Khalil. Flucht aus Syrien

 

 

Lukas Ruegeberg, Christel Neudeck, Khalil. Flucht aus Syrien, Butzon & Bercker 2018, ISBN 978-3-7666-2415-4

 

Christel Neudeck, die zusammen mit ihrem Mann Rupert Neudeck den gemeinnützigen Verein Cap Anamur gründete und viele vietnamesischen Bootsflüchtlingen vor langer Zeit das Leben rettete, hat seitdem nicht aufgehört, sich um Flüchtlingen überall auf der Welt zu kümmern.  Das, was im Jahr 2015 und den folgenden Jahren vielen Menschen widerfahren ist, die aus dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Syrien fliehen mussten, um ihr Leben zu retten, hat sie in einer Geschichte erzählt, die Lukas Ruegenberg eindrucksvoll illustriert hat.

 

Es erzählt die Geschichte von Khalil, der mit seinem Onkel Baran, seiner Tante Janda und deren Baby Gilan sich auf den Weg aus Syrien heraus macht.  Nachdem Khalil erlebt hat, wie sein Freund Amin bei einem Flugzeugangriff ums Leben kommt, und er nur knapp überlegt, ist er sicher, dass er nicht zu den Soldaten will und nicht wie Amin sterben will.

 

Schweren Herzens stimmen seine Eltern seiner Flucht zu und geben dem Onkel Geld, dass er ihren Sohn mitnimmt auf den Weg nach Europa.

 

Unter großen Gefahren gehen sie den langen Weg bis zur türkischen Grenze, immer wieder bedroht von Angriffen der Soldaten. An der Grenze kriechen sie durch einen dunklen Tunnel und müssen dann für jeden 800 Dollar bezahlen, damit sie in einem Schlauchboot die gefährliche Überfahrt auf die Insel Samos wagen können. Damit das Boot nicht untergeht im Sturm müssen sie ihr ganzes Gepäck ins Wasser werfen.

 

Dann wird eindrucksvoll der lange Weg von Samos nach Athen und von dort über die sogenannte Balkanroute bis nach Deutschland beschrieben.

Viele Ängste muss Khalil ausstehen und als er mit der Familie seines Onkels endlich glücklich in Deutschland angekommen und dort von vielen Menschen willkommen geheißen wird, da ist ihm klar, dass er zwar in Sicherheit ist, dass es aber in der Zukunft im neuen Land schwer für ihn werden wird. Doch es wird Menschen geben, die ihm helfen werden.

 

Zu dieser menschlichen Hilfe lädt auch der Erzbischof von Köln Rainer Maria Woelki in seinem Vorwort ein, das er für dieses beeindruckende Bilderbuch geschrieben hat.

 

Die großen Fluchtwellen sind vorbei. Mittlerweile haben die vielen Khalils schon recht gut Deutsch gelernt und vielleicht auch schon eine Ausbildung begonnen und sich erfolgreich in ihrer neuen Heimat integriert. Doch die Angst bleibt. Schon fordern erste politische Stimmen, dass syrische Flüchtlingen wieder zurück ihr Land gebracht werden sollten, um dort den Aufbau des Landes zu unterstützen. Was würde dort unter der nach wie existierenden Herrschaft Assads mit ihnen geschehen?

 

Deshalb ist das vorliegende Bilderbuch nach wie vor aktuell.