Der kleine Lord

 

 

 

Frances Hodgson Burnett, Der kleine Lord, Knesebeck 2019, ISBN 978-3-95728-303-0

 

Der Knesebeck Verlag hat mit dieser hochwertigen Geschenkausgabe des Kinderbuchklassikers „Der kleine Lord“ allen Eltern und Großeltern rechtzeitig vor dem diesjährigen Weihnachtsfest ein schönes Angebot für ein wertvolles Geschenk für ihre Kinder oder Enkel gemacht.

 

Er hat die Geschichte des kleinen Cedric Errol aus New York, der zum Earl of Dorincourt in England wird und dabei durch seine Herzenswärme sogar seinen kaltherzigen Großvater erweicht, von Gundula Müller-Wallraf neu übersetzen lassen.

 

Den in München lebenden freischaffenden Illustrator, Karikaturisten und Comiczeichner Jan Reiser hat der Verlag beauftragt, die den meisten Kindern vor allem aus dem Fernsehen bekannte Geschichte zu illustrieren.

 

Neben der schönen und bekannten Geschichte sind es vor allen Dingen Reisers Zeichnungen, die das Buch auszeichnen.  Seine Bilder sind den durch mehrmaliges Sehen des Filmes bekannten Figuren  nachempfunden, geben ihnen aber schärfere Konturen und drücken durchweg auf eindrückliche Weise die Emotionen der abgebildeten Personen aus.

 

Ein schönes Geschenk für die ganze Familie.

 

 

 

 

Der Maulwurf und die Sterne

 

 

Britta Teckentrup, Der Maulwurf und die Sterne, arsedition 32019, ISBN 978-3-8458-3066-7

 

Die Geschichte, die Britta Teckentrup in ihrem neuen Bilderbuch erzählt, handelt von einem kleinen Maulwurf. Weil es ihm in seiner Höhle zu dunkel ist, setzt er sich jede Nacht auf seinen Lieblingsstein und schaut in den hellen und strahlenden Sternenhimmel. Nachdem er vor sich hin geflüstert hat, er würde so gerne alle Sterne dieser Welt besitzen, passiert etwas Magisches. Auf eine wundersame Weise erscheinen rund um ihn herum helle Leitern, die alle in den Himmel führen. Der Maulwurf überlegt nicht lange und sammelt alle Sterne ein, die er über die Leitern erreichen kann. Er trägt sie alle in seinen Bau, der nun von den Sternen hell erleuchtet ist.

Nun ist es nicht mehr dunkel dort und er will gar nicht raus aus seiner Höhle. Doch als er seinen Lieblingsstein vermisst, streckt er eines Abends den Kopf aus der Höhle um sich auf ihn zu setzen. Doch was er sieht, ist: nichts. Der Himmel ist schwarz. Und die Tiere des Waldes erzählen ihm, wie traurig sie und ihre Kinder darüber sind, dass die Sterne nicht mehr da sind.

Der Maulwurf ist bestürzt, denn er hatte nicht gewusst, dass die anderen Tiere den Sternenhimmel genauso liebten wie er. Und er erzählt den anderen Tieren traurig, dass er alle Sterne genommen hat. Und dann schaffen sie es gemeinsam, alle Sterne wieder an ihren ursprünglichen Ort zu schaffen.

„Von nun an teilten sich alle Tiere des Waldes das zauberhafte Licht des leuchtenden Nachthimmels.“

 

Eine magische Gutennachtgeschichte über Freundschaft und die Freude des Teilens von Dingen und Erfahrungen. Es hat eine ganz aktuelle Botschaft: die Wunder dieser Welt sind für alle da. Das können schon kleine Kinder ab drei Jahren begreifen, für die dieses schöne und zauberhaft illustrierte Bilderbuch gedacht ist.

 

Der Sonne nach

 

 

 

 

Gabriele Clima, Der Sonne nach, Hanser 2019, ISBN 978-3-446-26260-7

 

Wer das Buch „Ziemlich beste Freunde“ vor Jahren gelesen oder den Film gesehen hat, wird auch an dem hier vorliegenden, 2017 mit dem Andersen Preis für das beste Jugendbuch ausgezeichnete Roman von Gabriele Clima mögen.

