Der Weg des Bogens (Hörbuch)

 

 

 

 

Paulo Coelho, Der Weg des Bogens (Hörbuch), Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-80387-7

 

Schon 2003 und dann wieder 2011 ist dieses kleine spirituelle Kleinod von Paulo Coelho auf Spanisch erschienen. Nun legt, parallel zu einem Hörbuch, der Diogenes Verlag in Zürich die erste deutsche Buchausgabe seines vielleicht besten und tiefsten spirituellen Buches vor.

Es ist, eingebettet in eine kleine Geschichte, eine wunderbare und inspirierende Anleitung Coelhos über Ziele, wie man sich ihnen nähert, wie man sie verfolgt und erreicht und wie man sie wieder loslässt um sich dem nächsten zu widmen.  Dabei ist „Der Weg des Bogens“ und das Bogenschießen und seine Elemente ein Sinnbild für das ganze Leben, wie wir es leben und mit Sinn erfüllen. Es geht viel um Haltung, um die Überwindung von Schwierigkeiten, um Standfestigkeit, und den Mut, riskante Entscheidungen zu treffen.

 

Es ist die Geschichte von Tsetsuya, der sich als bester Bogenschütze des Landes in ein abgelegenes Tal zurückgezogen hat und dort eine kleine Tischlerwerkstatt betreibt. Eines Tages bekommt er Besuch von einem anderen erfolgreichen Bogenschützen, der lange gesucht hat, bis er mit Hilfe eines Jungen Tsetsuya gefunden hat. Er will, sich mit ihm messen. Der nimmt die Herausforderung an und düpiert den ehrgeizigen Konkurrenten, der daraufhin abzieht, ohne dass er in die Kunst Tsetsuyas eingeführt worden wäre, wie er sich gewünscht hatte.

 

Stattdessen erklärt der Tischler dem Jungen auf dessen Frage hin auf dem Heimweg den „Weg des Bogens“ Er spricht über die sogenannten Verbündeten, die jeder erfolgreichen Schütze haben müsse, über den Bigen, den Pfeil, das Ziel, die Haltung, wie man den Pfeil hält, wie man den Bogen hält, wie man die Sehen spannt, wie man auf das Ziel blickt. Er spricht über den Augenblick des Abschusses, über die Wiederholung, über den Flug des Pfeils und schließlich über den Schützen selbst.

 

All diese Elemente stehen sinnbildlich für das gesamte Leben und jede einzelne Handlung in jedem einzelnen Leben. Coelho selbst hat dazu gesagt: „Ich habe diesen Text geschrieben, in dem Bogen, Pfeil und Ziel und Schütze Teil des gleichen Systems von Entwicklung und Herausforderung sind.“

Ich halte dieses mir bis heute unbekannte Buch für das beste von Pauli Coelho. Es kann und will immer wieder gelesen oder gehört werden.

 

Sven Görtz hat das Hörbuch gut eingelesen. Er lässt ohne viel eigene Interpretation in seine Stimme zu legen dem Text und seiner vielstimmigen und spirituellen Bedeutung genug Platz.

 

bleiben

 

 

Judith W. Taschler, bleiben (tb), Droemer 2017, ISBN 978-3-426-30479-2

Zwanzig Jahre ist es her, dass sich die Cellistin Juliane und die drei jungen Männer auf einem überfüllten Bahnsteig des italienischen Bahnhofs Roma Termini für kurze Zeit begegneten. Es war eine Begegnung von vier jungen Menschen, die alle an unterschiedlichen Wendepunkten ihres Lebens standen. Juliane war immer noch schwer traumatisiert durch den tödlichen Unfall ihres kleinen Bruders, an dem sie sich die Schuld gab. Paul war frisch geschieden nach einer unglücklichen Ehe, Felix auf der Suche nach der Lebensgeschichte seiner Mutter in Südtirol und Max träumte davon, Maler zu werden.

