Zuversicht

 

 

 

Mira Magen, Zuversicht, DTV 2018, ISBN 978-3-423-28151-5

 

Mira Magén ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Schriftstellerinnen Israels. Sie ist Anfang der fünfziger Jahre in Kfar Saba  geboren und blieb der orthodoxen, ostjüdisch geprägten Welt ihrer Kindheit bis heute verbunden, was in ihren Romanen auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck kommt, wo die Auseinandersetzungen mit der jüdischen Tradition und dem Glauben meist eine bedeutende Rolle spielt.

 

Sie hat in ihrem Leben verschiedene Stationen durchlaufen, sich immer wieder verändert. So hat sie nach einem Studium der Psychologie und Soziologie als Lehrerin, Sekretärin und als Krankenschwester gearbeitet, bevor sie sich als Schriftstellerin selbständig machte. Sie gründete dazwischen eine Familie mit Kindern und hat auch diese Erfahrung in ihren Romanen immer wieder reflektiert.

 

In ihrem neuen Roman „Zuversicht“, der in Israel 2015 erschien und von ihrer treuen Übersetzerin Mirjam Pressler als eines der letzten Bücher vor ihrem Tod kongenial ins Deutsche übertragen wurde, erzählt die 39- jährige Nava eine Geschichte der Befreiung und Auferstehung in ein neues Leben.

 

Denn als Nava ihren Mann und ihren kleinen Sohn bei einem Autounfall verliert, gibt sie ihren Beruf als erfolgreiche Innenarchitektin auf. Sie kauft in einen Seniorenwohnanlage mit dem Geld, das ihr die Versicherung ausgezahlt hat, eine kleine Wohnung und arbeitet als Kassiererin in einem nahe gelegenen Supermarkt. Sie hat mit ihrem Leben abgeschlossen und versucht  mit aller Kraft, die ihr gebelieben ist, sich der Zukunft zu verweigern. Ein Altenheim als Wohnort, mitten unter alten Menschen ohne Zukunft, scheint ihr der geeignete Ort, um den Rest ihres Lebens zu verbringen.

 

Doch all ihre Versuche, sich vom Leben abzuschließen und den Kontakt zu anderen Menschen zu verweigern, bleiben relativ erfolglos. Denn die alten Bewohner der neuen Seniorenanlage suchen ihre Freundschaft, ein Kollege im Supermarkt lässt nicht locker, ihr sein Herz auszuschütten und da nähern sich ihr Männer, die sie verehren und zu ihrer eigenen  Überraschung ihre Begierde und Leidenschaft neu wecken.

 

Am wichtigsten ist jedoch Navas Bruder Chanan, ein stiller Tischler, der zusammen mit seiner Familie, die zu einer neuen Heimat für Nava wird, auf seine zurückhaltende aber wirksame Weise langsam und behutsam versucht, Nava ins Leben und seine Lebendigkeit zurückzuholen.

 

Alle miteinander zeigen ihr mit ihrer Herzenswärme und Güte zunehmend erfolgreich, dass es auch für sie eine Zukunft gibt und dass auch sie nicht allein ist.

 

„Zuversicht“ ist ein sensibler und berührender Roman über die große Kraft von Freundlichkeit, Liebe und Einfühlung, die es einer beeindruckenden Frau ermöglicht, dem Sog der Trauer zu entkommen und sich neu dem Leben und der Liebe zu öffnen. Mira Magen gelingt es mit ihrer einfühlsamen Sprache in ganz tiefe Ebenen der Leserseele vorzudringen  wenn der sich denn öffnet.

 

Ein Buch, das lange nachwirkt und viel Hoffnung ausstrahlt.