Was auf dem Spiel steht

 

 

 

 

 

Philipp Blom, Was auf dem Spiel steht, Hanser 2017, ISBN 978-3-446-25664-4

 

Es ist ein besorgniserregender Sachverhalt und Tatbestand, den der Historiker und Romancier Philipp Blom in seinem neuen Buch „Was auf dem Spiel steht“ konstatiert.

 

Nichts weniger als die in der Aufklärung erkämpften und entstandenen Werte wie Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit stehen in unseren Gesellschaften auf dem Spiel. Die westlichen Gesellschaften stehen in den kommenden Jahren vor einer prekären Wahl: radikale Marktliberale einerseits, autoritäre Populisten andererseits.

 

Beide haben sie keine wirklichen Lösungen für die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Immer wieder zeigt Blom mit leidenschaftlicher Überzeugung, dass nur eine illusionslose Sicht auf die Gegenwart, gespeist von einer fundierten historischen Kenntnis von Geschichte und Gegenwart unsere humane Gesellschaft retten kann. Die Überzeugung, dass allen Menschen ein freies Leben zusteht, ist unveräußerlich.

 

Darin ähnelt Bloms Buch sehr dem Weckruf von Bernd Ulrich, der ungefähr zeitgleich unter dem Titel „Guten Morgen, Abendland“ bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

 

Dort entwirft er in überzeugender politischer Analyse und politischer Bestandsaufnahme ein Epochenbild, das wir in den nächsten Monaten und Jahren in der politischen Kultur unseres Landes und zur Unterfütterung von noch mehr nötigen demokratischen Engagements der Bürger noch dringend brauchen werden und auf dessen Elemente nach der Wahl hoffentlich noch viele zurückkommen werden.

 

Ulrich glaubt, die Erschütterungen der letzten Jahre (Trump, Brexit, Flüchtlingskrise, autoritäre Staaten mitten in der EU) sind notwendig, um der Öffentlichkeit unseres Landes die Augen zu öffnen für die Ursachen, die viel zu lange verdrängt worden sind: die Wucht, mit der die weltweiten Krisenherde an unser Leben unmittelbar heranrücken, und die grotesken und obszönen Ungerechtigkeiten, die so sichtbar werden und die sich die Opfer nicht mehr bieten lassen, bei uns und weltweit …

 

Für Deutschland und erst recht für Europa sieht er eine Zukunft als Mittler zwischen Ost und West und als Kümmerer für Afrika. Bei aller zum Teil sehr ernüchternder Analyse, die zeigt, dass die alten Zeiten endgültig vorbei sind, gibt Ulrich die Hoffnung nicht auf wenn er am Ende schreibt: „Am Ende wird der Wille zur Demokratie einen Weg zur Gerechtigkeit finden.“

 

Mögen Bloms und Ulrich Hoffnungen Wirklichkeit werden. Die Alternative scheint im Augenblick jedoch übermächtig.