Die Skizzen, die Max damals auf dem Bahnsteig von der Cello spielenden Juliane machte, bildeten die Grundlage für ein Bild, das zwanzig Jahre später das Leben aller damals Beteiligten gehörig in Unordnung bringen wird.

Juliane hat den älteren Paul geheiratet, der um sie geworben hat und sie mit seinem tiefen Verständnis zu einer Form der inneren Heilung von ihrem Trauma brachte. Sie haben zwei Kinder und Juliane ist mit ihrer Familie und Paul glücklich.

Dennoch beginnt sie mit Felix, zu dem sie sich damals schon hingezogen fühlte, zwanzig Jahre später eine heftige Affäre, nachdem die beiden sich in einer Gemäldeausstellung, in der Julianes Porträt zu sehen ist, zufällig begegnen. Sie verlieben sich ineinander, und treffen sich heimlich über ein halbes Jahr lang.

Juliane ist voller Schuldgefühle, kann aber dennoch nicht von Felix lassen. In wechselnden Abschnitten mit Datumsangabe (von Juni 2015 bis Dezember 2015) erzählen die vier beteiligten Personen jeweils anderen, die lange unbekannt bleiben und mit deren Identität sich der Leser lange herumplagt, die aktuelle und die vergangenen Geschichte. Diese jeweiligen Ich-Erzählungen sind als eine Art Dialog komponiert, der allerdings nur in manchmal gestelzten Rückfragen des Erzählers an seinen stillen Zuhörer als solcher deutlich wird. Mir hat das nicht so gut gefallen, ich habe den Sinn nicht verstanden. Judith Taschler wäre besser bei der reinen Ich-Erzählung ihrer Protagonisten geblieben, zumal die jeweiligen Zuhörer für die ganze Geschichte wenig Bedeutung haben.

Nach einer längeren Reise, von der er sich nicht bei Juliane meldet, bricht Felix den Kontakt zu ihr plötzlich ab. Sie fühlt sich schlecht, verletzt und gedemütigt. Ausgerechnet von Paul, der mehr weiß, als sie annahm, erfährt sie nicht nur den Grund, sondern wieder einmal bedingungslose Annahme und Liebe.

Mit leichter Sprache auf hohem literarischem Niveau hat Judith Taschler einen Roman geschrieben über Liebe und Verrat, Freundschaft und Vertrauen und über den Tod.
Ich habe ihn bis auf die erwähnte kleine Irritation über ein Kompositionsmittel gerne und mit innerer Anspannung gele

Einfach freuen. 24 Momente gegen die Rastlosigkeit

 

 

 

 

Georg Magirius, Einfach freuen. 24 Momente gegen die Rastlosigkeit, Echter Verlag 2017, ISBN 978-3-429-04388-9

 

Eine ruhige Zeit der Besinnung und Vorbereitung auf Weihnachten und die Geburt Christi – so war und ist die Adventszeit gedacht. Doch für die meisten Menschen gehören zu diesen vier Wochen zu den hektischsten des ganzen Jahres.

 

Der vorliegenden Adventskalender von Georg Magirius zeigt und gestressten Menschen, die man sich von den Getriebe und Gewese vor Weihnachten nicht aus der Ruhe bringen lässt und wie man zur Ruhe finden kann an jedem einzelnen Tag dieser Zeit.

 

Man muss bei der Lektüre der einzelnen  Kapitel keine großen spirituellen Verrenkungen unternehmen. Die Texte von Magirius sind leicht geschrieben und lösen durch ihre Sprache eine Vorfreude aus, wie man sie vielleicht zuletzt als Kind gespürt hat.

 

Es ist eine stille Vorfreude, zu der Magirius einlädt, eine Vorfreude die man erleben im ganz normalen Alltag, bei allen normalen und besonderen Dingen, die man tut, und sei das das Rausbringen des Mülls.

 

Ein schöner Adventskalender in Buchform.

