Der Sonne nach

 

 

 

 

Gabriele Clima, Der Sonne nach, Hanser 2019, ISBN 978-3-446-26260-7

 

Wer das Buch „Ziemlich beste Freunde“ vor Jahren gelesen oder den Film gesehen hat, wird auch an dem hier vorliegenden, 2017 mit dem Andersen Preis für das beste Jugendbuch ausgezeichnete Roman von Gabriele Clima mögen.

 

Schon 2016 in Italien erschienen erzählt das Jugendbuch von dem 16-jährigen Dario. Nachdem der Vater die Familie verlassen hat, ist aus Dario ein auffälliger Junge geworden, der voller Wut in der Schule randaliert. Nachdem er zum wiederholten Mal ausgeflippt ist, soll sich Dario als Strafe auf eine unbestimmte Zeit um einen „Menschen mit besonderen Fähigkeiten“ kümmern. Er wird mit der ehrenamtlichen Pflegebegleitung eines geistig und körperlich behinderten Jungen namens Andy beauftragt. Er soll ihn in seinem Rollstuhl spazieren fahren und auf ihn aufpassen. Da Dario noch nicht mal auf sich selbst aufpassen kann, scheint er mit dieser Aufgabe doch überfordert.

 

Doch Dario hat von seiner Aufgabe seine eigenen Vorstellungen und beschließt  Andy auf die Suche nach seinem Vater mitzunehmen, den er in einem Ort am Meer vermutet. Es wir deine abenteuerliche Reise, auf der Dario immer mehr lernt, die feinen Signale zu lesen, die der schwer behinderte Andy ihm sendet. Er lernt diesen „Halbidioten im Rolli“, wie er ihn zunächst genannt hat, mit anderen Augen zu sehen.

 

Was Gabriele Clima aber vor allem wunderbar beschreibt, ist die Veränderung die in Darios Innerem vor sich geht. Unterwegs mit Andy lernt er, dass es nicht die anderen sind, die für seine Wut und sein Schicksal verantwortlich sind und er spürt zunehmend, dass er trotz seiner verfahrenen Lebenssituation durchaus  die eigene Wahl hat, welchen Weg er in seinem Leben gehen will.

 

Gabriele Clima ist es auf eine sehr poetische und glaubwürdige Weise gelungen, die jeweilige emotionale Innenwelt der beiden Protagonisten darzustellen und zu beschreiben.

Es ist ein witziges und ehrliches Buch, voller Abenteuer und kurioser Szenen, das man nicht aus der Hand legen möchte bis man zu seinem verblüffenden Schluss gekommen ist.

 

Eine absolut gelungene Coverversion von „Ziemlich beste Freunde.“