 

Das Buch ist eine 70 fache Liebeserklärung an ein wundervolles Land mit tollen Fotos und locker geschriebenen Texten.

 

 

Hunkelers Geheimnis

 

 

 

 

 

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Hansjörg Schneider, Hunkelers Geheimnis, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-24368-0

 

Der pensionierte Basler Kommissär Peter Hunkeler liegt im Krankenhaus. Er ist an der Prostata operiert worden, und es hat sich herausgestellt, dass es kein Krebs war. Hunkeler fühlt sich verschont und spürt, wie schon in den früheren Jahren so etwas wie Dankbarkeit für sein Leben, auch wenn seine Erinnerungen mit steigendem Alter immer intensiver werden.

Hansjörg Schneider, der Schöpfer dieses schrulligen Kommissars, hat in einem Interview bestätigt hat, das Hunkeler, seine Lebensgeschichte und seine Gedanken sehr mit seiner eigenen Biographie und seinen Gedanken zu tun haben.

 

Hunkeler liegt also im Krankenhaus und neben ihm im gleichen Zimmer ein alter Bekannter: Stephan Fankhauser, einst wie Hunkeler bei den Achtundsechzigern, ist er durch die Institutionen marschiert und Leiter der Basler Volkssparkasse geworden. Nun ist er schwerkrank. Eines Nachts beobachtet Hunkeler, wie eine Krankenschwester mit einem Rubinring an der Hand, Fankhauser eine Spritze setzt. Der wehrt sich heftig und ist am nächsten Morgen tot. Hunkeler weiß nicht recht, ob er einer Täuschung durch die eigenen Medikamente aufgesessen ist, doch es wird sich später herausstellen, dass er richtig beobachtet hat.

 

Später, während einer Handlung, in der Schneider wieder in die Schweizer Geschichte zurückgeht und sie parallel setzt zu zeitgenössischen Ereignissen, hier die Finanzkrise, lässt Schneider Hunkeler seine eigenen Gedanken denken:

„In seiner Jugend, dachte Hunkeler, waren die Schweizer stolz gewesen auf ihr Land. Man sprach vom freien Schweizer und meinte sich selbst. Man war stolz darauf, dass man den Flüchtlingen Asyl gewährte. Man war auch stolz auf die Banken. Denn in ihnen lag das Geld unschuldig Verfolgter in sicherer Verwahrung. Ein Stück vom Freiheitskämpfer Wilhelm Tell steckte in jedem Eidgenossen und  jeder Eidgenossin.“

 

Doch die Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg hat sich als rassistisch herausgestellt und die einst angesehenen Banken sind in unglaubliche Skandale verwickelt. Und was zunächst aussieht wie eine Sinnestäuschung, hat Zusammenhänge bis in die ferne Vergangenheit.

 

Seit 1993, als der Basler Schriftsteller Hansjörg Schneider seinen ersten Kriminalroman um den Kommissär Peter Hunkeler veröffentlichte, ist er als Krimiautor ein Geheimtipp geworden. Obwohl seine Bücher keine hohen Auflagen erreichen, wie etwa die seiner modern gewordenen schwedischen Kollegen, sind die Romane auf höchstem Niveau, mit viel politischer Analyse, gesellschaftlich-hintergründigem Witz und immer auch angereichert mit einer subtilen Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen, besonders denen in Basel und in der Schweiz.

Peter Hunkeler war früher verheiratet, hat aus dieser Ehe auch eine erwachsene Tochter, mit der sein Kontakt aber spärlich ist. Seit vielen Jahren ist er zusammen mit Hedwig, einer engagierten Erzieherin, die es trotz allem Stress versteht, ihr Leben zu genießen und auf diese Weise Peter Hunkeler immer wieder einen guten Ruhepol bietet, auch wenn ihre Streitgespräche ein wahrer Lesegenuss sind. Besonders wenn sie die Wochenenden oder andere freie Tage in ihrem Häuschen im Elsass direkt hinter der französisch-schweizerischen Grenze verbringen.

