Grand Prix

Martin Walker, Grand Prix. Der neunte Fall für Bruno Chef de police, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-06991-4

In seinen bisherigen Büchern mit dem sympathischen Bruno Courreges, dem Chef de Police in dem kleinen Städtchen St. Denis im Perigord ist es dem Engländer Martin Walker jedes Mal sehr gut gelungen, ein aktuelles Thema in einem konkreten Kriminalfall zu verbinden mit sehr aufschlussreichen Rückblicken in die dunklen Kapitel der französischen Geschichte. Grand Prix weiterlesen

Das Leben lesen

Ulrich Bahnsen, Das Leben lesen. Was das Blut über unsere Zukunft verrät, Droemer 2017, ISBN 978-3-426-217711-9

Das vorliegende neue Buch des bekannten Wissenschaftsjournalisten Ulrich Bahnsen entführt nach über fünfjähriger Recherchearbeit  zum Thema Blutdiagnostik seine Leser in die Welt der Forschung, wo sich derzeit atemberaubenden Entwicklungen abzeichnen. Das Leben lesen weiterlesen

Schluss mit der Angst

Notker Wolf, Schluss mit der Angst, Herder 2017, ISBN 978-.3-451-37620-7

Der optimistische Untertitel dieses Buches von Notker Wolf „Deutschland schafft sich nicht ab“ deutet an, gegen welche Geisteshaltung und Philosophie es sich richtet. Mit diesem Titel nämlich hatte Thilo Sarrazin vor Jahren den Untergang unseres Landes prophezeit und damit hohe Auflagen und viel auch unausgesprochene Zustimmung erreicht. Schluss mit der Angst weiterlesen

Die tollkühnen Schafe in ihrer fliegenden Kiste

Peter Bently, David Roberts, Die tollkühnen Schafe in ihrer fliegenden Kiste, Knesebeck  2017, ISBN 978-3-86873-920-6

Vielleicht angeregt von dem Film „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ aus dem Jahr 1965 haben 2014 Peter Bently und David Roberts eine Bilderbuchgeschichte erzählt, die der Knesebeck Verlag nun in einer Übersetzung von Salah Naoura veröffentlicht. Die tollkühnen Schafe in ihrer fliegenden Kiste weiterlesen

Liebster Papa Brumm

 

 

 

 

 

Mark Sperring, Sebastien Braun, Liebster Papa Brumm, Orell Füssli 2017, ISBN 978-3-280-03539-9

 

Papa Brumm und sein kleiner Sohn Klein-Pip sind ein wunderbares Team. Schon in dem Bilderbuch „Wann habe ich endlich Geburtstag?“, das im Frühjahr 2015 erschien, und dann 2016 in dem Buch „Wann ist endlich Weihnachten?“ hatte der englische Bilderbuchautor Mark Sperring die beiden vorgestellt und die unendliche Geduld eines liebevollen Vaters mit seinem kleinen Sohn beschrieben.

 

In seinem dritten hier vorliegenden Buch über die beiden erzählt Mark Sperring, wie der liebevolle und geduldige Papa Brumm mit seinem Sohn einen Tagesausflug unternimmt, bei dem sie viele lustige Dinge erleben. Sie machen ein Lagerfeuer, fahren mit dem Boot und sind guter Dinge.

Wieder einmal wird dem Kleinen klar: „Wie lieb ich dich habe, Papa Brumm!“

Und selbst als das nicht festgebundene Boot auf dem See entschwindet, weiß Papa Brumm einen Rat. Zum krönenden Abschluss eines wunderschönen Tages bauen sie gemeinsam ein Floß und kehren damit zurück.

 

Ein schönes Bilderbuch, von Sebastien Braun wunderbar illustriert.

