Lernen muss nicht Scheisse sein

 

 

 

Titus Dittmann, Lernen muss nicht Scheisse sein, Benevento 2019, ISBN 978-3-7109-0068-6

 

Immer mehr Eltern müssen beide vollzeit berufstätig sein. Entweder ist sonst das Leben in einer Familie nicht zu finanzieren, oder aber beide wollen nach einer langen Ausbildung arbeiten und sich weiterentwickeln. Außerdem drängen ein leergefegter Arbeitsmarkt und ein immenser Fachkräftemangel die Politik zu Maßnahmen, die es insbesondere Frauen erleichtern, schon bald nach der Geburt ihres Kindes wieder ganz oder teilweise berufstätig zu sein.

Das hat zu veränderten Nachfragen nach der Betreuung der Kinder im Kindergarten oder in der Schule geführt. Durch verlängerte Öffnungszeiten in den Kindertagesstätten, durch Ganztagsschule, Förderunterricht und Ferienbetreuung hat sich der Alltag unserer Kinder so entwickelt, dass er oft einem strengen Stundenplan folgt. Raum für jugendlichen Übermut, für kindliche Neugier, für ein zielloses Sich-treiben-Lassen bleibt kaum. Gleichzeitig werden Selbstbestimmung und persönliche Freiheit in der Erwachsenenwelt noch nie so großgeschrieben wie heute. Doch unsere Kinder haben nichts davon.

 

Durch den Stress der Arbeit und die lange Zeit, die Kinder in Kindergarten und Schule verbringen wird auch eine Tendenz bei vielen Eltern unterstützt, ihre Kinder in der restlichen Zeit  vom Sandkasten bis zum Abitur zu kontrollieren zu korrigieren und zu zensieren. Bekannt geworden als Helikopterphänomen.

 

Der Autor des vorliegenden Buches, Titus Dittmann,  tritt dafür ein, dass wir generell unseren Kindern wieder mehr Freiräume im Alltag zugestehen und ermöglichen.  Denn, davon ist er überzeugt:  zu viel Eltern ist für die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes genauso katastrophal wie zu viel Schule.

 

Unsere Kinder brauchen, bei aller notwendiger elterlichen Fürsorge viel mehr Freiraum, Kreativität und schon früh geübte Eigenverantwortung.

 

In diesem locker geschriebenen Buch können Eltern unter anderem erfahren

– wie Lernen auch ohne den negativen Beigeschmack von Langeweile und Zwang funktioniert
– wie Skateboarden Eigenverantwortung fördert und Orientierung gibt
– warum Kinder erwachsenenfreie Räume brauchen, um stark und selbstbewusst zu werden

Eine Bemerkung des Rezensenten: all das kann natürlich auch ohne Skateboard funktionieren. Es gibt Kinder, wie etwa meinen Sohn, die mit so einem Brett nie etwas anfangen konnten, aber dennoch zu sportlichen, bewegungsfreudigen, selbstbewussten und kritischen jungen Menschen herangewachsen sind.