So wüst und schön sah ich noch keinen Tag

 

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Elizabeth Laban, So wüst und schön sah ich noch keinen Tag, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-25082-6

 

„Lieber Duncan,

als ich hörte, dass du hier einziehst, konnte ich es einfach nicht glauben, ehrlich. Vielleicht ahnst du ja schon, was ich sagen will, aber ich sag`s trotzdem noch mal. Es ist wichtig, dass du weißt, warum und genau wie alles passiert ist. Irgendjemand muss es wissen – irgendwem könnten die Informationen nützen, damit er nicht dieselben Fehler macht wie ich. Vielleiht. Ich weiß es nicht. Hör dir meine Geschichte an. Was du hören wirst – die Worte, die Musik, mein Absturz sowie deine angenommene oder tatsächliche Rolle darin, wird dir mehr nutzen, als du dir vorstellen kannst.

Es grüsst dich

Tim“

Als Duncan zu seinem letzten Jahr an das renommierte Irving College nach den Ferien zurückkehrt, bezieht er ein neues Zimmer. Es ist dort seit langen Zeiten Tradition, dass die Vorgänger, die das Internat verlassen haben, ihren Nachfolgern dort irgendetwas hinterlassen. Neben einem Brief mit den oben zitierten Worten findet Duncan eine Sammlung von CD`s , die sein Vorbewohner Tim besprochen hat. Tim, mit dem Duncan viele widersprüchliche Erinnerungen aus dem letzten Jahr verbindet, war ein Albino, ein zurückgezogener und schüchterner Junge, der sich oft Anfeindungen und gnadenlosem Mobbing ausgesetzt sah.

Tim verliebt sich in die schöne Vanessa. Und er blüht auf, fühlt sich zum ersten Mal in seinem Leben nicht als Außenseiter. Dennoch hat er zu keinem Zeitpunkt den Mut, seiner angebeteten Vanessa seine Gefühle zu gestehen. Es ist auch der Mangel an Selbstbewusstsein, der schlussendlich zu einem tragischen Unglück führt. Eine Geschichte, die Duncan durchaus kennt, als er beginnt die CD`s zu hören, deren Hintergründe ihm aber bisher verdunkelt waren. Mit immer größerer Spannung wird Duncan und mit ihm auch der Leser in eine lebendige und bewegende Geschichte hineingezogen, die handelt von Freude und Enttäuschung, von Stolz und Liebe. Viele weise Botschaften, oft zwischen den Zeilen versteckt, laden zum Nachdenken ein, tiefgründige Dialoge zum Innehalten, witzige Passagen zum Lachen und Schmunzeln.

Für Duncan, der sich in vielem, was Tim erzählt, wieder erkennt, ist dessen tragische Geschichte der letzte Anstoß, in seinem Leben endlich den entscheidenden Schritt auf ein Mädchen zu tun, das er liebt.

Nicht nur weil das Buch in einem Internat spielt, weil Poesie eine große Rolle spielt und auch entsprechende Lehrpersonen auftreten, die man selbst gerne als Schüler gehabt hätte, fühlte ich mich in weiten Strecken des Buches erinnert an John Greens „Eine wie Alaska“