Die unbewegliche Kirche. Franziskus und die verhinderte Revolution

 

 

 

Marco Marzano, Die unbewegliche Kirche. Franziskus und die verhinderte Revolution, Herder 2019, ISBN 978-3-451-38751-7

 

Wie groß waren die Hoffnungen auch von Menschen, die sich innerlich schon lange von ihrer Kirche gelöst hatten, als vor fünf Jahren der Argentinier Bergoglio zum Nachfolger des deutschen Papstes Ratzinger gewählt wurde.

 

Und gleich zu Beginn seines Pontifikats schienen sich diese Hoffnungen zu erfüllen. In seiner Sprache, in seinen Gesten, in seinen spirituellen und politischen  Botschaften, aber auch in seinen neuen theologischen Ansätzen zeigte sich bisher so nicht Gekanntes, stellenweise Unerhörtes.

 

Vielen auch nichtkirchlichen Menschen überall auf der Welt, besonders aber jenen sehnsüchtig auf Reformen ihrer geliebten katholischen Kirche wartenden Menschen galt er schnell als Hoffnungsträger, als ein Papst, der es mit seinem Schwung und seiner Freude vielleicht auch schaffen würde, nicht nur als Reformer nach außen zu wirken, sondern auch nach innen in die verkrusteten Strukturen des Vatikans erfolgreich hinein zu reichen.

 

Der Professor für Soziologie an der Universität Bergamo, Marco Marzano gilt durch viele Bücher in der letzten Jahren als ein profunder Kenner der inneren Strukturen des Vatikans und der katholischen Kirche. Er anerkennt in seinem neuen hier vorliegenden Buch durchaus die Leistungen von Franziskus, muss allerdings ernüchtert feststellen, dass der Papst nach hoffnungsvollem Beginn mittlerweile von innen her von seinen Gegnern, die er von Anfang an in großer Zahl hatte, schmachmatt gesetzt wurde. Hielten sie am Anfang des Pontifikats noch die Füße still, treten sie nun unverblümt auf die Bühne und hindern Franziskus an jeglichen inneren Reformen.

 

Marzano beschreibt kenntnisreich und für Kirchenlaien sehr aufschlussreich die zahllosen Gründe für die Blockade. Immer wieder, insbesondere in seinem zusammenfasenden Schlusskapitel zeigt Marzano, wohl auch persönlich ziemlich ernüchtert, auf, dass Franziskus zwar „die Meinungen innerhalb der Kirche in ihrer ganzen Vielfalt miteinander versöhnt und, zum Besten der Organisation, die konfligierenden Gruppen und Interessen zu einem stolzen identitären Gebilde zusammengefügt hat“,  sich aber ansonsten „als betagter, der traditionellen katholischen Identität denkbar zugetaner Priester, als treuer Diener der klerikalen Mentalität, als erste und größtes Hindernis auf dem Weg zu jeder echten strukturellen Reform der Institution erwiesen“ hat.

 

Übrigens: auch für die Zeit nach Franziskus sieht Marzano keine wesentlichen Änderungen am Horizont, ganz im Gegenteil geht er davon aus, dass sich Strukturen noch verfestigen.

 

Keine Hoffnung für aufrechte gläubige Katholiken?