Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst

 

 

 

 

 

Ingo Schulze, Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst, S. Fischer 2017, ISBN 978-3-10-397204-7

 

Einen richtigen Schelmenroman hat Ingo Schulze da geschrieben, fast 600 spannende und absolut unterhaltsame Seiten lang über einen Menschen namens Peter Holtz, der, 1962 geboren, als Waisenkind in der DDR aufwächst und seine von ihm selbst erzählte Geschichte im Juli 1974 beginnen lässt, als er als Gast in einem Ausflugslokal in der Nähe seines Heimes bei Waldau eine Kellnerin und auch andere Gäste verblüfft, indem er sie um kostenloses Essen bittet. Seine Begründung ist so naiv wie verblüffend: im Sozialismus gehört doch allen alles und Geld sollte doch in der neuen Gesellschaftsordnung keine Rolle spielen.

 

Auch im weiteren Verlauf seiner Geschichte bleibt Peter Holtz seinen Überzeugungen treu. Obwohl oder vielmehr gerade weil er einer christlichen Gemeinde beitritt und überzeugter Christ wird, will er ein richtiger Soldat werden und sein sozialistisches Land verteidigen. Auch seine Berufswahl, als er Maurer wird und alte Häuser zum Wohle der Gesellschaft saniert, ist an dieser Überzeugung orientiert.

 

Als er dann nach der Wende im Westen eine erstaunliche Karriere macht, geraten ihm seine früheren Überzeugungen manchmal aus dem Blick. Er wird sehr reich, wird Unternehmer, kauft eine Kunstgalerie und sieht sich plötzlich auf der anderen Seite stehen. Seine Arbeiter kämpfen gegen ihn.

 

In einzelnen kurzen Episoden erzählt, kommt der Roman sehr witzig daher, mit Dialogen, die manchmal zum Brüllen sind, doch immer sehr hintergründig , konfrontiert Ingo Schulze mit seinem Protagonisten den Leser immer wieder mit der Frage, was denn nun richtig oder falsch ist.

 

Wenn man sich mit den ziemlich sonderbaren Ansichten von Peter Holtz über die unterschiedlichsten Dinge und Phänomen auseinandersetzt, fragt man sich immer wieder, ob vielleicht das, was für uns heute so absolut selbstverständlich ist, nicht auch oder vielleicht noch mehr hinterfragt werden muss.

 

Es geht im Grunde in diesem Schelmenroman um die Grundlagen und Prinzipien einer möglichen gerechten Gesellschaft. Wie kann sie erreicht werden und: sind wir bereit dafür uns einzusetzen?

 

Bei aller belletristischen Phantasie, der Ingo Schulze in seinem Roman freien Lauf lässt – sein Buch hat eine grundlegende sozialpolitische Botschaft.

 

 

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Wie man es vermasselt

 

 

 

George Watsky, Wie man es vermasselt, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-07007-1

 

1986 geboren, ist der Rapper, Hip-Hop-Musiker und Slam Poet George Watsky in den USA schon lange ein bekannter Künstler, der 2006 zum ersten Mal auf sich aufmerksam machte.

Nun hat er sich in einem Buch mit biographisch geprägten Erzählungen aus seiner Jugend versucht und es ist ihm hervorragend gelungen. Witzig, frech und extrem unterhaltsam berichtet er in insgesamt 13 kürzen Erzählungen von Erfahrungen, die er gemacht hat mit Baseball, mit Frauen, als Bewohner einer WG und ganz zu Beginn des Buches mit dem Schmuggeln eines Stoßzahns eines Narwals für seine uralte Großmutter.

 

Selbstironisch, wie man es selten findet bei Schriftstellern, authentisch und scheinbar absolut ehrlich erzählt er in einer frischen Sprache und einem eigenen Stil, von dem man sicher bald noch mehr zu lesen bekommen wird, von persönlichen und intimen Erfahrungen, die ihn nicht immer im besten Licht dastehen lassen.

