Ruhe sanft. Kulturgeschichte des Friedhofs

 

 

Rainer Sorries, Ruhe sanft. Kulturgeschichte des Friedhofs, Butzon und Bercker 2011, 330 Seiten, ISBN 978-3-7666-1316-5

 

Der in Erlangen lehrende evangelische Theologe und Professor für christliche Archäologie und Kunstgeschichte, Rainer Sörries, ist nebenbei auch Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel.

 

Schon in mehreren anderen Veröffentlichungen hat er sich als ein profunder Kenner der Geschichte und des Wandels der Bestattungskultur gezeigt. In diesem Buch nun legt er sozusagen die Summe seiner Forschungen vor: eine „Kulturgeschichte des Friedhofs“. Er geht zurück bis in die Antike und verfolgt dann die verschiedenen Bestattungskulturen und -riten quer durch die Geschichten bis in die Neuzeit.

 

Ab da beginnt das bisher nur für kulturgeschichtlich interessierten Leser wichtige Buch eine Aktualität zu entfalten, der sich kein Leser entziehen kann, der auf dem örtlichen Friedhof oder auf irgendeinem anderen Gräber von verstorbenen Angehörigen zu versorgen hat, oder der sich Gedanken darüber macht, wie er selbst einmal bestattet werden möchte in Zeiten, in denen die eigene Kinder schon lange nicht mehr am Ort leben. Für die wachsende Zahl der Menschen, die ohne Nachkommen irgendwann sterben werden, stellt sich diese Frage noch deutlicher. Es ist aber nicht nur diese Entwicklung, die zu einer großen Veränderung in der modernen Bestattungskultur geführt hat. Es ist auch die immer weiter voranschreitende Entchristlichung unserer Gesellschaft und das Auswandern bisheriger Jenseitsvorstellungen, die immer in der Geschichte Auswirkungen auf die Kultur des Friedhofs hatten, in bunte, nicht schwarze Formen der Esoterik.

 

Die manchmal recht trostlosen Trauerfeiern der beiden christlichen Kirchen, die fehlende Individualität bei vielen Ansprachen und Reden haben diese Entwicklung zugespitzt. Freie Trauerredner mit nicht selten erheblicher theologischer, seelsorgerlicher und ritueller Kompetenz haben mittlerweile ein buntes Spektrum an verschiedenen Bestattungsformen und -riten entwickelt. Sie sind wie immer in der Geschichte, ein Spiegel einer sich wandelnden Gesellschaft.

 

Der Blick auf die Geschichte des Bestattens ist somit immer auch ein Blick auf die Geschichte des Menschen und seiner jeweiligen Kultur. Unsentimental diese Veränderungen bis in die aktuelle Gegenwart aufgezeigt zu haben, ist das große Verdienst dieses Buches. Es sollte privatfortbildnerische Pflichtlektüre jedes Menschen sein, der professionell im Bestattungswesen tätig ist.