Die vielen Namen der Liebe

 

 

 

 

 

 

Kim Thuy, Die vielen Namen der Liebe, Kunstmann 2017, ISBN 978-3-95614-168-3

 

Schon in ihrem ersten Buch „Der Klang der Fremde“ (2010), mit dem die in Montreal lebende Schriftstellerin Kim Thuy autobiographisch ihre Kindheit in Saigon und die Flucht der Familie als „boat people“ schilderte, versuchte sie in zum Teil sehr kurzen fast epigrammatischen Texten sich an ihren Vergangenheit und ihre große Familie zu erinnern.

 

Auch in „Der Geschmack der Sehnsucht“ (2014) setzte diese Erinnerungsarbeit fort. So wie ihr neues , hier vorliegende Buch ist es ein bewegendes und eindrückliches literarisches Werk, durchzogen von einer tiefen Dankbarkeit an das Leben, das es bei allem Leid und allem erlebten Schrecklichen doch gut mit ihr gemeint hat.

 

„Die vielen Namen der Liebe“ reflektiert, wieder stark autobiographisch geprägt, die Bedeutung von Heimat und Fremde und fragt am Beispiel der Geschichte der Protagonistin Vi, wie etwas Vertrautes fremd wird und das ursprünglich Fremde vertraut.

 

In der Ich-Form erzählt Vi, wie sie als achtjähriges Mädchen mit der Mutter und den drei Brüdern aus Vietnam flieht, weil sie unter dem neuen kommunistischen Regime nicht mehr leben wollen.  Sie schildert das Leben in einem Flüchtlingslager in Malaysia und ihren Neuanfang in Kanada.

 

In Ausschnitten hat Kim Thuy in den beiden ersten Büchern diese eigene Geschichte schon erzählt. Sie wird nun noch plastischer, mehr Einzelheiten ihres langen Weges in die Freiheit der Fremde werden erzählt.

 

Vor allen Dingen aber berichtet sie dieses Mal davon, wie die erwachsene Vi nach Vietnam zurückkehrt und sich dort vollkommen fremd fühlt.

 

„Die vielen Namen der Liebe“ bildet mit den beiden ersten Büchern eine nicht nur biographische, sondern auch eine literarische Einheit.

 

Ein wunderbar poetisches Werk über die Kraft der Sehnsucht und der Liebe, und wie sie über ungeahnte Weiten und Hürden tragen kann, auch in einem neuen Leben in der Fremde.