 

Ein junger Mann, der sich dem Leben aussetzt, seine eigenen Schwächen und Behinderungen (Epilepsie) annimmt und immer versucht, das Beste daraus zu machen.

 

Eine neue Stimme in der amerikanischen Literatur, die Diogenes durch die Übersetzung von Jenny Merling dem deutschsprachigen Publikum zugänglich macht.

 

Man mag gerne bald mehr davon.

 

 

Was auf dem Spiel steht

 

 

 

 

 

Philipp Blom, Was auf dem Spiel steht, Hanser 2017, ISBN 978-3-446-25664-4

 

Es ist ein besorgniserregender Sachverhalt und Tatbestand, den der Historiker und Romancier Philipp Blom in seinem neuen Buch „Was auf dem Spiel steht“ konstatiert.

 

Nichts weniger als die in der Aufklärung erkämpften und entstandenen Werte wie Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit stehen in unseren Gesellschaften auf dem Spiel. Die westlichen Gesellschaften stehen in den kommenden Jahren vor einer prekären Wahl: radikale Marktliberale einerseits, autoritäre Populisten andererseits.

 

Beide haben sie keine wirklichen Lösungen für die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Immer wieder zeigt Blom mit leidenschaftlicher Überzeugung, dass nur eine illusionslose Sicht auf die Gegenwart, gespeist von einer fundierten historischen Kenntnis von Geschichte und Gegenwart unsere humane Gesellschaft retten kann. Die Überzeugung, dass allen Menschen ein freies Leben zusteht, ist unveräußerlich.

 

Darin ähnelt Bloms Buch sehr dem Weckruf von Bernd Ulrich, der ungefähr zeitgleich unter dem Titel „Guten Morgen, Abendland“ bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

 

Dort entwirft er in überzeugender politischer Analyse und politischer Bestandsaufnahme ein Epochenbild, das wir in den nächsten Monaten und Jahren in der politischen Kultur unseres Landes und zur Unterfütterung von noch mehr nötigen demokratischen Engagements der Bürger noch dringend brauchen werden und auf dessen Elemente nach der Wahl hoffentlich noch viele zurückkommen werden.

 

Ulrich glaubt, die Erschütterungen der letzten Jahre (Trump, Brexit, Flüchtlingskrise, autoritäre Staaten mitten in der EU) sind notwendig, um der Öffentlichkeit unseres Landes die Augen zu öffnen für die Ursachen, die viel zu lange verdrängt worden sind: die Wucht, mit der die weltweiten Krisenherde an unser Leben unmittelbar heranrücken, und die grotesken und obszönen Ungerechtigkeiten, die so sichtbar werden und die sich die Opfer nicht mehr bieten lassen, bei uns und weltweit …

 

Für Deutschland und erst recht für Europa sieht er eine Zukunft als Mittler zwischen Ost und West und als Kümmerer für Afrika. Bei aller zum Teil sehr ernüchternder Analyse, die zeigt, dass die alten Zeiten endgültig vorbei sind, gibt Ulrich die Hoffnung nicht auf wenn er am Ende schreibt: „Am Ende wird der Wille zur Demokratie einen Weg zur Gerechtigkeit finden.“

 

Mögen Bloms und Ulrich Hoffnungen Wirklichkeit werden. Die Alternative scheint im Augenblick jedoch übermächtig.

 

 

 

 

Stern geht

 

 

 

 

 

Thomas Heerma van Voss, Stern geht, Schöffling & Co. 2016, ISBN 978-3-89561-207-7

 

Thomas Heerma van Voss ist ein 19090 geborener niederländischer Autor, der dort seit einiger Zeit  als eines der größten literarischen Talente gilt.  Mit „Stern geht“ hat er im vergangenen Jahr bei dem Frankfurter Verlag Schöffling & Co seinen ersten, von Ulrich Faure übersetzten Roman auf Deutsch vorgelegt, der leider hierzulande von der Kritik kaum wahrgenommen wurde.

