Religion als Sprengstoff

 

 

 

Melanie Wolfers, Andreas Knapp, Religion als Sprengstoff, Bene Verlag 2018, ISBN 978-3-960340-004-9

 

Gehört der Islam nun zu Deutschland oder nicht? Eine 2010 vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff ausgelöste höchst kontroverse innergesellschaftliche Debatte hat in den letzten Tagen und Wochen, kaum dass die neue Regierung im Amt war, eine neue Renaissance erfahren, deren Ende noch lange nicht abzusehen ist. Viele Politiker und Medien haben der Verneinung dieser Frage durch Horst Seehofer und anderen zum Teil heftig widersprochen, während seriöse Umfrage zeigen das über 70% der Bevölkerung ihr zustimmen. Ob sich hier wohl das Phänomen wiederholt, das wir aus dem Jahr 2015 kennen, als alle Bedenken der Bürger über die hohe Zahl vor allem junger männlicher und muslimischer Flüchtlingen sofort in einer selten zuvor gekannten Einigkeit der Medien in die rechte Ecke gestellt wurden?

 

Tatsache ist, Flüchtlinge hin oder her, dass Menschen muslimischen Glaubens, die diesen auch praktizieren, auf Dauer in unserer Gesellschaft leben werden. Unsere tolerante Gesellschaft trägt auch dieser religiösen Tradition durchaus Rechnung. Zugleich aber stellt sich immer mehr die Frage nach den Grenzen dieser Toleranz.

 

Das vorliegende Buch der beiden Theologen Melanie Wolfers (ev.) und Andreas Knapp (kath.) greift mitten in einer Epoche, in der in der westlichen der Prägekraft der christlichen Religion kaum noch etwas zugetraut wird und die sich dennoch angesichts der wachsenden muslimischen Bevölkerung und der sie leitenden Kultur vor großen Herausforderungen sieht, diese Fragen auf.

 

Es richtet sich an Menschen, die angesichts der oben beschriebenen aktuellen Herausforderungen sich mit dem Islam, aber auch mit den eigenen geschichtlichen und religiösen Wurzeln auseinandersetzen wollen. Und es richtet sich an Christen, die vor dem Hintergrund des oft beschworenen Dialogs der Religionen ihren eigenen Glauben und dessen persönliche und gesellschaftliche Bedeutung besser verstehen wollen.

 

Indem sie diesen Lesern auf eine sehr verständliche Weise ein Basiswissen über die beiden Glaubenstraditionen und ihre jeweilige Kultur  vermitteln, leisten sie einen wichtigen und nötigen Beitrag für ein tieferes Verständnis des jeweils anderen.

 

Für den vielbeschworenen interreligiösen Dialog, der kaum schon irgendwo wirklich begonnen hat, weil große Unsicherheit darüber besteht, wie er angelegt sein soll, leisten Melanie Wolfers und Andreas Knapp mit ihrem Buch einen wichtigen, unverzichtbaren Beitrag.