Guten Morgen, Abendland. Der Westen am Beginn einer neuen Epoche. Ein Weckruf

 

 

 

 

 

Bernd Ulrich, Guten Morgen, Abendland. Der Westen am Beginn einer neuen Epoche. Ein Weckruf, Kiepenheuer & Witsch 2017, ISBN 978-3-462-05049-3

 

Er steckt den Kopf nicht in den Sand, belässt seine politischen Kommentare und Analysen nicht im Jammern und Klagen über die „Welt aus den Fugen“, sondern Bernd Ulrich, Leiter der Politik-Redaktion der Wochenzeitung „Die Zeit“ entwirft in dem vorliegenden Essayband in insgesamt zehn thematischen Zugängen ein überzeugender politischer Analyse und politischer Bestandsaufnahme ein Epochenbild, das wir in den nächsten Monaten und Jahren in der politischen Kultur unseres Landes und zur Unterfütterung von noch mehr nötigen demokratischen Engagements der Bürger noch dringend brauchen werden und auf dessen Elemente nach der Wahl hoffentlich noch viele zurückkommen werden.

 

Ulrich glaubt, die Erschütterungen der letzten Jahre (Trump, Brexit, Flüchtlingskrise, autoritäre Staaten mitten in der EU) sind notwendig, um der Öffentlichkeit unseres Landes die Augen zu öffnen für die Ursachen, die viel zu lange verdrängt worden sind: die Wucht, mit der die weltweiten Krisenherde an unser Leben unmittelbar heranrücken, und die grotesken und obszönen Ungerechtigkeiten, die so sichtbar werden und die sich die Opfer nicht mehr bieten lassen, bei uns und weltweit …

 

Für Deutschland und erst recht für Europa sieht er eine Zukunft weisen als Mittler zwischen Ost und West und als Kümmerer für Afrika. Bei aller zum Teil sehr ernüchternder Analyse, die zeigt, dass die alten Zeiten endgültig vorbei sind, gibt Ulrich die Hoffnung nicht auf wenn er am Ende schreibt: „Am Ende wird der Wille zur Demokratie einen Weg zur Gerechtigkeit finden.“

 

Möge er Recht behalten und mögen sich auch nach der Wahl zum Bundestag dort und in einer kritischen Öffentlichkeit genug Stimmen finden, die in diese Hoffnung miteinstimmen und ihre Politik danach ausrichten.