Hunkeler hat eine bewegte Lebensgeschichte hinter sich. In der Studentenbewegung engagiert, hat er sich eine libertär-liberal-linke Position bewahrt, die nie dogmatisch war oder wird. Vielleicht ist er darin das treue Abbild seines genialen Schöpfers. Er kennt in Basel Gott und die Welt und seine sozialen Kontakte machen vor Klassenschranken und sozialen Milieus nicht Halt. Er verkehrt mit Schriftstellern, Künstlern und Theaterleuten, Lebenskünstlern, halbseidenen Figuren an der Grenze zur Unterwelt. Er trifft sie auf der Straße, in Cafes, vor allem aber abends und nachts in den alten Basler Beizen, die vom Aussterben bedroht sind, und denen Hansjörg Schneider in seinen Büchern nebenbei ein Denkmal setzt.
Er liebt Menschen und die Geschichten, die mit ihnen verbunden sind. Und weil er sich so gut in Menschen hinein versetzen kann, löst er alle seine Fälle mit diesem „Gspüri“. Auch diesen Fall, er ihm nach seiner Entlassung aus dem Krankhaus keine Ruhe lässt. Und wie schon zu seiner aktiven Zeit meiden ihn die Kollegen, mit denen er wieder zu tun bekommt. Seine Eigenständigkeit und innere Ruhe machen ihnen Angst, erst recht, wo er nun keine Verpflichtungen mehr hat. Und wie schon damals erweist sich der Staatsanwalt Suter als heimlicher Unterstützer.

 

Das vorliegende Buch Schneiders ist vielleicht der Beste aller neun Hunkelerbände. Seine Altersweisheit und sein unideologischer Blick auch auf seine eigene Vergangenheit lassen ihn erkennen, was trotz allem sein Basel für ihn liebenswert macht, auch als politische Heimat.

 

 

 

 

 

Der Mittagstisch

 

 

 

 

 

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Ingrid Noll, Der Mittagstisch, Diogenes 2017, ISBN  978-3-257-24370-3

 

Mit den Büchern von Ingrid Noll geht es mir seit Jahren so ähnlich wie mit den Brunetti – Romanen von Donna Leon, die wie Nolls Romane ebenfalls bei Diogenes in Zürich erscheinen.  Weil ihre Vorgänger so überaus erfolgreich waren, neigen die Autorinnen dazu, auch im nächsten,  von einer treuen und nicht kleiner werdenden Fangemeinde sehnlichst erwarteten Buch mit dem gleichen Strickmuster zu arbeiten.

 

Bei Ingrid Noll sind es vorzugsweise Frauen, die, mit viel schwarzem Humor beschrieben, auf die eine oder andere geniale Weise unliebsame Zeitgenossen entsorgen und sie sich vom Hals schaffen.

 

Im neuen Buch ist es die alleinerziehende Nelly, Mitte dreißig,  die sich  mit der Einrichtung eines Mittagstisches in ihrem Haus eine steuerfreie Nebeneinkunft zu sichern glaubt. Offiziell kocht  die begnadete Köchin nur für Freunde, und glaubt, deshalb kein Gewerbe anmelden zu müssen.

 

Und so beschreibt Ingrid Noll einen illustren Kreis von Mittagsgästen, wobei Nelly insbesondere den Männern  große  Aufmerksamkeit  widmet.  Doch als ihr Lieblingsgast Markus eines Tages  seine Freundin Grete mitbringt, ist es mit  der Gastfreundschaft vorbei. Nelly beginnt zu handeln, wobei ihr ihre genauen  Kochkenntnisse sehr behilflich sind.

 

Wie in allen früheren Romanen bietet  Ingrid Noll köstliche und leichte Unterhaltung mit Menschen, deren böse Seite ihrer  Persönlichkeit sie vorzugsweise  zum Ausdruck bringt und mit selbstbewussten  Frauen, die meist ohne strafrechtliche Folgen sich Probleme vom Hals schaffen.

 

Witzig und überaus amüsant  ist eine solche Lektüre  und ihre treuen  Fans wünschen sich von der agilen Achtzigjährigen noch viele weitere  Romane.

