This is not a love song

 

 

 

 

44192718z

 

Jean-Philippe Blondel, This is not an love song, Deuticke 20916, ISBN 978-3-552-06293-1

 

Ähnlich wie in seinem letzten Buch „6 Uhr 41“, einem kleinen, unterhaltsamen und in seiner Thematik doch tiefgründigen Roman, beschreibt der französische Autor in seinem neuen kurzen Roman “This is not an love song“  eine Geschichte, zu einem reizvollen Thema, das sicher schon jeden Menschen mindestens einmal in  seinem Leben beschäftigt hat: was wäre gewesen, wenn?

Protagonist und Ich-Erzähler des Romas ist Vincent, ein in England lebender Franzose, der dort mit einem Freund eine sehr erfolgreiche Unternehmenskette für hochwertiges Fast-Food aufgebaut hat, nachdem es lange in seinem Leben so ausgesehen hatte, als würde er nichts zustanden bringen.

Über Nacht teilt ihm seine englische Ehefrau mit, dass sie eine Auszeit für ihre Ehe brauche:

„Dann erklärte sie mir, das sei bestimmt nicht der Auftakt zu einer Trennung oder der Vorwand für ein amouröses Abenteuer. Sie brauche einfach nur eine kleine Auszeit.“ Gleichzeitig schlägt sie ihm vor, diese Zeit doch zu nutzen und seine Eltern und seine Familie in Frankreich zu besuchen. Sie indessen werde eine Woche lang gar nichts tun und ausspannen. Vincent stimmt zu uns reist ab.

Vermeintlich schon lange vergangen und abgehakt, spürt er, in seinem Heimatort angekommen, sofort, wie ihn seine Vergangenheit einholt: Seine Eltern, die Langeweile des Dorfes, eine ehemalige Jugendliebe, sein Bruder und dessen Frau, mit der ihn keine großen Sympathien verbinden: Sehr rasch merkt er, wie viele unaufgeräumte Punkte es aus seiner Jugendzeit noch gibt.
„Ich schließe die Augen und erstelle im Kopf eine Liste der Dinge, die ich in dieser Woche in Frankreich machen will. Das beste Mittel, um einzuschlafen. Natürlich etwas Zeit mit meinen Eltern verbringen. Meinem Vater helfen, den Hauseingang neu zu streichen, das ist bei ihm eine richtige Obsession geworden … Versuchen, mit Jérôme zu reden – auch wenn keine große Hoffnung besteht, dass das irgendetwas bringen könnte … Vielleicht zufällig Fanny über den Weg laufen. Nein, es nicht dem Zufall überlassen. Sie anrufen und nicht wieder auflegen.“

Doch es kommt anders. Zwar trifft er seine Jugendliebe Fanny zufällig und kommt auch mit seinem Bruder erstaunlich gut zurecht. Aber als ihm die Frau seines Bruders die Wahrheit über dessen private Probleme offenbart, verwandelt sich die Ich-Erzählung in eine für den Leser nicht immer einfache Mischung aus Realität und Phantasie.

„This is not a love song“ ist ein eigenwilliger Roman, der schnell gelesen ist, aber wegen seiner übertragbaren Familiendynamik mit vielen dunklen und geheimnisvollen Stellen zur Identifikation einlädt.  Der Leser wird mitgenommen auf eine spannenden und sehr überraschend Reise in die eigene Jugend und der Erfahrung , dass es keinen besseren Spiegel gibt als alte Freunde.