Herr Kules und der Löwe

Stefanie Klinge-Engelhardt, Barbara Steinitz, Herr Kules und der Löwe, Knesebeck 2018, ISBN 978-395728-014-5

 

Herr Kules ist ein alleinstehender distinguierter Mann, von dem wir nur erfahren, dass er jeden Sonntag in den Zoo geht. Jedes Mal bereitet er sich darauf vor, indem er sich ein Brötchen belegt und es zusammen mit einem Apfel und einer Flasche Saft in seine Tasche steckt. Und weil ihn schlechtes Wetter nicht von seinem Zoobesuchsritual abhalten kann, nimmt er seinen Regenschirm mit.

 

So auch an diesem Sonntag. Doch schon kurz nachdem er seine Eintrittskarte gekauft hat, spürt er, dass heute etwas anders ist. Die Pinguine, die er immer zuerst besucht, sind nicht da. Auch viele andere Tiere, denen er danach begegnet, zeigen ein äußerst seltsames Verhalten. Alle versuchen sich zu verstecken.

 

Da kommt auch schon ein Zoowärter angerannt und ruft laut: „Herkules, ist ein Herkules hier?“ Unser Zoobesucher sagt ganz leise: „Ich bin Herr Kules.“

 

Und ganz schnell hat ihn der Zoowärter, obwohl er dem eher zarten Mann das nicht zutraut, engagiert um den ausgebrochenen Löwen einzufangen und zu bändigen.

 

Und wie der völlig angstlose Herr Kules nun mit dem Löwen spricht, freundlich und zugewandt, ihn auf ein Eis einlädt, wie er es selbst jeden Sonntag tut, irritiert den Löwen gewaltig.

„Hast du gar keine Angst?“ fragt er schließlich den vollkommen lockeren Herrn Kules.  Der antwortet: „Du siehst gefährlich aus, stimmt. Aber ich dachte, vielleicht bis du einfach einsam, weil niemand mit dir redet.“

 

Und der Löwe schaut bekümmert. Er beschließt, sich mit Herrn Kules anzufreunden, der den Löwen in sein Gehege zurückbringt und von den anderen Zoobesuchern als Held gefeiert wird. Der jedoch will das nicht und freut sich lieber, als der Löwe sagt: „Du bist mein Freund!“

 

Und am nächsten Sonntag treffen sie sich wieder. Natürlich erst nach den Pinguinen und den Lamas, aber dafür wieder mit leckerem Eis.

 

Ein wunderschönes und kluges Bilderbuch über den klugen und feinfühligen Umgang mit brüllenden Löwen, die es in jeder Kindergartengruppe gibt.  Es zeigt, dass sich hinter aggressivem Verhalten oft eine bedürftige Seele verbirgt.