Greta, Lotti und Bauer Hansen

 

 

 

 

Carsten Eichler, Greta, Lotti und Bauer Hansen, Knesebeck 2017, ISBN 978-3-95728-022-0

 

Bauer Hansen hat Sehnsucht. Sehnsucht nach dem Meer. Nach Füßen im Sand, Brandung, Möwenschreien und Wind um die Nase.  Auch seien beiden Kühe Greta und Lotti teilen seinen Traum und sie machen sich sofort daran, ihm diesen Traum zu erfüllen, damit er wieder glücklich ist.

Und nach einigem Werkeln und Hämmern ist es soweit:
„Wir haben vollgetankt, den Rucksack voller Brote, es ist später Mittag und wir tragen Fliegerbrillen.“
„Tritt drauf“, sagt Greta und Lotti gibt Gas.

Und schon geht es los ans Meer und an den Strand, den Ort ihrer Sehnsucht.

Eine wunderschöne Geschichte mit einer außergewöhnlichen und detailverliebten Illustration, die aus Knetfiguren und vom Autor gebastelten Gegenständen besteht.

 

Die Lawine

 

 

 

 

 

John Branch, Die Lawine. Dumont Reiseverlag 2017, ISBN 978-3-7701-6974-0

 

Eine neue Reihe mit dem Titel „True Tales“ , wahre Geschichten, bietet der Dumont Reiseverlag in diesem Sommer all jenen an, die gerne Abenteuer- und Reisegeschichten lesen, dabei aber keine großen Wälzer mögen sondern Spaß haben an einer kurzen, spannenden und vor allen Dingen  wahren Geschichte, die sie mitnimmt in die große weite Welt.

 

In dem vorliegenden Band, wie alle anderen etwa 80 Seiten mit vielen Bilder und Fotografien umfassend, erzählt der Sportreporter der New York Times, John Branch, über ein dramatisches Skiunglück, bei dem am 19. Februar 20912 am Tunnel Creek eine riesige Lawine eine Gruppe von erfahrenen Skifahrern verschüttete. Nach sechs Monaten Recherchearbeit und zahllosen Gesprächen rekonstruierte John Branch  diesen Freeski-Albtraum und wurde für seinen in den USA 3,5 Millionen Mal verkauften Bericht darüber mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet.

Eine spannende und wahre Geschichte.

 

 

 

 

 

 

 

Der weiteste Weg. Mit dem Campingbus bis Australien

 

 

 

 

 

 

Bruno Blum, Der weiteste Weg. Mit dem Campingbus bis Australien, Delius Klasing 2017, ISBN 978-3-667-10914-9

 

Der Schweizer Weltenbummler Bruno Blum ist auf seiner letzten Weltreise vom Motorrad auf den Campingbus gewechselt und hat  seine Freundin mitgenommen auf den „weitesten Weg“, der die beiden über Russland und Kasachstan und Indien bis nach Australien geführt hat. Von dort sind sie über Japan und die Mongolei quer durch Russland wieder zurück nach Europa gefahren.

 

Mit vielen traumhaften Fotografien bebildert und erzählt er von einer abenteuerlichen Reise und vielen Menschen, denen die beiden begegnet sind und zahllosen zum Teil grotesken Situationen, die sie in dieser Zeit bewältigen mussten.

 

Ein Buch über ein Abenteuer, das beim  Lesen und Betrachten selbst zum Abenteuer wird.

Ruhige Zeiten

 

 

 

 

Lizzie Doron, Ruhige Zeiten, DTV 2017, ISBN 978-3-423-14574-9

 

Dies ist die Geschichte von Leale, genannt Lea, einer Überlebenden der Shoah, die von Mordechai, einem Mitarbeiter der Jewish Agency nach dem Krieg in einem polnischen Waisenhaus entdeckt und nach Israel gebracht wird.

Nach dem Tod von Srulik, den sie als junges Mädchen heiratet und mit dem sie einen Sohn hat, wird sie Maniküre im Friseursalon von Sajtschik. Auch Sajtschik kommt „von dort“ und lebt mit Mordechai in einer versteckten homosexuellen Beziehung, die Lea aber nicht wahrhaben will.

