Der Mittagstisch

 

 

 

 

 

45014102z

Ingrid Noll, Der Mittagstisch, Diogenes 2017, ISBN  978-3-257-24370-3

 

Mit den Büchern von Ingrid Noll geht es mir seit Jahren so ähnlich wie mit den Brunetti – Romanen von Donna Leon, die wie Nolls Romane ebenfalls bei Diogenes in Zürich erscheinen.  Weil ihre Vorgänger so überaus erfolgreich waren, neigen die Autorinnen dazu, auch im nächsten,  von einer treuen und nicht kleiner werdenden Fangemeinde sehnlichst erwarteten Buch mit dem gleichen Strickmuster zu arbeiten.

 

Bei Ingrid Noll sind es vorzugsweise Frauen, die, mit viel schwarzem Humor beschrieben, auf die eine oder andere geniale Weise unliebsame Zeitgenossen entsorgen und sie sich vom Hals schaffen.

 

Im neuen Buch ist es die alleinerziehende Nelly, Mitte dreißig,  die sich  mit der Einrichtung eines Mittagstisches in ihrem Haus eine steuerfreie Nebeneinkunft zu sichern glaubt. Offiziell kocht  die begnadete Köchin nur für Freunde, und glaubt, deshalb kein Gewerbe anmelden zu müssen.

 

Und so beschreibt Ingrid Noll einen illustren Kreis von Mittagsgästen, wobei Nelly insbesondere den Männern  große  Aufmerksamkeit  widmet.  Doch als ihr Lieblingsgast Markus eines Tages  seine Freundin Grete mitbringt, ist es mit  der Gastfreundschaft vorbei. Nelly beginnt zu handeln, wobei ihr ihre genauen  Kochkenntnisse sehr behilflich sind.

 

Wie in allen früheren Romanen bietet  Ingrid Noll köstliche und leichte Unterhaltung mit Menschen, deren böse Seite ihrer  Persönlichkeit sie vorzugsweise  zum Ausdruck bringt und mit selbstbewussten  Frauen, die meist ohne strafrechtliche Folgen sich Probleme vom Hals schaffen.

 

Witzig und überaus amüsant  ist eine solche Lektüre  und ihre treuen  Fans wünschen sich von der agilen Achtzigjährigen noch viele weitere  Romane.