Bretonisches Vermächtnis, Kommissar Dupins achter Fall

 

 

 

Jean-Luc Bannalec, Bretonisches Vermächtnis, Kommissar Dupins achter Fall, Kiepenheuer & Witsch 2019, ISBN 978-3-462-05265-7

 

In seinem neuen, dem mittlerweile achten Fall seines Kommissar Dupin aus Concarneau, lässt der unter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec schreibenden deutsche Schriftsteller und Verleger Jörg Bong seinen sympathischen Kommissar in seinem als „blaue Stadt“ am Meer bezeichneten Wohnort selbst ermitteln.

Georges Dupin ist nun schon seit vielen Jahren im Finstere tätig und sein Privatöleben hat sich im Gegensatz zu dem anderen Serienkommissare gesettelt, seit er mit der Ärztin Claire zusammengezogen ist.  Über die bevorstehenden Pfingsttage planen sie ein Wochenende mit Claires Eltern, doch wie es oft so ist, ein mysteriöser Todesfall kommt dazwischen. Claire nimmt es locker und Georges ist es recht, denn seine Schwiegereltern in  spe nerven ein wenig.

 

In der Altstadt Ville Close feiern die Einheimischen und die noch wenigen Touristen mit viel Musik und Tanz den Beginn des Sommers, als ein stadtbekannter Arzt direkt vor Dupins Lieblingsrestaurant Amiral zu Tode kommt. Dessen tatsächliche Eigentümer haben an Bannalecs Bretonischen Kochbuch mitgearbeitet.

Docteur Chaboseau ist offensichtlich aus dem großen nicht mit Sicherheitsglas versehenen Fenster seiner Wohnung in die Tiefe gestürzt worden. Dupin muss die sich als sehr kompliziert und undurchsichtig herausstellenden Ermittlungen zunächst ohne seine bewährten Mitarbeiter Nolwenn und seine beiden Inspektoren Rival und Kadeg aufnehmen. Zwei neue Mitarbeiterinnen unterstützen ihn. So kompetent und sympathisch Bannalec sie beschreibt, ist anzunehmen, dass sie im nächsten Band Dupins Team erhalten bleiben.

 

Weder Chaboseaus Frau noch seine beiden Freunde, der stadtbekannte Apotheker Priziac und der Weinhändler Luzel können sich auf den Tod des Arztes einen Reim machen. Mit Hilfe seiner beiden neuen Mitarbeiterinnen geht Dupin den Verbindungen der drei angesehenen Geschäftsleute nach und beschreibt so ganz nebenbei die Straßen und Plätze, die Parks und Kneipen einer Stadt, die im Leser sofort Sehnsucht weckt.

 

Dupin hat kaum mit seinen Ermittlungen begonnen, da erschüttert ein Anschlag auf einer Werft, an der die drei Freunde und Geschäftspartner beteiligt waren, den Ort.

 

Hat der Anschlag etwas mit dem offensichtlichen Mord zu tun?

 

Von Anfang an spielt ein Roman von Georges Simenon mit dem Titel „Der gelbe Hund“, der Maigret bei Ermittlungen in Concarneau zeigt, eine zunächst unklare Rolle. Bald jedoch wird Dupin immer klarer, was die Personen in dem Roman mit den aktuellen Todesfällen (Luzel wird auch ermordet) zu tun haben.

 

Mit einem genialen Trick schafft es Dupin seine unerreichbaren Mitarbeiter über die Notlage zu informieren und als sie bald darauf eintreffen nehmen die Ermittlungen durch Nolwenns Können und  Erfahrung und Rivals Lokalkenntnisse sofort Fahrt auf.

 

Viele Menschen sind verdächtig, auch der Bürgermeister Kirag ist darunter, doch schließlich bietet der „Gelbe Hund“ den Schlüssel zu einem überraschenden Ende eines unterhaltsamen und spannenden Falles, der seine Leser mit den traumhaften Beschreibungen von Concarneau und Umgebung in eine Art permanente Urlaubsstimmung versetzt.

 

 

 

 

Die Stunde der Optimisten. So funktioniert die Wirtschaft der Zukunft

 

 

 

 

Thomas Straubhaar, Die Stunde der Optimisten. So funktioniert die Wirtschaft der Zukunft, edition Körber 2019, ISBN 978-3-89684-271-8

 

Besonders in den letzten Jahren ist es in Deutschland zu einer regelrechten Mode geworden, alles niederzumachen und eher das Negative zu betonen. Auch wenn in sicher auch zunehmenden Maße ein größer werdender Handlungs- und Veränderungsbedarf besteht, ist die wirtschaftliche Lage unseres Landes bei weitem nicht so schlecht, wie die Pessimisten es posaunen.