Sie liebt Sajtschik über all die langen Jahre, die sie bei ihm arbeitet, und als auch er stirbt, erinnert sich Lea in einer langen Zeit der Trauer an „Menschen, an die sich niemand erinnern wird“ ( Widmung der Autorin).

 

Schon in ihrem ersten Buch „Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?“ ist es Lizzie Doron gelungen, das Unaussprechliche in eine eigene Sprache zu fassen, das Schweigen hörbar zu machen und den Überlebenden der Shoah eine ganz eigene Würde zu geben.

 

In ihrem neuen Buch „Ruhige Zeiten“ lässt sie Lea in genau demselben Tel Aviver Viertel leben, in dem auch ihre Mutter Helena aus dem ersten Buch ihr Leben verbracht hat. Die Rabbinerfrau Guta taucht wieder auf und auch „Frau Helena“ wird in einer kurzen Sequenz erwähnt.

 

Und sie lässt die Menschen sprechen, erzählen von ihrem Leben im neuen Land, von ihrem Kampf mit einem Gott, an den sie nicht mehr glauben können und dessen Rituale sie dennoch befolgen, von ihrem täglichen Kampf der Entscheidung zwischen Leben und Tod. Sie tut das mit einer wundervollen Sprache, die von Mirjam Pressler wie auch beim ersten Buch sehr sensibel ins Deutsche übertragen wurde.

 

In Sajtschiks Friseursalon passieren seltsame Dinge mit den Menschen.

„Im Friseursalon, hatte Sajtschik einmal zu mir gesagt, können die Tauben hören, die Blinden sehen und die Stummen sprechen.“

 

Mit einer tiefen menschlichen Wärme und einem ganz eigenen  Witz schildert Lizzie Doron den schwierigen Balanceakt von Überlebenden, trotz aller unaussprechlichen Erfahrungen sich den Herausforderungen und Zumutungen des Lebens und Weiterlebens zu stellen, und sich dabei gegenseitig zu stützen.

 

Ich habe auch dieses zweite Buch von Lizzie Doron mit großer innerer Erregung gelesen. Die Erschütterung, die es ausgelöst hat, wird lange anhalten. Bleiben wird aber auch eine genuine Form von Hoffnung, die diese beiden Bücher ausstrahlen, Hoffnung darauf, dass nichts und niemand den Kern der menschlichen Seele wirklich auslöschen kann.

 

 

 

Haltung ist Stärke

 

 

 

 

 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Haltung ist Stärke, Kösel 2017, ISBN 978-3-466-37185-3

 

Nicht erst seit den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen vor einigen Wochen ist die FDP wieder in aller Munde. Man traut ihr zu, im September bei den Bundestagswahlen ein respektables Ergebnis zu erzielen und auch eine Regierungsbeteiligung scheint möglich.

 

Die FDP war in ihrer langen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg schon immer eine Partei, die durch starke und beeindruckende Frauen und Männer aufgefallen ist. Menschen, die in ganz besonderer Weise das Liberale, die Idee der Freiheit und individuellen Selbstbestimmung vertraten und konsequent dafür eintraten.

 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die Autorin des vorliegenden Buch ist eine von ihnen. Es ist gut, dass ihr Buch mit ihrer politischen Biographie in diesen Tagen erscheint, weil es deutlich machen kann, wodurch sich Liberale unterscheiden von anderen Wettbewerbern um die Mandate in Berlin.

 

Zweimal war sie Justizministerin, zuerst im Kabinett Kohl, dann von 2009 bis 2013 im Kabinett Angela Merkels.  Ihr politisches Leben zeigt, dass eine konsequente Haltung (sie trat 1996 wegen dem Großen Lauschangriff zurück) nicht bedeuten muss, dass man für immer aus dem öffentlichen Leben verschwindet, im Gegenteil.

 

Ihr Buch gibt dem interessierten Leser in nüchternem, ja fast bescheidenem Stil Einblick in ihr politisches und privates Leben.

