Das Gift

 

 

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Samanta Schweblin, Das Gift, Suhrkamp 2015, ISBN 978-3-518-42503-9

 

Nach ihren bemerkenswerten Erzählungen „Die Wahrheit über die Zukunft“ , mit denen Suhrkamp 2010 die argentinische Schriftstellerin Samanta Schweblin einem deutschen Publikum vorstellte, präsentiert der Verlag nun ihren ersten Roman, der in ihrer Heimat gefeiert wurde und nicht nur deshalb wohl in über 20 Ländern gleichzeitig erscheint.

Es ist ein vom Umfang her dünner Roman, der es aber in Inhalt und Stil mit den Großen aufnehmen kann. Irgendwo im argentinischen Landesinneren trinkt ein wertvoller Zuchthengst , der vom Gut der Großgrundbesitzer Sotomayor ausgeliehen wurde, giftiges Wasser. Die Heldin des Romans namens Carla kümmert sich um das Tier, doch sie kann nicht vermeiden, dass ihr Sohn David mit dem giftigen Wasser in Berührung kommt. Das Pferd stirbt, der Sohn kann gerettet werden. Hilfreich ist dabei die „Frau im grünen Haus“, eine Heilerin, die mit Transmigration arbeitet, bei der der Geist den Körper verlässt, sich einen anderen sucht und der Körper wiederum von einem anderen Geist besetzt wird. So wird jedenfalls erklärt, warum sich das Kind nach der Vergiftung so verändert hat in seinem Wesen.

Als viele Jahre später Amanda, eine Frau aus der Stadt, die mit ihrer Familie Urlaub macht, genau diesen David trifft, versucht sie herauszufinden, was damals geschehen ist:

„‚Als ich eine Entscheidung getroffen hatte, gab es kein Zurück mehr, und je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr schien es mir der einzig mögliche Weg zu sein. Ich habe David auf den Arm genommen, und er weinte, vermutlich spürte er meine Angst. Dann verließ ich das Haus. Omar stand mit zwei Männern neben dem Pferd und diskutierte, wobei er sich unentwegt die Haare raufte. Zwei weitere Nachbarn sahen vom hinteren Teil der Koppel aus zu und mischten sich gelegentlich in das Gespräch ein, indem sie ihre Meinung quer über das Feld brüllten. Ich ging weg, ohne dass sie es bemerkten, und gelangte auf die Straße‘, sagt Carla und zeigt ans Ende meines Gartens, hinter das Tor. ‚Dann ging ich zu dem grünen Haus.'“

Als dann auch Amandas Tochter Nina mit dem pestizidverseuchten Wasser in Berührung kommt, wird die ganze Sache sehr verwirrend. Diese Verwirrung , die wohl bewusst von Samanta Schweblin über ihren Text gelegt wurde, durchzieht weite Teile des Buches und schmälern so die Qualität eines Buches, das spannend hätte sein können, spannend und kritisch.

So aber habe ich es eher unsicher aus der Hand gelegt, bin mir aber sicher, dass das dritte Buch dieser Autorin, die derzeit in Berlin lebt, eine neue Chance verdient hat.