Die Nacht von Rom

 

 

 

 

Giancarlo de Cataldo, Carlo Bonini, Die Nacht von Rom, Folio 2016, ISBN 978-3-85256-700-6

 

Als Papst Franziskus im März 2015 an eigentlich erst 2025 wieder stattfindendes außerordentliches Heiliges Jahr mit den Worten „Das ist die Zeit der Barm­herzig­keit. Es ist wichtig, dass die Gläubigen sie leben und in alle Gesell­schafts­bereiche hinein­tragen. Vorwärts!““ ankündigte, da stöhnten die Römer auf, würden doch statt der 13.4.Millionen Touristen im Jahr 2014 möglicherweise fast 33 Millionen über die Stadt herfalle-.

 

Wie soll man sie alle unter­bringen, wie verkös­tigen, wie trans­portieren, wie ihren Müll entsorgen, wo doch all das mit den fast drei Millionen Römern kaum gelingt? Die Infra­struktur Roms ist ein ewiges Provi­sorium, und seit der Regierung der 5- Sterne Bürgermeister eine Katastrophe.

Doch nicht wenigen Leute kommt diese Ansage des Papstes sehr gelegen. Ein schon in früheren Zeiten eingeschworene Gruppe von Politi­kern, Unter­nehmern, vatika­nischen Würden­trägern und Clan­führern ehren­werter Gesell­schaften wittert lukrative Geschäfte.

Von ihnen erzählen Giancarlo de Cataldo und Carlo Bonini in ihrem Thriller  „Die Nachht von Rom“ den der Folio-Verlag jetzt in der Über­setzung von Karin Fleischanderl dem deutsch­sprachigen Publikum präsentiert. Die beiden Autoren, Richter der eine, Jour­nalist der andere, sind mit den realen Vorgängen bestens vertraut und können deren fiktionale Dar­stellung deshalb so aufbe­reiten, dass manche Schlüssel­figur und mancher Skandal als Anspie­lung verstanden wird.

Giancarlo de Cataldo und Carlo Bonini haben ein ebenso viel­schich­tiges wie span­nendes, amü­santes wie de­primie­rendes Porträt der ewigen Stadt am Tiber gezeich­net. Trotz Chaos und Verfall strotzt sie vor Vitalität und Über­lebens­willen, Initiative und Geschäfts­tüchtig­keit. Um sich in der öffent­lichen Unord­nung durch­zu­schlagen, helfen Improvi­sations­talent, Egoismus und Rück­sichts­losig­keit, und wer besonders viel davon mitbringt, kann es mit Geschick, Geschenken und Gewalt bis an die Spitze schaffen.

 

Wie in seinen früheren, allein verfassten Büchern geht es Giancarlo De Cataldo um eine gnadenlose Kritik an den politischen Zuständen in der italienischen Gesellschaft. Sein Kollege Camilleri hat seine Thriller in einer Kritik in Italien als „ein gigantisches Fresko einer globalen Niederlage, einer Niederlage nicht nur seiner Protagonisten, sondern unserer Gesellschaft insgesamt“ bezeichnet.

 

Da stimmt wohl.