 

Dabei ist es ein durchaus lesens- und bemerkenswertes Porträt eines älteren Mannes namens Hugo Stern, dessen Leben sich nach seinem unfreiwilligen Vorruhestand – er arbeitete sein Leben lang als Grundschullehrer- sich dramatisch verändert. Innerhalb kürzester Zeit gibt er alle Ansprüche an sein Leben, die er vorher hoch hielt, auf. Er denkt nach über seine Kindheit in einem kleinen Dorf, dessen Enge dann abgelöst wurde von einem Aufenthalt in London in den sechziger Jahren. Froh jedoch machte ihn das auch nicht.

 

Er denkt an die Lieb zu seiner Merel, die sich ihm nach seinem erzwungenen Ruhestand immer mehr entfremdet. Allein sein adoptierter Sohn scheint ihm Halt zu geben, doch auch der wird größer und entzieht sich dem Vater immer mehr.  Immer mehr zerbröckelt Sterns bisheriges Lebensnetz aus Vertrautem und Sicherheit Gebenden.

 

Doch Stern bleibt dabei nicht stehen. Bald schon verblüfft er seine Umgebung mit einer ungeahnten Kompromisslosigkeit und bringt sich selbst damit in große Schwierigkeiten.

 

„Stern geht“ ist ein seltsam bedrückender Roman, der gleichwohl berührt, thematisiert er doch ein Phänomen, mit dem sich mehr Männer ab 60 konfrontiert sehen, als man denkt. Thomas Heerma van Voss, selbst noch jung, gibt diesen Männern mit seinem Protagonisten Stern eine Stimme und eine Gestalt.

 

 

Guten Morgen, Abendland. Der Westen am Beginn einer neuen Epoche. Ein Weckruf

 

 

 

 

 

Bernd Ulrich, Guten Morgen, Abendland. Der Westen am Beginn einer neuen Epoche. Ein Weckruf, Kiepenheuer & Witsch 2017, ISBN 978-3-462-05049-3

 

Er steckt den Kopf nicht in den Sand, belässt seine politischen Kommentare und Analysen nicht im Jammern und Klagen über die „Welt aus den Fugen“, sondern Bernd Ulrich, Leiter der Politik-Redaktion der Wochenzeitung „Die Zeit“ entwirft in dem vorliegenden Essayband in insgesamt zehn thematischen Zugängen ein überzeugender politischer Analyse und politischer Bestandsaufnahme ein Epochenbild, das wir in den nächsten Monaten und Jahren in der politischen Kultur unseres Landes und zur Unterfütterung von noch mehr nötigen demokratischen Engagements der Bürger noch dringend brauchen werden und auf dessen Elemente nach der Wahl hoffentlich noch viele zurückkommen werden.

 

Ulrich glaubt, die Erschütterungen der letzten Jahre (Trump, Brexit, Flüchtlingskrise, autoritäre Staaten mitten in der EU) sind notwendig, um der Öffentlichkeit unseres Landes die Augen zu öffnen für die Ursachen, die viel zu lange verdrängt worden sind: die Wucht, mit der die weltweiten Krisenherde an unser Leben unmittelbar heranrücken, und die grotesken und obszönen Ungerechtigkeiten, die so sichtbar werden und die sich die Opfer nicht mehr bieten lassen, bei uns und weltweit …

 

Für Deutschland und erst recht für Europa sieht er eine Zukunft weisen als Mittler zwischen Ost und West und als Kümmerer für Afrika. Bei aller zum Teil sehr ernüchternder Analyse, die zeigt, dass die alten Zeiten endgültig vorbei sind, gibt Ulrich die Hoffnung nicht auf wenn er am Ende schreibt: „Am Ende wird der Wille zur Demokratie einen Weg zur Gerechtigkeit finden.“

 

Möge er Recht behalten und mögen sich auch nach der Wahl zum Bundestag dort und in einer kritischen Öffentlichkeit genug Stimmen finden, die in diese Hoffnung miteinstimmen und ihre Politik danach ausrichten.