Sie schließt ihr Buch mit den Worten:

„Es geht um unser Leben, um  unsere Lebensqualität und um Verantwortung. Mit Haltung, mit Überzeugung, mit Kompetenz und eine klaren Wertekompass werde ich für die Freiheitsrechte kämpfen. Und darum, dass viele mitmachen.“

 

Auch in einem vierten Kabinett Merkel nach der Wahl im September?

Unfair. Für eine gerechte Globalisierung

 

 

 

 

Gerd Müller, Unfair. Für eine gerechte Globalisierung, Murmann 2017, ISBN 978-3-86774-579-6

 

Der seit 2013 als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung amtierende CSU-Politiker Gerd Müller ist vielleicht das am meisten unterschätzte und am wenigsten in seiner politischen Arbeit anerkannte und wertgeschätzte Mitglied der dritten Regierung Merkel.

 

Ähnlich wie schon der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, der zu diesem Buch eine positive Widmung geschrieben hat, ist Gerd Müller auf eine erfrischende Weise unideologisch an seine Aufgabe herangegangen und hat sich von ihr gefangen nehmen lassen.

 

Gerd Müller ist davon überzeugt, dass es möglich ist, insbesondere in Afrika politisch so zu wirken, dass es eine Zukunft gibt für diesen Kontinent und seine Menschen, eine Zukunft vor Ort, ohne sich in die Hände von Schleppern zu begeben und auf den gefährlichen Weg nach Europa zu machen.

 

Denn all diese meist jungen  Menschen, die da gehen in Scharen, werden den afrikanischen Staaten fehlen beim dringenden Aufbau des Landes.

 

Auf fast jeder Seite dieses engagierten Buches macht er deutlich: wir haben das Wissen, die Technologie und das Geld, um endlich zu mehr Fairness gegenüber den sich entwickelnden Ländern zu kommen. Die Herausforderungen sind groß, aber wie Müller nicht müde wird zu betonen, sie sind lösbar. Sein Buch ist voller Beschreibungen von Wegen dorthin.

 

Horst Köhler sagt dazu: „In diesen unruhigen Zeiten werden wir nur weiterkommen, wenn wir an Lösungen arbeiten, die sowohl langfristig als ach global sind. Wer verstehen will, vor welchen gigantischen Herausforderungen die Menschheit steht und was zu tun ist, sollte dieses Buch lesen.“

Wo das Meer beginnt

 

 

 

Bodo Kirchhoff, Wo das Meer beginnt, DTV 2017, ISBN 978-3-423-14590-9

 

Viktor Haberland, Sohn eines hessischen Landesministers und ehemaliger Schüler des Frankfurter Hölderlin-Gymnasiums, arbeitet, inzwischen Anfang Dreißig, als Referent am Lissaboner Goethe-Insitut. Dort bereitet er einen Abend vor, für dessen Hauptreferat eines Hirnforschers er in den letzten Wochen die gesamten entsprechende Literatur studiert hat. Eingeladen hat er außerdem Tizia Jentzsch, heute eine in Saarbrücken lebenden Schauspielerin, damals Mitschülerin und Mitbeteiligte in einem Drama, das er seither lange verdrängt hatte.

Hat er sie nun im Anschluss an eine Theaterprobe im Keller des Hölderlin vergewaltigt oder nicht ?
Sein Deutsch- und Philosophielehrer Dr. Branzger, dessen Aufzeichnungen und Protokolle Haberland in Vorbereitung auf sein Wiedersehen mit Tizia noch einmal durchgeht und dabei dieses Buch schreibt, hatte in den Wochen nach dem Drama zahllose Stunden mit ihm gesprochen, und dabei in langen Monologen von jener Konferenz berichtet, in der 9 Alt- 68 er LehrerInnen über den Verbleib von Haberland auf der Schule diskutieren und dabei mehr von sich selbst offenbaren, als ihnen lieb ist.

Die Schilderung dieser Konferenz ist köstlich zu lesen. Nach und nach kommen Szenen und Begebenheiten ans Tageslicht, die die verlogene Doppelmoral im Kollegium zeigen.

