Stern geht

 

 

 

 

 

Thomas Heerma van Voss, Stern geht, Schöffling & Co. 2016, ISBN 978-3-89561-207-7

 

Thomas Heerma van Voss ist ein 19090 geborener niederländischer Autor, der dort seit einiger Zeit  als eines der größten literarischen Talente gilt.  Mit „Stern geht“ hat er im vergangenen Jahr bei dem Frankfurter Verlag Schöffling & Co seinen ersten, von Ulrich Faure übersetzten Roman auf Deutsch vorgelegt, der leider hierzulande von der Kritik kaum wahrgenommen wurde.

 

Dabei ist es ein durchaus lesens- und bemerkenswertes Porträt eines älteren Mannes namens Hugo Stern, dessen Leben sich nach seinem unfreiwilligen Vorruhestand – er arbeitete sein Leben lang als Grundschullehrer- sich dramatisch verändert. Innerhalb kürzester Zeit gibt er alle Ansprüche an sein Leben, die er vorher hoch hielt, auf. Er denkt nach über seine Kindheit in einem kleinen Dorf, dessen Enge dann abgelöst wurde von einem Aufenthalt in London in den sechziger Jahren. Froh jedoch machte ihn das auch nicht.

 

Er denkt an die Lieb zu seiner Merel, die sich ihm nach seinem erzwungenen Ruhestand immer mehr entfremdet. Allein sein adoptierter Sohn scheint ihm Halt zu geben, doch auch der wird größer und entzieht sich dem Vater immer mehr.  Immer mehr zerbröckelt Sterns bisheriges Lebensnetz aus Vertrautem und Sicherheit Gebenden.

 

Doch Stern bleibt dabei nicht stehen. Bald schon verblüfft er seine Umgebung mit einer ungeahnten Kompromisslosigkeit und bringt sich selbst damit in große Schwierigkeiten.

 

„Stern geht“ ist ein seltsam bedrückender Roman, der gleichwohl berührt, thematisiert er doch ein Phänomen, mit dem sich mehr Männer ab 60 konfrontiert sehen, als man denkt. Thomas Heerma van Voss, selbst noch jung, gibt diesen Männern mit seinem Protagonisten Stern eine Stimme und eine Gestalt.