 

 

 

Ein Mensch brennt

 

 

 

 

Nicol Ljubic, Ein Mensch brennt, DTV 2017, ISBN 978-3-423-28130-0

 

Der Autor des vorliegenden Romans, Nicol Ljubic, schaffte es nach mehreren Auszeichnungen für seine Reportagen im Jahr 2011 mit seinem Roman „Meeresstille“ auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis. Danach hörte man lange wenig von ihm. Das lag daran, dass er insgesamt 5 lange Jahre an dem nun erschienenen Roman „Ein Mensch brennt“ gearbeitet hat, ein  Roman, der zwischen 1975 und 1977 spielt, auf dem Hintergrund der Zeit, die man später als den Deutschen Herbst bezeichnete und der anhand einer Familiengeschichte das Leben des Umweltaktivisten Hartmut Gründler schildert. Der Rezensent kann sich selbst noch sehr gut nicht nur an jene bleiernen Jahre erinnern, sondern auch an Hartmut Gründler selbst, dessen Aktionen in der noch jungen Umwelt- und Bürgerinitiativbewegung nicht immer unumstritten waren.

 

Erzählt wird die Geschichte von dem mittlerweile 44 jährigen Hanno Kelsterberg. Mittlerweile schon seit langer Zeit in therapeutischer Behandlung, versucht er Jahrzehnte später, jener dramatischen Geschichte auf die Spur zu kommen, die sein Leben nicht nur verändert hat, sondern beinahe vollkommen zerstört hätte.

 

Hanno Kelsterberg war 1975 gerade einmal zehn Jahre alt, als seine Eltern dem Tübinger Lehrer Hartmut Gründler ein Zimmer in ihrem Haus vermieteten. Schon bald sollte dieser Einzug das Leben der Familie verändern.  Denn besonders Hannos Mutter wird schnell vom Denken Gründlers beeinflusst. Sie stellt die Ernährung der Familie auf die von Gründler bevorzugte Waerland-Kost um und kommt zum ersten Mal in ihrem Leben mit Politik und der Umweltschutzbewegung in Verbindung.

Und weil sie sich schon bald insgeheim in den fanatischen Umweltaktivisten verliebt, tut sie alles für ihn und entfremdet sich ihrer Familie. Dass sie auch noch über 3 Jahrzehnte nach Gründlers Selbstverbrennung am Buß- und Bettag 1977 in Hamburg ihn verteidigt und verbissen sein Andenken hochhält, muss der über sein Leben schreibende Hanno erschüttert feststellen, als er im Rahmen seiner Recherche seine sterbende Mutter besucht, und in Sachen Gründler nach wie vor keinen Zugang zu ihr findet.

Es ist die Katastrophe von Fukushima, die 2011 den Autor Ljubic und damit seinen Ich-Erzähler Hanno Kelsterberg auf die Idee kommen lässt, auf dem Hintergrund des Deutschen Herbstes mit seinen dramatischen im Buch alle beschriebenen Vorkommnissen (RAF, Mogadishu, Schleyer-Entführung usw.) sich auf die Spurensuche nach Hartmut Gründler zu begeben, eingebettet in eine überzeugend erzählte Familiengeschichte. Er schildert das, was im kleinen Hanno in den Jahren 1975 -1977 vorgeht genauso überzeugend, wie die Suche des erwachsenen Hanno nach seiner Geschichte und der Bedeutung der Person Gründlers.

Hanno versucht durch den Rückblick letztlich das ganze Buch hindurch  zu verstehen, wie die schillernde Figur des Umweltaktivisten Hartmut Gründler mitverantwortlich war für das ihn und seine Kindheit zerstörende Ende der Ehe seiner Eltern war.