 

 

 

 

 

Rund um die Welt

 

 

 

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Miroslav Sasek, Rund um die Welt, Kunstmann 2016, ISBN 978-3-95614-134-8

 

Über einen langen Zeitraum von 15 Jahren bereiste der 1980 gestorbene Kinderbuchzeichner Miroslav Sasek die Welt, zu einer Zeit, als Fernreisen noch etwas beschwerlicher waren als heute, wo man sie bequem von zu Hause am PC buchen und zusammenstellen kann. 1948, nach der Machtübernahme der Kommunisten in Prag emigrierte er nach München, wo er lange lebte, bevor er nach Paris zog und dort 1980 starb. Vielleicht auch deswegen hat sich Antje Kunstmann Verlag seinem Werk angenommen und eine Reisendrücke von den Städten München, Paris, London, Rom, New York und Venedig in wunderbaren Büchern  für Kinder veröffentlicht.

 

Nun legen die Münchner Büchermacher einen schweren Band vor mit Zeichnungen, die Sasek überall auf der Welt gemacht hat. Von München führt ihn seine Reise nach Venedig und Rom. Von dort geht es nach Griechenland und Israel, von dort nach Hongkong und Australien, über das Meer nach San Francisco, Texas, Washington und New York. Zurück über den Atlantik besucht er Irland, Großbritannien, London und Edinburgh und kehrt dann zurück nach Paris.

 

Mit einfachen Sätzen vermittelt er den Kindern viele wichtige Informationen zu den Illustrationen. Sie lassen auch immer etwas ahnen von der jeweiligen Kultur, in der er sich aufhielt und die er wahrnahm.

 

Die gemalten Bilder sind voller Charme, herrlich nostalgisch und gleichzeitig so lebendig, obwohl sie schon vor vielen Jahrzehnten gemalt wurden. Vieles von dem, was er damals sah, ist heute verändert, aber der besondere Zauber und die magische Anziehungskraft der Orte, die besucht hat, sind unverändert.

 

Ein Buch für Kinder und Erwachsene, die sich bei diesem Malstil vielleicht an ihre eigene Kindheit zurückerinnert fühlen, als etwa Ali Mitgutsch seine Wimmelbücher erfand.

Fashion at home

 

 

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Christine Mortag, Dennis Braatz, Fashion at home, Callwey 2017, ISBN 978-3-7667-2164-8

 

Insgesamt 19 deutsche Modedesigner haben für Christine Mortag und Dennis Braatz die Türen ihrer privaten Häuser und Wohnungen geöffnet und ihnen für ihr vorliegendes Buch und dessen Leserinnen und Leser einen Einblick gewährt in ihre ganz private Wohnästhetik.

Bei vielen dieser Designer, so der Eindruck des Buches, durchaus eine Ähnlichkeit festzustellen mit der Art ihres Modemachens und dem Charakter der Einrichtung und Gestaltung ihrer privaten Wohn- und Arbeitsräume.

 

Sie alle, auf ihre je unterschiedliche Weise, gestalten ihre Wohnbereiche ähnlich akribisch und phantasievoll wie ihre jeweilige Mode oder ihr Design.

 

Das mit sehr gelungenen Fotografie von Ulrike Myrzik und Anja Frers ausgestatte Buch befriedigt nicht nur die Neugier des modeinteressierten Lesers, sondern vermittelt ihm, obwohl er vielleicht auf nicht so großem Fuß und Platz lebt eine Menge Anregung für die eigenen vier Wände.

 

Ein Adressenhinweis am Ende des Buches gibt die Möglichkeit, sich das eine oder andere Gezeigte selbst zu besorgen.

 

 

Greta und die magischen Steine

 

 

 

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Paul Maar, Helga Bansch, Greta und die magischen Steine, Annette Betz 2016, ISBN 978-3-219-11695-3

 

Paul Maars märchenhafte Geschichte von Greta steckt voller Symbole. Sie spielt in einer Zeit, „als magische Wesen sich den Menschen noch zeigten“ und erzählt mit einer schönen und poetischen Sprache von der großen Sehnsucht eines Kindes nach seinem abwesenden Vater.