 

Das Rauschen in unseren Köpfen

 

 

 

 

 

Svenja Gräfen, Das Rauschen in unseren Köpfen, Ullstein 2017, ISBN 0978-3-96101-004-2

 

Lene, die uns in diesem mit kunstvoller Sprache verfassten Roman von Svenja Gräfen die Geschichte ihrer ersten großen Liebe erzählt, ist in einer guten, gebildeten Familie behütet aufgewachsen und hat zu dieser auch nach ihrem Wegzug nach Berlin ein gutes Verhältnis. Nun lebt sie mit ihrer besten Freundin in einer WG.

„Als ich Hendrik traf, vergaß ich für einen Moment, dass es je eine Zeit gegeben hatte, in der er noch keine Rolle spielte.“ So beginnt ihre Erzählung. Eine eigentümlich schöne Beschreibung dessen, was passiert, wenn ein Mensch sich verliebt. Sie stürzen regelrecht ineinander, nicht nur ihre Körper verschmelzen, sondern auch ihre Zukunft:

„Die Abende, die Nächte gehörten uns. Wir gingen nicht raus. Wir hatten hier alles, was wir brauchten, das heißt: uns. Wir hätten uns auch in einer Bar gehabt, im Kino, in einem Restaurant; aber eben nicht so, wir hätten uns teilen müssen mit einer ganzen Welt, die nach Aufmerksamkeit schrie.“

 

Lene ist glücklich, und zunächst macht es ihr nichts aus, dass der eher stille Hendrik so wenig aus seinem Leben erzählt. Das war, wie sich sukzessive herausstellt, nicht leicht. Ob Hendrik im Laufe des Jahres, das in dem Roman beschrieben wird, alles selbst erzählt hat, oder ob die Autorin einen auktorialen Erzähler eingeschaltet hat, bleibt undeutlich.

Tatsächlich aber wird deutlich, dass sein manchmal äußerst merkwürdiges Verhalten, das auch Lenes große Liebe nicht mehr übersehen kann in einem Zusammenhang steht mit Hendriks Vergangenheit, seiner Herkunftsfamilie, aus der er floh, nachdem der mysteriöse Tod seines Vaters sie zerstört hatte. Und da ist zunehmend Hendriks Beziehung zu seiner früheren Partnerin Klara, seiner ersten großen Liebe die sich bei ihm meldet und sich in Erinnerung bringt

 

All das schleicht sich immer mehr in die vorher so lockere Beziehung zwischen Lene und Hendrik und nagt an ihr. Wie die Geschichte ausgeht, soll hier nicht verraten werden. Doch der Hinweis sei gestattet, dass dieses Buch auch für den schon etwas älteren Leser eine Menge Erinnerungen wachruft an Zeiten, wo die Liebe über einen kam wie ein plötzlicher Sturm. Aber vielleicht auch an Beziehungen, die durch die Vergangenheit und das erlebte Schicksal des Partners schweren Belastungsproben ausgesetzt waren.

 

 

 

Der Bruch. Frankreichs gespaltene Gesellschaft

 

 

 

 

Gilles Kepel, Der Bruch. Frankreichs gespaltene Gesellschaft, Kunstmann 2017, ISBN 978-3-956714-188-1

 

Schon in dem in Frankreich schon 2015 erschienenen und 2016 bei Kunstmann verlegten Buch „Terror in Frankreich“ hat der bekannte Soziologe Gilles Kepel vor einer Spaltung der französischen Gesellschaft gewarnt. In einer nüchternen Analyse zeigte er, dass es das erklärte Ziel der Dschihadisten ist, die Gesellschaft zu spalten und die bisher noch loyale Mehrheit der Muslime zu radikalisieren. Dies führe dann dazu, dass auch Menschen, die bisher dem Islam wohlwollend bis gleichgültig gegenüber standen, zu Gegner bzw. Feinden dieser Religion werden, rechte Bewegungen wie den Front National in Frankreich oder die AfD in Deutschland immer stärker machen und so wiederum die Begründung für immer neue Attentate und Attentäter schaffen. Ein bürgerkriegsähnliches Szenario wurde da an die Wand gemalt, das mir schon im letzten Jahr große Angst machte.