 

Obwohl Ljubics Roman hauptsächlich in Vergangenheit spielt, hat er doch angesichts der nach wie vor bestehenden Bedrohungen der Umwelt durch Atomkraft und andere Gefährdungen und der intensiven Debatten, wie man sich dem entgegenstellen kann und welche Mittel dabei legitim sind eine aktuelle Bedeutung. Wieviel sind Menschen zu opfern bereit, um einer Idee zu folgen? Zählt das Wohl Einzelner, wenn  das ganze Gemeinwohl auf dem Spiel steht?

 

Alte und immer sehr aktuelle Fragen, die Ljubic zwischen  den Zeilen aufwirft und die seinen Roman nicht nur zu einem lehrreichen Zeitzeugnis machen, sondern auch zu einem gelungenen literarischen Beitrag über die Bedeutung und die Grenzen politischen Engagements.

 

Ein auch sprachlich ansprechender Roman, den ich gerne empfehle. Er hat mich zurückgeführt in mein eigenes Denken und Handeln in jenen Jahren, als ich als Student auch in der damals noch jungen Bürgerinitiativbewegung aktiv war.
 

 

Geflüster im Schnee

 

 

 

 

 

Kate Westerlund, Feridun Oral, Geflüster im Schnee, minedition 2017, ISBN 978-3-86566-316-0

 

Es ist ein Tag vor Weihnachten, als drei Kaninchen und zwei Mäuse im schneeverwehten Wald einen kleinen Teddybären finden. Sie schauen ihn lange an, bestaunen ihn und stellen übereinstimmend fest, dass er sehr traurig aus seinen Knopfaugen ausschaut.

 

Sie entscheiden sich, ihn nicht dort liegenzulassen und bringen ihn zu dem alten Bären, ein weises Tier, der die anderen Tiere bei vielen Fragen schon gut beraten hat.

 

Auch diese Mal hat er eine Idee und mit Hilfe der Schleiereule bringen sie den Teddybären dorthin, wo er hingehört und sorgen so für jemand Kleines für ein ganz besonderes Weihnachtsfest.

 

Ein warmherzig erzähltes und zart und an sprechend illustriertes Bilderbuch für die Zeit vor den Weihnachtstagen.

Die Geschichte von Sankt Martin

 

 

 

 

Dörte Beutler, Marc-Alexander-Schulze, Die Geschichte von Sankt Martin, Gabriel Verlag 2017, ISBN 978-3-522-30485-6

 

Oft ist sie schon in Bilderbüchern erzählt worden, jene vor allem bei Kindern beliebte Geschichte von Sankt Martin, der schon als römischer Soldat den Menschen half (unter anderem jene Begebenheit, als er mit einem Bettler seinen Mantel teilte), dann den Militärdienst quittierte, weil er ihn nach einer Erscheinung nicht mehr mit seinem Glauben vereinbaren konnte und schließlich nach langer Wanderschaft zum Bischof von Tours gewählt wurde.

 

Dörte Beutler hat die alte Legende mit einfühlsamen Worten nacherzählt und Marc-Alexander Schulze hat das Buch stimmungsvoll illustriert. Am Ende ist natürlich mit Noten das alte St. Martin – Lied vom Niederrhein angedruckt.

Eines der schönsten Bilderbücher über St. Martin, die ich bisher in Händen hielt.

Wer hat den Lebkuchen stibitzt?

 

 

 

 

Maria Stalder, Wer hat den Lebkuchen stibitzt, Atlantis 2017, ISBN 978-3-7152-0734-6

 

Eine schöne, liebevoll illustrierte und warmherzig erzählte Geschichte hat sich Maria Stalder für die diesjährige Advents- und Weihnachtszeit ausgedacht.

 

Sie erzählt von Arne, der Lebkuchenkekse für den Nikolaus backt und sie zum Abkühlen auf das Fensterbrett stellt. Der strake Duft der warmen Kekse zieht durch den Wald und erreicht den Fuchs in seiner Höhle…

Hungrig wie er ist, kann der Fuchs nicht widerstehen und nähert sich schleichend Arnes Waldhaus und stibitzt sich einen Keks vom Blech. Und dann noch einen zweiten.

