Berlin-Schöneberg, jrgallery, Thorsten Schlüter

Meine Freundin schickte mir am Nachmittag den Link zur Ausstellungseröffnung von ihrem Kumpel Thorsten – in der JRGallery in der Lützowstraße in Berlin-Schöneberg. Nach einem Blick auf seine Homepage war mir klar: Diese Bilder muss ich mir anschauen. Allerdings fiel somit mein geplanter und heißgeliebter Leseabend (wieder einmal mit Martin Suter) zum Opfer.

Thorsten Schlüter zeigt in der Ausstellung komische Vögel und kecke Hunde, hinreißend schön – und wenn mein Kontostand mir nicht  den Daumen nach unten gezeigt  hätte, wäre ich nun im Besitz eines verschmitzt dreinschaunenden Hundes,  bestimmt eines Gefährten auf Lebenszeit.

Ich begnüge mich also weiterhin mit meinem Schweinehund-Bild, das ich mir vor Jahren einmal geleistet habe. Immerhin erinnert der mich  täglich daran, dass ich mit meinem inneren Vieh verhandeln kann.

Schöneberg im Wandel: wie jeder Bezirk hat auch Schöneberg Schokoladenseiten-Straßen und -Plätze. Diese sind fest in der Hand von Gutverdienern mit Ökotouch,  50+.

Im nördlichen Schöneberg, an der Potsdamer Straße und ihren Nebenstraßen wird seit einigen Jahren verbissen daran gearbeitet, die Gegend wieder hip zu machen. Momentan wirkt sie trotzig, gekünstelt, im Wandel zwischen neu eröffneten Galerien und ranzigen Dönerbuden, alten schrillen Kultlokalen, fragwürdigen Ikonenshops,  neuen teuren Hutgeschäften, dem schicken Variété Wintergarten, umgewidmeten Industriehallen und dem wohl abgefucktesten Straßenstrich der Stadt.

Die Lützwostraße liegt etwa zehn Minuten zu Fuß vom Potsdamer Platz in südlicher Richtung entfernt. Normale Touristen verirren sich nicht in diese Gegend. Mehr oder weniger kunstbeflissene junge Leute schon eher, weil man sich bei Ausstellungseröffnungen preiswerter als in den Bars die Kante geben kann oder zumindest einen soliden Pegel für die restliche Nacht antrinken kann. Und weil es hip ist, sich für Kunst zu interessieren.