 

Schon 2016 in Italien erschienen erzählt das Jugendbuch von dem 16-jährigen Dario. Nachdem der Vater die Familie verlassen hat, ist aus Dario ein auffälliger Junge geworden, der voller Wut in der Schule randaliert. Nachdem er zum wiederholten Mal ausgeflippt ist, soll sich Dario als Strafe auf eine unbestimmte Zeit um einen „Menschen mit besonderen Fähigkeiten“ kümmern. Er wird mit der ehrenamtlichen Pflegebegleitung eines geistig und körperlich behinderten Jungen namens Andy beauftragt. Er soll ihn in seinem Rollstuhl spazieren fahren und auf ihn aufpassen. Da Dario noch nicht mal auf sich selbst aufpassen kann, scheint er mit dieser Aufgabe doch überfordert.

 

Doch Dario hat von seiner Aufgabe seine eigenen Vorstellungen und beschließt  Andy auf die Suche nach seinem Vater mitzunehmen, den er in einem Ort am Meer vermutet. Es wir deine abenteuerliche Reise, auf der Dario immer mehr lernt, die feinen Signale zu lesen, die der schwer behinderte Andy ihm sendet. Er lernt diesen „Halbidioten im Rolli“, wie er ihn zunächst genannt hat, mit anderen Augen zu sehen.

 

Was Gabriele Clima aber vor allem wunderbar beschreibt, ist die Veränderung die in Darios Innerem vor sich geht. Unterwegs mit Andy lernt er, dass es nicht die anderen sind, die für seine Wut und sein Schicksal verantwortlich sind und er spürt zunehmend, dass er trotz seiner verfahrenen Lebenssituation durchaus  die eigene Wahl hat, welchen Weg er in seinem Leben gehen will.

 

Gabriele Clima ist es auf eine sehr poetische und glaubwürdige Weise gelungen, die jeweilige emotionale Innenwelt der beiden Protagonisten darzustellen und zu beschreiben.

Es ist ein witziges und ehrliches Buch, voller Abenteuer und kurioser Szenen, das man nicht aus der Hand legen möchte bis man zu seinem verblüffenden Schluss gekommen ist.

 

Eine absolut gelungene Coverversion von „Ziemlich beste Freunde.“

 

Unsere eigene Weihnachtsgeschichte

 

 

 

Annette Langen, Marije Tolman, Unsere eigene Weihnachtsgeschichte, NordSüd 2019, ISBN 978-3-314-10101-4

 

Mit diesem wunderbaren Bilderbuch ist es Annette Langen und Marije Tolman in Wort und Bild ganz hervorragend gelungen, Kindern ab etwa 3 Jahren die Weihnachtsgeschichte näher zu bringen.

 

Mia, die kleine Hauptperson des Buches, weiß ganz genau, wie es Weihnachten gewesen ist. Deshalb, immer wenn es dunkel geworden ist, spielt sie zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Jona diese Geschichte nach. Mia ist Maria, Jona muss den Josef spielen. Und sie machen sich auf den langen Weg nach Bethlehem.

 

Die Phantasie der beiden Kinder ist schier unbegrenzt und so spielen sie alle Stationen durch bis Josef und Maria schlafen müssen.

 

„Siehst du“, sagt Maria am Ende, „so ist das Weihnachten gewesen“.

Und Jona antwortet: „Und morgen, da gehen wir wieder nach Beet-le-helm.“

 

Dieses Buch ist ganz hervorragend geeignet, an den Abenden vor der großen Bescherung die Kinder nicht nur zum Schlafen zu bringen, sondern ihnen durch die Wiederholung die Geschichte von Lukas 2 nahe zu bringen.

 

Hier legt nun die zweite, etwas überarbeitete Auflage vor.

 

Alles okay

 

 

 

Nina LaCour, Alles okay, Hanser 2019, ISBN 978-3-446-26435-9

 

Es ist kurz vor Weihnachten. Die Erzählerin des hier anzuzeigenden Jugendromans der in den USA sehr erfolgreichen Jugendbuchautorin Nina LaCour, Marin, hat gerade ihre Mitbewohnerin Hannah in die vierwöchigen Weihnachtsferien verabschiedet. Sie selbst will das College im Staat New York nicht verlassen über die Feiertage, weil sie keinen Ort mehr hat, wo sie hingehen soll. Ihre Vergangenheit scheint zerschmettert, ihre Gegenwart einsam und ihre Zukunft dunkel.

Viele tausend Kilometer ist sie vor einigen Monaten geflohen in dieses kleine Privatcollege. Geflohen aus einem Leben, das sich für sie als eine einzige Lüge darstellt.

