Dietrich Bonhoeffer. Auf dem Weg zur Freiheit. Ein Porträt

 

 

Wolfgang Huber, Dietrich Bonhoeffer. Auf dem Weg zur Freiheit. Ein Porträt, C.H. Beck 2019, ISBN 978-3-406-73137-2

 

Wie kaum ein anderer Theologe des vergangenen Jahrhunderts ist es Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 auf das persönliche Geheiß Adolf Hitlers kurz vor dem Ende des Krieges noch hingerichtet wurde, der weltweit bis in die Gegenwart nicht nur verehrt und bewundert wird, sondern dessen Lebensbeispiel und dessen Theologie auf der ganzen Welt Menschen nach wie vor dazu ermutigt, konsequent zu glauben und zu handeln.

 

Es sind viele gute und auch heute noch lesenswerte Biographien über diesen mutigen Menschen erschienen und man mag sich fragen, warum es noch ein neues dickes Buch über Dietrich Bonhoeffer braucht.

 

Wolfgang Huber, selbst ein herausragender protestantischer Theologe, der sein Leben lang sich nicht gescheut hat, in seinen theologischen Werken und in seiner bischöflichen Praxis Bonhoeffers „Weg zur Freiheit“ und die Grundlagen seiner theologischen Arbeit fortzusetzen und umzusetzen, hat mit seinem neuen Buch einen anderen Weg gewählt. Er nennt seine Annäherung an Dietrich Bonhoeffer auf dem Hintergrund der Probleme und Herausforderungen seiner eigenen, also auch unserer Zeit, ein Porträt.

 

In insgesamt zwölf Kapiteln führt er seine Leser, und unter ihnen gerade die theologischen Laien an das Denken Dietrich Bonhoeffers heran. Nachdem er in den ersten beiden Kapiteln fragt, wer Bonhoeffer war und seine Entwicklung bis zum Abschluss seiner Ausbildung schildert, geht es in den folgenden Kapiteln um zentrale Themen von Bonhoeffers Leben und Theologie:

  • Die Kirche als Vorzeichen vor der Klammer
  • Billige oder teure Gnade
  • Die Bibel im Leben und in der Theologie
  • Christlicher Pazifismus
  • Widerstand mit theologischem Profil
  • Mut zur Schuld
  • Verantwortungsethik
  • Kein Ende der Religion
  • Polyphonie des Lebens
  • Was bleibt

Das Buch, das ganz ohne Anmerkungen auskommt, aber mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis aufwartet, könnte aktueller nicht sein. Denn gerade die protestantische Theologie braucht bei allem politischen und sozialen Engagement ihrer professionellen Vertreter, das Huber über Jahrzehnte in Deutschland anführte, eine tiefgreifende Erneuerung ihrer theologischen Grundlagen.

 

Dazu kann das Buch helfen und Orientierung bieten. Aber gerade für Zeitgenossen, die nicht theologisch gebildet oder „verbildet“ sind, ist das Buch eine wunderbare Einführung in das Denken und Handeln eines Menschen, der mit seinem Beispiel auch vielen heutigen Menschen, die sich mit dem Zustand der Welt nicht abfinden wollen und nicht an ihrem Glauben verzweifeln wollen ermutigt, eine wichtige und hilfreiche Lektüre.