Ja heißt ja und …Ein Monolog

 

 

 

Carolin Emcke, Ja heißt ja und …Ein Monolog , S. Fischer 2019, ISBN 978-3-10-397462-1

 

Wie können Menschen, Frauen und Männer, Heterosexuelle und Homosexuelle, in der heutigen Zeit, nach der von der MeToo-Bewegung angestoßenen und längst nicht abgeschlossenen Debatte über Sexualität und Lust und in diesem Zusammenhang über Macht und Gleichheit reden und nachdenken? Wie beeinflussen die tausendfachen Missbräuche die Einstellung vor allem junger Menschen zur Sexualität und zum Respekt vor der Würde desjenigen, mit dem sie eine Beziehung eingehen (wollen)?

 

Denn alles kritische und selbstkritische Nachdenken lässt doch die Fragen nicht verschwinden. Und Carolin Emcke stellt in einem selbstkritischen und nachdenklichen Monolog sich und anderen diese Fragen: „Welche Bilder und Begriffe prägen unsere Vorstellungen von Lust und Unlust? Wie lässt sich Gewalt entlarven und verhindern? Wie bilden sich die Strukturen und Normen, in die Männer und Frauen und alle dazwischen passen müssen? Was wird verschwiegen, wer muss ohnmächtig bleiben? Wie lassen sich Lust und Sexualität in ihrer Vielfalt ermöglichen?“

 

Am Ende, zwischen langem Kreisen zwischen Sexualität und Begehren und der Wahrheit, schreibt sie fast flüsternd und sich auf so etwas wie Hoffnung beziehend:

„Am Anfang ist immer der der Zweifel. Manchmal wünschte ich, ich könnte ihn abstellen. Aber ohne diesen Zweifel würden wir die anderen nicht mehr entdecken und berühren wollen, würden nicht mehr neugierig sein können auf das, was entsteht, wenn wir einander begegnen und begehren.

Ohne Zweifel und das genaue Hinhören,

ohne das Dialogisch

wären wir nicht mehr lernfähig,

nicht mehr lustvoll,

nicht mehr wir selbst.“

 

 

Das kleine Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht.