Wir sehen uns am Ende der Welt

 

 

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Miek Zwamborn, Wir sehen uns am Ende der Welt,  Nagel & Kimche  2015, ISBN  978-3-312-00665-6

 

 

Auf eine ganz ungewöhnliche und literarisch an große  Vorbilder erinnernde Expedition führt die niederländische Schriftstellerin  Miek Zwamborn  ihren zunächst skeptischen  aber dann mit jeder weiteren Seite begeisterten Rezensenten. Das Buch einer persönlichen und wissenschaftlichen Spurensuche  ist dermaßen  dicht und authentisch geschrieben, dass man wohl nicht fehl in der Annahme geht, dass es jenen Freund namens Jens, nach dessen Lebenszeichen sie zunächst sucht, tatsächlich während Miek Zwamborns achtjährigem Aufenthalt im Engadin wirklich gegeben hat.

Die Ich-Erzählerin beginnt ihren Roman mit einem Bericht über eine gemeinsame Expedition mit ihrem Freund Jens in den Bergen. Von ihm erfährt sie von dem bedeutenden Alpengeologen  Albert Heim, von dessen Forschungen  und Entdeckungen Jens ganz  begeistert ist. Dieser

Albert Heim hatte keinen geringeren Anspruch an seine Arbeit, als aus den von ihm erforschten Gesteinsschichten der Alpen die ganze Geschichte  der  Menschheit herauszulesen.

Als Jens irgendwann spurlos verschwunden ist und die Ich-Erzählerin sich auf die Suche nach ihm macht und sie literarisch anspruchsvoll dokumentiert, da liefert sie dem Leser eine so noch nie gelesene Mischung aus autobiographischer Reiseerzählung einer jungen Bergsteigerin und Wissenschaftlerin, aus Forscherbiografie des legendären Alpengeologen Albert Heim und als eine faszinierende Landschaftsbeschreibung der Alpen. Immer auf dem psychologischen Hintergrund einer intensiven Liebesgeschichte zweier Menschen, die die gemeinsame Leidenschaft für die Natur verbindet.
Am beeindruckendsten sind die Landschaftsbeschreibungen und Schilderungen der existenziellen Wanderungen der Protagonistin des Romans, auf der Suche nach ihrem verschwundenen Freund, auf den Spuren Albert Heims und der frühen Alpenentdecker. Dass Zwamborn den Text mit historischen Fotografien anreichert, verstärkt den überwältigenden romantischen Eindruck des Romans, macht die Seelenlandschaft der Berge förmlich spürbar.

„Wir sehen uns am Ende der Welt“ (in der niederländischen Originalversion „De duimsprong“ erschienen 2013) ist viel mehr als nur ein gelungener Alpenroman.

Miek Zwamborn ist ein großes poetisches Werk geglückt, in dem naturwissenschaftliche Fakten und literarische Fiktion auf wunderbare Weise zusammenkommen und Genregrenzen spielerisch außer Kraft gesetzt werden.

Ein außergewöhnlicher Roman, der bei mir jedenfalls  lange  nachgewirkt hat.