Gebrauchsanweisung für Israel und Palästina

 

 

 

 

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Martin Schäuble, Gebrauchsanweisung für Israel und Palästina, Piper 2016, ISBN 978-3-492-27667-2

 

Im April dieses Jahres, kurz bevor ich das vorliegende neue Buch von Martin Schäuble „Gebrauchsanweisung für Israel und Palästina“ auf den Schreibtisch bekam, las ich das neue Buch des in Israel sehr bekannten Schriftstellers Edgar Keret, „Die sieben guten Jahre“.

In einer Rezension schrieb ich zu diesem sehr persönlichen Buch:

„Zwischen ernsthafter Tiefsinnigkeit, die den Leser im Innersten berührt, wechselt Keret oft auf derselben Seite zur Komik und Groteske, die dem zuvor Tragischen etwas Leichtes und Schwebendes zu geben vermag.

Vielleicht kann man heute in Israel auch nur so leben ohne zynisch und verbittert zu werden – oder auszuwandern.  „Die sieben guten Jahre“ ist ein Buch voller Liebe und Hoffnung.“

 

Martin Schäuble hat lange in dem Land gelebt, über das er jetzt schreibt und unzählige Gespräche mit Menschen geführt, die er dort erwähnt. Ich kenne kaum jemand, der so engagiert und leidenschaftlich sich in den Konflikt, er dort schon seit Jahrzehnten herrscht, persönlich und intellektuell hineinbegeben hat und darüber auch geschrieben hat:

Die Geschichte der Israelis und Palästinenser 2007 (Neuauflage bei DTV 2016)

Zwischen den Grenzen. Zu Fuß durch Israel und Palästina, 2013

 

Das neue Buch will auch dazu helfen, Israel und Palästina zu verstehen, dient aber hauptsächlich für Backpacker und Touristen als eine durchaus unterhaltsame Anleitung für ein Reisen, das der Region und den Menschen dort angemessen ist. Es ist ein Buch, in dem viele Polaritäten zur Sprache kommen. Martin Schäuble hat zu viel gesehen und gelernt in diesem Land, als dass er pauschale Bewertungen vornehmen würde. Er bleibt relativ neutral, vermittelt aber doch fast auf jeder Seite dem Leser die hohe und unlösbare Komplexität dieses Landes und seiner Bewohner.

 

Schäubles Buch kann keine eigene Reise in das Land ersetzen, es kann aber jemanden wie den Rezensenten, der diesen Plan für dieses Leben abgeschlossen hat, auf eine wunderbare Weise entschädigen. Für mich war das Buch eine ideale Ergänzung all der zahlreichen Romane (zuletzt Kerets „Sieben Tage“ und Grossmanns  „Kommt ein Pferd in die Bar“, die ich den letzten Jahren aus Israel gelesen habe. Er erzählt viel über den normalen Alltag und die Kultur und die Lebensgewohnheiten der Menschen.

 

Man merkt, dass Schäuble lange dort gewohnt hat. Seine Schilderung ist unverkrampft. Er schlägt sich auf keine Seite, weil er nicht den Anspruch hat  den Konflikt zu lösen oder zu wissen wie es geht. Er wird nicht lösbar sein.