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Am Anfang ist es für den Leser noch sehr unverständlich, wieso Marin sich absichtlich in diese Einsamkeit begibt und in ihr verharrt, als würde sie einen Winterschlaf halten, aus dem es kein Erwachen mehr gibt. Doch im Laufe des Buches lüftet Nina LaCour mit vielen Rückblicken aus den Monaten Mai bis September das Geheimnis Marins und das ihres Großvaters, bei dem sie lebt, seit ihre Mutter bei einem Surfunfall ums Leben gekommen ist als Marin gerade mal drei Jahre alt war. Es wird mehr und mehr klar, welche Vorkommnisse und welche lange Geschichte Marin schlussendlich an diesen für sie einsamen Ort im College in New York gebracht hat.

 

Klar wird mehr und mehr auch die Person und die Rolle ihrer langjährigen Freundin Mabel, die, nachdem das College über Weihnachten seine Pforten geschlossen hat, plötzlich vor der Tür von Mabels Wohnhaus im College steht, und sie auch im Namen ihrer beiden Eltern einlädt, zumindest in den Ferien zu ihnen nach Hause zu kommen.

Hunderte von SMS und Nachrichten ihrer Freundin auf dem Anrufbeantworter hat Marin in ihrer tiefen Trauer unbeantwortet gelassen. Es scheint, als wollte sie mit nichts mehr konfrontiert werden, was sie an ihr anderes Leben erinnert, ein Leben, das sich für sie als eine einzige große Lüge herausgestellt hat.

 

Doch Mabel lässt nicht locker, auch nicht nachdem Marin ihren Vorschlag abgelehnt hat und ihre Freundin nach drei schweren gemeinsamen Tagen, die angefüllt sind mit langen  Phasen des Schweigens und langen Gesprächen über die gemeinsame Vergangenheit und über Marins Schicksal, allein zum Flughafen fahren lässt.

 

Doch weder Marin noch der erschütterte Leser haben mit Mabels treuer Freundschaft gerechnet und mit der Fürsorge ihrer Eltern. Und Marin wird schlußendlich begreifen, dass sie sich entscheiden muss. Entweder sie verharrt weiter in ihrem Verdrängen ihrer sehr schmerzhaften Lebensgeschichte und der ambivalenten Rolle, die ihr Gramps darin gespielt hat, oder sie stellt sich wieder dem Leben, das sie in den Personen von Mabels Familie wieder zum Mitmachen und Mitleben einlädt.

Kirkus Review in den USA nannte das Buch einen „wunderschönen Lobgesang auf die reinigende Kraft der Wahrheit“. Ja, und es ist auch eine Hymne an die tragende Kraft der Freundschaft.

 

 

 

Warum gibt es uns. Die Entwicklung des Lebens vom Urknall bis zu dir

 

 

 

 

 

Johan Olsen, Warum gibt es uns. Die Entwicklung des Lebens vom Urknall bis zu dir, Beltz & Gelberg 2019, ISBN 978-3-407-75468-4

 

 

Irgendwann fangen die meisten  Kinder an zu fragen, wo sie herkommen. Die familiären Beziehungen und Ursprüngen sind dabei meist schnell und leicht und verständlich erklärt. Bald werden die Fragen aber grundsätzlicher und weiten sich aus auf die Welt, in der sie leben. Woher kommen wir Menschen und warum gibt es uns eigentlich? Wie ist das alles entstanden?

 

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde diese Frage sehr oft mit religiösen Erklärungen beantwortet. Gott, der Schöpfer als Ursache und Beweger alles dessen, was lebt. Seit der Urknall in das naturwissenschaftliche Allgemeinwissen weiter Teile der Bevölkerung eingesickert ist, wurde der Schöpfer auch als dessen Anstifter und Begründer identifiziert.

 

Das vorliegende Buch von Johan Olsen allerdings verzichtet völlig auf solche überkommenen Erklärungen und erklärt mit zum Teil witzigen, aber immer verständlichen Beispielen die Entstehung des Lebens vom Urknall bis zum Menschen und den Molekülen des Lebens.

Da wird die Schwerkraft  mit einer Tasse und einer Sahnetorte erklärt und die Relativitätstheorie mit dem Bauch einer dicken Katze.  Es sind viele solcher plausiblen Erklärungen, die das Buch für an solchen Fragen interessierte Kinder ab etwa 10 Jahren zu einem Erlebnis machen können.