Wiener Straße

 

 

 

 

 

Sven Regener, Wiener Straße, Galiani 2017, ISBN 978-3-86971-136-2

 

Nicht ganz chronologisch entführt Sven Regener in seinem neuen Roman den Leser seiner bisherigen Lehmann-Romane ins das Berlin im Jahr 1980. Frank Lehmann ist noch neu in Berlin, erinnert sich oft an seinen bisherigen Wohnort in der Neuen Vahr Süd. Irgendwie muss er sich durchschlagen und schließt sich einer verrückten Truppe an, die in der Zukunft sein Leben weiter beeinflussen wird.

 

Im Cafe Einfall in der Wiener Straße begegnen wir einer Gruppe von eigenwilligen Menschen und Charakteren, die Regener so überzeichnet,  dass sich das Buch liest, wie man eine Sitcom anschaut. Man hört beim Lesen quasi die eingeblendeten Lacher. Die in der Nachbarschaft in einem besetzten Haus lebende Kunsttruppe ArschArt ist da keinen  Deut besser.  Ihr Boss P.Immel und der Aktionskünstler H.R. Ledigt halten, was ihre lustigen Namen versprechen.

 

Allesamt sind sie schräge Vögel, die sich in einer schrägen Welt zu behaupten wissen. Die permanent überzeichnete Sprache Regeners ist genauso derb, witzig und bizarr wie seine vielen beschriebenen seltsamen Protagonisten.

 

Das Buch stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 und hat es aber nicht auf die Shortlist geschafft. Vielleicht den Kritikern zu schräg ?

 

 

 

 

Euphoria

 

 

 

 

 

Lily King, Euphoria, DTV 2017, ISBN 978-3-423-14580-0

Ob sich einzelne Szenen so oder ähnlich tatsächlich zugetragen haben, wie sie in dem vorliegenden mit dem Kirkus Preis ausgezeichneten Roman der Amerikanerin Lily King beschrieben werden, ist möglich, aber für die literarische Beurteilung des Buches nicht wichtig.

 

Wenn die New York Times ein Buch unter die fünf besten literarischen Bücher wählt, wie sie es mit „Euphoria“ im Jahr 2014 getan hat, als das Buch im Original erschien, dann ist das eine große Ehre.

 

Die Geschichte, die Lily King erzählt, hat nicht nur wegen ihres leidenschaftlichen Stils all diese Auszeichnungen verdient. Offenbar seit langem von der berühmten Ethnologin Margaret Mead, ihrem Leben und ihren Forschungen fasziniert und mit der im Anhang des Buches aufgelisteten Literatur wohl vertraut, hat sich Lily King inspirieren lassen zu einem spannenden und schönen Roman, der sich nicht nur mit den fantastisch beschriebenen Beziehungen und dem von ihrer jeweiligen Geschichte geprägten Innenleben ihrer Protagonisten beschäftigt, sondern auch einen hervorragenden Einblick gibt in das Leben und Arbeiten führender Ethnologen Anfang der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

 

Lily King konstruiert eine Begegnung und Beziehungsgeschichte zwischen der schon durch Veröffentlichungen berühmten amerikanischen Ethnologin Nell Stone, ihrem Ehemann Fen und dem Briten Andrew Bankson in Neuguinea in den Siedlungsgebieten verschiedener eingeborener Stämme im Flussgebiet des Sepik.

 

Eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung entwickelt sich, gepaart mit professionellen Konkurrenzen, insbesondere zwischen Nell und ihrem Mann. Andrew Bankson, in dem man unschwer Margaret Meads späteren zweiten Ehemann Gregory Bateson erkennen kann, ist nicht nur von Nells Arbeit und ihrer wissenschaftlichen Leidenschaft und Stringenz begeistert, sondern er nutzt auch eine Abwesenheit Fens, die noch dramatische Folgen haben wird, sich Nell sexuell zu nähern. Die erwidert sein Begehren, doch ob all das eine Zukunft haben kann und wird in dem Buch, soll hier offen gelassen werden.