 

Weil er n der Nähe des Hauses bleibt, hört der Fuchs etwas später, wie sich Arne beim Nikolaus für das Fehlen von zwei Keksen entschuldigt, weil doch wirklich alle Kinder einen bekommen sollen, plagt den Fuchs das schlechte Gewissen. Lange schleicht er hinter Arne her, überlegend, wie er sich bei ihm entschuldigen könnte. Doch dann findet er seinen eigenen Weg …

 

Ein schönes, stimmungsvolles und warmherziges Bilderbuch für die Advents- und Weihnachtszeit.

Sakari lernt, durch Wände zu gehen

 

 

 

 

Jan Costin Wagner, Sakari lernt, durch Wände zu gehen, Galiani Verlag 2017, ISBN 9783-86971-018-1

 

Jan Costin Wagner, den man einen Meister des literarischen Kriminalromans genannt hat und dessen Hauptfigur Kimmo Joentaa aus den früheren Romanen als großer „Schmerzensmann“ (Elmar Krekeler) bekannt ist, hat nach „Tage des letzten Schnees“ (2014) nun einen neuen Roman vorgelegt, der einen gleich von der ersten Seite an gefangen nimmt. Konnte man in den früheren Büchern (beginnend mit „Eismond“ und dem quälenden Tod seiner geliebten Frau Sanna) von Joentta lernen, wie ein einzelner Mann die Kraft und die Seelenstärke aufbringen kann, trotz aller Nackenschläge des Schicksals immer wieder aufzustehen, seiner Arbeit nachzugehen und auch seinem Leben einen Sinn abzugewinnen, hat sich Kimmo mittlerweile von seinem Schmerz eher gelöst, ist aber der ernst und tiefdenkende Lebensphilosoph geblieben.

 

Das Buch beginnt mit einer Szene auf dem Marktplatz der finnischen Stadt Turku, als ein nackter und offenbar verwirrter junger Mann in einen Brunnen steigt und sich mit einem Messer selbst Verletzungen zufügt.

 

Kurze Zeit später kann sich der herbeigeeilte Polizist Petri Grönholm nicht erklären, warum er den jungen Mann nach mehrfacher vergeblicher Aufforderung, das Messer wegzulegen, erschossen hat. Warum hat er auf diesen Mann, von dem doch eigentlich keine wirkliche Gefahr ausging, geschossen?

 

Grönholm, auf den natürlich eine interne Untersuchung wartet, wendet sich an seinen Kollegen Kimmo Joentaa, der auch sofort bereit ist, ihm zu helfen und schon wenig später selbst in eine fürchterliche Tragödie verwickelt wird.

 

Denn es stellt sich im Laufe seiner ungewöhnlichen und mit ganzem körperlichem und seelischem Einsatz geführten Ermittlungen heraus, dass das aktuelle Drama eine Vorgeschichte hat. Sakari, der Junge aus dem Brunnen spielte bei einem vier Jahre zurückliegenden Unglücksfall eine entscheidende Rolle.

 

Jan Costin Wagner zeigt wie bei seinen anderen Joentta –Romanen auch viel Feingefühl bei der intensiven und detaillierten Beschreibung der Innenwelten und Gefühlen der beteiligten Personen einschließlich der des Kommissars selbst, der sich wieder einmal vollständig aussetzt.

 

Eine warmherzig erzählte Geschichte eines menschlichen Dramas, ein Buch mit Sätzen, die einfach schön sind und mein Herz erfreut haben

 

 

Beim Leben meiner Mutter

 

 

 

 

 

Rowan Coleman, Beim Leben meiner Mutter, Piper 2017, ISBN 978-3-492-06079-0

 

Vor zwei Jahren las ich als erstes Buch von Rowan Coleman „Zwanzig Zeilen Liebe“, ein Buch das sie selbst bezeichnete als „eine Geschichte über Hoffnung, darüber, niemals aufzugeben, nach den Sternen zu greifen und Menschen zu begegnen, die dein Leben verändern.“

 

Es war ein  sehr bewegender, stellenweise aufwühlender Roman, eine poetische Hymne auf das Leben und ein spirituelles Lied über die Hoffnung, die uns am Leben hält bis zur letzten Minute, wenn wir es aushauchen. Aber davor gibt es noch „eine ganze Menge Leben“ (Konstantin Wecker).