 

Thomas Straubhaar ruft in dem vorliegenden Buch die „Stunde der Optimisten“ aus und plädiert für mehr Zuversicht in die Zukunft unseres Landes. Während viel Autoren und Zeitschriften in der Vergangenheit düstere Zukunftsaussichten an die Wand malten, vom „Abstieg eines Superstars“ (Gabor Steingart) sprachen oder die „fetten Jahre vorbei“ wähnten (Spiegeltitel).

 

Thomas Straubhaar zeigt in seinem Buch, dass das Gegenteil der Fall ist. Besonders dramatisch zeigt sich die Fehleinschätzung nach ihm bei einem Vergleich, wie sich die realen Pro-Kopf-Einkommen in der letzten Dekade verändert haben. Mitte der 2000er-Jahre erreichte Deutschland ziemlich genau den Durchschnitt aller hoch entwickelten Volkswirtschaften. Ein Jahrzehnt später liegt die Bundesrepublik zehn Prozent voran.

 

In einem das Buch begleitenden Artikel schreibt Straubhaar:

„Abstieg und Untergang sehen anders aus. Es gibt kaum einen sozioökonomischen Indikator, bei dem Deutschland heute schlechter dasteht als vor einer Dekade. Die Bevölkerung lebt besser, länger und gesünder. Die Lebenserwartung bei Geburt ist weiter gestiegen, um zwei Jahre für Mädchen auf über 83 Jahre und für Jungen gar um drei auf mehr als 78 Jahre. Alleine schon, dass Deutschland wie ein Magnet auf Erwerbssuchende aus Europa wirkt, zeigt, wie attraktiv das ‚Modell Deutschland‘ all seiner Schwächen zum Trotz gerade heutzutage unverändert ist.“

 

Sicher gibt es vor allen Dingen in der Infrastruktur des Landes einen schon lange bekannten Investitionsmangel, der dringend in den nächsten Jahren angegangen werden muss, sicher gibt es durch die Überalterung der Gesellschaft große Probleme und eine sich andeutende Ablösung der großen Koalitionen der letzten 15 Jahre löst Unsicherheiten über die politische Zukunft aus, doch zu Pessimismus besteht kein Anlass. Laut Straubhaar hat die „Stunde der Optimisten“ geschlagen.

 

Wünschen wir ihn überall, wo sie Verantwortung tragen (werden) viel Erfolg!

 

Freiraum

 

Svenja Gräfen, Freiraum, Ullstein fünf 2019, ISBN 978-3-96101-037-0

 

Nachdem Svenja Gräfens literarisches Debüt „Das Rauschen in unseren Köpfen“ nicht nur den Rezensenten begeistert hat, sondern mit seiner kunstvollen Sprache und eigentümlichen Schönheit auch andere Kritiker überzeugte, geht es auch in ihrem nun vorliegenden zweiten Roman, der bei Ullstein fünf erschienen ist, um die Geschichte eine Paares. Waren es im ersten Buch Lene und Hendrik, in deren zunächst so leichte und lockere Liebesbeziehung sich immer mehr Probleme aus der Vergangenheit des jungen Mannes mischten und die Beziehung gefährdeten, sind es in  der Beziehung der beiden jungen Frauen Vela und Maren eher gegenwärtige Geschehnisse, die die Beziehung der beiden unter eine große Belastungsprobe stellen.

 

Über die Schilderung der privaten  Situation der beiden Frauen nähert sich Svenja Gräfen zwischen den Zeilen aber immer wieder sehr schnell dem Poltischen und der Frage, die die Generation der nach 1990 geborenen Menschen umtreibt: wie wollen wir leben?

 

Mit fast zärtlichem Mitgefühl beschreibt die Autorin ihre beiden Protagonistinnen, die seit einiger Zeit eine glückliche Beziehung führen. Sie haben einen gemeinsame Kinderwunsch und suchen seit langem schon vergeblich nach einer größeren Wohnung, ohne die sie diesen Wunsch nicht verwirklichen können. Ihre jeweiligen Jobs sind wie die vieler in dieser Generation eher prekär und stellen selbst kleine Mieterhöhungen sie vor ernste Probleme.

Und so scheinen all ihre Träume und Pläne von einem gemeinsamen Leben mit einem Kind immer mehr an den Gegebenheiten und Anforderungen der Großstadt zu scheitern.