 

Wenn man sich irgendwann gelöst hat nach einigen Dutzend Seiten von dem dauernden Vergleich mit den Menschen, deren Leben Lily King zu diesem leichtfüßig erzählten Roman inspiriert hat, taucht man ein in eine sinnliche Geschichte von drei Menschen, die aufbrachen, die Fremde zu erkunden auf den Spuren nach den Ursprüngen der Menschheit und des Menschseins, und dabei ohne es wirklich zu wollen, in den „Dschungel ihres eigenen Inneren eingedrungen“ (Ilija Trojanow) sind.

 

Ein Roman, in dem es neben der Ethnologie und ihren Methoden hautsächlich geht um Begierde, Liebe und um unterschiedliche Lebensformen und Herrschaft.

 

 

 

 

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

 

 

 

 

 

Benjamin Alire Saenz, Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums, DTV 2017, ISBN 978-3-423-71741-0

 

In einer wunderbaren, stellenweise poetischen Prosa erzählt der 1954 geborene Schriftsteller und Lyriker Benjamin Alire Saenz die Geschichte zweier Jungen und ihrer Freundschaft.

„Warum lächeln wir? Warum lachen wir? Warum fühlen wir uns allein? Warum sind wir traurig und verwirrt? Warum lesen wir Gedichte? Warum weinen wir, wenn wir ein Gemälde sehen? Warum ist unser Herz so in Aufruhr, wenn wir lieben? Was ist das Ding in unsere Magengrube, das wir Sehnsucht nennen?“

 

Mit diesen Fragen leitet Saenz seinen Roman ein und diese Fragen deuten schon darauf hin: es geht um männliche Pubertät, es geht um die Entwicklung der eigenen Identität und um das Erwachsenwerden.

 

Da ist der fünfzehnjährige Aristoteles Mendoza. Er wohnt in El Paso in Texas und ist mexikanischer Abstammung. Seine Mutter ist Lehrerin und sein Vater arbeitet als Briefträger. Seine Zeit als Soldat in Vietnam hat ihn verschlossen und schweigsam gemacht. Aristoteles kann ihm einfach nicht nahe kommen. Zumal es nicht nur die Geheimnisse des Vaters gibt, die er mit sich herumträgt, sondern da ist noch der verschwiegene ältere Bruder, der, als Ari vier Jahre alt war, einen Menschen getötet hat und seitdem im Gefängnis sitzt. Aris zwei erwachsene Schwestern sind schon lange aus dem Haus, und spielen für die Handlung nur eine untergeordnete Rolle.

 

Eine große und im Verlauf des Romans immer bedeutendere Rolle spielt allerdings Dante, der Ari eines Tages im Schwimmbad den am Rande des Beckens sitzenden Nichtschwimmer Ari anspricht und ihm anbietet, ihn  das Schwimmen zu lehren.

 

Er heißt Dante Quintana, ist ebenfalls mexikanischer Abstammung, wohnt mit seinen Eltern in El Paso und hat keine Geschwister. Sein Vater ist Professor für Literatur und seine Mutter arbeitet als Psychotherapeutin. Er hat eine Vorliebe für die Kunst, für Gedichte und kann extrem gut zeichnen.

 

Wie sie sich später einander gestehen, wussten Aristoteles und Dante schon in diesem ersten Augenblick im Schwimmbad, das sie Freunde werden würden und auch mehr als das.

 

Meine Rezension soll von der Handlung nichts verraten, damit der vorhandene Überraschungseffekt beim Lesen erhalten bleibt. Erwähnen und hervorheben will ich allerdings, dass ich selten einen Jugendroman gelesen habe, der so sensibel und poetisch die Identitätskrisen männlicher Jugendlicher in der Pubertät beschreibt. Selten auch bin ich Eltern begegnet, die auf eine klare und doch liebevolle und selbstkritische Weise ihre Kinder in dieser schweren Krise begleiten und dabei selbst wachsen zu wirklichen Erwachsenen.

