Ein Mann, der fällt

 

 

 

 

 

Ulrike Edschmid, Ein Mann, der fällt, Suhrkamp 2017, ISBN 978-3-518-42581-7

 

Schon in ihrem 2013 erschienen Roman „Das Verschwinden des Philip S.“ hatte die 1940 geborene und in Berlin lebende Schriftstellerin Ulrike Edschmid ihr Vermögen unter Beweis gestellt, von den dramatischen Wendepunkten des Lebens zu erzählen und von den anderen Blick auf die Welt, den man erhält und lernt, wenn man mit solchen Krisen konfrontiert ist und sie bewältigen muss.

 

Auch wenn sie am Ende ihres neuen, kleinen Romans in einer Nachbemerkung betont, dass  „keine Person, kein Ort und kein Geschehen mit der Wirklichkeit gleichzusetzen“ sei, ist es doch eine wahre Geschichte , die sie da erzählt, und man geht nicht fehl in der Annahme, dass die Ich-Erzählerin starke autobiographische Züge trögt und Ulrike Edschmid das Erzählte in der einen oder anderen Form so erlebt hat.

 

Der Roman beschreibt die Geschichte einer Liebe, die, kaum hat sie begonnen, durch einen tragischen Unfall sich vor eine kaum vorstellbare Belastungsprobe gestellt sieht.

 

Als das frisch verliebte Paar im Jahr 1986 die erste gemeinsame Wohnung in Berlin renoviert, fällt der Mann beim Streichen von der Leiter und bleibt bewegungslos liegen. Er kann wie durch ein Wunder gerettet werden, doch fortan wird das gemeinsame Leben davon bestimmt sein, was die Beine des Mannes noch zu leisten imstande sind.  Die Wohnung selbst bleibt Beobachtungsstation und Zufluchtsort, während draußen das Leben nicht nur immer schneller, sondern auch roher und gewalttätiger wird.

 

Ulrike Edschmid gelingt es in diesem Roman, auf nur 200 Seiten nicht nur die Geschichte eines Mannes zu beschrieben, der sich ins Leben zurückkämpft und einer Frau, die diesem Ziel ihr eigenes Leben unterordnet, sondern auch in einer literarisch gelungenen Verdichtung eine Stadt und die Veränderungen zu beschreiben, die sie wie kaum eine andere Stadt in diesem Zeitraum erfahren hat.

 

Die authentische Geschichte trifft in ihrer Reduktion und Verdichtung den Leser auf eine subtile Weise. Ohne dass er es zunächst merkt, wird er in das in diesem Buch erzählte und gelebte Leben verstrickt und kann es bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen.

 

Ein beeindruckender Roman, der es wert wäre, auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2017 gesetzt zu werden.