 

In dieser Situation, in die Gräfen ihre Leser am Beginn des Romans einführt, macht Maren ihrer Partnerin einen unerwarteten Vorschlag, dessen Realisierung vor allem Vela im Verlauf des Romans vor schwere Probleme stellen wird. Marens Schwester Jo lebt am Rande der Stadt zusammen mit anderen Menschen in einem ambitionierten Lebensprojekt  in einem großen alten Haus mit Garten, das ein Mitbewohner namens Theo geerbt hat und das er der Gemeinschaft zur Verfügung stellt. Dort ist ein großes Zimmer frei geworden (über die Umstände dieses Leerstandes erfahren wir später im Buch sehr Wichtiges) und Maren überzeugt Vela davon, dass sie beide das Angebot der Gemeinschaft annehmen und dort einziehen. Für beide bedeutet es nicht nur, mit neuen Menschen zusammenzuleben und sich in deren besondere Gemeinschaft einzufügen, sondern sie haben zu ihren bisherigen Arbeitsplätzen auch viel weitere Wege. Doch durch die idyllische ruhige Lage scheint das mehr als wettgemacht zu werden.

 

Eine ganz besondere Rolle in diesem Wohn- und Lebensprojekt spiellt, das wird mit jedem Kapitel mehr deutlich, der Eigentümer des Hauses, Theo, der als Gartenarchitekt gutes Geld verdient und sich als so etwa wie er ideologische spiritus rector der Gemeinschaft herausstellt. Ein Menschen, dessen wahren Beweggründe eher im Dunkeln bleiben (falls sie ihm selbst denn je bewusst geworden sind) und der insbesondere Vela von Anfang an suspekt ist. Es ist auch Vela, die sich mit dem Einleben in der Gruppe schwerer tut als Maren,mit ihrem Zweifeln und Gefühlen aber alleine bleibt.

 

Als Theo sich als Samenspender für Maren anbietet, als diese ihren Kinderwunsch nun in der neuen Umgebung umsetzen möchte und Maren darauf positiv reagiert, da stürzt für Vela die ganze gemeinsame Zukunftshoffnung eines Lebens mit Maren scheinbar zusammen.

 

Nach und nach werden Velas Vorahnungen über Theos Rolle im Projekt und über dessen inneren Zustand bestätigt und sie fühlt sich immer einsamer. Lediglich mit Darek, der sie mit seinem Auto oft mit in die Stadt nimmt, hat sie so etwas wie eine warme Beziehung.

 

„Freiraum“ spielt auf zwei Zeitebenen. In einer Ebene beschreibt Svenja Gräfen fortlaufend in Rückblicken, wie Vela Maren kennenlernt, wie sie sich ineinander verlieben. Der Leser erfährt von vorübergehenden Jobs, die sich als prekärer Dauerzustand entpuppen, davon, wie sich Träume junger Menschen einfach nicht verwirklichen lassen angesichts mangelndem sicheren Einkommen, steigender Mieten und erfolgloser Wohnungssuche. Diese Rückblicke bis zu dem Zeitpunkt , an dem sich Vela mit widersprüchlichen Gefühlen auf das Wohnprojekt einlässt, zeigen am Beispiel zweier Frauen, in welcher beruflichen und persönlichen Situation sich gegenwärtig viele Millenials befinden.

 

Auf der anderen Ebene des Romans beschreibt Svenja Gräfen die Menschen und ihr Zusammenleben im Haus. Ihr Versuch anders zu leben und ihr jeweiligen ganz persönlichen Probleme, sich auf ein solches Leben einzulassen. Immer mehr wird auch die besondere und nicht immer sympathische Rolle von Theo dabei klarer und so manches bisher gehütete Geheimnis kommt ans Tageslicht und bringt Unruhe in die langsam bröckelnde Gemeinschaft.

 

Mit großer Sprachkunst gelingt es Svenja Gräfen, der wohl auch biografisch konnotierten Frage nachzugehen, wie das ist mit Lebensträumen, wie es passiert, dass als Provisorium gedachte Zustände ein traumvernichtenden Endgültigkeit bekommen. Wann sollte man sich mit Realitäten abfinden und sich eingestehen, dass eben manche erträumte Lebenstüren geschlossen bleiben werden.

 

„Freiraum“ (so ist die Bezeichnung Theos für das gemeinsame Leben im Haus) ist ein nachdenklicher Roman, der am Ende trotz aller Enttäuschungen einen gewissen Spielraum lässt für ein gutes Ende von Vela und Maren. Aber es bleibt unklar.

 

Svenja Gräfen zeichnet ihre Figuren mit großem und warmherzigem Einfühlungsvermögen und scharfer Beobachtungsgabe und konnte mir als 1954 Geborenem einen Eindruck vermitteln über das Lebensgefühl vieler junger großstädtischer Menschen in der Gegenwart, ihrem Lebensgefühl und ihren Träumen von einem selbstbestimmten Leben.

