Ein zwei Wolken am Himmel

 

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Dörthe Binkert, Ein zwei Wolken am Himmel, Thiele Verlag 2015, ISBN 978-3-85179-333-8

 

Nina Mathis wohnt im Süden Deutschlands. Ähnlich wie ihr Lebenspartner Leo, arbeitet sie in der Buchbranche, er als leitender Angestellter eines Buchverlags, sie als selbständige Künstlerin, die recht erfolgreich mit dem Entwerfen von Buchumschlägen ist. Sie haben Kinderwünsche hinten angestellt und besonders Leo träumt von einem Haus im Süden, wo er seine Ferien verbringen möchte. Ein modernes Paar, das aber zusammen nur an der Oberfläche glücklich ist.

Das wird ganz schnell offenbar, als Nina die Nachricht erhält, dass sie Alleinerbin einer verstorbenen Tante ist. Den Kern des Erbes bildet ein altes Reethaus, in dem die Tante seit langem einen Dorfladen betrieben hat.

Nina fährt sofort gen Norden in den kleinen Ort Nordhült. Dort findet sie sehr schnell die glücklichen Sommer und die Unbeschwertheit ihrer Kindheit wieder und sie fühlt etwas, was sie mit Leo nicht kennt:

„Plötzlich fühlte ich so etwas wie Einverständnis mit meinem Leben. Hier oben gefiel es mir, ich war selbst überrascht, wie deutlich ich das spürte. Es war, als ob die weite, offene Landschaft mir in den Genen läge, meine Mutter, meine Großmutter mir ihre Liebe zu flachen Land vererbt hätten. Warum eigentlich sollte ich mich nicht hier niederlassen, wenigstens versuchsweise?“

Leo ist bei den immer distanzierter werdenden Telefonaten mit Nina entsetzt über solche Gedanken. Zumal er spürt, dass Nina sich auch auf andere Weise von ihm entfernt. Das liegt auch an Ninas Jugendfreund Malte, der in Kiel arbeitet und den Nina in Nordhült wiedertrifft. Der Leser spürt viel eher, als die beiden Jugendfreunde sich das eingestehen wollen, dass sich hier eine neue emotionale Heimat andeutet.

Und nach einigen Verwirrungen und Missverständnissen kommen sich die beiden näher, während die alte Beziehung immer fadenscheiniger wird…

Dörthe Binkert hat einen leichten, unterhaltsamen Liebesroman geschrieben ohne Kitsch, eine Liebesgeschichte, in die man eintaucht und sich in ihrem Zauber verlieren kann. Mit viel sprachlichem Witz und mit viel Liebe zur norddeutschen Kultur und Lebensart verfasst, hat mich das Buch an mehrere Aufenthalte auf Nordstrand erinnert, die nun aber auch schon 40 Jahre zurückliegen.