F.E.A.R.

 

 

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Elisabeth Zöller, F.E.A.R., Hanser 2015, ISBN 978-3-446-24937-0

 

„Fear“, Angst, hat Elisabeth Zöller ihren neuen Jugendroman genannt, der aber auch für Erwachsene unbedingt zu empfehlen ist. In Zeiten, in denen Grenzen wieder geschlossen werden, immer mehr Länder nach einer ersten Welle des Willkommens bzw., Durchwinkens (je nachdem) sich gegen die Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und dem Süden abschotten, und Brandstiftungen und Gewalt gegen Unterkünfte dieser Menschen bei uns fast schon zum Polizeialltag zählen – dieses Gefühl scheint sich zu verstärken. Angst greift um sich und droht unsere Gesellschaft zu spalten.

Es ist eine fiktive, wenngleich hervorragend auf dem Hintergrund realer Ereignisse unserer Gegenwart recherchierte Geschichte, die von der 16- jährigen Clara handelt. Ihr Alltag ist eher trist, die Eltern haben sich getrennt, ihre Mutter hat ein Verhältnis mit Claras eher linkem Geschichtslehrer, der so tut, als wäre er ihr Vater. Clara widert das alles an.

Umso offener ist sie für die Avancen von Joonas, einem etwa 18 – jährigen, gut aussehenden und unglaublich redegewandten Finnen, in den sie sich verliebt. Genervt von dem linken Einheitsbrei ihres Lehrers und ihrer Mutter, gefällt ihr die nationale Gesinnung von Joonas, die bald schon zu Tage kommt, nicht schlecht.

Doch bald schon streiten sich ihre Faszination für diesen Jungen und ihre Angst vor seinen Schatten in ihr heftig. Joonas wohnt bei einem alten Nazi, und spricht immer wieder von seinem Traum von einer Neuen Finnischen Armee. Um alles besser zu verstehen, recherchiert Clara in Netz. Dabei setzt sie ungewollt einen Journalisten auf seine Spur. Joonas flieht nach Finnland, nimmt Clara mit. Bald schon kommt es zu einer Katastrophe, als er mit zwei Freunden das Haus einer linken Gastronomin im Brand setzt.

Elisabeth Zöller erzählt von hinten und lässt den Leser durch den Polizeibericht, der erhebliche Teile des Romas einnimmt, an Claras Sichtweise, an ihren Gefühlen und Empfindungen teilhaben. Man kann sich gut in dieses Mädchen hineinversetzen, die nach der Trennung der Eltern nach einem Halt sucht und ihn zunächst in Joonas findet. Lange lässt Zöller dessen wahre Beweggründe im Dunkeln, sodass sich der erwachsene Leser mehr als einmal fragt, was man selbst als junger Mensch in sich einer Situation wohl getan hätte. Man erinnert sich an eigene Radikalisierungen, nur damals nach links, die einem heute die Schamröte ins Gesicht treiben.

Für Jugendliche ist Elisabeths Zöllers Roman eine Einladung zum Nachdenken. Es ist ein engagiertes Buch mit Ecken und Kanten, das sie stark machen möchte, den schnellen und leichten Erklärungen fremdenfeindlicher Gesinnungen Widerstand entgegenzusetzen. Von diesem wird die Generation der heutigen Jugendlichen in den ihres Erwachsenwerdens noch eine ganze Menge brauchen.