Wenn du über den Fluss gehst

 

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Genevieve Damas, Wenn du über den Fluss gehst, Graf 2015, ISBN 978-3-86220-042-9

 

Die belgische Schriftstellerin Genevieve Damas taucht in ihrem von dem Nobelpreisträger Jean-Marie Le Clezio entdeckten und protegierten Debütroman ein in die harte Welt einer Bauernfamilie. Der junge Schweinehirt Francois kann nicht lesen und nicht schreiben. Jeden Tag hütet er seine Tiere, wobei ihm ein zartes Ferkel mit seinen intelligenten Augen besonders angetan hat. Dort, bei seinen Lieblingsschweinen Oscar und Hyménée sucht der arme Junge Trost, weil die Menschen, hauptsächlich sein Vater und seine schon großen Brüder, das vorenthalten, was er eigentlich braucht.

Seit seine Schwester Maryse, den Fluss überquert hat und nicht mehr wiederkam, ist er fast täglich den Schlägen seines Vaters ausgesetzt. Immer wieder warnen ihn Vater und Brüder, niemals über den Fluss hinauszugehen, dorthin wo „das Leben einen fortreißt und von wo man niemals als derselbe zurückkehrt.“

Aber dann fasst er Vertrauen zu Roger, dem Dorfpfarrer, und zu Amélie, dem Mädchen mit dem roten Kleid. Von beiden erfährt er von dem Geheimnis der Buchstaben und lernt lesen. Er lernt die Welt der Bücher kennen und die erschütternde Wahrheit seiner Herkunft wird ihm sukzessive offenbar. Als er endlich weiß, was mit denen geschieht, die den Fluss überqueren, ist er selbst bereit. Er packt seine Sachen und macht sich auf den Weg.

Genevieve Damas hat eine berührende und poetische Geschichte aufgeschrieben, die sie Francois selbst erzählen lässt. Die Verwandlung dieses Jungen von einem fast sprachlosen naiven Kind zu einem neugierigen und mutigen jungen Mann, ist große Sprachkunst. Ein poetischer und literarischer Schatz.

Auf die Veröffentlichung ihres zweiten Romans Histoire d’un bonheur, Paris 2014, darf man gespannt sein. Hoffentlich nimmt sich nach dem Aus für den Graf Verlag ein anderer Verlag dieses Buches an.