Den Himmel finden

 

 

 

Erri de Luca, Den Himmel finden, List 2018, ISBN 978-3-471-35171-0

 

Ein namenloser Erzähler ist die Hauptperson von Erri de Lucas neuem Roman „Den Himmel finden“. Er lebt in einem kleinen Bergdorf in Italien, arbeitet als Bildhauer und Restaurator und verdingt sich auch als Bergführer.

 

Eines Tages übernimmt er mit zwei anderen Dorfbewohnern den Auftrag, Flüchtlinge die ins Dorf gekommen waren, gegen Bezahlung über den gefährlichen Weg über die Berge und die Staatsgrenze in Sicherheit zu bringen. Im Gegensatz zu seinen Kameraden, gibt er den Flüchtlingen nach Erreichen des Ziels ihr Geld zurück.

 

Als dieses Verhalten nach ihrer Rückkehr bekannt wird, kommt es zu einer größeren Auseinandersetzung im Dorf über sein Verhalten und das seiner Kollegen, die den einzelgängerischen Erzähler zwingt, das Dorf zu verlassen. Er zieht an einen Ort am Meer. Dort findet er nach langer Suche eine Arbeit. Er soll eine Marmorstatue des Gekreuzigten in Lebensgröße von dem nachträglich angebrachten Lendenschurz „entkleiden“, sodass das männliche Glied, das der Erzähler durchgängig als „Natur“ bezeichnet, wieder zum Vorschein kommt.

 

Er selbst ist nicht gläubig, nimmt aber seinen Auftrag sehr ernst. Und so holt er bei einem Bischof Rat ein, spricht mit einem Rabbiner und lässt sich von einem muslimischen Arbeiter in dessen Religion einführen. Auch im Archäologischen Museum in Neapel lässt er sich beraten. Er lässt sich sogar selbst beschneiden, um sich in den Gekreuzigten, der ja auch beschnitten war, besser einfühlen zu können.

Es ist ein kurzer Roman, der eine Reihe ethischer Aussagen enthält, aber dennoch nicht zu einem theologischen Roman wird, obwohl dem Erzähler, der vorher sich wenig mit dem Glauben befasste, im Laufe seiner Arbeit an der Christusstatue immer mehr vom essentiellen, urchristlichen Gehalt des Glaubens an den Gekreuzigten deutlich wird.

 

Man hat Erri de Luca (68), der als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller Italiens gilt, dort oft vorgeworfen, er schreibe theologischen Kitsch.

Ich habe schon etliche seiner Bücher gelesen und war als Theologe und Christ immer von ihrem theologischen Tiefgang und ihrer menschlichen Ernsthaftigkeit beeindruckt.