Trump verrückt die Welt. Wie der US-Präsident sein Land und die Geopolitik verändert

 

 

 

 

 

Ansgar Graw, Trump verrückt die Welt. Wie der US-Präsident sein Land und die Geopolitik verändert, Herbig 2017, ISBN 978-3-7766-2807-4

 

Dieses aktuelle Buch des langjährigen USA Korrespondenten der WELT, Ansgar Graw wurde in mit dem „Journalisten Award 2017“ ausgezeichnet und liefert viele neue erhellende Informationen und Eichsichten zum dem Phänomen Trump. Es wird sicher nicht das letzte bleiben, denn der Erklärungsbedarf von Trumps Wesen wird nicht nachlassen, im Gegenteil.

 

Für die ganze eine furchtbare Zumutung, ist sich Trump der Unterstützung seiner Wählerschaft nach wie vor sicher. Ansgar Graw schöpft aus acht Jahren Erfahrung in den USA, Reisen durch das ganze Land, wenn der Donald Trump vor aller aktuellen Empörung in einen politischen, gesellschaftlichen und erfreulicherweise auch historischen Kontext setzt. Bei der Wahl Trumps hat sich die USA in mehrere Bruchlinien gespalten, Brüche, die schon lange schwelten und nun sich verfestigen, sodass manche nach den Unruhen von Charlottesville schon von einem möglichen neuen Bürgerkrieg sprachen.

„Die Amerikaner sind so uneinig wie nie zuvor nach dem Sezessionskrieg im 19. und der Bürgerrechtsbewegung im 20. Jahrhundert. Ein Ausdruck dessen war, dass Trump zwar die electoral vote der Wahlleute klar für sich entschied, aber Clinton in der popular vote der Direktstimmen mit einem Vorsprung von fast 2,9 Millionen Stimmen deutlich vor ihm landete.“

Ansgar Graw zeichnet in seinem Buch ein ausführliches Bild der familiären und politischen Biographie Trumps – inklusive seiner zahlreichen politischen Kehrtwenden, zweifelhaften geschäftlichen Usancen und unzweifelhaften charakterlichen Schwächen. All das, was die Welt seit seinem Wahlkampf empört – es ist nicht neu. Trump bleibt sich treu. Er ist Teil und Ausdruck eines historischen Stranges der amerikanischen politischen Kultur, des politischen Populismus.

 

Graw ist der Überzeugung, dass auch in einer Zeit nach Trump (mit oder ohne Amtsenthebungsverfahren) diese Brüche und Kontinuitäten bleiben werden.  Dabei bleibe Europa auf die USA angewiesen, sagt er und kritisiert kürzliche Äußerungen Angela Merkels, Europa könne sich nicht mehr auf die USA verlassen:

„Insbesondere für Deutschland wäre eine neue Mittellage zwischen Amerika und Russland fatal, weil sie Misstrauen bei allen Nachbarn, den Polen und Franzosen allen voran, wecken würde. Darum sollte Berlin seine Rüstungsanstrengungen erheblich stärken, aber zugleich intensiv daran arbeiten, dass die deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht verwechselt werden mit der Präsidentschaft des Donald Trump. Außenpolitik ist an Interessen orientiert, nicht an einzelnen Akteuren. Europa muss die USA davon überzeugen, dass die gemeinsamen Interessen überwiegen.“

 

Ein wichtiges, kluges, differenziertes und wohltuend unaufgeregtes Buch.