 

An einer Stelle am Ende des Buches, als schon zwei Jahre vergangen sind seit der Szene im Schwimmbad, sagt Ari: „Manchmal liebe Eltern ihre Söhne so sehr, dass sie vergessen, wie schwer es ist, fast siebzehn zu sein. Sie glauben, mithilfe unserer Jugend können wir alles überwinden. Vielleicht vergessen sie dabei eine winzig kleine Tatsache: fast siebzehn zu sein kann brutal, schmerzvoll und verwirrend sein. Fast siebzehn zu sein kann richtig nerven.“

 

Als Vater eines Sohnes, der diese erste große Lebens- und Identitätskrise noch vor sich hat, habe ich dieses Buch mit offenem Herzen gelesen und ich kann es nicht nur empfehlen für Jugendliche ab etwa 14 Jahren, sondern besonders für Eltern von Söhnen in diesem Alter.

 

 

 

 

 

Elmar und der Ohrwurm

 

 

 

 

 

David McKee, Elmar und der Ohrwurm, Thienemann 2017, ISBN 978-3-522-45860-3

 

 

Mit dem buntkarierten Elefanten Elmar und seinem schwarz-weiß karierten Cousin Willi hat der Engländer David McKee Bilderbuchfiguren geschaffen, die nicht nur in seinem Heimatland England viele Kinder begeistern.

 

Der Thienemann Verlag hat sich in Deutschland dem kleinen Elmar angenommen und mittlerweile 28 Bilderbücher über Elmar veröffentlicht (sie sind alle noch lieferbar).

 

Die Geschichten von Elmar sind nicht nur spannend, sie sind durchweg lustig und stecken voller wichtiger Wissensinformationen für Vorschulkinder.  Im neuen Buch „Elmar und der Ohrwurm“ folgen Elmar und seine Freundin Rosa bei einem Gang durch den Urwald einem Phänomen des Ohrwurms, also einer Melodie, die einem nicht m ehr aus dem Kopf. Nachdem Rosa eine solche Melodie gesummt hat,  geht sie Elmar nicht mehr aus dem Kopf und er steckt auch andere Tiere damit an. Denen geht es genauso. Erst als Elmar vorschlägt, gemeinsam ein Geburtstagslied zu singen für irgendjemand, der heute Geburtstag feiert.

 

Und die Idee Elmars funktioniert. Er ist eben ein Schlitzohr!

 

 

Der kleine Elefant Elmar ist Bilderbuchkult.

 

 

 

Wer pupst denn da?

 

 

 

 

 

Anna Taube, Günther Jakobs, Wer pupst denn da, Coppenrath 2017, ISBN 978-3-649-62426-4

 

Als nach einem Festschmaus bei Don Arne (es gibt Chili con carne) diesem ein lauter Pups entfährt, ist das Ruth Rotkehlchen, weil so klein und reinlich eher peinlich, während Mann Maus klug erklärt, warum man von Bohnen pupsen muss und seinen Mäusefurz anpreist Das bringt wiederum die Katze zu Lachen. Sie könne es viel besser.

 

Am Ende dieses schönes witzigen und schön gereimten Bilderbuches, sucht der Bär Arne zu vermitteln. „Ein jeder pupst auf seine Weise.“

 

Wie sie das machen, können die das Buch betrachtenden Kinder selbst erfahren, indem sie auf einen Knopf drücken am Bauch des jeweiligen Tieres.

 

Dort ertönt dann der Ton bzw. das Geräusch, den oder das die genannten Tiere wirklich machen.

Die Texte von Anna Taube sind gereimt, was zusammen mit dem Hören der Tierstimmen, das Vorlesen zu einem echten Spaß macht.