 

Helga Bansch, die österreichische Künstlerin hat mit ihrem unverwechselbaren Stil diese symbolhafte Geschichte mit Bildern illustriert, die ihren eigenen Zauber verströmen und die Geschichte erst rund machen.

 

Sie berichtet von einem kleinen Mädchen namens Greta, das mit seiner Mutter und ihrem Hund Karo in einem Dorf in der Nähe des Meeres lebt. Der Vater ist schon seit vielen Jahren weg von zu Hause. Im sagenhaften Goldland sucht er sein Glück. Mutter und Tochter fristen indessen daheim ein kärgliches Dasein.

 

Eines Tages steht eine seltsame alte Frau vor der Tür und bittet um ein Glas Milch. Freundlich erfüllt Greta ihr Bedürfnis und erhält von ihr dafür einen ersten Zauberstein und den Hinweis, am Meer zwei weitere Steine zu finden und damit ihren Vater.

 

Greta macht sich mit ihrem Hund auf den Weg zum Strand. Und dort findet sie nicht nur die versprochenen Steine…

 

Ein ganz zauberhaftes Bilderbuch mit einer ganz eigenen Magie.

 

 

99 automobile Rennklassiker und ihre Spitznamen

 

 

 

 

 

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Helge Jepsen, Michael Köckritz, 99 Automobile Rennklassiker und ihre Spitznamen, Te Neues 2016, ISBN 978-3-8327-3467-1

 

Von dem deutschen Autorennfahrer Walter Röhrl ist das Bonmot überliefert:  “Man kann ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln – ein Auto braucht Liebe!“

Für Menschen (vorzugsweise Männer), die diesen Satz nicht von vornherein als totalen Machoquatsch abtun, ist dieses Buch von Helge Jepsen und Michael Köckritz gedacht.

Ähnlich wie in ihrem etwa zeitgleich ebenfalls bei Te Neues erschienenen Buch 99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen“ werden in diesem Band 99 Rennwagen aus allen Bereichen des Automobilsports gezeigt und unter ihren zum Teil volkstümlichen Bezeichnungen beschrieben.

 

Treffliche Zeichnungen geben die Autos sehr detailliert wieder.  Die kurzen Texte erläutern technische Details, die Entstehungsgeschichte des jeweiligen Fahrzeugs und seine Einsätze.

 

Wussten Sie, dass die DDR einen Rennwagen entwickelt hat? In diesem Buch können sie ihn bestaunen.

 

Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution

 

 

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Erhard Eppler, Niko Paech, Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution..,  Oekom 2016, ISBN n978-3-86581-835-5

 

Dieses von Christiane Graefe moderierte Streitgespräch dreht sich um die Frage, wie das wirtschaftliche Wachstum, das bereits zur Übernutzung des Planeten geführt hat und dessen Dynamik zur Bedrohung für das Überleben der Menschheit wird, gebremst bzw. gestoppt werden kann. Über die Dringlichkeit der Frage sind sich die Kontrahenten einig. Strittig ist primär die Strategie. Es handelt sich um einen Beitrag zum Degrowth-Diskurs, der in der letzten Zeit innerhalb der Ökologie immer stärker geführt wird.

Erhard Eppler ist ein prominenter Politiker, der schon sehr früh einen Blick für die Umweltbewegung hatte und schon Anfang der 1970er Jahre die Dringlichkeit des Degrowing erkannte. Mit seinem Buch „Ende oder Wende“ versuchte er 1975 als Publizist erfolgreich ein entsprechendes Problembewusstsein zu wecken. Ich erinnere mich noch sehr gut daran wie dieses Buch in der oft auch kirchlich geprägten neuen Bürgerinitiativbewegung rezipiert wurde.

Niko Paech hat sich im deutschsprachigen Raum unter anderem mit dem Buch „Befreiung vom Überfluss“ (2012) als Wachstumskritiker einen Namen gemacht. Er vertritt die Idee der Postwachstumsgesellschaft.