 

Olsen behandelt in 11 Kapiteln verständlich und aufeinander aufbauend folgende Themen in einer Sprache, die auch Kinder verstehen können, ohne viel Fachbegriffe und wissenschaftliche Fremdwörter:

  • Die Atome
  • Der Anfang von allem
  • Die Sonne
  • Die Erde
  • Das Universum
  • Quantenmechanik
  • Relativitätstheorie
  • Das Leben
  • Der Mensch
  • Die Moleküle des Lebens
  • Die Wirklichkeit

 

Und am Ende schreibt er folgende wichtigen Sätze: „Die Geschichte der Welt, wie sie uns die naturwissenschaftliche Forschung vermittelt, endet nie. Das Ergebnis der naturwissenschaftlichen Forschung ist nämlich nicht die Wahrheit. Es ist nur die einfachste Erklärung für das, was wir beobachten können.“

 

Ein absolut empfehlenswertes Buch für alle neugierigen und naturwissenschaftlich interessierten Kinder.

Der Tierigent

 

Cornelia Boese, Manuela Olten. Der Tierigent, Gerstenberg 2019, ISBN 978-3-8369-6025-0

 

 

„ …wenn man etwas wirklich will,
mit Herz und Seele, Kopf und Bauch,
dann, dacht‘ ich störrisch, schafft man’s auch!“

Das ist die Selbstbeschreibung der Autorin des hier vorliegenden Bilderbuches, die man auf Ihrer Homepage nachlesen kann. Dort erfährt man auch etwas über ihre Liebe zur Musik.

 

Und so findet man in ihren Werken aus den letzten Jahren viele Bücher für Erwachsene und Kinder, die Gereimtes aus der Musik- und Märchenwelt erzählen.

 

Auch ihr neues Bilderbuch bei Gerstenberg in Hildesheim „Der Tierigent“ verbindet das Reimen und die Musik, gepaart mit großer Leidenschaft für kindliche Traumwelten.

 

Im Stadtpark gibt das Tierorchester ein Konzert. Alle packen ihre Instrumente aus, man hört schon die ersten Übungstöne.

„Doch einer findet keinen Platz

Am Podium: der kleine Spatz

Wie gerne will er mit den Tieren

Zusammen fröhlich musizieren.“

 

Da spielt der Affe Cello, die Giraffe Kontrabass, der Bär Fagott, der Tiger Klarinette. Und der Spatz bettelt:

„..darf ich Geiger sein?

Der Affe sagt: Du bist zu klein.“

Für die Tuba reicht seine Puste nicht und fürs Schlagzeug hat er nicht genügend Kraft. Traurig setzt der Spatz sich ins Publikum. Das Konzert beginnt und es ertönt ein ohrenbetäubendes Fiedeln, Tuten und Trällern. Eines ist klar: Die Musiker brauchen jemanden, der den Takt angibt.

Und so wird aus dem Spatzen ein großer Tierigent.

Farbenfrohe Bilder von Manuela Olten, die alle beteiligten Tiere liebevoll und mit großen erwartungsvollen Augen gezeichnet hat  und lustige Reime stellen die Instrumente des Orchesters vor und laden ein zu einem fröhlichen Konzert.

 

Ein schönes Bilderbuch mit zauberhaften Bildern und sprachlich gelungenen Reimen über ein tierisches Orchester, bei dem am Ende jeder seinen Platz findet, auch der kleine Spatz.

 

 

 

 

 

 

Die goldene Funkelblume

 

 

 

Benjamin Flouw, Die goldene Funkelblume, Kleine Gestalten 2018, ISBN 978-389955-803-6

 

Das vorliegende Bilderbuch des 1986 bei Avignon in Frankreich geborenen und heute in Paris lebenden Illustrators Benjamin Flouw ist eine gelungene Mischung von einem Bilderbuch mit einer spannenden Geschichte und Handlung und einem Sachbilderbuch zu Phänomenen  der Natur.

 

Mit eindrucksvollen, leicht kubistisch anmutenden Illustrationen erzählt Flouw von Fuchs. Fuchs sitzt abends gerne gemütlich in seinem Sessel und liest in alten Pflanzenbestimmungsbüchern. Er sucht nach einer neuen Pflanze, die sein Haus verschönern soll.

 

Dann schlägt er eine neue Seite auf, auf der kein Bild oder Zeichnung zu sehen ist nur eine Beschreibung:

„Die goldene Funkelblume ist eine Blume aus der Familie der Gutversteckten. Sie ist sehr selten und wächst nur auf hohen Bergen. Wie sie wirklich aussieht, weiß keiner. Bis heute hat sie noch niemand beschreiben können.“

 

Nun ist die Neugier des Hobbybotanikers gepackt. Mit entsprechender Ausrüstung macht sich Fuchs nun auf eine Reise, die ihn durch Wälder und Wiesen hinauf in die Berge führt. Er will diese seltene und geheimnisvolle Pflanze finden!