 

Mit dieser noch sehr warmen Erinnerung schlug ich ihren neuen Roman „Beim Leben meiner Mutter“ auf, schon etwas irritiert von dem ziemlich esoterischen Klappentext, der ein literarisches Experiment mit der Aufhebung von Raum und Zeit versprach.

Tatsächlich begründet Rowan Coleman ihren Plot in einem Nachwort wissenschaftlich: „ Es ist wissenschaftlich belegt, dass das menschliche Gehirn in extremen Gefahrensituationen die Zeit bremst – oder dass es einem zumindest so vorkommt- damit man angemessen auf das reagieren kann, was um eine herum passiert, damit man den Zusammenstoß noch verhindern oder eine rettenden Schritt vom Abgrund zurücktreten kann. Damit man eine Chance hat, eine Entscheidung auf Leben und Tod zu treffen, die den Kauf der Dinge ändern wird.“

 

Mit dieser dünnen Datenbasis erzählt sie die Geschichte von Luna und einer Zeitreise, die man zu Beginn wegen der sympathischen Darstellung der Protagonisten und der interessanten Familiengeschichte noch wohlwollend verfolgt, die aber zunehmend verwirrend und unglaubwürdig wird.

 

Ich habe das Buch dann irgendwann enttäuscht zur Seite gelegt.

 

 

Von Krieg und Frieden. Kapital & Christentum 3

 

 

 

 

Eugen Drewermann, Von Krieg und Frieden. Kapital & Christentum 3,  Patmos 2017, ISBN 978-3-8436-1009-4

 

Wie man es von Eugen Drewermann gewohnt ist, geht er auch in dieser neuen Veröffentlichungsreihe mit dem Untertitel „Kapital & Christentum“ sein Thema grundsätzlich an, mit unendlich viel von ihm bearbeiteten Material, historischem und noch mehr zeitgenössischem, Verweisen auf die Literatur und unzähligen Anmerkungen und Verweisen.

 

Was in seinen früheren Büchern schon immer durchleuchtete, wird hier grundsätzlich und grundlegend behandelt: seine Kritik an der zerstörerischen Kraft des Kapitalismus. Hatte der Theologe und Psychoanalytiker früher oft auf die Folgen dieser Wirtschafts“ordnung“ und Produktionsweise für die einzelnen Menschen und ihr Zusammenleben hingewiesen, legt er seiner neuen Reihe den Fokus auf eine umfassende Analyse der Entstehung und der Wirksamkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems und zeigt Wege zu seiner Überwindung auf.

 

Im vorliegenden abschließenden Band erklärt er in einem  ersten Teil den Zusammenhang von Kapitalismus und Krieg, um dann im zweiten und das Buch abschließenden Teil auf etwa 200 Seiten zu seinem eigentlichen theologischen Argument unter der Überschrift „Der Krieg ist Vergangenheit, der Friede ist die Zukunft“.

 

Er plädiert für eine Rückkehr in den Ursprung und sieht im Kern der jesuanischen Botschaft die Lösung:

  • Vertrauen in eine unbedingte Zuwendung
  • Schuldvergebung (vgl. die Vaterunserbitte)
  • Ein neuer Umgang mit Geld
  • Das Ende der Gewalt
  • Ein neues Sein oder: Die Überwindung des Todes

 

Durch den Glauben an die Auferstehung die Welt in ihrem Wesen zu wandeln, darum geht es ihm.