 

In seinem neuen Buch, in dem er nach einem langen Prolog und einem Vorwort für die deutsche Ausgabe Radiointerviews dokumentiert, die er , jeweils vier oder fünf an der Zahl, in den Monaten von September 2015 bis Juli 2016 gegeben hat, verschärft er seine Analyse noch und beschreibt einen „identitären Bruch in der Gesellschaft“, ein Bruch zwischen denen die Wohlstand haben und denen, die draußen sind, den „Outsidern“. Die schlüsselt er auf:

„Es gibt zwei Typen dieser Outsider: Zum einen Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Banlieues der Großstädte, zum anderen das „weiße Frankreich“ vom Land oder in den Kleinstädten. Die einen verfallen der Logik einer islamischen Parallelgesellschaft, die anderen den Rechtsextremen.“

 

Seine Thesen in „Terror in Frankreich“ noch radikaler formulierend,  führt Gilles Kepel aus, wie der dschihadistische Terror diese Spaltung gezielt vorantreibt. Der Aufstieg rechtsextremer islamfeindlicher Parteien gehört zum Kalkül dieses Terrors. Deren islamfeindliche Propaganda macht auch bisher unauffällige Muslime  empfänglich für islamistische Propaganda.

 

Noch mehr als im vergangenen Jahr scheint der einst so besonnene Soziologe selbst zu spalten, wenn er eine „Verschleierung des Dschihadismus in Europa (konstatiert) unter dem Vorwand, Islamophobie sei das bedeutendere soziale Phänomen“.

Gilles Kepel steht mittlerweile selbst auf der Todesliste des IS. Das hat ihn meiner Meinung nach zu einem werden lassen, der nicht mehr nur wissenschaftlich analysiert sondern auch ungeduldig wird:

„Man wartet auf die politische Vision, die der Versuchung des Bruchs zu widerstehen vermag.“  Doch er will sich von den Dschihadisten nicht den Mund verbieten lassen:

„Ich habe das Buch geschrieben, während die Attentate Frankreich erschütterten und ich selbst zum Tode verurteilt war. Für mich war das eine Art auf die Todesdrohung zu antworten. Weil man mich mit dem Tod bedroht, werde ich nicht schweigen. Im Gegenteil: Ich schreibe erst recht noch ein Buch.“

 

Wenn man es liest, bekommt man zunehmend den Eindruck, dass unserem Nachbarland noch sehr schwierige Zeiten bevorstehen. Entwicklungen, die ganz Europa mit nach unten ziehen könnten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Opas geheimnisvoller Garten

 

 

 

 

Luc Foccroulle, Annick Masson, Opas geheimnisvoller Garten, Orell Füssli 2017, ISBN 978-3-280-03546-7

 

Das vorliegende Bilderbuch aus Frankreich erzählt die schöne Geschichte eines Mädchens aus der Stadt, das in den Sommerferien seinen Opa auf dem Land besucht und dort eine Menge von ihm lernt über die Pflanzen seines Gartens und was man alles aus ihnen machen und kochen kann.

 

Das Mädchen heißt Lina. Bei ihrem Opa angekommen, befällt sie sofort eine große Langeweile und sie ist neidisch auf ihre Freundin Louise, die am Strand des Meeres liegen kann, während sie hier auf dem Land versauert.

 

Doch ihr Opa ist ein weiser Mann. Mit viel Geduld führt er seine Enkelin Lina in die Geheimnisse des Gartens ein und lässt sie selbst eine eigene Bohne pflanzen. Und weil sie sich jeden Tag darum kümmern muss und dann  bald auch will, interessiert sie sich bald für immer mehr Pflanzen des Gartens. Von Langeweile ist bald schon keine Rede mehr und das Essen nach der Ernte schmeckt besonders gut.