Spiritueller Missbrauch in der katholischen Kirche

 

 

Doris Wagner, Spiritueller Missbrauch in der katholischen Kirche, Herder 2019, ISBN 978-3-451-38426-4

 

Der massenhafte und weltweite sexuelle Missbrauch von Kindern durch Priester und andere kirchliche Mitarbeiter der katholischen Kirche wird mittlerweile auch von Papst und Bischöfen nicht mehr geleugnet. Die Amtskirche tut sich aber trotz gegenteiliger Beteuerungen nach wie vor sehr schwer damit, die Ursachen dieses Missbrauchs zu benennen und durch Abschaffung des Zölibats und strengere Auswahl ihrer Kandidaten etwa Abhilfe zu schaffen.

 

Die Theologin und Philosophin Doris Wagner, die schon in ihrem vielbeachteten Buch „Nicht mehr ich“ von ihren Erfahrungen berichtete, hat nun in einem neuen Buch erstmals ausführlich die unterschiedlichen Facetten des Phänomens manipulativer Seelenführung im Bereich der katholischen Kirche beschrieben und verdeutlicht diese durch eine Vielzahl realer von ihr recherchierter  Fallbeispiele.

 

Gefährliche „Seelenführer“ sind aus Sekten oder aus evangelikalen Gruppen schon lange bekannt, dass es so etwas wie spirituellen Missbrauch auch in der katholischen Kirche gibt, scheint angesichts des massenhaft aufgedeckten sexuellen Missbrauchs nicht weiter überraschend.

Und es wird an vielen Stellen deutlich, dass eine Kirche, die ihre Botschaft als alleinige Wahrheit versteht, nur sehr schwer damit umgehen kann, wenn nichtgeweihte Gläubige ihren Glauben und ihre Spiritualität selbst definieren.

 

Wagner beschreibt, welche Denkmuster und Traditionen der Kirche diesen Missbrauch begünstigen und macht Vorschläge, wie man ihm vorbeugen kann. Denn trotz ihrer schlimmen Erfahrungen liebt sie ihre Kirche.

Jochen Sautermeister, Professor für Moraltheologie und Direktor des Moraltheologischen Seminars an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn, schreibt in seinem Nachwort zu diesem sich langsam zum Bestseller entwickelnden Buch: „Zur Förderung von spiritueller Selbstbestimmung und zur Verhinderung von geistlichem Missbrauch bedarf es neben theologischer und spiritueller Bildung einer Aufklärung über die Strategien und Dynamiken spirituellen Missbrauchs, wie sie von Doris Wagner sensibel und transparent beschrieben worden sind.“