Das Buch der seltsamen neuen Dinge

 

 

 

Michel Faber, Das Buch der seltsamen neuen Dinge, Kein & Aber 2018, ISBN 978-3-0369-5779-1

 

Der Schriftsteller Michel Faber ist in der gegenwärtigen Literaturszene eine Ausnahmeerscheinung. Während so mancher fast jährlich einen neuen Roman vorlegt, hat Faber sich für dieses Werk, und als solches muss man es bezeichnen, mehr als sechs Jahre Zeit gelassen.

Es ist ein Roman, der davon erzählt, was der Glaube alles aushalten kann, und es schimmert an vielen Stellen die Trauer um seine Frau durch, die während der Entstehung dieses Romans an Krebs erkrankte und starb.

 

Der Rom erzählt die Geschichte des Geistlichen Peter Leigh, der in einer in der Zukunft liegenden Zeit von dem Großkonzern USIC auf einen ferne Planten namens Oasis geschickt wird. Zu seiner großen Überraschung nehmen die dortigen Bewohner die biblischen Geschichten, die Leigh ihnen erzählt, ganz begierig auf. Sie nennen die Bibel „Das Buch der seltsamen Dinge“.

 

In vielen Briefen berichtet er seiner zu Hause gebliebenen Frau Bea von dieser offensichtlich bequemen Mission. Sie dagegen berichtet in ihren Briefen an ihren Mann Peter von einer alten Welt, in der Erdbeben und Flutwellen ganze Staaten vernichten, Lebensmittel zur Mangelware werden und sich Chais allenthalben ausbreitet. Doch für Peter ist das alles sehr weit weg: „Unter den gegebenen Umständen war es schwierig, Gefühle festzuhalten und ihnen einen Namen zu geben. Er konnte sich allenfalls noch einen Reim auf die Geschehnisse auf Oasis machen, aber auch nur, weil er am selben Ort war. Herz und Verstand waren in seinem Körper gefangen, und sein Körper war nun mal hier.“

 

All das erzählt Michel Faber in einer wunderbar leichten Prosa, langsam und intensiv und den Leser auf betörende Weise mitnehmend. Immer wieder geht es ihm um den Glauben, darum, wie er sich zeigt und war er alles zu ertragen weiß. Der Roman kreist beständig um die Themen Erinnern und Vergessen,  Fremdheit und Vertrautheit, um Nähe und Abschied.

Während seine ursprüngliche Welt der Zerstörung anheimfällt, entfernt sich Peter auf Oasis immer weiter. Die Trauer um seine Frau ist auf vielen Seiten zu spüren. Dennoch hat Michel Faber ein Werk geschaffen, in dem man als Leser ganz aufgeht. Es ist ein besonderer Zauber, der sich langsam über die Lektüre legt und bis zum Ende nicht verschwinden wird.