Das Böse es bleibt

 

 

Luca D‘ Andrea, Das Böse es bleibt, DVA 2018, ISBN 978-3-421-04806-6

„Das Böse, es bleibt“ ist der zweite Thriller des Südtirolers Luca D’Andrea. Wieder hat er die spannende Handlung in die raue Bergwelt Südtirols verlegt, in der er sich zweifellos gut auskennt und die er liebt.

Das Buch beginnt mit der dramatischen Flucht von Marlene. Sie ist die Frau eines Kriminellen, den sie verlassen hat und vor dessen furchtbarer Rache sie in ein hoffentlich neues Leben flüchtet. Mitten in den Südtiroler Bergen ist sie mit ihrem Auto in einem Schneesturm unterwegs. Bei sich hat sie einen Beutel mit wertvollen Saphiren, den sie quasi als Entschädigung ihrem Mann aus seinem Safe gestohlen hat. Sie sollen die Versicherung ihres neuen Lebens sein. Wegener, so heißt der Mann, älter als Marlene ist der Chef einer Mafiabande, die mit Erpressungen ihr Geschäft macht. Er wird seine Killer auf sie ansetzen, das ist sicher.

Marlene stürzt im Schneesturm mit ihrem Auto in eine Schlucht. Als sie in einer abgelegenen Berghütte des Alten der sie in der Schlucht gefunden und gerettet hat, erwacht, glaubt sie sich zunächst bei dem wortkargen alten Mann und seinen Schweinen sicher. Simon heißt der kräuterkundige Kauz, der den Hof seiner verstorbenen Eltern bewirtschaftet.

 

Zwischen Marlene und Simon entwickelt sich in den ersten Tagen ihres Aufenthaltes auf dem einsamen Hof ein fast freundschaftliches Verhältnis, bis sie tief im Keller des Hauses Simons Schweine entdeckt und eine immer angsterregendere Ahnung von seinem besonderen Verhältnis zu diesen Tieren, insbesondere zu „Lissy“ bekommt.

 

Doch Marlenes Mann hat schon jemand auf sie angesetzt und er ist schon auf dem Weg zu ihr…

 

Luca D’Andrea nutzt immer wieder wechselnde Erzählperspektiven um zum einen die extrem spannende Handlung ganz langsam und gegen Ende immer schneller voranzubringen, sondern auch um dem Leser die einzelne Charaktere und ihre Vergangenheit vorzustellen. Dies hilft dem Leser, sich mehr und mehr ein Bild zu machen, wie die einzelnen Menschen zu dem geworden sind, was sie heute sind und zu dem kamen, was sie heute antreibt, sie aber auch quält.

 

Es ist, neben den wunderbaren Naturschilderungen, gerade jene besondere Atmosphäre, die dunkle, sich bedrohlich steigernde Ahnung von etwas ganz Bedrohlichem und Schrecklichem, die den Leser das Buch einfach nicht aus der Hand legen lässt, aber auch die Art und Weise, wie sich das Verhältnis zwischen den beiden Hauptfiguren Simon und Marlene langsam aber sicher in eine Richtung verändert, die nichts Gutes ahnen lässt.
Doch es geht nicht nur um Marlene und Simon oben auf dem Berghof. Immer wieder wird auch erzählt von Simon, der seine Edelsteine zurückhaben will und einem sogenannten im Dunkel bleibenden  „Konsortium“, von dem Simon abhängig ist. Und schicken auch sehr schnell ihren besten Mann auf die Spuren von Marlene. Er hat keinen Namen, man nennt ihn „Mann des Vertrauens“ und trotz aller hervorragender Manieren ist dieser Mann, der nie versagt, ein Ungeheuer mit ungeheuerlicher Vergangenheit.

 

Es ist eine Geschichte voller Kobolde und Märchen, Traditionen und altem Wissen. Eine Reise in Gedanken und Erinnerungen, in Träume und Wahnvorstellungen.
„Entweder hatte man Vertrauen, oder man hatte es nicht. Etwas dazwischen gab es nicht.“

 

Es gelingt Luca D’Andrea ganz hervorragend, seine Leser sofort mit hineinzuziehen in diesen Bann und atemlos in der Lektüre fortzuschreiten, die ihn mit immer neuen ungeahnten Wendungen, völlig gefangen nimmt.

 

Ein wirklich empfehlenswerter Thriller, der in 30 Sprachen gleichzeitig erscheint.