 

Ich freue mich auf den nächsten Roman dieser sprachbegabten Schriftstellerin.

 

 

 

 

Ein Narzisst packt aus. Ehrlichkeit gegenüber dem inneren Kind und gesellschaftliche Anerkennung

 

 

 

Leonard Anders, Ein Narzisst packt aus. Ehrlichkeit gegenüber dem inneren Kind und gesellschaftliche Anerkennung, Tectum Verlag 2019, ISBN 978-8288-4043-0

 

Das vorliegende Buch ist eine wie ich finde gelungene Mischung aus biografischen Notizen, eigenen Therapieerfahrungen, wissenschaftlichen Erläuterungen und zahlreichen Interviews mit Experten (unter anderen Hans-Joachim Maaz). Dem seit seiner Jugend unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidende Leonard Anders gelingt es in einer wahren Fleißarbeit dem Leser und wohl auch vielen anderen von der Störung betroffenen Menschen nicht nur einen überzeugenden und grundlegenden Einblick in das Phänomen zu geben, sondern durch die Beschreibung seiner ganz persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse vermittelt er dem nicht betroffenen, sondern nur am Thema interessierten Leser einen bewegenden und betroffen machenden Einblick in die Innenwelt eines unter narzisstischer Persönlichkeitsstörung leiden Menschen.

 

Einer der von Leonard Anders in dem Buch interviewten Fachleute, Dr. med. Bodo Karsten Unkelbach schreibt zu diesem Buch:

„Die in diesem Buch vorliegende Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist ein Aufruf an die Gesellschaft, sich kritisch zu hinterfragen. Es verdeutlicht, wie unendlich wertvoll ungeteilte Aufmerksamkeit, Respekt, Einfühlungsvermögen, Wahr- und Ernstgenommenwerden, Ermutigung, Anerkennung und eine wertschätzenden Auseinandersetzung für Kinder sind.“

 

Deshalb ist das Buch nicht nur für betroffene Menschen und ihre Angehörigen zu empfehlen, sondern auch für alle, die in irgendeiner Weise an der Erziehung von Kindern beteiligt sind.

 

 

 

Die galaktische Weltraum-Mission

 

 

 

Karla Recke, Antje Hagemann, Die galaktische Weltraum-Mission, Ravensburger Verlag 2019, ISBN 978-3-47355489-8

 

Vor vielen Jahren hatte der Ravensburger Verlag 2010 mit seinem TipToi Stift und den entsprechenden Büchern eine vollkommen neue  Weise ermöglicht, wie Kinder interaktiv mit Büchern und neuem Wissen umgehen können. Tip Toi ist ein audiovisuelles Lernsystem für Bücher und Spiele, mit dem die Kinder die Welt spielerisch entdecken. Tippt das Kind mit dem Stift auf ein Bild oder einen Text oder ein entsprechendes Symbol, erklingen passende Geräusche, Sprache oder auch Musik. Eine intelligente Elektronik ermöglicht Kindern, Bücher und Spiele völlig eigenständig immer wieder neu zu erleben.

 

Nun hat der Verlag einen neuen Stuft produziert, „TiptoiCreate“, und wird wohl alle neuen Bücher nach diesem System ausrichten. Zusätzlich zum alten Stift ist im neuen ein Mikrofon integriert, das es Kindern ermöglicht, Geräusche und Sprache selbst aufzunehmen. Nach wie vor ist der Stift leicht zu bedienen und passt in jede Kinderhand.

 

In dem vorliegenden neuen Buch von Karla Recke mit Illustrationen von Antje Hagemann erreicht Captain Fleck mit seiner Crew (sie sind alle witzige Tierfiguren, die lustig gezeichnet sind) eine geheime Nachricht aus dem Weltall. Und schon nimmt ein galaktisches Abenteuer seinne spannenden Anfang.

 

Auf der Suche nach dem Absender der geheimen Nachricht, reisen der Captain und seine Crew zu fremden Planeten. Dabei erfahren sie (und natürlich die das Buch lesenden und hörenden Kinder) Faszinierendes über den Weltraum und sie finden viele Freunde fürs Leben.

 

 

 

 

Auch auf dieser verrückten Reise durch das Welt all ist die Mithilfe der das Buch betrachtenden Kinder zwischen sechs und 9 Jahren nötig. Es gilt Geschichten zu erfinden, Logbuch zu führen oder Witze zu erzählen. Ganz spielerisch trainiert tiptoi® CREATE so die Kreativität und Sprachkompetenz kleiner Entdecker.

 

Hat man den Stift einmal angeschafft, kann er sicher für viel Jahre und viele weitere Bücher nach diesem System genutzt werden.