Heimliche Versuchung. Commissario Brunettis siebenundzwanzigster Fall

 

 

 

 

 

 

 

Donna Leon, Heimliche Versuchung. Commissario Brunettis siebenundzwanzigster Fall, Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-07019-4

 

Dieser neue, der mittlerweile 27. Roman von Donna Leon mit ihrem Commissario Guido Brunetti aus Venedig hat mir im Gegensatz zu den letzten Romanen wieder richtig gut gefallen. Zwar muss man sich nach wie vor mit einer zunächst langsam sich abzeichnenden Handlung arrangieren und einem Stil, der recht wenig mit anderen Krimis zu tun hat. Leons Romane entwickeln sich in den letzten Jahren zunehmend zu mehr oder weniger resignierten Beschreibungen des bewusst in Kauf genommenen Verfalls einer alten und ehrwürdigen Stadt, die jedes Jahr über 1000 alteingesessene Einwohner verliert und der die Millionen Touristen, insbesondere die, die von den Kreuzfahrtschiffen angelandet werden, den Rest geben. Leon lässt ihren Commissario immer deutlicher darüber reflektieren.

 

Im vorliegenden Buch spricht eines Tages eine alte Bekannte von Brunettis Ehefrau Paolo in der Questura vor. Eine Architekturprofessorin macht sich Sorgen um ihren heranwachsenden Sohn, von dem sie vermutet, dass er Drogen konsumiert. Brunetti wird aus ihren Schilderungen nicht recht klug, zumal sie sich bei seinen Nachfragen nach einem Dealer sehr seltsam verhält.

Kurze Zeit später ruft man Brunetti mitten in der Nacht zu einem Tatort. Ein schwer verletzter Mann liegt neben einer Brücke. Es ist völlig unklar, ob es ein Unfall war oder ob der Mann, der sich als der Ehemann der Professorin, die ihn in der Questura aufsuchte, herausstellt, einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

 

Hat er sich etwa mit dem Dealer seines Sohnes getroffen und die Sache ist aus dem Ruder gelaufen?  Brunetti hat keine konkreten Anhaltspunkte. Er findet keine wirklichen Fakten, geschweige denn einen Täter. In der Questura steht die sonst so korrekte Signorina Elletra unter dem Verdacht , der Ausgangspunkt eines Informationslecks zu sein, was Brunetti extrem irritiert. Dafür ist sein Chef Patta dieses Mal sehr kooperativ und unterstützend.

 

Der Roman war für mich eine unterhaltsame Lektüre. Ich lese Leons Bücher auch schon lange nicht mehr als Krimis, sondern als Milieustudien einer verfallenden Stadt und als Charakterstudien von interessanten Menschen.