Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen

 

 

 

 

 

 

 

Axel Hacke, Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen, Kunstmann 2017, ISBN 978-3-95614-200-0

 

Das neue Buch des SZ-Kolumnisten und Bestsellerautors Axel Hacke ist ein nachdenkliches Plädoyer für „Anstand in schwierigen Zeiten“. Natürlich ist Anstand ein schwammiger Begriff, atmet viel 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Wurde damals unter diesem Begriff meist noch auf Manieren etc. geachtet, geht es Axel Hacke in seinem lesenswerten und so gar nicht besserwisserischem Buch hauptsächlich darum, dass wir in unserer gegenwärtigen Gesellschaft weitflächig den Respekt voreinander verloren haben.

 

Die angeblich „sozialen“ Netzwerke sind der Ort, wo sich der Verlust des Anstands so häuft, dass insbesondere ihre Anonymität Menschen ermutigt und verführt, in regelrecht steinzeitliche Verhaltensformen zurückzufallen und die das Übelste hervorbringen, was in ihnen steckt. Das Individuum ist alles, der Gemeinsinn, die Solidarität nichts mehr.

 

Es ist keine Frage, dass das, was unsere und im Übrigen auch andere Gesellschaften zusammenhält und ihr Stabilität gibt, dadurch extrem gefährdet ist. Axel Hacke führt viele Beispiele auf, z.B. die Frage, wie jemand zum Präsident der USA werden kann, der die Respektlosigkeit und den Narzissmus zum Rezept seiner Politik macht. Oder das, was mittlerweile insbesondere nach Unfällen auf unseren Autobahnen alltägliche Praxis ist an Gaffen und Rücksichtslosigkeit.

 

Vieles, was er beschreibt, hat er in Dialoge mit einem Freund gekleidet, was das Buch gut lesbar macht. Er nennt den Anstand eine „Sache jedes Einzelnen und damit eine Sache von uns allen.“

 

Ein wichtiges Buch, das unaufgeregt viele Missstände beschreibt und dennoch die Hoffnung nicht aufgibt, dass viele Einzelne dazu beitragen können und werden, sie zu beheben.