 

Doch als er sein endlich findet, ist er mit einer schweren Entscheidung konfrontiert. All die Pflanzen, die er auf seinem langen Weg hinauf in die Berge sieht, sind zwischen den Seiten, die die Erzählung voranbringen, extra abgebildet und beschrieben. Auf diese Weise lernen die Kinder viel Pflanzen kennen und benennen.

 

Benjamin Flouw erzählt in seinem Buch von Entdeckerlust und dem Respekt vor der Natur, während seine liebevollen und reduzierten Illustrationen die Ruhe der unberührten Natur einfangen.

 

Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch mit kunstvollen Illustrationen.
 

 

Wenn ich einmal groß bin. Das Zahlenbuch der großen Träume

 

 

 

Maria Dek, Wenn ich einmal groß bin. Das Zahlenbuch der großen Träume, Knesebeck 2019, ISBN 978-3-95728-276-7

 

 

Dieses schon 2016 in Frankreich erschienene und von Theresa Scholz ins Deutsche übersetzte Bilderbuch von Maria Dek verbindet zwei Themen der frühen Kindheit auf vorbildliche Weise.

 

Zum einen geht es um die Phantasie kleiner Kinder und die Pläne, die sie sich in ihren geheimen  Vorstellungen davon machen, wenn sie einmal groß sind. Und zum anderen geht es darum, was Kinder schon sehr früh lernen wollen: zählen, soweit es geht.

 

Auf diese Weise werden die kleinen Kinder, die dieses Buch betrachten, eingeladen, ihre Träume zu spinnen und so ganz nebenbei die Zahlen zu lernen, wenn sie wollen sogar bis 25 !

Der Junge träumt zunächst davon, einmal so groß wie 1 Riese zu sein, Er wird ein Fahrrad haben mit 2 Hupen. Zum Mittagessen verputzt er 5 Kugeln Eis, sein Beruf wird Tiersitter sein und er wird 8 Tieren Kunststücke beibringen.

 

Er wird eine Trompete mit 11 Tasten spielen und seine Band hat 12 Mitglieder. In einem Baumhaus mit 13 Fenster und 14 Ästen wird er mit 15 Bären Unterschlupf finden. Und er wird immer erst um 25 Uhr ins Bett gehen.

 

Dieses schön illustrierte Bilderbuch nimmt die Kinder nicht nur mit in die Welt der Zahlen, sondern auch auf eine phantasievolle Erzählreise und lädt zum Träumen ein von der magischen Welt der Erwachsenen.

 

 

Mein Papa ist der größte der Welt

 

Daan Remmerts de Vries, Marije Tolman, Mein Papa ist der größte der Welt, Gerstenberg 2019, ISBN 978-3-8369-6004-5

 

Lynn wird wie jeden Morgen von ihrem Papa in den Kindergarten gebracht. Sie fahren mit dem Fahrrad und der Wind zerwühlt Papas Haare. Das findet Lynn lustig und die Bäume auch. Lynn wird von Frau Merklebach, ihrer Erzieherin in Empfang genommen du Papa muss schnell los.

 

Während Lynn zuerst im Stuhlkreis und dann an einem Tisch sitzt und malt, denkt sie in gereimten Versen darüber nach, was ihr Papa eigentlich tut, während sie im Kindergarten ist. Ihr ist schnell klar: ihr Papa rettet die Welt, denn er ist der größte Held der Welt. Zuerst besiegt er in Afrika ein Gruselmonsterbiest, das aussieht wie eine Kuh. Dann fliegt er nach Mexiko, wo er vom dortigen Präsidenten schon dringend erwartet wird, der seine Hilfe braucht. Und dann ist da noch ein Dieb auf einem Hochhausdach…

 

Lynns gereimte Phantasie ist schier grenzenlos und die preisgekrönte Künstlerin Marije Tolman lässt in traumhaften Bildern Realität und kindliche Vorstellungswelt fließend ineinander übergehen. Doch Lynns Papa ist natürlich rechtzeitig am Kindergarten zurück um sie nachmittags wieder abzuholen.

 

Das Bilderbuch ist eine Hommage an die kindliche Phantasie und ein schönes Beispiel für die Bedeutung, die Väter für ihre kleinen Kinder haben.