 

Die Konfrontation der beiden Positionen in dem schmalen Bändchen ist sehr aufschlussreich, weil sie zur Orientierung in dem noch relativ jungen Diskurs über Degrowing oder Postwachstum verhilft.

 

Paech wirbt für eine utopische Rückkehr zur Subsistenzwirtschaft Über Konsumverzicht und eine neue Moral spricht er den Einzelnen an, ohne Interesse an der Machtfrage. Ökologie wird damit zum missionarischen Auftrag.

 

Erhard Eppler hingegen will demgegenüber einen maßvollen Rückbau, während dem er die Machtverhältnisse und die sozialen Ungleichheiten und bisher vernachlässigter Bedürfnisse berücksichtigen will. Sein Ziel und seine Strategie sind im Gegensatz zu Paech pragmatisch, wobei er auf dem Primat der Politik insistiert.

Wer sich über den  noch relativ jungen Diskurs über Degrowing oder Postwachstum informieren möchte, für den ist das Buch geeignet. Sowohl für Einsteiger als auch  für  Gesellschaftskritiker, die sich schon länger mit solchen Fragen auseinandersetzen.

 

 

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Ein Loch gegen den Regen?

 

 

 

 

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Daniel Fehr, Francesca Sanna, Ein Loch gegen den Regen, Atlantis 2016, ISBN 978-3-7152-0719-3

 

Das erste von vielen weiteren ausdrucksstarken Bildern von Francesca Sanna in diesem von Daniel Fehr getexteten Bilderbuch zeigt einen Hasen, der sich gerade ein Loch gräbt.  Dann fragt ihn ein großer Bär, was er da mache. „Ich grabe ein Loch gegen den Regen“, sagt der Hase und wird sofort vom Bär belehrt. Gegen den Regen brauche man eine Höhle, behauptet er, auf seiner Welterfahrung beharrend. Genauso machen das auch im Verlauf des Buches noch viele andere Tiere. Jeder empfiehlt dem Hasen die Lösung gegen den Regen, die er kennt und praktiziert.

 

Doch der Hase lässt sich nur vorübergehend verwirren, vertraut auf die eigene Stärke und Weisheit, und lässt sich nicht durch das Gerede der anderen von seinem Weg abbringen. Er weiß sicher, was für ihn gut ist. Und als es kurz darauf zu schütten beginnt, stehen die anderen Tiere im Regen und der Hase sitzt trocken in seinem Loch.

 

Ein witziges Bilderbuch mit Hintersinn, den man nach dem Vorlesen mit den Kindern besprechen sollte.

 

 

 

 

 

In der großen Stadt

 

 

 

 

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Richard Scarry, In der großen Stadt, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-01190-6

 

Dieses wunderschöne Bilderbuch ist ein  Klassiker, der in vielen Ländern erschienen ist und nun dankenswerterweise von Diogenes in Zürich wieder aufgelegt wird.

 

1994 zum ersten Mal in New York in den USA veröffentlicht, legt der Diogenes Verlag in Zürich dieses Bilderbuch neu auf. Auf verschiedenen Themenseiten können die Kinder an Tierfiguren nachvollziehen, was es in der Stadt so alles zu sehen und zu erleben gibt. Das Buch erscheint zeitgleich mit einem anderen Klassiker von Richard Scarry, einem Wörterbuch in dem unzählige Dinge und Sachen zweisprachig in Englisch und Deutsch benannt sind.

 

Insbesondere für Kinder, die zweisprachig mit Deutsch und Englisch aufwachsen ist das Buch geeignet. Aber auch für die anderen schadet es sicher nicht, schon vor der Grundschule manche Dinge auch mit einen englischen Wort benennen zu können.

 

Ich hoffe, dass Diogenes noch viele der über 300 Bücher (sie wurden oft in Zeichentrickserien umgesetzt) des 1994 verstorbenen Richard Scarry wieder auflegt.

 

Mit diesen beiden Bilderbüchern jedenfalls werden Ihre Kleinen einen großen Spaß haben. Man kann sich wie in einem Wimmelbuch stundenlang damit beschäftigen.