Der Nahe Osten geht nicht unter. Die arabische Welt vor ihrer historischen Chance

 

 

Daniel Gerlach, Der Nahe Osten geht nicht unter. Die arabische Welt vor ihrer historischen Chance, Edition Körber 2019, ISBN 978-3-89684-268-8

 

Seit vielen Jahrzehnten scheint der Nahe Osten als eine Weltgegend, die, von Kriegen, religiösen Konflikten und zunehmender Hoffnungslosigkeit geprägt, nicht selten als möglicher Ausgangspunkt eines großen Weltenbrandes gesehen wird.  Wohin man auch schaut in der Medienlandschaft, dem Mittleren und Nahen Osten wird keine große Zukunft vorausgesagt.

 

Doch für den Orientalisten und Journalisten Daniel Gerlach ist der von allen schon längst totgesagte arabische Frühling noch lange nicht zu Ende. Für ihn, wie er in dem hier vorliegenden Buch „Der Nahe Osten geht nicht unter“ immer wieder aufzeigt, hat 2011 etwas Irreversibles begonnen:

„In jedem Fall handelt es sich um eine epochale Entwicklung, die sich trotz etlicher Bemühungen autoritärer Kräfte in der arabischen Welt nicht mehr ungeschehen machen lässt. Denn sie hat gezeigt: Kein Diktator, kein Autokrat kann mehr sicher sein zu herrschen, bis er an Altersschwäche stirbt. Und absolute Macht ist eine Illusion.“

 

Er zeigt überzeugend optimistisch, dass die arabische Welt, auch wegen ihrer immer jünger werdenden Gesellschaften, Veränderungsprozesse historischen Ausmaßes erlebt, die hierzulande noch kaum angemessen wahrgenommen werden.

 

Gerlach erzählt in seinem Buch von Menschen, die er auf seinen vielen Reisen in die Region getroffen hat. Menschen, die mit ihrem Engagement Hoffnung  machen können auf eine bessere Zukunft. Eine heranwachsende Generation, der er zutraut, dass sie die großen Übel der Region an der Wurzel bekämpfen können. Den Sektarismus etwa, die Trennung zwischen Sunniten und Schiiten und den Konfessionalismus. Denn  „diese Geisteshaltung hat dem Nahen Osten großen Schaden zugefügt. Sie war nicht die Ursache, sehr wohl aber der Brandbeschleuniger für Kriege. Sie stellte die Betriebstemperatur für explosive Reaktionen her. Nach dem Despotismus ist der Sektarismus die zweite große Geißel der nahöstlichen Gesellschaften.“

 

Gerlach weist auf eine Tatsache hin, die bei uns beim Blick auf den Nahen Osten meist vergessen wird. Für ihn sind die jungen Menschen dort nicht nur Opfer, sondern können zu Herrinnen und Herren ihres eigenen Schicksals werden. Er traut ihnen zu, in naher Zukunft schon ihr Leben lebenswerter zu gestalten.

 

Ich muss gestehen, dass mich dieser Optimismus beeindruckt hat, aber nicht meine Skepsis vertreiben konnte, was die Zukunft der arabischen Gesellschaften betrifft