SOS Europa

 

 

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Gottfried Heller u.a., SOS Europa. Wege aus der Krise- ein Kompass für Europa, Finanzbuch Verlag 2016, ISBN 978-3-89879-984-3

 

Schon 2014 hatte  der ehemalige Straßenkämpfer, Taxifahrer und Bundesaußenminister Joschka Fischer sich mit einem leidenschaftlichen und engagierten Plädoyer für die Zukunft Europas in seinem Buch “Scheitert Europa?“ eingesetzt. Trotz aller Probleme und Krisen seit dem großen Knall der Finanzkrise 2009 war für ihn, sich auf Winston Churchill berufend, klar:

 

Der Weg zu dem Ziel der Vereinigten Staaten von Europa muss konsequent weitergegangen werden, wobei ein ganz besonderer Wert gelegt werden muss auf die Herausbildung einer europäischen Demokratie. Deutschland und Frankreich macht er dabei als entscheidende Faktoren dafür aus, ob dieser Prozess gelingt.

Ich war in einer Rezension damals skeptisch:
„Ich muss gestehen, dass ich bei aller Würdigung des Buches, sehr skeptisch bin, ob dieser Prozess gelingen kann. Zu schnell, zu unüberlegt ist die EUR in den letzten zehn Jahren durch Ländern erweitert worden, die weder ökonomisch noch rechtsstaatlich in diesen Kreis passten. Zu eigennützig und nationalistisch agieren viele Länder, als dass man sich ernsthaft vorstellen könnte, sie wären bereit, noch mehr nationalstaatliche Kompetenzen an eine zentrale europäische Regierung abzugeben. Die vielen eurokritischen und -feindlichen Parteien in den meisten Mitgliedsstaaten kommen ja nicht von ungefähr. Sie drücken eine Stimmung in der Bevölkerung aus, die für die Zukunft Europas in Fischers Sinne wenig Gutes erhoffen lässt.“

 

Über zwei Jahre später hat sich die Situation in Europa noch weiter zugespitzt. Die unbewältigte Flüchtlingsfrage, Terroranschläge in großen Hauptstädten und der Provinz, der Brexit, mit dem niemand ernsthaft rechnete und eine völlig unverständliche und ruinöse Politik der Europäischen Zentralbankhaben die Idee eines geeinten Europa in noch weitere Ferne rücken lassen.

 

Die Beiträge in dem hier vorliegenden Buch SOS Europa greifen in mehreren Ansätzen und Zugängen diese Thematik auf und zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven „Wege aus der Krise“ auf.

Am ehesten fassen die Stichworte Ulrich Horstmanns am Ende des Buches die neue Weichenstellung zusammen:

  • Mehr Föderalismus (statt planwirtschaftlichem Zentralismus)
  • Handeln im Einklang mit christlich-freiheitlichen Werten
  • Wettbewerb um neue Ideen
  • Stärkung der Eigenverantwortung der Bürger
  • Sicherung des demokratischen Ringens um die besten Lösungen

 

Ich muss zugeben, dass sich meine Skepsis aus 2014 auch nach der Lektüre dieses Buches nicht verändert hat. Klar ist aber auch: es gibt keine realistische Alternative eines reformiertem, konföderalen Europas, das gemeinsam seine inneren Krisen löst und auch gemeinsam in der Welt seine Stimme erhebt und handelt. Zu wichtig sind die von außen (aber auch von innen durch die vielen Populisten) kommenden Bedrohungen, als dass man nicht alles tun müsste, um an Europa nicht nur festzuhalten, sondern es auch weiter zu entwickeln.