Im Laufe der Gespräche zwischen Haberland und Dr. Branzger stellt sich aber noch viel mehr heraus….

Ein Roman mit viel Frankfurter Kolorit und etlichen Anspielungen auf lokale politische und kulturelle Personen.

 

 

Waldgeflüster

 

 

 

 

Ilka Osenberg-van Vlugt, Waldgeflüster, Verlag am Eschbach 2017, ISBN 978-3-86917-567-6

 

Über die Bäume als unserer Seelenverwandten geht es in diesem schönen Geschenk- und Meditationsbuch aus dem Verlag am Eschbach, für das  Ilka Osenberg-van Vlugt Gedichte und Texte zusammengestellt und Jörn Sackermann wunderbare Fotografien beigesteuert hat.

 

„Die Weisheit der Bäume vom Wurzeln und Wachsen“, von der der Untertitel des Buches spricht, ist, so wird in allen diesen nachdenklichen Texten etwas, von der wir als Menschen lernen können.

 

Eine der kürzeren Texte dieses Buches hat mich am meisten angesprochen und getroffen, vielleicht weil seine Aussage und sein Sinn am Schwierigsten sind.  Er stammt von Hape Kerkeling. Sein Fundort ist im Quellenverzeichnis leider nicht aufgeführt.

„Jeder Mensch sucht nach Halt. Dabei liegt der einzige Halt im Loslassen.“

Top Job

 

 

 

 

 

Chris Guillebeau, Top Job, Plassen 2017, ISBN 978-3-86470-422-2

 

„So machen Sie Ihren Beruf zur Berufung!“, verspricht dieser Ratgeber von Chris Guillebeau, dem Gründer und Gastgeber des jährlich stattfindenden World Domination Summit, bei dem Tausende von Kulturschaffenden und Vordenkern zusammenkommen und neue Ideen und Projekte kreiieren.

 

Es ist ein Buch, das erzählt und berichtet von Menschen überall auf der Welt, die erfolgreich ihre Karriere in die Hand genommen haben, Menschen, die entweder als Angestellte oder durch den Sprung in die Selbständigkeit ihre Berufung gefunden haben. Menschen begegnen einem in diesem Buch, die vollständig aufgehen in dem, was sie tun. Um diesen Beispielen nachzueifern und seinen eigenen speziellen Weg zu finden und zu gehen, bietet Guillebeau  eine Fülle von Werkzeugen, Übungen und Gedankenexperimenten, mit denen der Leser sich auf seinen eigenen Weg machen kann, seine eigene Karriere planen , vielleicht mehr verdienen und vor allen Dingen die Aufgabe findet und dann ausfüllt, die zu den eigenen Interessen, Fähigkeiten und Erfahrungen passt.

 

Gut fand ich den Ansatz, dass all das nicht notwendigerweise Existenzgründung oder Stellenwechsel bedeuten muss, sondern dass innerhalb des momentanen Jobs oft ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten schlummern, die entdeckt und belebt werden können.

 

 

Ich wünsche dir Licht auf deinem Weg

 

 

 

 

 

Ich wünsche dir Licht auf deinem Weg, Coppenrath 2016, ISBN 978-3-649-67038-4

Das vorliegende Buch ist ein kleines wertvolles Geschenkbuch mit vielen Gedichten, Segensformeln und Aphorismen. Aufgeteilt in  Abschnitte wie z.B:

  • Wunder der Schöpfung
  • Genieße den Augenblick
  • Nimm dir Zeit für dich
  • Voller Dankbarkeit
  • Auf Gott vertrauen
  • Höre deine innere Stimme
  • Positive Gedanken

 

werden alle wesentliche Elemente  spiritueller Existent und Praxis angesprochen und mit Texten erläutert, die nachhallen im Leser und ihn begleiten sollen durch seinen Tag und durch sein Leben.

 

Das Buch eignet sich sehr gut als Geschenk für Menschen, die einem ans Herz gewachsen sind.